Spam für die Gier und für das gute Gewissen

…oder: Knochenmark- Spender gesucht!

Es gibt ja Spam, die ist von vornherein schon mal mehr oder weniger Böswillig. Die allseits bekannte Reklame für Lustbolzen- Vergrößerungen zum Beispiel, oder für blaue Pillen, oder weil in Afrika ein reicher Mann gestorben ist. Diese Mails kennt, denke ich, jeder. Aber da ich mir weder bei der Notdurft auf die Glückseeligkeit treten möchte, noch Probleme damit habe, nachts aus dem Bett zu rollen, und schon garnicht einen „Gebührenabschlag“ in dreistelliger Höhe auf ein angebliches Rechtsanwaltskonto nach Afrika überweisen will, um von der angeblichen Hälfte der Erbschaft umgehend- äh-  nichts überwiesen zu bekommen, lösche ich sowas nach einem kurzen, nicht zu übertriebenen Kopfschütteln umgehend. Man will sich ja auch nicht verausgaben beim Ärgern.

Jetzt gibt es aber auch Mails, die man erst einmal liest, bevor man checkt, dass da einer ein böses Spiel treibt. Da ist die Kettenmail, die ich neulich über einen Kollegen bekam, vielleicht noch harmlos:

AOL und Microsoft würden gerade eine Testmail rumschicken, um ihre Mailing-Kapazität bei einer Fusion von Intel und AOL zu testen.

Man solle die empfangene Mail weiterschicken, für jeden Empfänger bekäme man 245 Euro. Und wenn der das dann auch weiterschickt, bekäme man eine Erfolgsprämie von nochmals 243, wenn dieser dritte das weiterleitet, nochmals 241 Euro. Also, mal kurz gerechnet: Wenn es läuft, dann also insgesamt pro Freund, an den man diese Mail schickt, …*tippertipper*… 729 Euro! Boh, ey!

-Und wenn ich das an 10 Menschen verschicke, die auch alle 10 erfolgreiche Weiterleitungen haben? Das wären dann für Old Bill schon… *tippertipper*… 8910 Euro bei der 2. Stufe, nur für mich! -Die dritte Stufe, also, wenn meine Freunde das auch je 10 Bekannten schicken, würde dann aber schon aus 100 Empfängern bestehen.  BillyBoy würde das als Werbeausgaben von der Steuer absetzen.

Und das alles sollte 2 Wochen verfolgt werden, dann würde sich Microsoft melden, um die Adresse für den Check zu erfragen. Und angepriesen wird diese tolle Testgeschichte von „Charles S. Bailey General Manager Field Operations“, der Anwalt ist, und wie er schreibt, sich im Gesetz auskennt, das vorschreibt, dass Herr Windows auf jeden Fall zahlen muss. Aha. Dieser Herr behauptet (besser: Der Schreiber lässt ihn das behaupten), er hätte 24800 Euro (richtig, Microsoft bezahlt nur in Euro!) erhalten. Eine Bekannte des Vaters und eine Tante Patricia eines Freundes hätten auch ein schönes Taschengeld bekommen. Kein Witz.

Was mir auffiel, während ich verwundert meinen Schweif über die Adressen derer blicken ließ, die diese haarsträubende Geschichte geldgierig weiterschickten, waren auch Firmenadressen. Also, sogar fast die Hälfte der Adressen liefen mit Klarnamen über irgendwelche Firmenserver. Adressbücher einer Belegschaft einer Volksbank, von einer  Betriebskrankenkasse, von Versicherungen, teilweise mit vollständiger Fußzeile mit beruflicher Stellung und Telefonnummer! -Ob ich da mal frage, was mit dem Check geworden ist?

Das älteste Adressbuch, das dort prostituiert wurde, ist aus Österreich. Vom 7.10.2010.  Und es waren HUNDERTE Adressen darüber. Alle alleine aus meinem Zweig. Also, wenn jemand verifizierte Adressen zum Verkauf sammeln möchte, und er die Mail irgendwann wiederbekommt, kann er sich damit eine goldene Nase verdienen. Ich wüßte sonst keinen Grund, sich so einen Mumpitz auszudenken. Denn wenn AOL wissen möchte, welche Kapazität ihre Server für das Weiterleiten von Mails haben, dann ist es womöglich einfacher, mal eben beim zuständigen Server-Fuzzi anzurufen. Der sollte das wissen. Oder zumindest jemanden kennen, der das auf seinem Japaner ausrechnen kann.

