Katze und Auto fahren

Der geneigte Leser wird mitbekommen haben, dass in unserem Haushalt eine Katze ihr Unwesen treibt. Wenn wir dann also übers lange Wochenende in unsere alte Heimat fahren, muss sie daher mit: Bekanntlicherweise können Katzen schließlich aufgrund der Anatomie mit ihrem Daumen nicht viel anfangen, Dosen öffnen zur Eigenverpflegung ist also nicht indiziert. Bei mehrtägiger Aufsichtslosigkeit wird sie stattdessen aber wohl vor Langeweile unsere Couchganitur in 8mm breite Streifen ziehen. Fände ich dann ehrlicherweise nicht ganz so prickelnd.

An und für sich ist dieses Tier trotz seiner nicht ganz gradlinig verlaufenen Lebensgeschichte recht unproblematisch: Sie ist sehr Menschenfixiert, nimmt überall sofort ihr Katzenklo an, selten wird aus Protest gekotzt und man kann sie (bei entsprechender Laune) sogar unter dem Bauch kraulen, worauf andere Vertreter ihrer Art schon mal etwas- äh- heftig reagieren.

Allerdings gibt es bei den 3wöchentlich wiederkehrenden Reisen einen Haken: Sie kann zwei Sachen nicht leiden. Das eine ist, wenn man sie an die Hinterpfoten fasst. Das ruft fast immer entsprechende Protestaktionen hervor. Die andere Sache: Ratet mal… richtig! -Autofahren.

So muss man sie immer etwas überrumpeln, um sie vor der Abfahrt in ihren Transportkorb einzutuppern, denn wenn sie rechtzeitig merkt, dass „es schon wieder losgehen soll“ („Caramba, alle 3 Wochen der gleiche Mist!“) , verkrümelt sie sich in diverse unzugängliche Gegenden unserer Wohnung. Die Kombination aus Tasche packen und Katzenklo reinigen löst diesen sofortigen Fluchtinstinkt aus. Dann kann man auch schon mal das halbe Bett auseinanderbauen, um sie zu erwischen.

Katzen haben kein langes Gedächnis? Pustekuchen. Man kann um 10 die Tasche packen und schon mal vor die Tür stellen, seelenruhig mit ihr spielen oder TV schauen. Sobald um 15 Uhr das Klo saubergemacht wird, erinnert sie sch an die Taschen vor der Wohnungstür. Tasche packen alleine löst allerdings keine Panik aus. Das mache ich aus beruflichen Gründen etwa 3 Mal pro Woche. Auch Klo saubermachen nicht. Nur die Kombination aus beidem, und sie sucht ihre Tarnkappe.

Terrorcat

Wenn sie dann in der Kittydose sitzt, fängt sie an zu protestieren. Manchmal sofort, manchmal auch erst, wenn man auf der Autobahn die 120km/h- Mark erreicht (nein, nicht im Marbella, wir haben auch noch ein etwas bequemeres Auto). Und das nervt! Wenn sie einen schlechten Tag hat, hält sie das 2 Stunden lang durch. Bis wir am Ziel sind. „Mau!- Mau!- Mau!- Mau!- Mau!…..“ Terror galore, sag ich euch! So lieb ich sie habe, aber in solchen Momenten kommen mir tausend Ideen, was man aus ihrem Fell alles machen könnte, über Mützen, Telefonüberzieher, Schlüsseltäschchen, Platzdeckchen, bis zu Handschuhen und Nierenwärmer für Omma.

Sie schauspielert dann auch gerne: Schaut man sie an, hechelt sie mitleiderregend, und das Quengeln wird fordernder: „Sieh, oh Herr, wie ich leide! Wie gestresst ich bin! Oh Panik! Mache er dem Elend ein Ende!“ Schaut man einen Moment später heimlich, so sitzt sie im Korb mit halb geschlossenen Augen, dröselt so vor sich hin, und maunzt ehr aus Routine. Bis sie bemerkt, dass man sie beobachtet: Klappe auf, Zunge halb raus, „Volume“ auf 8, sterbender Schwan.

