Wenn bei der Feuerwehr ganz tolle Helden sind

oder: Wenn man sich alles selbst kaputt macht

Eigentlich ist es ja ganz einfach: Man macht seinen Einsatzdienst, weitgehend nach Vorschrift, und wenn es die Situation erlaubt, kann man von der einen oder anderen Vorschrift mal abweichen. Zum Beispiel zum Aufräumen einer Unfallstelle statt der Lederhandschuhe mal eigene Arbeitshandschuhe einsetzen, die „gefühlsechter“ sind. Oder auf der Rückfahrt mit Dienstfahrzeugen am Kiosk mal kurz anhalten, Kippen holen. Oder im Dienst das T-Shirt tragen, dass man im Urlaub bei einem Besuch der dortigen Feuerwehr geschenkt bekommen hat. Sowas eben.

Dieses wird auch oft von den Vorgesetzten toleriert, wenn es im Rahmen bleibt.

„Aus gegebener Veranlassung“ gibt es bei uns deswegen aber immer wieder auch Kniest. Nämlich dann, wenn sich die Kollegen Feuerwehrangehörige dermaßen daneben benehmen, dass es das Ansehen der Feuerwehr beschädigt. Das fällt nämlich auf alle zurück. Auch auf mich. Und das scheinen einige besondere „Superhelden“ nie zu kapieren, bzw. ihnen ist es anscheinend völlig egal. Hauptsache, sie sind Cool. Was immer das für sie auch bedeutet.

Denn: Welch ein Kleingeist steckt dahinter, wenn Einsatzkräfte mit einem orangefarbenen Jägermeister- Shirt am Einsatzort rumlaufen? Oder mit einem Shirt mit der Aufschrift „1. Deflorationskommando“ zum Rettungseinsatz fahren? Ich möchte mir auch nicht vorstellen, was in mir vorgehen würde, wenn Omma in den letzten Zügen liegt, und herein kommt ein „Mensch“ mit der Shirt- Aufschrift „Saufen, bis der Notarzt kommt“ !!! Obwohl, eigentlich doch: Ich glaube, ich würde diesen Rettungsrambo ernsthaft fragen, ob er einen an der Pfanne hätte. Wenn die Zeit noch da ist, würde ich eventuell sogar ein anderes Auto bestellen. Denn so ein Shirt lässt auch tief in die Prioritäten im Dienst blicken.

Dass so ein Verhalten absolut schädlich für ALLE Feuerwehrangehörigen ist, weil der Bürger nicht zwischen „diesem einen Vollpfosten“ und „der Feuerwehr“ unterscheidet, dürfte jedem mit ein bisschen Hirn klar sein. Wenn dann entsprechende Beschwerden kommen, kommen sie mit Recht. Ich kann auch nicht die Kollegen verstehen, die mit Kollegen Leuten mit solchen modischen Entgleisungen widerspruchslos Dienst machen. Das ist eben NICHT nur „seine Sache“.

Im aktuellen Fall wurden dann auch mal wieder alle ganz klar auf die Kleiderordnung hingewiesen. Alle Einheitsführer wurden dringend dazu angehalten, darauf zu achten: Niemals-nicht-und-unter-keinen-Umständen Privatkleidung. Wo will man denn auch eine Grenze ziehen? Die betreffenden Intelligenzallergiker versuchen dann ja sofort zu diskutieren!

So. Und mein einfaches, blaues Polo mit der 7cm langen, dezenten Stickerei „Feuerwehr“ auf der Brust zählt jetzt natürlich auch zu den „verbotenen Textilien“. Weil es solche gehirnamputierten Idioten gibt. Mein einfacher blauer Pullover ganz ohne Aufdruck natürlich auch. Und das jetzt zum Winter. Wo ich die durch die Feuerwehr ausgeteilten Pullover damit aufgestockt hatte, weil ich jede Schicht einen frischen anziehe.

Das hätte auch eigentlich niemals jemanden interessiert.

Wenn diese tollen Helden sich nicht immer wieder durch solch geistigen Diarrhoe hervorheben müssten. Ohne auch nur einen Moment damit zu verschwenden, darüber nachzudenken, ob das „geile Sprüche- T- Shirt“ auch so lustig bei jemanden ankommt, dessen Vater gerade stirbt, und der auf qualifizierte Hilfe wartet.

Das Gleiche gilt auch für viele weitere Beispiele, sowohl bei BF als auch bei FF: Verbale Entgleisungen gegenüber Bürgern, Alkohol in Dienstkleidung, Profilierung vor der Presse durch Ausplaudern von falschen Informationen, flachsige Sprüche bei Unfällen und vieles mehr. Mann, ich könnte eine Dissertation darüber schreiben, was ich da schon alles mit ansehen musste!

Also, Leute, so gerne man auch mal „den Dicken“ raushängen lassen möchte: Denkt mal darüber nach, wie es nach außen wirkt, was ihr so treibt! Denn im Dienst sind wir eben keine Individualisten, wir sind für Aussenstehende immer allgemein „Der Rettungsdienst“ und „Die Feuerwehr“!

So. Und jetzt nehme ich meine Betablocker und versuche, wieder runter zu kommen. So ein Ärger verkürzt nämlich das Leben, und dafür habe ich keine Zeit mehr.

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Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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