Und dann war da noch…

…der Patient, der mich gehörig reingelegt hat:

Der Melder rief zu einem Einsatz, „Atemnot“ stand drauf. An der Wohnungstür hörten wir den Patienten schon pfeifen, der im Wohnzimmer auf ein Sideboard aufgestützt heftig an seinem Heim- Sauerstoffgerät saugte. Auf die Frage, wie lange er denn schon so starke Atemnot hätte, ranzte er uns sofort an: „Mann, gib mir 6 Liter Sauerstoff, und dann ins Krankenhaus! Ich kenne das schon!“

Ja gut, Atemnot deutlich hör- und sichtbar, Patient in Erstickungsangst, wahrscheinlich schon tausendmal im Hospital gewesen. Er sollte besser wissen, was ihm gut tut. Ich lies das mal durchgehen, fragte nicht weiter, sondern tat das „empfohlene“, obwohl ich einen Moment darüber nachdachte, einen Notarzt kommen zu lassen. Er japste schließlich ganz schön! Aber der wäre aus dem (etwa 4 Minuten entfernten) Krankenhaus gekommen, in den wir den Patienten sowieso bringen würden, er hätte also keinen Zeitvorteil davon gehabt. Also den Herren mit Sauerstoff eingepackt und los. Unterwegs das Protokoll noch ausgefüllt, Einlieferungsgrund: „starke Atemnot bei bekannter COPD.“

Im Krankenhaus hub ich mit dem Übergabegespräch an: „Herr XX hat seit einigen Stunden zunehmend starke Atemnot,…“ Als der Patient dazwischenfuhr: „Mensch, laber doch keinen Scheiß! Die Atemnot habe ich immer, aber seit heute Nachmittag habe ich starke Bauchkrämpfe!“

Die Ärztin schaute mich natürlich an, als wäre ich nicht in der Lage, mir die Schuhe unfallfrei zuzubinden.

Danke, du Arsch!

Ich habe nur noch meine Sachen fertiggemacht und bin ohne Gruß raus.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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6 Antworten zu Und dann war da noch…

  1. Wolfram schreibt:

    Klasischer Fall von dumm gelaufen…

  2. opatios schreibt:

    Die Sätze, die einem immer erst einfallen wenn man schon zur Tür raus ist:

    „…und sagt mir kein Wort über Bauchkrämpfe, will von mir nur Sauerstoff und dann gleich ins Krankenhaus! Viel Spaß mit dem Patienten, mich braucht hier wohl keiner mehr.“

    • firefox05c schreibt:

      Es passiert dann und wann, dass die Patienten im Krankenhaus etwas anderes erzählen als bei der Erstbefragung, oder im KH mit zusätzlichen Infos rausrücken, die der Sache „einen anderen Drive“ geben. Die Pfleger und Schwestern kennen das auch schon. Aber dieser Fall war- fand ich- besonders krass.

  3. Julia schreibt:

    Ich finde sowas einfach nur bahnbrechend unverschämt.
    Auch wenn man Schmerzen hat – nen anderen Ton an den Leib, den kann man ja wohl mal haben, das sind einfach Grundhöflichkeiten.

    Klar, es kommt immer drauf an, was gerade nötig ist, „Hätten Sie die Güte,…“ bekäme ich bei, keine Ahnung – nem offenen Bruch? wahrscheinlich auch nicht mehr raus, aber …

    … bei Bauchkrämpfen??? Hallo?

  4. Stefan schreibt:

    hihi, sowas ähnliches hab ich mir auch mal mit 2 recht unfreundlichen Sanitätern erlaubt.

    Ich war an einem sehr heißen Sonntag erst um die Mittagszeit aufgestanden und bin dann gleich raus in den Garten, ohne vorher mein Blutdruckmittel zu nehmen, hatte ich vergessen. Als Ergebnis bin ich dann auch sofort in der heißen Umgebung bewußtlos zusammengesackt. Dadurch, dass ich auf dem Boden lag kam dann auch wieder mehr Blut ins Gehirn und es wurde langsam klarer. Da war der Lalülala-Verein aber schon da.

    Mein damaliger Mitbewohner hatte das mit dem Blutdruck erklärt, der dann auch gemessen wurde und als extrem niedrig empfunden wurde, also KH. So richtig Wiederspruch einlegen konnte ich da leider noch nicht, viel mehr als „ah-nüüst Kakahau“ hab ich wohl nicht rausgebracht, erzählte mein Mitbewohner.

    Wenn man schon länger morgens einen diastolischen Wert hat, den handelsübliche elektrische Geräte aus der Apotheke nicht mehr messen können, hat man auch ein paar Tricks gelernt, wie man seinen Blutdruck auch ohne Medis sehr schnell erhöhen kann.
    Im Liegen ohne viel Bewegung die Muskeln anspannen, entlasten, anspannen, … sowie flach, dafür aber schnell atmen, das bringt die Pumpe auf Trab und den Blutdruck auf normale Werte.

    Im RTW wurde ein zweites Mal gemessen, mit dem gleichen vernichtenden Ergebnis.
    Ein drittes Mal würde man wohl nicht mehr messen, also die paar Minuten zum KH nutzen mich in die Verfassung zu bringen um von dort mit dem Bus wieder nach Hause fahren zu können, denn zum Umdrehen ließen sie sich nicht überreden, das hätte ich vor der Abfahrt sagen sollen. Hab ich aber doch … versucht!

    Im KH dann „sehr niedrig, so 30 zu 15, …. ja sicher habe auch ein zweites Mal gemessen, bin ja nich doof“ – „So ein Unsinn, der dürft überhaupt nicht mehr Leben! – Bring se doch mal ein Messgerät, alles muß man selber machen!“ …. sehr laut: „105 zu 70!“…. kleinlaut der Sani: „Ja aber vor 10 Minuten hatte er noch 30 zu 15, ehrlich!“

    Ich glaub, der hat da an seiner Messfähigkeit schon selbst gezweifelt, aber 30 zu 15 ist bei mir nach dem Nachtschlaf nicht ungewöhnlich und ich leb noch.

    Ich hab das dort nicht aufgeklärt! Bätsch!
    Allerdings gab es auch eine Retourkutsche, sie haben auf der Wache jemandem davon erzählt, der für die Diensttauglichkeit der FFWler zuständig war und ich durfte dann zu einer Extrauntersuchung beim Feuerwehrarzt antanzen.

    Die Sache hatte sich später dann lustig aufgelöst. Eine Nacht war der größte Teil der Berufs-Wache außerhalb im Einsatz, wir hatten die Wache besetzt und wer gehörte zur RTW-Besatzung? Richtig!
    In den 8 Stunden dort wurde mir gnadelos alle 3 Minuten der Blutdruck gemessen (beim TV-Guggen, beim Kickern und sogar beim Überprüfen der Ausrüstung, der hat die Manschette nicht abgenommen und ist mir immer auf Länge des Schlauchs gefolgt, selbst aufs Klo, grummel). Das Mess-Protokoll der Nacht hab ich nach über 12 Jahren immernoch hier rumliegen. 🙂

    Hätten wir einen Brandeinsatz bekommen, hätte der erste Angriffstrupp sicher aus 3 Leuten bestanden: mir, meinem Truppmann und nem Sani, mit nem Pumballen in der Hand…

    • firefox05c schreibt:

      Jaja, so hat jeder seine Erlebnisse! – Aber mal Hand aufs Herz: Bei einem unbekannten Patienten, der deinen Druck hatte, kann der doch sonstwas erzählen: den würde jeder mitnehmen. Du nicht? 😉

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