Sparen durch die Motivation Ehrenamtlicher

Dem Staat fehlt Geld. Den Ländern somit auch, und die Gemeinden stehen dem in nichts nach. Wie leben eben in einer Gemeinschaft.

Die Gemeinde ist aber auch Träger der Feuerwehren. Feuerwehren kosten zwar viel Geld, bringen aber nichts ein, da „verhinderte Schäden“ keine haushaltsverwertbaren Beträge sind. In Zeiten der Wirtschaftskriese macht sich das besonders schlecht.

Und auch, wenn es einige „Professionelle“ nicht wahr haben wollen: In den weitaus meisten Gemeinden wird der Brandschutz durch freiwillige Feuerwehrleute sichergestellt, die unentgeltlich und nebenher das machen, wofür sich BFler jeden Monat bezahlen lassen. Nur eben nicht so häufig, so dass sich meistens noch genug Leute finden lassen, die eine Kündigung riskieren, um ihrem Nachbarn die Bude zu löschen. Auch das hohe Ansehen des Berufsstandes in der Bevölkerung geht wohl hauptsächlichst auf die Arbeit der FF zurück, da ein Großteil des Volkes noch nie Kontakt mit einer BF hatte. Das mal vorweg.

Feuerwehr kostet Geld. Die Gemeinden mißbrauchen zum Sparen auch unsere Motivation.

Und auch, wenn die Gemeinden froh sein sollten, wenn sich genug Freiwillige finden, werden mir immer wieder Beispiele bekannt, in denen die Gemeinde anscheinend bewußt taktiert, um z.B. bei notwendigen (und teilweise sogar gesetzlich vorgeschriebenen!) Ausrüstungsgegenständen zu Lasten der Mitglieder einer Feuerwehr zu sparen. Und das funktioniert so:

Zum Beispiel bei der Schutzkleidung:

Feuerwehrleute brauchen natürlich Anzüge für deren Arbeit. Für den „normalen“ Einsatzdienst außerhalb eines Brandgeschehens einen Anzug aus einlagiger Schutzhose und -Jacke. Da kann sich die Gemeinde auch nicht drum drücken: Bei jedem Einsatz würde dieses sog. „Organisationsverschulden“ sofort auffallen, die Zeiten, in denen Feuerwehrleute in Jeanshose „an der Front stehen“, sollten weitgehend vorbei sein.

Ein Satz vernünftiger Schutzkleidung sollte für jeden drin sein

Anders bei Einsätzen, bei denen Feuerwehrleute in ein Gebäude zur Brandbekämpfung vorgehen: Hier ist für den vorgehenden Trupp eine bessere (und natürlich viel teurere!) Schutzkleidung vorgesehen, der allseits bekannte dicke Anzug, mehrlagig, aus Nomex- Tuch, der vor plötzlicher Hitze schützen soll. Und hier ist der Ansatzpunkt, um zu sparen.

Laut Gesetz muss nur der vorgehende Trupp und ein sog. Rettungstrupp/ Sicherheitstrupp diesen Anzug besitzen. Aber wer geht bei einer FF, bei der nicht sicher ist, wer beim Alarm gerade Einsatzbereit ist, als Angriffstrupp vor? Eigentlich müsste logischerweise jeder, der eine Ausbildung als Atemschutz- Geräteträger hat, und damit irgendwann in die Lage kommen kann, zur Brandbekämpfung vorzugehen (denn genau dafür ist ja diese Ausbildung!), einen solchen Anzug haben.

Was haben einige Gemeinden gemacht? „Ihr habt zwar 34 Mitglieder, aber nur 6 Atemschutzgeräte. Wenn man 2 Geräte als Reserve rechnet, braucht ihr insgesamt 4 Anzüge für die vorgehenden Trupps.  Damit sie jedem passen, gibt es die Einheitsgröße xxl. Bitte schön.“

Dieses ist kein Szenario, welches ich mir als Extremfall ausgedacht habe, sondern es ist wirklich so passiert. Im Übrigen war es damals genauso, als die Feuerwehren keine Gummistiefel mehr tragen sollten, sondern Lederstiefel: Eine Löschgruppe hat auf dem Papier 9 Mann, also: Für eine Feuerwehr mit fast 30 Angehörigen gab es: *Trommelwirbel* 9 Paar Lederstiefel!  -Sollten doch die Feuerwehrler, die zum Einsatz ausrücken, die vorhandenen Stiefel anziehen, und der Rest bitte im Gerätehaus bleiben. Oder so. Heute du, morgen ich. Oder besser umgekehrt, weil ich nicht so gerne in deinen vollgeschwitzten Stiefeln rumlaufe…

