Auch bei „Technische Hilfe- Einsätzen“ an alles gedacht?

-Denn es könnte Probleme mit dem Bindemittel geben. Zumindest, wenn man das falsche benutzt.

Darauf gestossen bin ich ehr aus Zufall, da in meiner Ausbildung sowohl bei der FF als auch bei der BF kein Wert auf technische Details von Bindemitteln gelegt wurde. Das Zeug wurde auf die auslaufende Suppe geworfen, gut iss. Dann habe ich mir bei der FF mal mehr oder minder aus Langeweile durchgelesen, was auf der Tüte des Bindemittels  steht:

Material: recycelter Polyurethan. Aha, Plastik. Äh… das brennt doch? Und beim Aufsaugen von Öl oder Diesel wird auch noch die Oberfläche der brennbaren Flüssigkeit vergrößert? Dadurch wird auch Öl und Diesel leichter entzündlich! Man denke an die Selbstentzündung von ölverschmutzten Lappen in einer Werkstatt. Hmmm…

Es befand sich sogar ein Warnhinweis zur Brennbarkeit auf dem Sack. Und der Versuch (jaja, ich weiß: Wird sowas vom Hersteller behauptet, muß es von Männern immer sofort ausprobiert werden…) ergab, dass es auch wirklich selbständig weiterbrannte, wenn es mal entzündet wurde. Auch die anderen 3 Sorten Binder, die wir bei der FF so benutzen, waren alle brennbar.

Ich habe dann mal den Zugführer darauf angesprochen, ob man nicht mal zumindest ein Mittel wechseln sollte. Oder wenigstens die Mannschaft darauf hinweist, dass man mit einem brennbaren Mittel die Oberfläche einer brennbaren Flüssigkeit vergrößert. Die Antwort verblüffte mich etwas: „Wieso? – Warum sollte das plötzlich anfangen zu brennen?“ – Nun ja, Gegenfrage: Wozu bauen wir bei jedem Verkehrsunfall einen Löschangriff auf? Damit man die Leute beschäftigt? Wieso wurde denn (schon vor den Airbag- Zeiten) immer die Batterien abgeklemmt? Um die Hobby- Mechaniker zu schulen? Und wenn es doch anfängt zu brennen: Ist es taktisch sinnvoll, eine „Zündspur“ im Rinnstein zum nächsten geparkten Auto zu legen? Nochmal „hmmm…“

Bei nächster Gelegenheit schaute ich mir dann das Bindemittel bei der BF an. Dieses Mittel war nicht mit „Brennbar“ beschriftet. Im Gegenteil: Nachfragen beim Hersteller ergaben, dass er sogar Brandschutz- Dämmplatten daraus fertigte! Es war sogar so „unbrennbar“, das man es sogar zum behelfsmäßigen Abdecken von Metallbränden benutzen kann. Auch unser 2. Bindemittel war zumindest „schwer entflammbar“. Es geht also auch anders. Ob dieses zufällig so beschafft wird oder mit Absicht, sei dahingestellt.

Die Ignoranz unseres FF-Führers kann ich jedenfalls nicht nachvollziehen. Wo der doch immer an alles denkt. Neuerdings haben wir sogar Schneeschuhe, um den Rettungsdienst bei Einsätzen im winterlichen Wald zu unterstützen…

PS: Für einen eventuellen Metallbrand hat er allerdings früher mal 10kg Metallbrandpulver auf´s Auto legen lassen. Einen Sack. Weil wir schon den einen oder anderen Einsatz hatten, bei dem Leichtmetallteile eines Motors Feuer gefangen haben. Naja, das auslaufende Öl kann dann ja brennend in den Gulli fließen…

Advertisements

Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
Dieser Beitrag wurde unter Feuerwehr und Rettungsdienst abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Auch bei „Technische Hilfe- Einsätzen“ an alles gedacht?

  1. Calaelen schreibt:

    Gibt es denn keinen nächst höhere Verantwortlichen bei der FF, den man darauf mal ansprechen könnte?

