Alles für die Katz´…

…oder: Wieso die Küche 2 Tage nach Puma duftete

Unsere Katze hat einen Schlag an der Murmel. Zumindest, seit dem sie mal 6 Wochen bei den Verwandten verbringen musste, weil Mausi in Kur Reha war und ich keinen bezahlten  Sonderurlaub zur Katzenbetreuung bekam. Mein Chef ist anscheinend nicht so tierlieb…

Seit dieser Zeit leckt sie sich den ganzen Bauch kahl. So´n Putzfimmel eben, man kennt das ja auch vom Menschen. Hauptsächlichst bei Frauen, neben Textilblindheit („Ich habe garnichts anzuziehen!“) und Stoffwechselkrankheit („Wäschekiste schon wieder voll?“) das häufigste Frauenleiden. Zwei Mal schon bekam Katze eine Spritze vom Veterinär, die auch jedesmal über eine Woche hielt: Katze leckte nicht mehr, die Haare fingen wieder an zu sprießen. (Ob es auch wirkt, wenn man Frisurnot hat, obwohl man sich nicht die Glumse leckt? Dann lasse ich mir das auch mal spritzen…)

Da es aber nach der Woche wieder losging, meinte die Ärztin, Katze könnte vielleicht auch Probleme mit ihren Leckerli- Kaustangen haben. Ich war leider nicht dabei, denn ich hätte der Ärztin gleich sagen können, dass das erstmals ziemlich genau während ihrer Zwangsverlegung auftrat. Jedenfalls meinte die Studierte, wir sollten mal  getrocknetes Straußenfleisch probieren. Also, nicht selbst, sondern der Katze so als Leckerchen: Andere Enzyme, Fettarm, Gesund, richtig was für Problemfälle. (Sodbrennen? Inkontinenz? Haarausfall? – Probier mal…) Und wenn Frau Doktor sowas vorschlägt, ist Frau Tierhalterin in den seltensten Fällen ohne Waffen von der Umsetzung abzuhalten. Es geht schließlich um ihren Liebling!!! Wir also zum Metzger, erst mal eine kleine Menge zum Ausprobieren gekauft: Ein Straußensteak für heftig Geld. Für die Katz´. Aber was tut man nicht alles…

Zu Hause belas ich mich erst mal, wie man Fleisch trocknet. Da schrieben in den Foren welche was von 2-3 Stunden bei 150 Grad. Vollpfosten! Dann wird es nicht getrocknet, sondern gegart und dann mumifiziert! Logischer schien mir 2h bei 50- 70° , mit geöffneter Ofenklappe. Nun gut, Steak gestreifelt, aufs Rost, in Ofen, Thermometer dabei, nach 1,5h trocken. Ging gut, roch kaum, Katze begeistert. Klickertraining ohne schlechtes Gewissen!

Mal fix hochgerechnet kostete so das getrocknete Fleisch pro 100g aber über 10 Eumel. Soviel Leergut habe ich garnicht, um das zu kompensieren! Also: Internet. Auf tierbekloppt.de (oder ähnlich…) hatten sie – allerdings für Hunde – fertig getrockneten Vogel im Angebot. Viel billiger als selbstgetrocknet. Zugeschlagen, 400g waren auf den postalischen Weg.

Als es ankam und ich den Karton öffnete, verdorrte mir augenblicklich der Nieskolben: Der tote Vogel roch wie Pumakäfig! So ganz anders als das Zeug vom Metzger! Katze stubste auch nur einmal und drehte sich mit gekräuselten Schnurrhaaren weg. Danke, kein Foto für dich…  Es fasste sich auch irgendwie schmierig an. Nun ja, dachte ich, vielleicht ist es noch nicht richtig trocken? – und das Unheil nahm seinen Lauf!

Frauen hätten es wahrscheinlich augenblicklich weggeworfen. Oder verbrannt. Oder dem „lieben“ Nachbarn in den Briefkasten gesteckt. Aber Feuerwehrleute sind „Macher“! Die geben nicht so einfach auf! Also, fix die Idee entwickelt: Nachtrocknen. Ofen an, Zeugs rein. TV gucken.

Nach einer halben Stunde müffelte bereits die ganze Wohnung. Hätten wir noch Wellensittiche gehabt, wären die wohl spätestens jetzt von der Stange gefallen. Ich glaube, ich habe auch aus dem Augenwinkel einen Weberknecht mit geschultertem Beutelchen aus dem Fenster krabbeln gesehen. Trotz bei minusgraden weit geöffneten Fenster und verschlossener Küchentür breitete sich ein Geruch in der ganzen Wohnung aus, den ich von Raubtierkäfigen im Zoo kannte. Oder aus Wohnungen mit Fundleichen. (Das war bestimmt gar kein Strauß, das war toter Tiger!) – Aber ich habe nicht aufgegeben! Ich habe das durchgezogen! Immer in der Hoffnung, dass der Kadaver irgendwann aufhört, die komplette Wohnsiedlung zu aromatisieren, wenn er nur trocken genug ist.

Aber es hörte nicht auf. Nach 2,5h habe ich den Versuch dann abgebrochen. Fleisch wieder in die Tüte, Küche weiter gelüftet. Das war um etwa 16.00Uhr.

Um 18Uhr entschloss ich mich, dem Klima, das immernoch sehr angeschlagen war, mit einem Räucherstäbchen nachzuhelfen. Mit dem Erfolg, dass die Bude jetzt einen Hauch von mit Lavendel geschmückter Leichenhalle in der Luft trug. Mit Leiche. Ohne Kühlung. *Möööp!* Eines sage ich euch: Wie der Katze die Haare vom Putzen, gingen mir die Haare langsam vom Gestank aus!