Die Taktik:

Die Anzüge (und vorher schon die Stiefel) wurden persönlich an „ausgewählte“ Mitglieder ausgegeben, der Rest wurde vertröstet, „bis mal wieder etwas Geld da ist“. Engagierte Kollegen, die nicht warten wollten, weil sie befürchteten, irgendwann beim Brandalarm keinen „Anzugträger“ vor Ort zu haben, fingen an, sich die Anzüge selbst zu kaufen. Hier erst mal die Jacke, da mal zusätzlich die Hose. Der Wunsch, sich als ausgebildeter Atemschutzgeräteträger auch mal im Einsatz einzubringen, spielte natürlich auch eine Rolle. Und schließlich möchte auch niemand als „Hydrantenaufdreher zweiter Klasse“ ausgegrenzt werden.

Und die Taktik ging auf: Es wurde seitens der Gemeinde ein paar Jahre gezögert und vertröstet, nach und nach hatten sich viele die Anzüge / die Stiefel selbst beschafft, und die Gemeinde musste irgendwann nur noch die „Restbestände“ mit der Schutzkleidung ausstatten. Weiterer Sparvorteil: Für selbstbeschaffte Kleidung muss die Gemeinde weder Reparaturen noch Ersatzbeschaffungen finanzieren!

Im Zuge der Einführung der Brandschutzanzüge wurden auch neuere Stiefel propagiert. Schnürstiefel. Sind nicht nur besser als die einfachen Schlupfstiefel (bessere Schutzwerte, Atmungsaktiv, bessere Paßform, dadurch stabileres Laufen), sondern auch total chic! (An dieser Stelle möchte ich mal die Kollegen kritisieren, die UNBEDINGT diese Stiefel, und am Besten UNBEDINGT von dieser bestimmten Marke haben wollen, weil „man die Dinger aus modischen Gründen einfach haben muss“! ). Allerdings sind diese Stiefel „Stand der Technik“, wenn auch nicht gesetzlich vorgeschrieben.

Also hat die Gemeinde wieder mit ein paar Stiefeln für die Atemschutzgeräteträger angefüttert – weil es hierzu kein Gesetz gibt, konnten sie sich sogar als großzügig hinstellen- und gewartet. Heute haben fast alle diese besseren Stiefel. Und fast alle vom Mercedes unter den Stiefelherstellern. Für den Rest gibt es jetzt nach und nach in vielen Gemeinden welche vom Rathaus. Wer selbst gekauft hat, hat zwar die Stadt finanziell entlastet, ist aber mal wieder selbst Schuld.

Ich selbst habe mir früher mal „richtig tolle Nomex- Handschuhe“ gekauft. Heute hat jeder welche von der Gemeinde. Außer mir. Denn ich hatte ja schon eigene… – Nie wieder! (Media Markt, sage ich da nur: „Ich in doch nicht blöd!“)

Ein besonders freches Beispiel habe ich im Rettungsdienst mitbekommen:

Stadt A bekommt ein neues Notarzt- Fahrzeug. Mit bunter Beklebung, Blaulicht und Funkgerät. Was so dazu gehört.

Allerdings gehörte wohl kein Regalsystem für die Ausrüstung dazu, und so meinte der Kreis, der Notarzt könnte sein Arbeitsgerät, u. a. den Defi, der mehrere tausend Euro kostet, einfach lose in den Kofferraum wemsen. Bis mal wieder Geld da ist. Das hat natürlich keiner ernst genommen, und so finanzierten sich die Mitglieder des Rettungsdienstes und die Notärzte zusammen mit selbstgesuchten Sponsoren den üblichen Ausbau im Kofferraum selbst.

Wenige Monate später bekam Stadt B auch ein neues Fahrzeug für den Notarzt. Auch ohne Heckausbau. Mit dem Hinweis, dass dieser Ausbau auch nicht finanziert würde, da Stadt A sich diesen schließlich auch selbst besorgt hat! – Und der Kreis ist damit durchgekommen: In der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt B war ein Mitglied, das sehr enge Kontakte zu einem metallverarbeitenden Betrieb hatte, und der Regalausbau wurde quasi in Eigenleistung nach Feierabend zum Materialkostenpreis zusammengebraten (allerding sehr professionell und allen erforderlichen Standarts entsprechend, da dieser Betrieb alle Möglichkeiten bot).

Wieso ich mich gerade jetzt darüber ärgere?