Diese Fahrt allerdings hielt sie sich etwas zurück. Den Korb mit Inhalt auf dem Beifahrersitz festgeschnallt, fand sie es wohl interessnt, dass sie von dort aus besser nach draussen schauen konnte als von ihrem üblichen Rücksitzplatz.

Jedoch schwoll nach etwa 20min Fahrt das Protestgejaule an. Sie wurde sichtlich unruhiger, und als sie auch noch anfing, sich im Korb zu drehen, ahnte ich schon, welches Unheil kam: einige Sekunden später versuchte sie verzweifelt, ihren Blaseninhalt unter dem Kissen, das sie im Korb hat, zu begraben. Maaaann!!! *nerv!*

Klar, sowas passiert schon mal. Unsere Gebrauchtkatze aus dem Katzenhilfe-Haus ist nur das Grundmodell „Kurzhaar“ ohne Sonderausstattung, so besitzt sie weder eine Tankanzeige, noch ein TPS- System (Travel- Puller- Stop). Also weiß man vor der Abreise nie, wie voll sie ist. Ein Kind hat das zwar auch nicht, fängt aber in der Regel noch rechtzeitig an, Blasenalarm zu geben. Da Katze sowieso immer quengelt, ist es fast unmöglich, herauszuhören, wann sie einfach nur unlustig ist, oder wann sie wirklich unter Unpässlichkeiten leidet.

So fuhr ich, schimpfend auf Haustiere, Verkehr und sowieso dem ganzen Rest der Welt, den nächsten Parkplatz an und entließ Katze aus ihrem gefluteten Gefängnis, dass sie auch augenblicklich angewidert verließ.

Glücklicherweise war dass nun nicht das erste Mal, dass wir unterwegs Pulleralarm hatten, so hatte Mausi beizeiten schon mal eine passende Kissenhülle genäht, die wir mit Papierschnitzeln aus dem Aktenvernichter füllten. Also an den Kofferraum, Latexhandschuhe aus dem Sanikoffer, mit dem Kissen an den nächsten Mülleimer und moppernd den duftenden Kisseninhalt über die in der Tonne befindlichen Granaten und Zündhütchen (Bierflaschen und Schnapsfläschchen) gewühlt.

"Habe doch nichts gemacht?!"

Als ich mit zerknautschter Stirn wieder am Auto war, schaute Katze mich aus dem Beifahrer- Fussraum sowas von unschuldig an, dass ich das schon fast als Frechheit empfand. Hätte sie nicht vorher nochmal gehen können??

Damit sie nicht auf dem nackten Plastikboden im Korb sitzen musste, pfriemelte ich zumindest meine Wolldecke, die ich immer mitführe, in die Katzendose. Als ich mich dann wieder am Chauffeursplatz drappiert hatte, hatte Katze es sich im Beifahrerfussraum schon bequem gemacht und die Füsse unter dem Bauch versteckt. Gelangweilt starrte sie vor sich hin. Nun gut, sagte ich mir, bleibst du eben da unten, versuchen wir´s mal.

Jaja, keine Kommentare jetzt bitte, ich weiß, dass es nicht nur verboten ist, sondern unter Umständen auch gefährlich sein kann, ein Tier „lose“ im Auto zu befördern. Aber wenn die Quengelei dann womöglich aufhörte, wäre das für mich einen Versuch wert, denn glaubt mir: Müsste ich mit dem Vieh nach München fahren, und mir könnte jemand glaubhaft versichern, dieser Katzenterror würde dadurch aufhören, dass ich den kleinen Finger in den laufenden Motorkeilriemen stecken würde: Spätestens bei Nürnberg wäre der Finger weg. Sicher.

Aber ich hatte Glück: Als ich wieder losfuhr, hatte ich den Parkplatz noch nicht ganz verlassen, und Katze hatte das Gefühl, dass sie im Korb vor den Folgen meiner Fahrkünste eventuell doch sicherer wäre. Sie quetschte sich irgendwie zusätzlich zur Decke in den Transportbehälter, der dann auch wirklich voll war, ich schloss die Klappe, und sie maulte fortan nur noch halbherzig vor sich hin. War wohl sehr kuschelig.

