Die Nacht des grauenhaften Monsters

oder: Der unglaubliche Schädlingsbefall bei der Feuerwehr

Vom letzten Einsatz waren wir etwa eine halbe Stunde wieder zurück, da klingelt um 00.34 in unserer Wache das Telefon. Echt jetzt: halb Eins!

Der Zugführer einer anderen Wache ist am Gerät: „Hömma, ich mussma euern Wachführer sprechen.“ – „Öh, ja… Der schläft aber schon.“

„DAS IST MIR JETZT VÖLLIG EGAL!!!“, rotzt es aus dem Hörer, als wollte er mir die Grütze durchpusten! Anfangs kräftig in der Präsenz, dann aber panisch im Abgang, der Gute.

Also, ein einfaches „Ich muss ihn aber trotzdem sprechen.“ hätte ja schließlich auch gereicht. Ein Benehmen am Kopp…

Ich lege ihn also in die Warteschleife, rufe den Wachführer aus und fange an, mir sein Anliegen zu deuten: Hatte ich auf der Einsatzfahrt vielleicht einen Spiegel abgefahren, und der Geschädigte wartet jetzt auf mich? Hatten sie vom Rettungsdienst eine Seuche als Mitbringsel bekommen, und wir müssen die Zugwache bis zur Dekontamination besetzen? War der Papst gestorben? Ich hatte keine plausible Erklärung.

Da kam auch schon der leicht verschnupfte Wachführer um die Ecke. „Ruf mal die anderen zum Auto. Wir müssen nach 1. Uns was angucken. So’n Blödsinn… Mitten in der Nacht…“

Im Auto fragte ich nochmal, was denn jetzt da los sei. „Frag nicht. Das willst du garnicht wissen. So’n Blödsinn. – Die wollen, dass ich mir eine Kakerlake angucke!“

„BITTE?“ – „Ja, die haben da irgend so ein Viech gefunden. Bekloppten, die. Kann ich nicht am Telefon beurteilen. So’n Scheiss.“

-Der Kollege mit der Verstandsbremse hat nämlich einen Nebenjob als Schädlingsbekämpfer. Ah ja, da waren wir jetzt aber gespannt!

Nach 6km Stadtfahrt auf der Nachbarwache angekommen, konnten wir von außen schon im gar prachtvoll illuminierten Treppenhaus die halbe Löschzugbesatzung erkennen, die angeregt miteinander diskutierte.

Unser Fliegenfänger also rein. Hinter den Fenstern sehe ich, wie er das Treppenhaus raufgeht, auf eine Leiter steigt, mit der Handlampe über einen Fenstersturz leuchtet, einmal mit dem Finger reinpiekt und kopfschüttelnd wieder herabsteigt.

Zurück im Löschfahrzeug musste er erst mal tiiiief Luft holen, bevor es rausplatzte: „Hömma, disse Spacken! Weisse, warum die mitten inne Nacht anrufen? Bescheuert sind die! Weisse, wattat war? -Ne Motte! Der halbe Löschzug ist nicht in der Lage, eine Motte zu erkennen! Boh, ey, da wirsse bekloppt. Fahr bloss los!“

Ich glaube, der Kollege ist so knapp an einem Schleudertrauma vorbeigeschrammt. Wegen dem unablässigen Kopfschütteln auf dem Rückweg. Wie Parkinson.

Motte geflüchtet, Einsatzende…

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Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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