Was die Feuerwehr kostet

Bei der täglichen Auswertung der Daten, die mein Blog so verursacht, fand ich den Suchbegriff „feuerwehr verarsche kosten“. Nun ja, da ich auch im „echten“ Leben schon öfter mal gefragt wurde, möchte ich mal allgemein vorwegnehmen: Es ist ein teures Hobby, die Feuerwehr absichtlich grundlos zu beschäftigen.

Um anderslautende Gerüchte schon mal auszuräumen: Bei erforderlichen Einsätzen, wie man sie sich vorstellt, z.B. Brände und Unfälle, werden die Kosten über die Versicherung geregelt. Und sollte man im guten Glauben die Feuerwehr alarmieren, und der Einsatz ist nicht erforderlich, weil sich z.B. der Rauch aus dem Zimmerfenster als Wasserdampf entpuppt oder dem „brennende Auto nach einem Unfall“ bloß die Talkumwolke der ausgelösten Airbags entwichen ist, braucht auch niemand Angst vor einer Rechnung zu haben.

Auch bei Einsätzen, die auf privatem Grund stattfinden und womöglich kostenpflichtig sind (Lawinen vom Dach popeln, abgeknickte Bäume auf Privatgrund absägen und sichern, Eiszapfen entfernen, Wespenbekämpfung…) wird nicht einfach gearbeitet und anschließend mit einer Rechnung überrascht, sondern es wird VOR dem Tätigwerden ein Arbeitsauftrag erstellt. Oder auch an Gewerbeunternehmen verwiesen.

Anders ist es, wenn man mal „zum Spaß“ den Feuermelder einwichst oder sich beim Nachbarn für zu laute Musik rächen möchte, indem man einen Brand in dessen Wohnung meldet: Beim vorsätzlichen, sog. „böswilligen“ Alarm wird es teuer!

Hierfür hat jede Gemeinde oder Stadt eine Gebührensatzung. Einige rechnen nach normalem Stunden- oder Halbstundensatz ab, andere haben Pauschalbeträge.

Für die Berechnung eines „Halbstundensatzes“ (mit dem z.B. auch bei den Versicherungen abgerechnet wird), gebe ich mal das Beispiel einer Stadt in NRW. Demnach würde ein Löschzug mit 16 Mann folgendes kosten:

Feuerwehrmann   je 17,-

Drehleiter 108,-

Einsatzleitwagen 83,-

Tanklöschfahrzeug 50,-

Löschgruppenfahrzeug  (bei Zimmerbrand 2x) je 47,-,

also für eine halbe Stunde bummelig so 400 Eumel plus Rettungsdienst.

Als „Pauschaltarif“ hat eine andere Gemeinde nach Objekt gestaffelte Preise im Angebot, diese reichen von einem böswilligen Alarm in einem einfachen Wohnhaus für 496,- Euro bis zum „Allround- Sorglos- Paket“ für einen Alarm im Krankenhaus oder Hotel für über 1100 Euro. Dorthin wird eben etwas mehr geschickt. In wiederum einer anderen Stadt begnügt man sich pauschal mit 601 deutsche Euronen. Es ist also wie immer: Man sollte schon vorher die Preise vergleichen! 😉

Zusätzlich wird der Anrufer noch eine Anzeige wegen Notrufmißbrauch bekommen, der Preis hierfür ist dann mit einem Richter auszuhandeln.

Wie auch immer: Billig ist ein böswilliger Alarm nicht. Wird die Sache „verfolgt“, wie es so schön heißt, ist  der Übeltäter unter Umständen ziemlich einfach zu finden: In der Leitstelle wird (auch bei eingeschalteter Rufnummern- Unterdrückung!) die Anrufer- Nummer gespeichert, das Gespräch wird aufgenommen und gesichert.

Von daher möchte ich garnicht wissen, was ein gekränkter Liebesgockel für die Rache an seiner Freundin bezahlen mußte, die ihm den Laufpass gab: Wir kamen mit RTW und Notarzt dorthin, weil jemand bluten sollte wie Sau, die Polizei kam wegen einer Schlägerei mit 3 Streifenwagen, der Löschzug wegen eines Zimmerbrandes, und der Taxifahrer sollte 6 Leute zum Flughafen bringen. Als die Situation geklärt war, haben wir beim Rausgehen noch den Pizzaboten eingeweiht, der uns mit 3 Familienblechen Salamipizza für eine angebliche Party entgegenkam…

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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8 Antworten zu Was die Feuerwehr kostet

  1. Jonas schreibt:

    Die letzte Geschichte ist nen Knaller, aber noch nichts im Vergleich zu dem Typen bei uns der aus selbigen Motiv seiner Freundin ne SMS schrieb, dass er ne Bombe in ihr Auto gebastelt hätte. Der Anruf der besorgten jungen Dame offenbarte auch noch, dass sie just ihr Auto neben einer Zapfsäule abgestellt hatte. Da war dann natürlich auch die komplette Show mit Specials geboten, ich glaube der Sprengstoffspezi wurde damals mit nem Hubschrauber eingeflogen.
    Aber wieder mal super geschrieben!

    • firefox05c schreibt:

      Tja, es gibt halt für alles eine Steigerung! -Vor allem: Dieser Mensch hat für das ganze Aufgebot dann ja nur eine SMS gebraucht! Optimale Leistungskomprimierung! 🙂

  2. rettungsdienstblog schreibt:

    Vorraussetzung für den Kostenbescheid ist natürlich, dass die Sache als „böswilliger Alarm“ verfolgt wird, die Polizei ermittelt und man das dann auch komplett durchzieht…inkl. Gerichtsprozess, etc. uvm.

    • firefox05c schreibt:

      Tja, leider gönnen sich die Feuerwehren diesen Vorgang zu selten. Bevor man als Gegner dasteht, lässt man sich lieber verarschen. Daher wird es hier leider nur verfolgt, wenn jemand mehrfach anruft. Häufig kommen auch „Mißbrauchsanrufe“ („Letzte Woche bin ich gestürzt, habe vor 4 Tagen eine Einweisung zum Röntgen bekommen. Jetzt tut es so weh, dass ich nicht schlafen kann…“) von einer Bevölkerungsschicht, die sowieso nicht bezahlen könnten, falls man eine Rechnung schreibt. Da hat sich dieses einfache „Druckmittel“ dann auch erledigt.

      • rettungsdienstblog schreibt:

        Ja, klingt wie die Aussage bei uns:

        Wenn ein Arzt seine Unterschrift unter die „Paketmarke“ verweigert, dann wird ein anderer Arzt gefragt. Weil ohne Unterschrift werden das Privatzahler und die können eh nicht zahlen, also wäre es ein Minusgeschäft…^^

      • firefox05c schreibt:

        Wenn der Arzt seine Unterschrift verweigert, gibt es zwei Möglichkeiten: Der Kunde bekommt die Rechnung und rührt sich nicht. ->Feuerwehr muss sehen, woher das Geld kommt. Oder der Kunde schickt die Rechnung an die Kasse weiter, die uns erst mal bezahlt. Die Kasse fragt dann den Arzt/ die Klinik schriftlich, warum die Notwendigkeit nicht gegeben war. Bekommt sie eine Begründung, fordert sie beim Kunden das Geld zurück. Also nicht immer ein Minusgeschäft.

  3. beij schreibt:

    Reicht sowas schon für eine Psychiatrie- Einweisung?

    • firefox05c schreibt:

      Nein. Für eine Zwangseinweisung muss er sich selbst oder andere gefährden. Er hat uns aber allenfalls geärgert. Er hat es ja auch nur ein Mal gemacht. 😉

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