Über Twitter erreichte mich eine Nachfrage eines Feuerwehrmannes, der rumfragte, ob jemand eine günstige Möglichkeit kenne, Handfunkgeräte zu besorgen. Die Stadt wäre da sehr knauserig: Laut Konzept der Feuerwehr reiche es, bei einem Löschfahrzeug nur den Gruppenführer mit 2 (Führungskanal und Arbeitskanal) und den Angriffstrupp mit je einem Funkgerät (Arbeitskanal)  auszustatten. Na gut, bei der Berufsfeuerwehr gibt es auch nicht viel mehr Personal, da mag die Rechnung aufgehen. Die unterstützende Freiwillige Feuerwehr rückt aber nicht nur mit einem vollbesetzten Löschfahrzeug (9 Mann/Frau) an, sondern oft auch mit z.B. einem Mann/Frauschaftstransporter (Entschuldigung, Gender Mainstream… 😉  ) an, und hat dann für 14 Menschen 4 Funkgeräte, von denen 2 der Gruppenführer bekommt. Jedoch wird gerade die FF zu Tätigkeiten eingesetzt, bei denen die Gruppe oft weit auseinandergezogen wird, wie Wasserförderung, Straßensicherung, Beleuchtung…

Befehle wie „Wasser Marsch“ oder „Generator einschalten“ werden dann eben zu Fuß weitergegeben, wie 1954. Oder eben mit selbst gekauften Funkgeräten. Wenn dann was nicht klappt, wird die Schuld gerne bei der Mannschaft gesucht. Solange nicht offiziell ermittelt werden muss. Denn bei einer offiziellen Untersuchung, z.B., wenn jemand aufgrund mangelnder Kommunikation zu Schaden gekommen ist, wird womöglich schnell ein Organisationsverschulden der Stadt im Gespräch sein. Aber bis dahin sind „die Halbwilden der MickiMaus- Feuerwehr“ eben „zu blöd, eine Wasserversorgung aufzubauen“.

Im Übrigen ist auch diese Geschichte mit den Funkgeräten kein Einzelfall: Ich kenne eine ländliche FF, die sich die Hälfte seiner Geräte selbst gekauft hat, um ihre Schlagkraft zu verbessern.

In einem anderen Fall wurde in einer Ortschaft die Sirenenalarmierung abgeschafft und auf digitale Alarmierung umgestellt. Und an 35 Mitglieder 10 Alarmmelder verteilt. Ratet mal, was der Rest nach und nach gemacht hat… -Die Gemeinde hat sich natürlich nicht bedankt. Wieso auch? Wenn ihr so „Feuerwehr- verstrahlt“ seid? Klappt doch auch so!

Bei eBay blüht der Handel mit Behörden- Funkgeräten und Alarmgebern, Einsatzbekleidung und sogar Gerätschaften, die von Feuerwehrlern gekauft werden. Und zwar nicht, um bei Großeinsätzen der Nachbargemeinden hinterherzufahren und den Einsatzstellenfunk mitzuhören, sondern, um EUCH ALLEN ein Plus an Schlagkraft und Sicherheit zu bieten. Ein Unding, dass es anscheinend nur so laufen soll!

Es gibt bestimmt noch mehr Beispiele.  (-die Feuerwehrler vielleicht kurz als Kommentar schicken?)

Nun gut, es gibt Ausrüstung, die muss nicht unbedingt sein: Helmlampen, Rettungsmesser, leichtere oder bessere Helme, Bandschlingen usw. Die kann sich natürlich jeder als „Luxus“ selbst kaufen, wenn sie einem den Einsatz erleichtern. Ist ja auch für einen guten Zweck.

Aber bei Ausrüstung, zu der die Gemeinde gesetzlich verpflichtet ist (Schutzkleidung), oder die beim Fehlen die grundsätzliche Einsatzbereitschaft in Frage stellt (Funkgeräte, Alarmgeber), schneiden wir uns ins eigene Fleisch, wenn wir durch Eigenbeschaffung die Gemeinde aus der Pflicht entlassen!

Je öfter die Gemeinden mit der Taktik „Anfüttern undVertrösten“ durchkommen, desto öfter müssen wir uns auch anhören, dass „für die notwendige Ausrüstung keine Mittel da sind“.

"...könnte hier nicht vielleicht der Feuerwehrverein..." - NEIN!