Nun gut, immerhin hatte der Kollege, der mir dieses Ungetüm schickte, auch ein paar Adressen ehemaliger Lehrgangskollegen in seinem Adressbuch. Die habe ich jetzt auch. 🙂

Wie gesagt, dieses ist die in meinen Augen harmlosere Variante.

Und nun zum ernsten Teil:

Worauf ich nämlich richtig sauer bin, sind diese Mails, die zur Typisierung für eine Knochenmarkspende aufrufen und in etwa beinhalten, dass irgendeine namentlich benannte im Sterben liegt, und jetzt würde ein Spender mit der Blutgruppe A-Negativ oder ähnlich gesucht. Unten angegeben ist dann z.B. die Adresse der Patientin, ihre Telefonnummer oder die Nummer einer Klinik, bei der man sich melden soll, wenn man spenden möchte.

Hals! Echt, Mann, Soooo ´n´ Hals!

Zum Ersten: Zur Knochenmarkspende ist die Blutgruppe uninteressant, da der Empfänger nach der Spende die Blutgruppe des Spenders übernimmt. Nachzulesen bei diesem Aufruf der DKMS, die vor diesen Briefen warnt.

Zum Zweiten: BITTE NICHT DIE TELEFONNUMMERN ANRUFEN!

Die Nummern sind oft nämlich echt! Und in der Klinik kann sich dann eine Pflegekraft oder eine Sekretärin den ganzen Tag ans Telefon setzen und dutzende Spendenwillige an die DKMS verweisen. Oder es ist ein privater Haushalt, der für die Dauer, in der diese Fake- Mails umlaufen, das Telefon gleich abmelden kann. Den Spendewilligen kann man dann noch nicht mal einen Vorwurf für diesen Telefonterror machen: Sie meinen es ja gut! Aber bekanntlich ist „gut gemeint“ oft das Gegenteil von „gut gemacht“.

Selbst Feuerwehr- Kollegen haben schon so einen Quatsch ausgedruckt und ans schwarze Brett gehängt! Und die sollten es doch eigentlich wissen. Einfach abreißen und wegschmeißen dient aber keinem. Ich habe also die Patienten- Adresse recherchiert, die es aber nicht gab, und die Klinik- Telefonnummer, bei der man sich melden sollte. Und die gab es tatsächlich, war über die Klinikseite nachzulesen.

Meine „bahnbrechenden“ Erkenntnisse habe ich dann unter den Ausdruck geschrieben, damit auch die letzten Kollegen über den Fake aufgeklärt werden. Und das nächste Mal den Mist nicht einfach zur Beruhigung ihres Gewissens weiter verbreiten („Ich helfe zwar nicht als Spender, aber ich helfe zumindest beim Verbreiten des Aufrufes. Ich bin toll.“)

Für alle diejenigen, die sich typisieren lassen wollen, weise ich nochmal auf die Seite der DKMS hin. Die wissen wirklich bescheid.

Und wenn ihr auch mal so eine Mail bekommen solltet, dann klärt den Absender bitte darüber auf, wie die Sache zu bewerten ist. Sonst wird nämlich mehr Schaden angerichtet, als man womöglich vermutet, wenn hierdurch monatelang Klinik- und Privattelefone bimmeln.

Weisse Bescheid, Schätzelein. *gruuunz!*

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Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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2 Antworten zu Spam für die Gier und für das gute Gewissen

  1. DelfinStern schreibt:

    Die Mails mit Typisierung hab ich auch shcon bekommen. Ich hab dann allerdings eine Antwortmail an alle geschrieben (die bei mir drinstanden…) und diverse Sachen erklärt bzw auf dkms verwiesen. Die Angeschriebenen haben das gar nicht toll gefunden 😦 Das meiste ist einfach Käse was da drinsteht.

  2. retterweblog.de schreibt:

    Recht hast Du… Deswegen war ich aber auch darüber erstaunt, dass im Moment eine solche Mail in echt in Malteser-Kreisen rumgeht… Hier allerdings ohne Telefonnummern oder ähnliches, nur mit Verweis auf die DKMS mit der Bitte sich typisieren zu lassen. Wer diese Mails weiterleitet: Bitte die anderen „alten“ Empfänger rauslöschen und alle eigenen Empfänger als BCC, dann wird es keine Mail-Adressen-Liste… 😉 Und wer sich nicht 1000000% sicher ist, dass es echt ist: weiterleiten sein lassen!

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