Xanten: Grenzbezirk Reloaded

Neulich meinte mein Weibchen, es wäre mal wieder Zeit für einen Ausflug.

Paris?- Meine Geldbörse bekommt Kopfweh.

Düsseldorf? – Dann habe ich am nächsten Morgen Kopfweh.

Köln? – Dann bekommt sie vom Dialekt Kopfweh.

Also mal was Kultur auf die Brille: Xanten!

Bekannt für die längste Theke den berühmten Dom den Rotlichtbezirk – Mann, was war das noch? Ach ja, der Ärchäologiepark! Weil: Xanten war ja Grenzgarnison. An der Grenze zur antiken „Ostzone“, in der ihnen die Sachsen in der Varusschlacht gezeigt hatten, wo der Frosch die Locken hat. Anschließend dachten sich die Römer: „Och nööö, hier, westlich am Rhein, ist ja auch eine schöne Gegend…“ und blieben dort.

Alte Steine in Umzäunung, Staubkratzer emsig unter Tomatenzelten im Boden wühlend, neue rekonstruierte Türme und Mauern, ausserdem eine Wellnessanlage, die aber auch noch bei Gelegenheit weiter ausgegraben wird. Ja, und das Museum natürlich, auf dass ich als keusch erzogener Jüngling (wer lacht da??) später zurückkommen muss. Das ist Xantens Park.

Aber erst mal zur Anlage selbst: Die Strassen der antiken Siedlung wurden als Allee angelegt, dazwischen meißt Wiesen mit Fassonschnitt, auf denen man aber keinen Fußball spielen darf. Da standen nämlich mal Häuser, die man sich aber vorstellen muss. Damit das auch klappt, haben sie dort Infotafeln, und in einer Ecke grundrissmäßig sowas wie einen Irrgarten angelegt, mit Hecken. Und Pfosten, auf denen mal Schilder waren. Ja: Waren. Denn bis ich ein unversehrtes Schild gefunden hatte und somit wusste, in was für einer Anlage ich gerade eine Ecke zum entleeren suchte (das war nämlich echt dringend!), dauerte es eine Weile. Und konnte darauf dann gerade noch rechtzeitig so eine Art Warnhinweis lesen, dass ich mich ja eigentlich in einer Bäckerei befand. Da macht man nicht einfach so in die Ecke, das gehört sich nicht…

Also Toilette aufgesucht, die sich auch kaum gefühlte 26km entfernt befand. Aussen römisch, innen modern. Zum Glück! Denn wie die Römer damals ihre „Sachen“ geregelt haben, konnte ich mir auch anhand von ausgegrabenen Resten und Beschreibungen vorstellen: In gemütlicher Runde saßen die Herren wie die Hühner auf der Stange auf einer langen Bank, in der in regelmäßigen, aber für zivilisierte und sich normal schämende Neuzeitmenschen viel zu engen Abständen Löcher gesägt worden waren, und während sie sich wahrscheinlich über die Wahl des neuen Senators oder die blöde Putzsklavin Tullia echauffierten, brunzten sie gemeinschaftlich ab. Weder die Aromen noch die Respekterweisungen der Sitzungsteilnehmer vermisse ich!

Anschließend reichte man sich womöglich noch gegenseitig den Stock mit dem daran befestigten Putzschwamm… Schon watt eklig…

Nun gut. Nachdem wir uns dann das imposante Nord- Doppeltor und eine künstliche Tempelruine (Don’t call it „Halbfertig“!) angesehen haben,

strömten wir beide in unaufhörlicher Schlange in das Museum. Und dort lernte ich, was dem Römer wirklich wichtig war: Pimmel!

Die Ferkel hatten überall Pimmel abgebildet! Pimmel auf Amuletten, Pimmel auf Spangen und Fibeln, Pimmel auf Suppentassen… Auf den Schildern stand zwar, dass sie es als „Symbol für Stärke“ und so abbildeten, ich wurde aber den Eindruck nicht los, dass sie bloß zeigen wollten, dass sie noch „können“ können. So wie heutzutage auch. Nur, dass heute keine Pimmel zur Schau gestellt werden, sondern auf Autos Aufkleber prangen. Oder was für einen anderen Sinn hat es, sich „Lisa an Bord“ oder „Kevin dabei“ – Aufkleber auf das Heckblech zu pflastern, als jedem unbeteiligten frohlockend mitzuteilen: „Hey, pack deine Frau wech! Ich kann Kinners machen! Boo-Ya!“

Pimmel. Überall Pimmel.

