Holland

…oder: Der Versuch, Steuern zu sparen

Ich als Beamter bin natürlich Kaffeetrinker. Und mein Mausi auch. Da geht natürlich so das eine oder andere Krümelchen der Aroma- Bohnen durch. Wenn man dann noch im weiteren Grenzbezirk zum Land des Käses und der Joints wohnt, liegt es nahe, alle paar Monate mal „rüberzumachen“, um das eine oder andere Kilo Kaffee in Holland zu kaufen. Oder auch beide.

Damit sich die Reise richtig lohnt, bringen wir noch Kaffee für meine Schwester, ihren Tünnes und noch ein paar andere Menschen mit. Weil: Pro Privatperson darf man ja 10 Kilo zollfrei einführen. Und neuerdings nehmen wir bei der Gelegenheit ja auch noch Bestellungen über Twitter an. 😉

Also rüber ins Limburger Land. Nache Zwei Brüders, weil billig, weisse Bescheid.

Das langt erstmal bis Dienstag...

Nachdem wir uns dort den Wagen mit 16 Kilo Kaffee, 300 Kaffeepads, 3 Stiegen Dosencola (Pfandfrei!) und so Schokostreussel für aufs Frühstücksbrot sowie noch anderen Kleinigkeiten vollgepackt hatten, waren wir an der Kasse auch gleich 160 Flocken los. Zu diesem Zeitpunkt dämmerte mir aber schon, dass sich die Tour nicht ganz so lohnte als sonst: Der Kaffee war dieses mal nur wenig billiger als hierzulande.

Ja gut, zumindest konnten wir noch schön bei bestem Wetter durch die Innenstadt schlendern, haben noch einen Laden gefunden, in dem der Kaffee noch billiger ist (bezeichnenderweise schräg gegenüber der deutschen Kaffeetouristenhochburg) , sind dann wieder „gen Heimat“ gefahren (Mann, schon wieder keine Zollkontrolle! Bin wohl nicht der Typ dafür…) und hatten unsere Kaffeevorräte aufgestockt. Das war so gegen 15.00Uhr.

Doch dann kam der Ärger:

1. Mausi wollte dann abends in die Eisenkammer, um ihren ästhetischen Körper zu stählen. Der Weg führte sie vorher zur Bank. Ein paar Minuten später bekam ich einen verzweifelten Anruf:

„Kannst du mal in meiner Handtasche nachsehen, ob die Kontokarte da drin ist?“ Wer Frauenhandtaschen kennt, weiß, dass die vorzufindenden Artefakte nach unten hin immer unapetitlicher werden: An der Bürste und dem Paket Taschentücher vorbei, die Kassenzettel und Tampons beiseite gewühlt und geschickt den gebrauchten Rotzfahnen ausweichend, kam ich in die tiefste Sohle mit den aufgeweichten „Nimm2“ und den woher-auch-immer-stammenden Krümeln. Ich fand vieles, was besser in den vor Männeraugen verborgenen Tiefen des Damenbegleiters geblieben wäre. Aber keine Kontokarte. Toll.

Rückruf: „Hast du dein Portmonee (schreibt man das jetzt so?) wirklich auf Links gekrempelt? Hier ist die Karte nämlich nicht. -Den Haufen auf dem Küchentisch räumst du nachher besser selbst wieder ein. Schaufel steht im Keller.“

„Äh… ja gut… die Karte ist dann wohl weg… Vielleicht habe ich sie ja in Holland im Kassenklotz stecken lassen. Bin mir aber nicht sicher. Musst sie dann wohl mal sperren lassen…“, meinte sie etwas betreten.

Oberklasse. Ehrlich. Die Karte wurde also seit 14.15 nicht mehr gesehen. Jetzt war es 19.30 und mein Geld im Falle eines Mißbrauchs wohl schon in Madrid abgehoben worden. Tolle Wurst.

Da bei der Bank natürlich niemand mehr erreichbar war, habe ich die (gebührenpflichtige!) Hotline angerufen und mich durchs Computerstimmen- Menü gekämpft. Da muss man echt noch was sagen, nicht nur Nummern drücken!  Dann wurde ich nach erfolgreichem automatisierten Interview erst einen Schritt vor der Sperrung von dem netten digitalen Mitarbeiter darüber aufgeklärt, dass nur alle Karten des Kontos gemeinsam gesperrt werden könnten! Der Gefahr zum Trotz, dass ich mich wiederhole: Nochmal „Toll“. Ich hatte nur noch etwas Klimpergeld in der Tasche! Also vor dem letzten Schritt aufgelegt und zur Bank gesprintet, noch schnell ein wenig Taschengeld geholt. Anschließend die Sache zuende gebracht. Der „Digi-Mähn“ klärte mich noch darüber auf, dass ich mich zur Entsperrung einzelner Karten bitte mit meinen Finanzgurus in Verbindung setzen sollte. Ach, das geht?