Mir ist sogar ein Fall bekannt, in dem ein Tanklöschfahrzeug zwar angeblich nicht notwendig war, als es von der Gemeinde beschafft werden sollte, aber als die FF dieses aus Vereins- und Sponsorenmitteln gebraucht gekauft und selbst überholt hatte, war es schlagartig sowas von notwendig, dass die Gemeinde sofort alle Folgekosten übernommen hat. Und sich die Hände rieb!

Das kann es ja wohl nicht sein! Reicht es denn nicht, dass die FF ihre Zeit für die Ausbildung und Fortbildung opfert, bei entsprechender Einsatzfrequenz ihren Job riskiert und für wildfremde Menschen hohe Risiken eingeht? Müssen wir uns auch noch selbst die Lederhandschuhe dafür selbst kaufen, weil die Gemeinde nur beim billigsten Hersteller kauft, die aber angeblich nur Größe 12 anbietet? Wohl kaum.

Wenn der Träger der Feuerwehr kein Interesse daran hat, dass z.B. die Feuerwehr mehr als einen Trupp zur Menschenrettung einsetzt und aus diesem Grund keine weiteren Funkgeräte oder Einsatzanzüge beschafft, muss man sich daran halten. Und die Gemeinde mal auflaufen lassen. Spätestens, wenn die erste Anzeige vorliegt, wird die Sache offiziell. Und wenn es „politisch“ wird, werden die Brüder meistens wach. Dann geht es nämlich um deren Stuhl, und nicht nur um eine auf Feuerwehrkosten geschönte Haushaltsbilanz.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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33 Antworten zu Sparen durch die Motivation Ehrenamtlicher

  1. UW schreibt:

    Klasse! Da ist soviel Wahres dran….
    Übrigens: Bei Dir waren es Handschuhe, bei mir die Helmleuchte. Hatte schon seit vielen Jahren eine (damals mit Xenonlampe)..Als Einziger. Bis dann für die AGTs welche (mit LED-Lampe) beschafft wurden. Natürlich nicht für mich, denn ich hatte ja eine. 😦

  2. jansued schreibt:

    Glaubst du, dass diverse Seitenhiebe in Richtung BF hilfreich sind?

    • firefox05c schreibt:

      Hilfreich wofür? Ich wollte lediglich darauf hinweisen, dass „Freiwillige Feuerwehr“ eben nicht nur aus feierseeligen Wichtigtuern besteht, die „nichts draufhaben“, da sie ja immer nur für die BF aufräumen. Weite Teile der Bevölkerung selbst auf dem Lande gehen davon aus, Feuerwehr sei grundsätzlich Hauptamtlich. Und ich als Insider BEIDER Seiten kann behaupten: Die Arroganz, mit der die FF in vielen (unbedachten) Äußerungen diffarmiert wird, ist manchmal unglaublich. Ich weiß, wovon ich nach fast 14 Jahren BF spreche. Leider.
      Meine „Seitenhiebe“ sollen auch nicht alle BFler treffen. Meistens ärgere ich mich nur über die „Söldner“, die den Job nur machen, weil sie als lebenslänglicher Beamter einen sicheren und einigermaßen gut bezahlten Job haben. Ich kenne Kollegen Beamte, die es schon als Störung ihrer Freizeit empfinden, wenn sie mal nach 17.00 eine Kettensäge säubern sollen.

  3. Lexy schreibt:

    Du triffst (mal wieder ;D) mit deinem Artikel voll ins Schwarze!
    Passend auch dazu auch der Artikel im FWnetz: http://www.fwnetz.de/2011/02/11/die-feuerwehr-kommt-wenn-ich-sie-rufe/

    Feuerwehr kommt halt wenn man sie ruft, ist ein politischer Selbstläufer und solange nix passiert ist doch alles i.O. 😦

  4. Papa.Whiskey88 schreibt:

    @Jansued: Wo siehst du hier Seitenhiebe gegen die BF? Ich denke es geht hier weniger um eine BF als um den Sparzwang der Gemeinden! Die BF hat damit aus meiner Sicht relativ wenig zu tun!