Mausi meinte beleidigt, das hätte wohl ehr was mit der Unterdrückung der Frau und dem Patriarchat an sich zu tun. Scheiß Testosteronbullen, diese römischen Italiener, diese…

Ja, und einen Hang zum Kitsch hatten sie auch: Öllampen in Fussform, bei denen es aus dem dicken Onkel leuchtet, Hasis als Salbölbehälter, kackbunte Fliesen, Kinderköpfe aus Glas als Vasen (heute haben die Blagen so oft nix in der Birne, dass man diese Vasen eigentlich nicht mehr braucht…), nackige, kleine Bronzejungs als „Stummen Diener“ (ausnahmsweise mit kleinem Puller), und so ein Zeugs eben.

Nachdem wir Museum und Badehaus abgefrühstückt hatten (2 Stunden haben gerade so gereicht, um das nötigste zu sehen), sind wir noch zum Amphitheater gesprintet. „Halbe Stunde noch, dann machen die dicht!“, und waren auch „schon“ (nach ca. 5,5 Stunden) wieder draussen. Nun ja, so einiges hatten wir zwar leider nicht sehen können, aber ein Nachmittag ist eben etwas kurz.

Aber dass die ollen Römer schwanzlastige Ferkel waren, das haben wir gelernt.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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5 Antworten zu Xanten: Grenzbezirk Reloaded

  1. goforshow schreibt:

    Die Römer schwanzlastige Ferkel…? Also, ich will nicht bestreiten, dass deine Beiträge humorvoll sind, aber von Themen, die man nicht versteht, sollte man möglicherweise Abstand nehmen. Versteh mich nicht falsch, aber dieser Kommentar geht dann doch in eine Richtung, die ganz eindeutig zeigt, dass du keine Ahnung hast, was Rom war. Ich würde die Beschäftigung damit empfehlen, denn, glaube mir, es ist viel krasser, als du es je verwitzeln könntest.

    Und wenn wir schon von Schwänzen reden, und das dein bevorzugter Focus ist, Himmel, dann beschäftige dich lieber mit den alten Griechen, auch wenn du dafür nach Berlin ins Museum musst. Die bieten noch viel „schwanzigere“ Geschichten… Viel Spass!

    • firefox05c schreibt:

      Das das römische Reich aus mehr bestand, ist mir klar. Dass sie damals noch hundert andere Symbole hatten, auch. Es war mir in diesem Museum aber aufgefallen, dass
      a. dieses Symbol doch sehr häufig ausgestellt wurde, was natürlich nicht repräsentativ sein muß, und
      b. gerade Symbolik dieser Art vor einigen Jahren lieber totgeschwiegen wurde (siehe z.B. auch pornographische Grafitti in Ägypten).
      Das der Eindruck entstanden ist, ich würde die damalige Kultur darauf reduzieren, war nicht beabsichtigt. Es war lediglich ein Absatz dieses Artikels.
      Da im Geschichtsunterricht so etwas ebenfalls nicht auftauchte, war ich eben etwas überascht.
      Und das ich Ahnung von der römischen Geschichte habe, nur, weil ich mal in Xanten war, glaubt eh´ keiner… 😉

    • rettungsdienstblog schreibt:

      Heyhey,

      ganz ruhig bleiben. Nur weil man einmal einen Blogeintrag dazu schreibt, glaubt hier keiner, dass Firefox05c auch ein Rom-Experte ist….und ich denke, die Leser haben den Text mit der notwendigen Portion Humor eingenommen. Solltest du auch!

  2. goforshow schreibt:

    Es war auch nicht böse gemeint, liegt wahrscheinlich an meiner „Ausbildung“, dass ich so reagiere, aber es ist manchmal nicht ganz leicht, solche Dinge dann unkommentiert sein zu lassen. Geht mir wahrscheinlich ähnlich wie dir, als du dieses Feuerwehr-Wimmelbuch in Augenschein genommen hast und dann dachtest, die Frau nimmt dich auf’n Arm. Insofern: Hut ab, dass du so positiv reagierst. Davor habe ich wirklich Respekt! LG

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