Was hängt denn da im Bahnhof rum?

Für Rettungsdienst – und Feuerwehr – Laien

Manchmal sieht man sie eingesperrt in roten oder grünen Kästen, mit einem Hinweisschild und dem Kürzel „AED“. In der Bahnhofshalle, im Schwimmbad, bei der Post oder an der Nähbude bei IKEA. Die Dinger haben wohl irgendwas mit Erste Hilfe zu tun. Aber was?

Nun ja, es ist kein Geheimnis mehr, dass bei einem Herzinfarkt jede Minute zuviel ist, die bis zur möglichst umfassenden Hilfe vergeht.

Hinweis auf einen AED

Und wenn die betroffene Person auch noch ohne Puls ist, wird es sehr eng mit der Zeit. In diesem Fall gibt es zwei Möglichkeiten: Die erste ist, dass das Herz komplett nichts mehr macht. In diesem Fall kann man dann zeigen, was man als Führerschein- Anwärter mal gelernt hat, und fängt mit der Herzdruckmassage an.

Der zweite Fall ist der, dass das Herz „Flimmert“, also jede Muskelfaser macht, was sie will. Nur nicht zusammen mit den anderen. Dieser Zustand ist sehr schädlich für das Herz und muss daher schnell beseitigt werden.

Aber wie erkennt z.B. Svetlana aus der Bahnhofshalle, die eigentlich beherzt eingreifen möchte, jetzt, was da vor ihr liegt?

Genau dafür und für das eventuelle Beseitigen des „fibrillierens“ gibt es „Defis“. Was das ist, konntet ihr schon hier nachlesen. Nur: Für dieses Rettungsdienst- Monster braucht man natürlich eine Ausbildung.

Anders beim AED, dem „Automatischen externen Defibrillator“, der hier und da schon mal vorgehalten wird. Dieser ist für alle da, die helfen wollen! Der macht nämlich fast alles selbst!

fred-aussen

Darf ich vorstellen: Fred Easy.

Sie sehen zwar sehr verschieden aus, sind aber im Grunde alle gleich aufgebaut. Ähnlich wie der nebenstehende AED , sind sie oft in einer Tasche oder einem Koffer gelagert, an sich sehr unscheinbar. Dieser hier heißt übrigens Fred Easy. Mit zum Set gehören die Elektroden zum Aufkleben und einiges anderes Zubehör, wie Rasierer für Halbaffen und Beatmungshilfe.

Die Funktion ist immer gleich: Man packt das Ding neben den Patienten, drückt den Knopf zum Einschalten und hört dem AED, der jetzt anfängt, mit einem zu reden, erst mal zu. Mehr muss man eigentlich gar nicht wissen!

Aber um die Versuchung zu nehmen, das Gerät bei nächster Gelegenheit mal heimlich einzuschalten, was sehr peinlich wäre, weil der AED so laut spricht, dass es jeder mitbekommt:

Nach dem Einschalten fordert Fred den Helfer auf, die Elektroden auszupacken, dem Bewußtlosen auf die abgebildeten Stellen zu kleben und dann den Stecker einzustecken. Damit hat der AED ein kleines EKG zur Verfügung, um den Zustand des Herzens zu erkennen.  Auch, wann man die Atmung kontrollieren oder die Herzdruckmassage durchführen soll, erzählt einem Fred ziemlich genau.

Fred mal offengeklappt

Nach einer Weile wird er den Helfer auffordern, den Patienten in Ruhe zu lassen. Das ist der Moment, in dem das EKG ausgewertet wird, und dauert etwa 10 Sekunden. Die können verdammt lang sein, das ist aber richtig so.

Und jetzt kommt das, weswegen man Fred „automatisch“ nennt: Erkennt der AED, dass das Herz flimmert und  ein Schock abgegeben werden sollte, fordert er den Helfer nochmals auf, den Patienten nicht mehr zu berühren, und wenn man dessen sicher ist, den Auslöseknopf zu drücken. Fred sucht sich dann den passenden Moment, um zu schocken. Das ist dann auch deutlich am Patienten zu sehen.

Wenn es nicht angebracht ist, einen Schock auszulösen, merkt Fred das natürlich auch. Und tut es auch nicht, wenn man vor Nervosität trotzdem den Auslöseknopf drückt. Ganz sicher. Sogar Feuerwehr- Sicher. Feuerwehrleute bekommen nämlich eigentlich fast alles kaputt und finden Fehlbedienungs- Möglichkeiten, von denen Entwickler nur träumen.

Anschließend geht es dann mit der Wiederbelebung weiter, bis sich das Spiel mit der EKG- Analyse wiederholt, der Rettungsdienst eintrifft oder der Patient dir mitteilt, dass das weh tut, was du da gerade mit ihm machst. Alles so einfach gehalten, dass es jeder Vollhonk hinkriegen müsste.

Die einzige Schwierigkeit könnte die Sprachbarriere bei ausländischen Ersthelfern sein: In Deutschland sprechen die AED natürlich sinnvollerweise deutsch.

Übrigens: Bei vielen Feuerwehren gehört zur Ausrüstung schon ein AED. Bei meiner Feuerwehr auf jedem Löschfahrzeug.

Äh, Kleinigkeit noch: Man sollte beim Schocken nicht über einer Hand des Patienten knien, denn wenn er vom Stromstoß zuckt, könnte das weh tun…

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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4 Antworten zu Was hängt denn da im Bahnhof rum?

  1. argh! schreibt:

    feine sache^^ kannte das teil noch garnicht^^

  2. Sarkastikum1 schreibt:

    Wir haben solch ein Ding auf der Arbeit im Schichtleiterbüro hängen und ich finde es eine gute Sache. In den jährlichen Ersthelferkursen (bin Schreibtischtäterin) wird dann u. a. auch grundsätzlich die Anwendung dieses netten Gerätes geprobt und wir bekommen regelmäßig zu hören: Ihr könnt nichts falsch und kaum etwas kaputter machen, als es eh schon ist. Also keine Angst, tut etwas!
    In diesem Sinne: Staying Alive!

    S.

  3. Löschratte schreibt:

    Als in unserer Stadt der erste AED installiert wurde, der bei Öffnen des Schrankes gleich einen Notruf absetzte hat es keinen Tag gedauert bis das Ding wegen wiederholten Missbrauchs wieder außer Betrieb genommen wurde. Man kann sich also leider nicht drauf verlassen ob in einem bekannten Defi-Kästchen auch wirklich ein betriebsbereites Gerät zu finden ist. Nachzulesen auf der Webseite unserer FF (mit Wachbereitschaft) wo ich auch aktiv bin (also in der FF).

    • firefox05c schreibt:

      Nun ja, die meisten dieser Kästen haben vorne ja eine Scheibe. Zumindest die, die ich so gesehen habe. Trotzdem schade, dass es so lief…

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