Der Schlangenbiss

…oder: „-Die tut nichts!“

Dass ich vor einiger Zeit an einem Seminar zum Fang und Transport von Reptilien teilnehmen durfte, erwähnte ich ja bereits.

Kurz darauf bekam meine Stammwache einen Einsatz: „Schlangenfund x-Straße“. Meinem Wachführer fiel in dem Moment ein, das ich ja diese etwas spezielle Fortbildung hatte. Leider war ich auf einem von der Wache abgesetzten Rettungswagen eingeteilt. Da man gute Männer aber immer brauchen kann (*strunz*), ließ er kurzerhand „meinen“ RTW nachfordern. Also mit Alarm zur Einsatzstelle.

Dort angekommen, musste ich feststellen, dass das Löschfahrzeug schon vor Ort war und ein testosterongeschwängerter Kollege „mal eben“ ein Handtuch über das von Anwohnern bereits in einen Eimer getriebene Tier geworfen und damit in einen Karton verfrachtet hat. Bestimmen konnte der Kollege das Tier natürlich nicht, es hätte alles mögliche sein können.

Zu seinem Glück handelte es sich nur um eine Kornnatter, die für den Menschen nicht gefährlich ist.

Denn a) wäre es für die Schlange ein Leichtes gewesen, sich unter dem Handtuch hinwegzuwinden, um auf dem mutigen Kollegen etwas rumzukauen, und

b) hatte der Karton, in den er die Natter verfrachtete, daumengroße Löcher an den Seiten. Für die Schlange also eine Aufforderung zum Ausbruch.

Jetzt war das Tier wohl aber froh, endlich in Ruhe gelassen zu werden, und fing eben an, sich in dem dunklen, warmen Karton einzurichten.

Doch dann:

Auftritt des „Experten“ der Polizei.

Dieser Kollege avancierte wohl durch das hobbymäßige Halten einiger Reptilien – welcher Art auch immer – zu einem unter Polizeikollegen geschätzten „Fachmann“.

Wie das bei Leuten solchen Schlages aber so ist, verleitete ihn der Respekt der Kollegen anscheinend dazu, jetzt „den Dicken zu geben“:

Anstatt das Kriechtier womöglich mitsamt Karton in ein sicheres Transportbehältnis zu packen, riss er sogleich den Pappdeckel hoch, identifizierte die Schlange, die ihn entsetzt anschaute wie eine Katze, die man im Katzenklo erwischt, als „bloß ’ne kleine Kornnatter“, ergriff sie mit der ganzen Hand und fing an, das zusammengerollte Tier zu drehen und von allen Seiten zu befingern, um uns zu zeigen, was für ein todesmutiger, toller Hecht er doch ist. Dabei wunderte er sich noch, das die Schlange ja „ziemlich agil“ ist, was ihn eigentlich schon dem Tier zuliebe dazu bewegen sollte, mal etwas Ruhe einkehren zu lassen. Denn die Nervosität des Tieres war nach dem Eineimern durch die Anwohner, dem unsanften Umsetzen durch den Feuerwehrler (Feuerwehr- Motto: „Bombensicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit“) und dem Rumgeschleuder in der Hand des „Polizei- Prinzen Platzda“ wohl verständlich.

Die Strafe für dieses etwas großkotzige, mehr auf das Streicheln des Egos und weniger auf professionalität ausgerichtete Verhalten kam dann aber wenig später.

Unser Wachführer wollte nämlich erst die Gelegenheit beim Schopf und dann die Schlange fassen, denn wer hat auch schon mal eine Schlange gestreichelt?

Der immer noch lustig mit der mittlerweile ziemlich angenervten Natter herumhantierende „Experte“ hatte noch nicht ganz die Worte ausgesprochen: „Die ist total harmlos. Überhaupt nicht agressiv. Die beißt nicht.“ – Da hört die Natter ihr Stichwort und schnappt erst in die Hand unseres Führungspersonals, dreht sich um und hängt sich mit den Zähnchen in den Handballen des verdutzten Polizisten! Das Timing hätte nicht perfekter sein können.

Ich hätte ja am Liebsten laut losgebrüllt!

Aber man möchte ja niemanden verärgern. Wer weiß, wo man sich wiedertrifft…

Unser Wachführer hat sich dann sicherheitshalber nochmal gegen Tetanus impfen lassen. Und wird sich demnächst vielleicht nicht sofort auf jeden selbsternannten „Experten“ verlassen.

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Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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