Familienfeiern …

…sind grauenhaft. Hat man aber keinen wichtigen Grund, um abzusagen (je nach Familienfeier ist noch nicht mal der eigene Tod entschuldigt, weil man dann u.U. sogar der Versammlungsgrund ist), muss man sich wohl oder übel darauf mental vorbereiten.

Um nicht wie völlig senil dazustehen, sollte man vorher schon mal anfangen, die Fotoalben durchzuwühlen, denn irgendwie ist es ja doch peinlich, wenn sich alle darüber einig sind, das man Sylvester 1978 Tante XY auf den Schoß gekotzt hat, man selbst diesen Umstand aber natürlich mit viel Mühe erfolgreich verdrängt hat. Spätestens nach dem Kaffee wird man wieder lautstark daran erinnert.

Was mich aber am Meißten abschreckt, ist die Tatsache, das man stundenlang mit Menschen zusammen sitzen muss, die sich während des übrigen Jahres glücklicherweise in alle Windrichtungen zerstreut niedergelassen haben. Die dann eigentlich nach der ersten Fütterung nur auf die Zweite warten und sich die Zeit dazwischen mit Erinnerungen an Peinlichkeiten (s.o.), Durchhecheln von nicht anwesenden und das fachlich hochkompetente Diskutieren über Ommas Dekubitus (incl. Beschreibung von Gerüchen, zukünftige Ausmasse usw.) ausfüllen.

Bei der heutigen Tauffeier hat sich die Sippe während des Mittagessens z.B angeregt darüber gestritten, ob es nun in Griechenland oder in Spanien die größeren Kakerlaken gibt, und das man – übrigens auch hier in deutschen Restaurantküchen – bitte NICHT drauftreten soll, weil man dann ja die Eier unter den Sohlen hat und sie dann überall verteilt. Ach, meinte Mutter, was hatten sie doch einen Spass beim Drauftreten, bis der Kammerjäger…. Jaaaaa! DAS will man beim Schweinelendchen hören! Lecker!

Ist es kein Ungeziefer, kommen die Krankheiten: „Bei Cervinskis ihrn Dackel hat datt ja genauso anjefangen. Der hatt nacha aussn Hintern jebluutet un nur unter sich jeen lassen. Auffn Flokatti vonne Omma. Hach, nee, immer disse Sauerei bissa Doot war… – Hasse nowatt vonne Sooße?“

Da macht das Zusammensein doch so richtig Spass. Der Kleine matscht mit dem Gemüse, die Nichte stopft alles in sich rein, was sie kriegen kann, Vater erzählt, wie man am Besten von Hamburg nach Rüdesheim kommt (incl. Brückenhöhen, denn er ist Fernfahrer), Opa merkt eh´nichts mehr, und Ommas Teena riecht ähnlich wie der Blumenkohl.

Also, ich bin ja froh, wenn dann alle wieder in die verschiedenen Windrichtungen abreisen.Und ich wieder meine Ruhe habe. Es gibt ja schließlich auch noch ein Leben ohne die bucklige Verwandtschaft. Glaube ich. Denn wie hieß damals dieser schlechte Zombi- Film:

„Manchmal kommen sie wieder.“

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Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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4 Antworten zu Familienfeiern …

  1. Florian Schultheis schreibt:

    Wie wahr, wie wahr…

  2. A.H. schreibt:

    Wenn die Großeltern schon seit Jahren nicht mehr leben und die Familienfeier-Runde jedes Jahr von Gevatter Tod ein wenig mehr ausgelichtet wird, dann kommt irgendwann der Punkt, an dem man sich genau das von Dir beschriebene zurückwünscht. Also, genieße deine schrecklich netten Familienfeiern, solange noch alle beisammen sind.

    In diesem Sinne, schöne Weihnachten! 🙂

  3. Micha schreibt:

    Hihihi, woher kennst du meine Familie? 🙂

  4. Scully schreibt:

    Schön zu wissen, dass es überall so chaotisch und ‚harmonisch‘ zu geht. Aber dann wird man einmal im Jahr daran erinnert, WARUM denn alle nicht öfter beisammen kommen. Muss auch mal sein. Und danach weiß man jede selbst erwählte Gesellschaft gleich mehr zu schätzen 😉
    Und wenns für nix taugt, als Beispiel isses immer zu gebrauchen. Und wenn als Schlechtes.

    In dem Sinne: Frohes Neues!

    Ach so: Bei uns hätte der Pflegehund der Verwandtschaft fast (schlimm genug …) den Kellner angefallen und Oma den Onkel angefleht, doch bitte die Batterien aus den vorgeschriebenen Rauchmeldern zu nehmen, damit die Nachts auch ja nicht losgehen können, weil man Nachts ja keine Leiter findet, um die aus zu machen (dass die Knöppe zum Stummschalten bei Fehlalarm inzwischen groß genug sind, um sie mit einem Besenstiel aus 10m freifliegend zu treffen, ist glaub ich inzwischen angekommen, aber ich hab immer noch die Befürchtung, dass sie im Zweifel erst den Besenstiel suchen geht, bevor sie sich mit der Frage befasst, warum das vermaledeite Ding losgeht … Nicht aus Verworrenheit, sondern einfach um Recht zu behalten). Aber der Dialekt war derselbe =P
    Da waren die Ausführungen der näheren Verwandtschaft zu beruflichen Themen, von denen ich wenig Schimmer habe, fast entspannend. (Tante (quer übern Tisch): „Ach, und wegen die Susi, ich …“ – Ich: *flüster* „Pssst! Papaaaa! Hil-fäää!“)

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