    • firefox05c schreibt:

      Auch bei der BF gab es übrigens Beamte, die sich einen besseren Helm, Helmlampen oder (vor der Umstellung) Schnürstiefel gekauft haben. Im Grunde – kreuzigt mich nicht- alles „Opfer ihrer Begeisterung“! 😉

  5. Jonas schreibt:

    Guter Artikel und recht hast du!
    Ich kann ja mal kurz berichten, wie das bei uns, also den „blauen Wichteln“ läuft:
    Gravierende Ausstattungdefezite gibt es eigentlich nicht flächendeckend. Die PSA ist sehr zufriedenstellend, Reperatur und Ersatz gibt es relativ zügig wenn man 10 Formblätter ausgefüllt hat 😉
    Zwar gibt es jetzt auch den Versuch, uns eine sogenannte Tagesdienstbekleidung zum Selbstbezahlen anzubieten, das ganze kommt aber eher nicht so gut an. Brauchen tut man die zwangsläufig nicht und sonst hat man Arbeitsanzug, Einsatzanzug und Dienstanzug.
    Dann gibt es da noch die Helfervereinigungen die für den „Luxus“ bezahlen. In einigen OVs setzen die im Jahr bis zu 100.000€ um in anderen einen kleineren 4stelligen Betrag. Wir haben zum Beispiel jüngst einen Profi Herd für die Küche und einen Kicker von der HV bekommen. Es wird aber stehts drauf geachtet, dass die HV keine Leistungen übernimmt die sonst der Bund übernehmen müsste, da wird strikt unterschieden.
    Was habe ich für mich persönlich ausgegeben? So wie du ungefähr in deinem Artikel beschrieben hast. Eine passende Helmlampe mit Holster, ein Pulli mit der Aufschrift meines OVs und ein Nackenleder, da wird in nächster Zeit wohl immer was dazu kommen, das ist aber auch persönlicher Luxus und „Verrücktheit“.
    Sicher muss der Ortsbeauftragte auch ein wenig wirtschaften, denn die SB-Mittel (wovon Sprit, Essen usw. bezahlt wird) sind festgesetzt. Hier muss die Leitung eines OVs den „Haushalt“ gut im Blick haben. (gerade auch wenn man son MAN KatS 6×6 in der Garage stehen hat, der einem das Geld so durch den Tank jagt).
    Alles in allem ist die Situation bei uns entspannter als du sie beschriebn hast, aber es ist auch nicht alles Gold was glänzt und so muss man eben seine Interessen waren und eben gut „haushalten“.
    Ich hoffe ich konnte mal eine andere Perspektive beschreiben.
    Viele Grüße!

    • firefox05c schreibt:

      Meine Absicht war nicht, alles schwarz zu malen. Die beschriebenen Begebenheiten sind teilweise 15 Jahre her (Lederstiefel). Es gibt aber immer wieder solche Situationen, wo gerne in der entsprechenden Art taktiert wird. Und die Betroffenen merken teilweise anscheinend nicht, wohin die Reise geht („Glaubst du, wir bekommen die Jacken ehr, wenn ICH sie mir jetzt NICHT kaufe?…“)
      Es hat mich halt nur geärgert, das aktuell wieder jemand privat Funkgeräte für seinen Löschzug beschaffen wollte.

      • Jonas schreibt:

        Nein, so hab ich das auch nicht verstanden.
        Leider sind nur die Kommunen als Träger der FW in den letzten 20 Jahren von Bund und Ländern ziemlich ausgeblutet worden, durch immer mehr Leistungen, die sie übernehmen sollten.
        Und ich sag immer: Man muss leider Einsparungen immer wieder in Betracht ziehen, in allen Bereichen aber bitte nicht in der örtlichen Gefahrenabwehr oder KatS. Da wird am falschen Ende gespart.
        Gerade der Klimawandel, eine zunehmend ältere Bevölkerung und und und, macht es und wird es in Zukunft nicht einfacher machen und bestimmt nicht weniger Einsätze!

  6. Bernd Hoeft schreibt:

    Hallo,
    schöner Artikel, besonders das Foto mit den Fahrzeugen ist der Brüller.
    In der Sache wird jedoch unterstellt, dass die Gemeinden dieses in berechnender Absicht machen. Häufig ist jedoch eher völlige Ahnungslosigkeit die Ursache des Übels. Während sich Verwaltungen und Selbstverwaltungen früher noch wenigstens minimal mit Ihrer Feuerwehr auseinandergesetzt haben, fehlt heute jegliche Bindung zu den Freiwilligen Helfern und somit auch jegliche Form der Unterstützung.
    Schade eigentlich. Schöner Artikel, der den Finger tief in die Wunde legt.