Der Blick auf meinen Echtzeit- Kontostand zeigte mir dann, dass anscheinend noch nichts abgeräumt wurde. Ein Anruf am nächsten Tag beim Kaffeedealer meines Vertrauens klärte auch den Verbleib der Karte. Bezahlklotz an Kasse 12. Also NICHT geklaut.

Beim Besuch der Bank schaute mich der Mensch, der dort u.a. von meinem Dispo lebt, an, als hätte ich eine versteckte Kamera im Hut: „Bitte? Entsperren? Nö, das geht natürlich nicht.“ *WerHatIhnenDennDenMistErzählt* -„Da brauchen Sie neue.“ Pause. Als ich ihn weiter erwartungsvoll anschaute, kam er drauf: „Wollen Sie die jetzt beantragen?“ –Natürlich nicht, du Intelligenzallergiker! Ich entsage dem schnöden Mammon jetzt komplett und erbettel mir an der Haustür Nudeln zum Überleben!

Mit geschätzten 4 Tastenanschlägen würgte der Drucker den Antrag hoch. Anfang nächster Woche müssten die Karten und Geheimzahlen wohl da sein. Hoffentlich.

Beim nachmittäglichen Einkauf dann Ärger Nr. 2 :

Da krisse echt Kringels inne Döppen!

Im Lidl gab es unsere Kaffeesorte im Angebot. Im Angebot!!!! Für nur 50 Cent mehr als im Land der Klotschen. Dafür aber mit 10% mehr Inhalt. Ich habe vor Wut den Ständer angezündet. Also, wollte ich zumindest. Mausi meinte aber, es wäre besser, davon abzusehen, da wir dort noch öfter einkaufen würden.

Mal ehrlich: Da hat sich unser Trip nach NL ja richtig gelohnt!

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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11 Antworten zu Holland

  1. Federkiel schreibt:

    Bei so einer herzerfrischenden Geschichte muss ich ja froh sein, nicht in der Nähe irgendeiner Grenze zu wohnen. Da komme ich gar nicht erst in Versuchung kaufe die Böhnchen weiterhin in Deutschland.
    Haben die neuen Karten nicht auch noch Geld gekostet?

    • firefox05c schreibt:

      Werde ich demnächst wohl hautnah erfahren, was die Karten kosten…
      -Wenn der Kaffee (wie sonst immer) etwa 30-40% günstiger ist, habe ich immer das Benzingeld und einen Satz Frikandeln raus. Ich finde, für ein solches „Null- Spiel“ kann man sich den gemütlichen Nachmittag gönnen. Naja, dieses Mal ist der Schuss nach hinten losgegangen. 😦

      • firefox05c schreibt:

        Update: Für die Sperrung der Karten hat man mir 10 Eumel berechnet. Naja, immerhin hat die Bank in diesem Falle auch etwas Arbeit gehabt, die die Gebühr womöglich sogar rechtfertigt. Wenn ich im Gegensatz dazu die alten Sparkassengebühren für eine „Institutsfremde Buchung“ von 10 Euro und mehr bei einem Buchungsaufwand von etwa 60ct sehe (auch nach der Zwangssenkung ist die Gebühr eigentlich zu teuer!), kann man schon ehr einen Hals bekommen. Vor allem, wenn man die Begründung hört: „Die Sparkassen stellen so viele Automaten bereit!“ -Die Buchung bei „Fremdkunden“ kostet die trotzdem nur 60 Cent!

  2. Lexy schreibt:

    Und wieder aus der Kategorie: Wer nich den schaden hat….
    😄

  3. Chris schreibt:

    oh je … aber der Schockostreusel ist sehr sehr lecker 🙂

    Pass gut auf, dass die Mario Barth das nicht für seine nächste Show klaut … ehm kopiert …

  4. sueder80 schreibt:

    Sowas ähnliches ist mir auch mal passiert.
    http://sueder.over-blog.de/article-31428903.html
    Konnte zum Glück noch Geld am Schalter holen.

  5. ToWi schreibt:

    Du hast recht, der Trip hat sich gelohnt – musste doch schon ziemlich schmunzeln beim lesen…
    Wie bitte? Ach, das war Ironie? hm……

    😉

  6. Wolfram schreibt:

    Die Lidl-Angebote kan man sich aber per Mail zuschicken lassen, dann weiß man sowas… 😉
    und sämtliche nichtdeutschen Nordseeanrainer haben um 20% steigende Kaffee Lebenshaltungskosten gemeldet.

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