    • firefox05c schreibt:

      Tja, der Zugführer ist für uns schon der höchste Rang. Und auf Großgemeinde- Ebene wird das dann auch keinen interesieren. Aber vielleicht habe ich ja „Glück“ – und es passiert mal was in dieser Richtung… 😉

  2. Hannes schreibt:

    Auf die Idee bin ich auch noch nicht gekommen! Unser (FF) Ölbinder sieht aus wie Sägespäne (sind natürlich keine!)… Da sollte ich doch direkt mal nachschauen, was das genau ist.

    Habt ihr in der FF keinen Sicherheitsbeauftragten? Selbst wir auf’m Dorf (~30 Aktive) haben jetzt unterdessen einen und so ein Thema wäre doch genau das Richtige für denjenigen. Soll er sich doch mit dem Zugführer streiten.
    War nur mal so ein Gedanke von mir, weil die uns in letzter Zeit mit dem Arbeitsschutz(beauftragten) ganz schön nerven…

    • firefox05c schreibt:

      Wir hatten auch einen, der ist aber leider verstorben. Und um ehrlich zu sein: Ich müsste erst mal fragen, wer der Nachfolger ist (Bin leider nicht so oft im Ort meiner FF). Aber den könnte ich „anspitzen“, da hast du Recht.

  3. beij schreibt:

    Bin kein Feuerwehrmann aber einfaches Siliziumoxid (Sand) geht nicht? Bei alltäglichen Temperaturen quasi nicht reaktiv und ganz bestimmt nicht bei Feuern, die der Feuerwehr unter kommen. (Vom Fusionsfeuer reden wir hier nicht, wir gehen von alltäglichen Temperaturen mit einigen tausend grad aus. :p)
    Stel ich mir aber lustig vor, Feuerwehr 2122:

    Wasserstoffbrand? Knallgas?
    Nein, Wasserstoff-Helium-Brand?
    Wir löschen wir das?
    Keine Ahnung, ruf bei der physikalischen Chemie der nächsten Uni an!
    Wie heiß ist das?
    Google sagen so 15 Million Kelvin!
    Dafür sind unsere Anzüge echt nicht gebaut….
    Was seht denn noch da?
    Rießige brennende Kugel im Zentrum des Sonnensystems.
    Da hat schon wieder wer aus Spaß die Sonne gemeldet…
    Ruft Google an ich will wissen wer das war!

    • firefox05c schreibt:

      Hier ging es mir darum, herauszustellen, dass Ölbindemittel teilweise brennbar sind, daher ein Risiko bei Zündquellen darstellen kann, anderes dagegen so feuerfest ist, dass man damit kleinere Metallbrände löschen könnte. Natürlich gibt es für Metallbrände reguläre Löschmittel, die besser hierfür geeignet sind, auch der von dir erwähnte Sand kann zum Einsatz kommen. Die BF, bei der ich Dienst tue, hält einen ganzen Abrollcontainer mit getrockneten Sand vor.
      Die Verwendung als „improvisiertes Löschmittel“ wäre nur eine Zusatzoption (für dieses bestimmte Bindemittel), da Bindemittel säckeweise auf Löschfahrzeugen mitgeführt wird und auch kleinere Feuerwehren es oft palettenweise nachführen können. Getrockneter Sand, der extra für Metallbrände vorgehalten wird, ist bei kleineren Feuerwehren ehr nicht zu finden.
      Der Artikel sollte keinesfalls den Eindruck vermitteln, dass man bei Metallbränden „standartmäßig“ Ölbinder benutzen soll! Allerdings sind diese Einsätze bei den meißten Feuerwehren so selten, dass sich eine größere Vorhaltung spezieller Löschmittel nicht „lohnt“.
      -Außerdem fand ich es ehrlich gesagt etwas lächerlich, sich durch einen einzigen Sack Metallbrandpulver für solche Einsätze gewappnet zu fühlen. Das wäre so, als wenn ich mit einer Wasserpistole völlig erfolgssicher eine brennende Wohnung betreten würde. Hier hat unser WF durch die Beschaffung dieses Sackes indirekt zugegeben, dass er zwar die Notwendigkeit, dieses Risiko abzudecken, gesehen hat, aber keine Alternative für diese Einsätze bei unserer FF fand.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s