Häuslebauer

Manchmal läuft ja doch was interessantes im TV. Gestern Abend zum Beispiel: Ein Bericht über so eine westafrikanische Dorfgemeinschaft und deren Leben. In Lehmhäusern.

Im Laufe des Beitrages wurde dann ein Pärchen begleitet, die bei ihren Familien ausziehen, um sich eine eigene Hütte zu bauen. Tja, jetzt muss man sich aber nicht vorstellen, dass das in der Steppe so ohne weitere Genehmigungen funktioniert! Denn wie hierzulande ist auch dort „auf Gemeindeebene“ eine Baugenehmigung erforderlich. Könnte ja sonst jeder seine Hütte wie Kraut und Rüben in die Gegend setzen! Was sollen denn die Gazellen denken…

Allerdings ist das Genehmigungsverfahren dort wesentlich einfacher:

Das Pärchen nahm sich zwei Hühner, taperte mit dem Dorfältesten vor die Siedlung und fragte unter Vorhalt des Kleinviehs brav um Erlaubnis. Nachdem das Bauvorhaben dann abgekaspert war und der Dorfvorstand die Hühner begutachtet hatte, wurden sie an Ort und Stelle geschlachtet. Also, die Hühner.

Auch mit dem erforderlichen Baugrund ging es wesentlich einfacher als hierzulande: Da dieses Völkchen der sehr sozialistischen Auffassung ist, niemand könne privaten Boden als Teil der Erde wirklich „besitzen“, bestimmte der alte Bürgermeister per vager Handbewegung, wo die Hütte denn nun gebaut werden darf. Ihn interessierte weder Statik noch Brandschutz. (Ich habe jetzt aber nicht ganz mitbekommen, ob die Geschossanzahl oder die maximal zu versiegelnde Sickerfläche vorgegeben wurde…)

Alsdann wurden durch die Gemeinschaft „mal eben“ Lehmziegel bereitet und die Butze geknetet. Schlüsselfertig. Nur ohne Fenster. Vonwegen dem Klima.

Was ist das für eine wunderbare Vorstellung, diese Vorgehensweise auf unsere Breiten zu übertragen!

Man geht mit seinem Schatzi ohne notariell beglaubigter Grundstücksurkunde, ohne Baupläne oder statischen Berechnungen nicht zu irgendwelchen vorgeschobenen Büromöbelokkupanten, sondern direkt zum Onkel Bürgermeister. Mit einem schönen westfälischen Schinken auf der Schulter, ein Messer zum Anschnitzen desselben, einer Buddel Wein (Bürokratie ist ja so trocken) und für seine Frau einen Kasten Pralinen.

Wenn man sich dann in seinem Büro ein wenig am Schinken verköstigt hat und der Wein so richtig schmeckt, fuchtelt der Amtmann mit seinem Aktenordner in Richtung Fenster, faselt etwas von „Da drüben anne Kirche iss‘ nochn Platz. Vorm EDEKA…“, und gut ist.

Auch beim Bau währe es erheblich einfacher: Alle Nachbarn bis 3 Straßen weiter kommen mit ihren Schüppen und packen mit an, man muss dem Zoll nicht begründen, wieso die Leute keinen Nebenerwerb als HiWi angemeldet haben, und von dem gesparten Geld gibt es jeden Abend eine Grillparty. Na gut, Bier erst nach Feierabend, sonst sitzt das Dach nachher nicht so richtig…

Wäre das nicht schön? Was könnte das Leben doch einfach sein!

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Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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