    • firefox05c schreibt:

      Ich sehe das etwas anders: „Unwissenheit“ kann man beim ersten Mal unterstellen. Sobald sie aber gesehen haben, dass z.B. beantragte Ausrüstung nach der Ablehnung vom Verein beschafft wird oder (wie im Falle der Überbekleidung) im 1. Jahr 30, im 2. Jahr 22 und im 3. Jahr nur noch 5 Garnituren beantragt werden, obwohl immer abgelehnt wurde, müssten die Verantwortlichen schon ziemlich Begriffsstutzig sein, um nicht hinter die Tatsachen zu kommen. Beim nächsten Feuerwehrfest tragen dann (auch ohne Jesus‘ wundersamen Vermehrung) plötzlich 25 Mann die vorhandenen 5 Schutzgarnituren… Solche Anträge der Feuerwehr werden dann zukünftig garantiert nicht immer ohne Hintergedanken rausgeschoben, davon bin ich überzeugt.

    • Wolfram schreibt:

      Das Foto stammt meiner Einschätzung nach aus dem Kinder- und Jugendfeuerwehrdorf bei Iserlohn. http://www.floriansdorf.de/
      Dafür sprechen auch die noch zu erkennenden rot-weißen Balken auf dem Wappen auf der Tür: sie stehen für die Grafschaft Mark.

      Daß in diesem Dorf unmotorisierte Feuerspritzen unterwegs sind, halte ich sogar für richtig, aber das darf kein Maßstab für die „richtige“ FW sein!

      • firefox05c schreibt:

        Ihr sollt doch nicht verraten, wo ich meine Symbolfotos mache! 😉
        Ich denke aber, dass das Foto schon als Symbol erkannt wird und nicht als tatsächlicher Zustand einer Feuerwehr mit „armen Förderverein“…

      • Wolfram schreibt:

        Bei einer richtig armen Feuerwehr sieht das SO aus!
        (Und die Pferde sind mittlerweile auch eingespart…)

  7. anonymer Feuerwehrholiker schreibt:

    Ich bin selber in 2 FF-Einheiten. Eine mit einem Fahrzeug (bei dessen Einsegnung der Bürgermeister sich selbst gefeiert hat, da unerwartet ne Automatikschaltung drin war und der selbstgebaute Lichtmast vom alten Fahrzeug übernommen werden konnte – spart Kosten!) und die andere ist einer BF unterstellt, aber im eigenen Bereich fast immer vor der BF da…

    In der ersten Wehr gibt es nur für 2 Löschzüge Funkmeldeempfänger. Eine kleine Löschgruppe hat sich aus der Mannschaftskasse selber welche beschafft. Bei den LZs wurden auch nur die bisher nicht privat beschafften aufgestockt. Unsere Löschgruppe hat ihr Gerätehaus in Eigenleistung um einen Mannschaftsraum erweitert und den alten, zu kleinen Raum, zu Umkleiden umgebaut.(Materialkosten trug die Gemeinde) Vorher hing die Einsatzkleidung in der Fahrzeughalle neben dem Auto. Nun ist das Auto ein LKW-Fahrgestell und man kann nichtmals die Türen ganz öffnen. Die neue Umkleide ist auch nicht durch Türen von der Fahrzeughalle getrennt. Eine Abgasabsauganlage wär aber Luxus von dem wir nur träumen können…Ein Neubau oder Umbau der Halle erst recht.

    In der anderen Einheit wurde vor einigen Jahren ein Förderverein gegründet…was in Bayern Usus ist und da sogar ganze Fahrzeuge für ihre Wehren beschafft und der Kommune schenkt ist bei uns gedacht, um einige „Nice-to-haves“ anzuschaffen. Adalit-Leuchten gibts nämlich nicht von Seiten der Stadt. Selbst die BF ist da mehr als dürftig ausgestattet, ist ja kein Geld da. Wir waren dann mal in Düsseldorf einen unserer Kameraden bei der BF besuchen – und haben uns die Teklite-Einsatzstellenbeleuchtung angeguckt. Nun haben wir durch den Förderverein 2 Stück bekommen. Beim letzten Garagenbrand hat der Trupp der BF sich Mühe gegeben nicht über das Kabel zu stolpern – war aber garkeins da;)

    Nun kommt es ab und an mal vor, dass wir bei Einsätzen wo wir personell nicht gebraucht werden, trotzdem vor Ort bleiben (ok, ist taktisch schon sinnvoll) aber beim letzten Mal durften wir dann wenigstens unsere Teklite nach vorne bringen zum Ausleuchten eines ausgebrannten Raumes. Mal abwarten wann die BF sowas bekommt;)

    Muss aber lobenderweise sagen, dass trotz schlechter Finanzlage dieser Stadt neue Gerätehäuser für die FFs gebaut werden, neue DMEs angeschafft werden und die Überhosen, welche wir bisher nur als Pool haben, bald um die gebrauchten der BF aufgestockt werden, weil die neue persönliche Hosen bekommen und nun jeder AGT bald eine eigene Hose hat – die wird dann wenn die in die Wäsche geht aber nur durch eine andere in gleicher Größe ersetzt und ist nicht dauerhaft persönlich zugeordnet.