Abgesehen von abgekauten Fingernägeln und einigen Bißspuren im Lenkradkranz hatte ihr Protest auf den Reiseverlauf auch kaum noch weitere Auswirkungen.

Bei meinen Eltern angekommen, entließ ich die Katze aus ihrem proppevollen Korb (*pfümmp!*), sie drehte sich um und machte mich an, wieso da noch kein Futter für sie steht (also, alles wie immer), und die Fahrt war mal wieder überstanden. Nach einer viertel Stunde in-die-Tüte-Atmen ließ auch das Kribbeln in den Fingern wieder nach, die Gummireste vom Lenkrad zwischen den Zähnen waren auch schnell wieder entfernt.

Bleiben noch ein Tipp für die Taliban: Macht uns keine Angst, schickt uns keine Bomben. Verteilt ein paar lieb schauende Katzen mehr, lasst sie von A nach B transportieren, und Deutschland wird auch so wahnsinnig.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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12 Antworten zu Katze und Auto fahren

  1. Dudu schreibt:

    Höhö. Kommt mir äußerst bekannt vor, nur dass das Ganze dann bislang doppelt war.

  2. Mirko schreibt:

    Katzen fahren generell nicht gerne Auto, unsere protestiert nämlich auch, wenn es mal zum Tierarzt gehen muß, was zum Glück selten ist. Das kann am Gehör liegen, Katzen hören ja 10mal besser als wir Menschen. Somit dürfte das Autobrummen für die Katzen sehr unangenehm sein.
    Aber am Bauch, bzw am Brustkorb läßt sich unsere sehr gerne kraulen.

    Aber warum hält man sich eine Katze, wenn man weis, das man alle paar Wochen verreist? Kann denn niemand anderes auf die Katze aufpassen?

    Na dann, weiter viel Spaß mit dem Tiger.

    • firefox05c schreibt:

      Es sind für die Katze alle 3 Wochen 2 Stunden hin und drei Tage später 2 Stunden wieder zurück. Ich finde, das ist für so ein Tier nicht unbedingt zu viel. Immerhin muss man ihr zu gute halten, dass sie dank Klicker- Training und Bestechungen mit Malzpaste im Gegensatz zu Anfangszeiten schon sehr wenig rummault. Es scheint bei ihr nur der bloße Unwille zu sein, dass sie für die Reisedauer im Transportkorb sitzen MUSS, und nicht raus darf. Denn zu Hause schläft sie teilweise sogar freiwillig in dem Korb! Auch sind bei ihr schon direkt nach Ende der Fahrt keinerlei Stressanzeichen zu beobachten- sie tut, als sei nichts gewesen.

    • Ich kam während Studienzeiten zu meiner Katze, da es hieß: wenn sie keiner will, wird sie (wie leider oft auf dem Dorf üblich) getötet. Seit mittlerweile 11 Jahren fährt die Madame nun immer wieder Auto, früher sogar Zug.(Studentin eben) Sie ist es von Klein auf gewöhnt und normaler Weise lässt sie dies auch anstandslos über sich ergehen, bleibt sogar „dicht“. 😉
      Doch heute,als ich in die Heimat für ein Urlaubswöchlein starten wollte, hechelte sie trotz Klimaanlage so herzzereißend und jammert wie kurz vorm Tod, dass ich zu Hause geblieben bin…. Morgen in aller Früher ein neuer Versuch. 😛

      • firefox05c schreibt:

        Fahr – wenn es geht – zu einer Zeit, zu der sie normalerweise schläft. Dann ist sie zu müde, um „alles zu geben“. 😉

  3. Mo schreibt:

    Katze und Autofahren, ja, ja.

    Ich habe selbst zwei Katzen und fahre zumindest alle zwei, drei Monate für ein, zwei Wochen in die Heimat zu meiner Mutter, dauert so an die vier Stunden. Mein Kater liegt in der Zeit in seinem Korb und schläft die ganze Fahrt durch.
    Aber meine kleine Prinzessin schläft zwar gerne in ihrem Transportkorb, wenn er in der Wohnung steht, aber beim Autofahren will sie da nicht drin sitzen. Da sie an ein Geschirr gewöhnt ist, darf sie die Autofahrten mit meinen Hunden zusammen, angeschnallt auf der Rückbank verbringen. Da rollt sie sich immer zufrieden zusammen und schläft oder schaut ab und zu aus dem Fenster. Kein Miauen, kein Geplärre, nur wenn sich mal mein Labradormix auf sie schmeißt, murrt sie etwas. Steckt man sie in den Transportkorb könnte man meinen, sie wird zum Schlachter gefahren. Ich hab keine Ahnung, warum sie da so einen großen Unterschied macht.
    Katzen halt.

