Der Placebo-Effekt

„Schmerztherapie bei Pat mit Rücken“ hieß es auf dem Rettungsdienst- Melder. In einer Wohnsiedlung angekommen, lag in seinem Wohnzimmer ein Mann mit- sagen wir mal – enormer erotischer Schwungmasse auf dem Boden und jammerte. Bei jeder Bewegung quiekte er los wegen starker Rückenschmerzen. Aufsetzen ließ er sich schon mal garnicht! Die Ärztin hatte den Verdacht, dass er eine Blockade o.Ä. im Rücken hatte, da die Schmerzen „einfach so aus der Bewegung heraus“ kamen.

Die Tür indeß war so schmal und zusätzlich noch durch einen Schrank verengt, dass wir schon fürchteten, den Patienten zum Liegendtransport durch die entrahmte Fensteröffnung zu schieben.

Nun weiß jeder, der es mal versucht hat, wie schwierig es bei adipösen Patienten sein kann, einen Zugang zu legen. So stocherte auch unsere Ärztin munter drei bis vier Mal drauf los, bis sie eine Nadel in eine Vene bekam. Um sicher zu gehen, dass der Zugang auch da liegt, wo er hingehört, ließ sie sich etwas Kochsalzlösung zum Anspritzen geben. Und da sie fürchtete, bei Gabe von Schmerzmitteln könnte der Patient eventuell die Augen ganz nach hinten drehen, versuchte sie einen Trick: Sie spritzte die Lösung (wohlgemerkt, nur Wasser mit ein paar Elektrolyten, 10ml!), und sagte zum Patienten: „Sooo, habe Ihnen jetzt ein Schmerzmittel gegeben, das müsste gleich besser werden. Wird etwa 2 Minuten dauern.“

Und das Wunder geschah: Nach noch etwas gutem Zureden und der Behauptung der Ärztin, dass das „Mittel“ jetzt wirkt, stand der Herr mit unserer Hilfe und unter Stöhnen (übrigens alle, nicht nur er!) auf – und wackelte mit seinen geschätzten 160kg zur Trage vor der Tür!

Wir mussten uns tierisch zusammenreißen, um uns nicht zu verraten! Jedenfalls war das eine Win-Win- Situation: Wir mussten nicht schleppen, seine Wohnzimmeraussenwand blieb ganz (Wie gesagt: Der Rahmen des Fensters hätte MINDESTENS rausgebrochen werden müssen!), im Krankenhaus wurde die Diagnostik nicht durch Schmerzmittel verfälscht und bei der weiteren Medizierung brauchte man auch keine Rücksicht auf vorher gegebenes nehmen. Somit war unser Einsatz minimal invasiv…

In der Tat wurde später „nur“ eine muskuläre Blockade festgestellt. Also alles richtig gemacht!

-Und versäumen Sie auch nicht demnächst in diesem Lichtspielhaus: „Placebo II – Akkupunktur light“!

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Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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