Die Bügeleisen von „Emergency Room“

für Rettungsdienst –  und Feuerwehr – Laien

Jeder, der gerne Krankenhaus- Serien schaut, hat so ein Ding schon gesehen. Meißt wird es in mit lautem Gepiepse hinterlegten, hektischen Szenen eingesetzt, wenn ein Mensch einen Herzstillstand hat. Ein Schuß damit, vielleicht auch mal zwei, und meißtens schauen die Helden dann erleichtert auf die Maschinen, auf deren Anzeigen dann wieder irgendwelche Zackenlinien und Zahlen erscheinen. Ein Husten, ein Stöhnen, und der Patient steht auf und geht in eine Frittenschmiede. So eine Reanimation macht hungrig.

Das ist Fernsehen. 😉

Daher hier für Laien mal eine vereinfachte Beschreibung, was man mit einem „Defi“ wirklich macht.

Zur Beladung z.B. eines Rettungswagens gehört auch so ein Ding, ein „Defi“, sauteuer und bunt.

tragbares Retter-TV

Dieser Aparillo heißt Defibrillator. Von med. „Fibrillation“, der Zuckung einzelner Muskelfasern, in diesem Falle am Herzen. Die Vorsilbe „De-“ verrät, dass mit diesem Gerät damit Schluß gemacht wird. So. Und damit wird schon mal der erste Unterschied zum Film deutlich: Ein Herz wird „de- fibrilliert“, wenn es unkontrolliert zuckt. Und nicht, wenn es sich garnicht mehr rührt.

Also: Wenn ein Herz so starke Rhythmusstörungen bekommt, dass die Muskelfasern ein Eigenleben entwickeln und somit keine ordentliche Pumpleistung mehr zustande kommt, wird einmal mit den Bügeleisen draufgehalten und dem Herz ein Stromstoß verpasst, so dass sich alle Fasern einmal zusammen kontrahieren. Danach sind sie allesamt  „fertig mit der Welt“, machen erst mal Schluß, und wenn man Glück hat, beenden sie im Idealfall alle gleichzeitig wieder ihre gewerkschaftlich unter großen Opfern erkämpfte Pause – und arbeiten wieder zusammen. Puls wieder da, Patient wacht irgendwann auf. Also, wie gesagt: Im Idealfall.

Klappt aber oft nicht so gut. Stattdessen überzieht der Herzmuskel oft die Pause, sprich: Die Zuckungen sind weg, aber es fängt nicht sofort wieder an, zu schlagen. Ist aber auch gut, denn dann kommen die „real life“- Retter zum Zug: Durch Medikamentengabe und Herzdruckmassage wird das Herz angeregt, wieder einen Rhythmus zu finden.

Warum das „Fibrillieren“ erst unterbrochen werden muss? – Schon mal versucht, eine aufgebrachte, wild durcheinander quatschende Kindergartengruppe zum gemeinsamen Singen zu bringen? Die müssen auch erst mal einen Moment zur Ruhe gebracht werden. Sonst ist das, was da rauskommt, „indischer Sand“. Also, da ist zwar genug, ist aber nichts Wert…

Der Stromstoß muss auch im richtigen Moment abgegeben werden. Und damit der „Defi“ (jahaaa, ihr kennt jetzt Fachbegriffe!) diesen Moment auch findet, muss man vorher die EKG- Kabel anschließen. Dann wird statt dem hier zu sehenden Testbild auch der Herzschlag angezeigt. Oder eben auch nicht, je nachdem, wie der Patient gerade drauf ist.

Und solche schaurig- schönen Geschichten, dass bei Aldi einer vor der Kasse mit Herzinfarkt umkippt, und ein zufällig anwesender Arzt in der Warteschlange beherzt das Kabel aus der Kasse reißt, um damit den Patienten erfolgreich zu defibrillieren, könnt ihr getrost vergessen. Ist der gleiche Kappes wie die Vogelspinne in der Yukka-Palme. Von wegen richtiger Moment und so. (Abgesehen davon ist der Strom aus der Steckdose auch völlig ungeeignet zur Defibrillation. Der Wechselstrom macht mit dem Herzmuskel ehr das Gegenteil)

Außerdem gibt es an diesem Gerät noch Steckdosen für so Sachen wie automatische Blutdruckmessung, der Messung vom Sauerstoff- Gehalt im Blut und dem Kohlendioxid- Gehalt in der Ausatemluft. Alles Sachen, die auch für andere Notfälle schon mal interessant sind. Eine eingeschobene Speicherkarte zeichnet alles, was man mit dem Defi so macht, auf. Falls mal einer behauptet, wir hätten scheiße gearbeitet.

Ja, und ein Kartenleser für die Kassenkarte ist noch dran. Damit wir an die Patientendaten kommen, die wir brauchen. Es soll ja Patienten geben, die nicht mehr so richtig mitteilungsfreudig sind, aus welchen Gründen auch immer.

Ich fürchte, bei dem desolaten Gesundheitssystem geht der Defi demnächst ohne Karte gar nicht mehr an.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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4 Antworten zu Die Bügeleisen von „Emergency Room“

  1. Bist du es Peter Lustig?? 🙂 schön erklärt 🙂

  2. rettungsdienstblog schreibt:

    Meine urlaubsreifen Augen sehen den wunderbaren 08/16…benannt nach 08/15 😉 mit dem Untertitel Retter-TV 😀

    Noch besseres Retter-TV, weil wegen Bildschirm ist ja der C3…mit extra breitem Bildschirm für das Bundesligaspiel beim samstäglichen reanimieren…war doch so, oder? 😉

  3. Pingback: Retten, retten, retten..alles auf dem RTW – 1/2 | rettungsdienstblog

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