    • firefox05c schreibt:

      Wir haben auch so ein Geschirr. Vielleicht sollte ich das mal ausprobieren. Nur muss ich mir dann auch aus dem Altenheim so ein Pipidicht- Tuch mitbringen, falls sie wieder inkontinent werden sollte! 🙂

  4. Sarkastikum1 schreibt:

    Vielleicht einen größeren Kennel nehmen, Statt Kissen oder Decke rinzulegen, eine Hängematte reinhängen und kleines Katzenklo unten rein?
    Hängematte: alten Kopfkissenbezug nehmen, an allen vier Ecken mit z. B. Kabelbindern auf ca. halber Höhe im Kennel befestigen, fertig. Oder fertig kaufen. 😉
    Ist für den Herrn Kater vielleicht angenehmer, da komfortabler?

  5. Wolfram schreibt:

    Da gehts dir noch gut; unser Kater reist nicht mal 2km, ohne zu kotzen, pinkeln und sch***… beim Umzug hat der KO-Pillen gekriegt, ist eingeschlafen und war beim Aufwachen schon hier.

    Bekannte haben eine Katze, die sich im Auto hinterm Fahrersitz zusammenrollt; hinterm Beifahrersitz steht das Katzenklo, und gut is. Wenn die Katze so brav ist, stellt die Ladungssicherung auch kein Problem dar, ebensowenig beim Hund, der einfach nur da schläft. Der ist weniger gefährlich als die Handtasche auf der Hutablage.

    Was dagegen mit der Katze im Falle eines Unfalles passiert, wenn man den Vorschlag von Sarcasticum umsetzt, möchte ich mir lieber nicht vorstellen; meine Fantasie führt mich zu schnell zu Bildern à la Kettensägenmassaker..

    • Sarkastikum schreibt:

      Ich sehe da eigentlich die bedeutend kleinere Gefahr, aber eventuell habe ich mich einfach missverständlich ausgedrückt.
      Die Katze ist im Kennel, der Kennel ist fixiert. Da ist’s nix mit Kettensägenmassaker.
      Durch die doch begrenzten Abmessungen des Kennels ist zumindest ein Flug von 1 bis 1,5 m Länge durchs gesamte Fahrzeug ausgeschlossen. Bei starken Beschleunigungen, negativ wie positiv, fängt die Hängematte dazu noch etwas ab.
      Selbst das Klo, das sich mit im Kennel befindet, ist für die Katze keine so große Gefahr wie ein Flug à la Handtasche auf Hutablage, denke ich.
      Abgesehen davon lässt sich auch ein Katzenklo im Kennel ganz gut befestigen. 😉

  6. malenki schreibt:

    Katzen musste ich bisher nicht kutschieren (zum Glück). Einmal hatte ich privaterweise einen kleinen Zoo zu befördern – das Frettchen hatte sich nach 1/3 der Strecke befreit und erkundete den ganzen T4. Hat Spaß gemacht, so im Dunkeln bei Regen auf der kilometerlangen Autobahnbaustelle. :S

    Aber noch eins zu Katzen: Einmal saß ich im Wagen und hatte des schönen Wetters wegen die Fahrertür offen. Eine Katze kam vorbeigeschlendert, ich sagte „Miezmiez!“. Sie schaut mich an, kommt hergelaufen, schaut mich nochmal an, hüpft durch die Fahrertür ins Auto am Fahrersitz vorbei und setzt sich hinten in die Mitte. Sowas hatte ich auch noch nicht erlebt.
    Es war schwierig, die Katze wieder loszuwerden – aber gefreut über das Zutrauen habe ich mich trotzdem. 😉

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