Ich versuchte, zu retten, was zu retten war, und rief bei Twitter um Hilfe. Neben Vorschlägen wie „Ausziehen!“, „Ausbrennen!“ und „Atemschutzgerät kaufen!“ meinte auch eine anscheinend versierte Hausfrau: „Essig!“. Für den Umzug fehlte das Geld, für das Ausbrennen die Versicherung, und für Katzen gab es kein Atemschutzgerät. Ihr Futternapf stand aber in der Küche.

Also um mittlerweile 20.00Uhr den Lappen mit Essig gebadet und die Küche damit eingequanzt. Schränke, Stühle, Boden… Ich kam mir vor, als hätte ich einen Rettungswagen zu desinfizieren!   „Nun gut, später sollte das trocken und verflogen sein“, dachte ich noch. Aber gegen 23.00Uhr müffelte das immernoch! Also einmal kurz klar durchgewischt. Und als ich vor dem zu Bett gehen noch den Nassfutter- Bottich der Katze quer durch die Küche kegelte, weil ich zu dösig war, ihn einfach nur im gefüllten Zustand sicher auf den Boden zu bringen, bekam der Boden nochmal eine Extrabehandlung. Na prima, wenn es läuft, dann läuft´s…

Am nächsten Tag war der imaginäre Puma schon fast weg. Doch statt nach Lavendel- Leiche roch es jetzt nach Lavendel- Essig. Auch eine seeehr beliebte Duftnote! Da auch dieser Geruch noch nachmittags in der Luft hing, kam ich nicht umhin, die Küche nochmals von oben bis unten zu putzen. Ich glaube, so sauber war die schon lange nicht mehr!

Wie auch immer: Eine leichte Note hängt auch heute, am mittlerweile 4. Tag, noch in der Luft. Und das Straußenfleisch liegt doppelt eingetütet auf dem Vordach. Ich denke, ich werde  den Hund eines Kollegen damit beglücken. Hunde fressen sowas.

Und Katze bekommt wieder ihre normalen Kaustangen. Und einen Psychologen. Vielleicht.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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10 Antworten zu Alles für die Katz´…

  1. Irgendwie habe ich jetzt Bauchweh 🙂 Armer Kerl 🙂

  2. Erzdämon schreibt:

    Au weia, auch wenn es für euch sicher nicht lustig war. Ich habe mich darüber köstlich amüsiert. Toller Schreibstil wieder. Dankeschön! 🙂

  3. DelfinStern schreibt:

    Unsere Katze hat sich am Hals immer so sehr gekratz, dass keine Haare mehr da waren. Die hat von uns erst mal einen netten Schal bekommen. ok geht beim Bauch eher nicht. Nach zig Wochen Versuche abwechselnd mit oder ohne Schal (Stoff und Isolierklebeband….) ist meine Schwester zu übergegangen ihm das zu verbieten. Also jedes mal recht laut „nein“ gesagt (war das gleiche, als wenn er an die Blumen geht…) zusätzlich gabs Ablenkung in Form von Streicheln, Spielen,,… irgendwann hat er dann augehört.

    • firefox05c schreibt:

      Das „Verbieten und Ablenken“ versuchen wir auch durchzuziehen. Nur können wir ja nicht ständig zu Hause sein, somit hat die Katze manchmal stundenlang Zeit, ihrem geliebten Hobby nachzugehen. Vielleicht sollte ich ihr meinen Bauch anbieten, bis ihre Haare wieder nachgewachsen sind…

  4. dadreloaded schreibt:

    Katzen. Ich sag ja diese Sorte Viecher haben chronisch einen an der Murmel… 😉
    Schöner Blogpost!

  5. souly schreibt:

    klasse geschrieben, hab mich weggekugelt vor lachen. nicht aufhören, so geniale beiträge zu schreiben, bitte bitte 🙂 frohes neues!

  6. zwergenalarm schreibt:

    Es gibt Katzen, die machen das aus Stress…da würde ich ansetzen. Auch gibt es wohl eine eher seltene Erkrankung, die damit zu tun hat, ich weiss aber nicht mehr, in welche Richtung das ging. Hab es auch nur am Rande mitbekommen.
    Es lohnt sich aber, falls sie weitermacht, dran zu bleiben und das nicht als Marotte harmloser Art abzutun.
    Viel Erfolg!
    Ach ja…und mein Mitleid hast Du, Trockenfleisch für Tiere stinkt fast immer…bloss gut, dass ich noch keinen Strauß ausprobiert habe!

    • firefox05c schreibt:

      Zur Katze: Ich denke, sie hat es sich angewöhnt, weil ihr während der 8 Wochen Reha oft langweilig war. Oder weil sie nicht damit klar kam, von uns so lange getrennt zu sein. Jedenfalls vermute ich nichts „organisches“ als Ursache.
      Zum Fleisch: Das Steak vom Metzger roch fast garnicht beim Trocknen. Darum habe ich den geschickten Kadaver ja auch so mutig in den Ofen geschoben! 😉

  7. Julia schreibt:

    Love it – fantastisch geschrieben, und so lustig, dass man fast vergisst, Mitleid zu haben. 😉

  8. LeaMom schreibt:

    *grins* ich weiß grad nicht, wen ich mehr bedauern soll, die Katze oder Euch…
    Gottlob haben meine Samtpfoten noch nicht solche Probleme gemacht/gehabt, dafür aber jede Menge andere 😉

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