Haleluja- Staude, made in China

…oder: Wie wir an einen künstlichen Weihnachtsbaum gekommen sind

„So´n Plastikdingen kommt mir nicht inne Bude! Bestimmt nicht!“, zeterte sie immer los, wenn ich mich mal wieder über die alljährlich steigenden Preise eines Weihnachtsbaumes ärgerte und die Anschaffung eines künstlichen vorschlug.  „Das sieht doch ein Blinder mit Stock, dass der nicht echt ist! So´n mistiger Gummibaum!“  –  „Aber hör mal, die sind doch garnicht mehr so schlimm, ein bisschen Tannenduft ausse Dose, und gut iss´! Sieht doch aus wie in echt! Und kostet nicht viel mehr als ein echter! Nur, dass du so einen Ömmes nur 1 Mal kaufst.“ – Dunkle Weihnachtswolken zogen dann in ihrem Antlitz auf, und sie schaute entsetzt, als hätte sie mich beim an-die-Kirchenmauer-pinkeln erwischt:  „Kommst du mir mit so ´nem Ding an, kannst du gleich ausziehen! Mit Plastikding!“ Nun ja, starke Worte einer zierlichen Person…

Also, meinetwegen bräuchten wir so eine Heilandspalme überhaupt nicht in die Bude schleppen. Die pieken. Und nadeln. Und dann muss man die ganze Bude grundreinigen, bis in den August hinein findet man die Nadeln. Meißtens mit den nackten Füssen. Teuer sind sie auch. Bis sie denn weggeschmissen werden. Aber Mausi will ja. Naja, Frauen mit ihrem Deko- Zahn…

So schlugen wir uns alle Jahre wieder so durch die verschiedenen Händler, die da in Hinterhöfen standen, die man sonst nur mit Polizeischutz betritt, schauten, was so vor dem Rewe rumstand (Boh, so teuer? – Äh, und was kosten die nach Weihnachten?), und zeigten den Leuten einen Vogel, die alljährlich bis ins Sauerland fuhren, um einen Baum zu erstehen, der womöglich genauso aus Polen kam wie unser Baum.

Mausi hatte jedenfalls die Abneigung gegen künstliche Bäume von ihrem Vater geerbt und wollte sich noch nicht einmal so ein asiatisches High- Tec- Produkt aus der Nähe anschauen. Das war wie Katze und Wasser.

Nun begab es sich aber, dass ich vor dem Geburtstag unseres Religionsstifters in einen Baumarkt musste, um eine Kleinigkeit zu holen. Welche das war, weiß ich nicht mehr. Und zwar genau seit dem Moment, als ich eine Verkaufsfläche aus Kunstwald sah. *pling!* – Da standen sie. In jeder Preislage. Mit schimmernden Nadeln, die nicht piekten. Mehrjährig grün. Mein Entschluss stand fest: So einen will ich haben! – Und Mausi? – Ach, die wird mich schon nicht gleich rausschmeißen…

Da standen sie nun also. Die einen sahen etwas traurig aus, die anderen … auch. Wahrscheinlich hatte ein Mitarbeiter die Gummibäume kurz vor Ladenöffnung noch schnell aus der Kiste gezergelt, einmal aufgestampft: Baum. Fertig. Dementsprechend trostlos war das Ergebnis. Weil ich mir aber dachte: „So sieht doch kein Baum aus! Haben die noch nie einen Wald gesehen?“, hockte ich mich vor den ersten Baum und fing an, die Zweige  in eine halbwegs natürliche Form zu drehen. Man möchte ja schließlich wissen, wie so ein Baum mit etwas Geduld aussehen könnte.

Schon nach einer viertel Stunde Kunstbaum zwirbeln sah das Produkt einer Pflanze sehr ähnlich. Da ich mich aber nicht dazu entschließen konnte, den jetzt auch zu kaufen, richtete ich noch einen etwas größeren her. In aller Seelenruhe, verträumt in meiner Welt aus pflegeleichtem Kunststoff. Und den daneben richtete ich auch noch…

Nach etwa einer Stunde war ich fertig und entschied mich doch für den ersten Baum. Ich glaube, die Verkäufer waren kurz davor, mich dort wegfangen zu lassen!

Dieses Wunder fernöstlicher Handwerkskunst, für das ich mich entschied, war etwa 110cm hoch, also genau richtig für auf den Kratzbaum zu pflanzen, und sollte die Unsumme von 12 Eumel verschlingen, also etwa soviel, wie ein echter Baum in gleicher Grösse.

„Meiner. So.“

Zufrieden mit mir selbst zu Hause angekommen (Frau war arbeiten), fing ich sofort hochmotiviert an, das Bäumchen auseinander zu dröseln. Jeden – verdammten – Ast – einzeln. Und so zu drehen, dass die Nadeln auch seitlich abstanden, und nicht etwa nach oben. Alsdann eine Lichterkette drangeworfen, ein paar Kugeln reingesteckt, mein kleines Feuerwehrauto aus Blech drangebammelt, fertig war die Festlichkeit! Sah garnicht mal so schlecht aus!

Ok, ab zur Schicht.

Am späten Nachmittag kam dann die Kunststauden- Hasserin nach Hause und rief mich entzückt an: „Du hast ja einen Baum gekauft! Und so schön geschmückt! Das finde ich ja toll! *freu!*“

Ich dachte, der Barth hat schon recht: Einfach mal Klappe halten! So plauderte sie mir etwas von ihrem Tag vor, und was sie noch so machen wollte, und…   „Äh, hömma, … , der ist ja garnicht echt?! Das ist ja ein künstlicher?!“ – „Wie? Das merkst du jetzt erst?“   Sie, kleinlaut: „Ja… ich bin da so zum Baum hin… und wie ich den anfasse…“ Ah ja. Anfassen muss sie ihn erst, um es zu merken? Aber erst so einen Aufstand machen! Wie war das?

„Niemals so einen Baum, weil man das auf 20m schon sieht!“ 😉

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Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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Eine Antwort zu Haleluja- Staude, made in China

  1. chefarbeiter schreibt:

    Hehehe! Gerade bei vererbten Abneigungen läuft man gerne Gefahr, neuere Entwicklungen gar nicht zu bemerken, weil ist ja eh alles schlecht!

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