Mit dem Heizlüfter aufs Dach

Der Winter ist hart. Besonders, wenn man „sehr geschäftsorientierte“ , sprich: geizige Vermieter hat. So wie die Schwiegereltern, die eine Dachgeschoss- Wohnung zu ihrem natürlichen Lebensraum erkoren haben.

Durch den vielen Schnee, den vorsichtigen Plusgraden und dem darauf immer wieder folgenden Frost hatte sich in der Dachrinne und dem Fallrohr an deren Mietshaus ein schicker Pfropf aus Eis gebildet. Und zwar fast Wasserdicht. Ja, und dann kam endgültig Tauwetter. Das hatte nur die Rinne nicht so schnell mitbekommen, und es kam, wie es kommen musste: Der Schnee auf dem Dach schmolz, das Fallrohr kam mit dem Auftauen nicht nach, die Suppe lief dann eben andere Wege.

Zum Beispiel durch die Schlafzimmerdecke der Mieter im 1. : Von Außen irgendwie vom Rinnenanschluss durch die Dachabdeckung, in die Decke, von dort dann ins Bett. Macht ja auch müde, so eine Reise. Die kostenbewußte Vermieterin hatte auf den Hilferuf eine zündende Idee: Sie stand mit einer Plastikwanne vor der Tür! „Die könnense ersma drunterstellen, das hört ja auch irgendwann wieder auf, ne?“ – Bombenstimmung, wie du dir vorstellen kannst! „Wie? Das ist jetzt alles an Katastrophenmanagement? Und die Matratze? Da brauchen wir eine neue!“ -Darauf der nächste Geistesblitz (es sprühten nur so die „Wicki- Funken aus der Birne!) : „Wenn es aufgehört hat, hab´ ich da noch so eine gebrauchte. Im Urlaub im Hotel schlafense ja auch auf gebrauchten Betten.“ Bums!

Na gut, mit manchen Leuten kann man es ja machen…

Einige Stunden Später bemerkten auch die Schwiegers im Stock darüber, also unter dem Dach, an der Zimmerwand und auf dem Boden verdächtigen Wasserglanz. Also flugs das Ausbreiten der reißenden Fluten durch das Aufdrappieren der kostbaren Aussteuer eingedämmt (kaum eine halbe Stunde später war das Handtuch auch schon durchnaß!) und einen Reiter zur Vermieterin entsandt: Das Dach wäre ja wohl undicht, von der Regenrinne täte das Wasser einbrechen, und da müsste was gemacht werden, damit nicht noch mehr Wasser reinkommt. Aber „Tu‘ ma Wanne“ ist nicht!

Also rang sich die Dame, deren Vorfahren wohl mal den Kupferdraht erfanden, indem sie den Pfennig so lange in den Händen hin und herdrehten, bis er lang und dünn war, dazu durch, mal einen Dachdecker vorbeischauen zu lassen.

Der Fachmann stellte natürlich sofort mit messerscharfem Sachverstand fest: „Solange datt Rohr dicht iss´ , brauchse da gaanich anfangen, anne Rinne unnen Dachanschluss rumzuprutschen. Datt muss vorher trocken sein.“ Im Vertrauen erzählte er der Haus- Frau dann wohl, dass der eine oder andere Fall durch vorsichtiges Nachhelfen mit etwas Wärme eine Idee früher behandlungsbereit war. Was macht Trulla? Blitzgescheit fiel ihr ein, was ihre Eltern wohl noch an Kriegsbeute vor den Amerikanern im Keller verstecken konnten, und kam mit diesem- äh- Ding an:

Zeitzeuge beider Kriege und der Industrialisierung...

Ein Heizlüfter, der wahrscheinlich kurz nach der Erfindung der Glühbirne gebaut wurde! Madame stellte sich jetzt vor, dass der Familienvater dreier Kinder das Ding an seinen privaten Strom anschließt (womöglich leuchten im Kraftwerk dann gleich einige rote Lämpchen auf), sich mit dem Aparillo bewaffnet vom Balkon aus geschwind über ein Vordach zur Regenrinne vorareitet, um dort in heroischer Pose mit einem hautengen Strampler (sowas tragen Helden schließlich) die Rinne mittels diesem Gebläse aufzutauen. Mal eben. In 6 Meter Höhe. So während dem Werbeblock. Schlug es vor und entfernte sich.

Das war wohl mal Stand der Technik. Als die Republik ausgerufen wurde.

Und der Mörder- Lüfter konnte nur noch traurig hinterhersehen. Er ahnte wohl, dass sich keiner mehr um ihn kümmern würde.

Der Familienvater schaute nur verständnislos die Familienmutter an, diese beäugte zutiefst beeindruckt dieses Relikt vergangener Epochen (also, den Lüfter, nicht ihren Mann!), und nachdem jeder mal mit dem Kopf geschüttelt hatte, setzten sie sich erst mal verstört vor den Fernseher.

Und nachdem man sich ausreichend ob dieses obskuren Vorschlages gewundert hatte und der Nacken vom Kopfschütteln schon Verspannungen bekam, entschloss man sich dazu, eine andere Strategie zu verfolgen: Das Eis wurde, soweit „Mann“ vom Balkon aus heranreichte, aus der Rinne gepopelt, der erreichbare Schnee entfernt, und den Rest musste dann das Wetter besorgen.

Ja, und als die Sonne unter den motivierenden Anfeuerungsrufen der versammelten und fähnchenwedelnden Familie den Rest auch noch weggetaut hatte, wurde von Frau Vermieterin ein Termin mit irgendjemanden gemacht, der die Undichtigkeiten am Dach beseitigt hat. Ein Handwerker. Also, vermuten wir. Denn der Diagnose stellende Dachdecker war wohl zu teuer. Und ob der Reparateur es „drauf hatte“, wird die Zukunft zeigen, wenn mal wieder Tauwasser ansteht.

Mal sehen, ob das Sprichwort hier auch wieder stimmt: „Wer billig kauft, kauft zwei Mal.“ 😉

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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5 Antworten zu Mit dem Heizlüfter aufs Dach

  1. firefox05c schreibt:

    Passend zum Artikel und zur Erklärung, wieso Tauwasser reinkommt, wo Regenwasser abfließt, schickte mir @cajonplayer einen PDF- Link: http://bit.ly/fAYuqq -Vielen Dank hierfür! 🙂

    • Lexy schreibt:

      Wunderbar, beim nächsten Mal kannste dann eurer Vermieterin vorrechnen (natürlich im Kopp) um wieviel Kelvin sie die Regenrinne erwärmen müsse, damit das Problem gelöst wird. 😉

  2. sueder80 schreibt:

    Nicht lange fackeln sondern direkt auf die Mietminderung drängen. Da wird selbst der geizigste Vermieter hellhörig.

  3. Avarion schreibt:

    Genau für sowas bin ich Mitglied im Mieterverein. Das gibt einen Anruf und der Vermieter bekommt nen Brief vom Anwalt mit der Ankündigung der Mietminderung.

  4. Wolfram schreibt:

    Der Heizlofter ist eindeutig ein Produkt der Fünfziger, und dieser Gerätestecker war damals Standard. Ist es auch geblieben, bis der neue Standard kam, der jetzt hinten an unseren PC und Monitoren zu finden ist, und mit einer Zusatznase in den Buchsen von Heißgeräten, damit die auch nur mit speziellen Heißgerätekabeln verwendet werden.

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