    • firefox05c schreibt:

      Ich denke, Sparen müssen wir alle. Zum Beispiel bei genannten Eigenleistungen am Bau. Auch die- wie du so schön sagtest- „nice to haves“ sollten auch nicht unbedingt in den harten Zeiten vom knappen öffentlichen Budget abgezwackt werden, da gibt es Wichtigeres. Aber grundsätzlich vorgeschriebene Ausrüstung sollte von der Gemeinde beschafft werden.
      Dass ich mit der abwartenden Taktik anscheinend garnicht so verkehrt liege, zeigt mir dein Beispiel mit den Funkmeldern: Wenn die privat beschafften Melder offiziell nicht berechnet würden, müssten auch diese Kameraden später einen von der Gemeinde bekommen. Zumal die Stadt ja auch in Erklärungsnot kommen würde, wenn im Einsatz mangels Kräften etwas schief gegangen ist, und die Gemeindeväter eingestehen müssten, dass ja offiziell nur 10 von z.B. erforderlichen 18 Kräften (plus Ausfallreserve!) alarmiert werden können…
      Hier wird also bewusst entweder von der Wehrleitung, die das Geld auf Kosten der Mitglieder lieber woanders einsetzt und die Melder nicht beantragt, oder von der Gemeinde, die nur die „Restbestände“ ausrüstet, ohne sich Gedanken darüber zu machen, womit denn die anderen Kameraden alarmiert werden sollen, mit den privaten Beschaffungen gerechnet.

  8. chogaramirez schreibt:

    Toller Artikel, der mich beim Lesen richtig gefesselt hat. Einige Dinge, die du ansprichst habe ich auch schon von unserer Ortswehr gehört bzw. mir sagen lassen.

  9. firefox05c schreibt:

    Liebe Leser,
    nur, um dem Artikel nochmal einen etwas anderen Drall zu geben:
    Damit dieses System funktioniert, gehören immer 2 Seiten dazu: Einer, der den „guten Willen“ ausnutzt, und einer, der sich auf diese Spielchen einlässt. Also die lieben Kollegen, die sofort ihr Geld (wie tausendfach gesehen) in neue Stiefel stecken!
    Muss man denn Grundausrüstung selbst kaufen, weil die Beschaffung einmal durch die Gemeinde abgelehnt wurde?
    Kann man nicht einfach noch einige Zeit mit den Schlupfstiefeln leben, bis die Gemeinde ein Einsehen hat?
    Oder den Spieß umdrehen, und bereits vor ein, zwei Jahren abgelehnte Anträge nochmal vorlegen, wenn z.B. der Bürgermeister sein letztes Dienstjahr hat und überlegt, wo er sich noch „ein Denkmal setzen“ kann? Vor den Wahlen sind viele Politiker ja etwas zugänglicher…
    Müssen wir uns selbst ins Knie schießen, indem wir das mitmachen?

    • Lexy schreibt:

      Absolut, ich kenne Löscheinheiten die haben sich ein Zieh-Fix selber gekauft.
      Genauso kenn ich welche, die im Winter die komplett vereisste & zugeschneite Fläche vor ihrer Halle in 2,5h besenrein gekehrt haben, obwohl die BF die Fläche mit nutzt.
      Ein Räumfahrzeug der Stadt hätte das in 5min geschafft….
      Da packste dir annen Kopp. Aber solange man es mit sich machen lässt, muss man sich nicht wundern 😦

  10. NK schreibt:

    Ich fürchte, man muss bei Misständen, die zu Problemen führen, eine Linie ziehen, ab der man nicht mehr bereit ist, diese Misstände durch eigenes Engagement (Geld, Zeit, Stress, …) aufzufangen. Eine Linie, ab der man Probleme postwendend an die Oberen zurückschickt.
    Denn das eigene Engagement zu begrenzen – das tut niemand anderes für einen. Das tut man entweder selbst, oder man wird unter dem Credo „Bisher ging es doch auch!“ solange immer mehr ausgenutzt bis man selbst den Schaden hat.

  11. Lukas schreibt:

    Teilweise kamen mir die beschriebenen Situationen des Artikels bekannt vor. Allerdings gibt es in meiner Einheit diesbezüglich derzeit fast keine Probleme. Ich bin mal gespannt, wie sich das entwickelt, denn wir stehen kurz vor der Beschaffung neuer Einsatzschutzkleidung, da unsere Nomex-Bekleidung mitlerweile doch einige Jahre auf dem Buckel hat. Hier wird es wohl wiede eine zweiseitige Lösung geben, denn im Moment sind ALLE Einsatzkräfte mit Nomex-Bekleidung ausgestattet. In Zukunft soll es wohl für AGTs die neue Schutzbekleidung geben, während der Rest die derzeitige Kleidung behält.

    Aber mal abgesehen von der Schutzbekleidung:
    Bei uns wurden boshafte Stimmen aus der Zivilbefölkerung laut, als wir 2009 ein neues LF 10/6 beschafft haben. Es wurde vielfach so hingestellt, als wenn sich die Feuerwehr da ein schönes neues „übertriebenes Spielzeug für 200.000€“ in den Stall gestellt hat. Das das neue LF das alte Fahrzeug, welches auch schon 26 Jahre alt war und technisch nicht mehr ganz auf der Höhe, nicht nur ersetzt hat, sondern auch das Equipment der Wehr um viele nützliche Dinge aufgestockt hat (z.B. Hydr. Rettungssatz, Lichtmast, Rettungssäge, etc.) ging da teilweise etwas unter.

    Klar kann die Gemeinde nicht jeden FWler mit allen Neuheiten, die es auf dem Markt gibt, ausrüsten. Jedoch sollte und muss die Ausrüstung, insbesondere die Schutzkleidung, den Anforderungen genügen. Solange nichts passiert, mag es vieleicht gut gehen, aber sobald etwas schief läuft, schaut in erster Linie die Einsatzkraft dumm aus der Wäsche (im wahrsten Sinne des Wortes).

  12. Wirklich guter Artikel. Mein Arbeitgeber im RD ist da wirklich vorzeigbar. Wir bekommen immer das, was wir auch brauchen, auch wenn es mal ein bisschen länger dauert.

  13. Sluggyly schreibt:

    Leider ist dieser Artikel sehr wahrheitsgemäß. Selber habe ich es zwar noch nicht genau so erlebt, aber ich kenne das ganze Spiel.

    Bei uns ist es aber nicht ganz so. Der ein oder andere Kamerad aus dem Löschzug hat sich z.B. einen Helm beschafft. Zum Jahreswechsel gab es jetzt einen neuen Helm, und die alten Modelle wurden eingezogen. Aber man sehe und staune, auch jene, die einen eigenen Helm beschafft haben, bekamen einen neuen.

    Nur leider stellte sich kurz nach der Beschaffung dieser Helme heraus, dass diese häufig Spannungsrisse aufweisen und evtl. auch wieder eingezogen werden müssen.

  14. thöan schreibt:

    Ich muss dir völlig recht geben! Warum sollte die Gemeinde das ein oder andere anschaffen, wenn die „dummen“ Feuerwehrler das auch selbst machen können und schließlich auch machen.
    Ich selbst bin in keiner FF, aber in einer HiOrg. Die Probleme mit der Stadt haben wir natürlich nicht, der Kreis ist aber ähnlich drauf. Als die DME angeschafft wurden, gab es auch nur einen Bruchteil der Benötigten, und vor allem (durch ein Konzept des Innenministeriums) uns Zustehenden! Wer die restlichen DME gekauft hat? Na die Ortsveieine natürlich. Und dir haben das auch noch bereitwillig mit sich machen lassen.
    Alle meckern drüber, doch warum sollte sich je was ändern, wenn der Kreis es so einfach haben kann? Ich würde es genau so machen.
    Ich saß zu der Zeit leider gerade nicht mehr im Vorstand. Schade eigentlich..

    • Hightower schreibt:

      Vor allem wurde das ganze Drama auch noch in der Verbandsspitze (KV) gutgeheißen….

  15. Migthy Joe Moon schreibt:

    Ja, ja, die bösen Kommunen. Sparen immer am falschen Ende. Sorry, nein, sie erziehen sich ihre ehrenamtlichen Heizdüsen bei der FF durch taktische Zuteilung. Und überhaupt, heute weiß ja keiner von diesen Schreibtischtätern mehr, wie ein Gerätehaus von innen aussieht. Offensichtlich sieht der gemeine Löschknecht sein Rathaus aber auch nur dann, wenn er alle Jubeljahre seinen neuen Personalausweis abholt. Man, wenn ich die geballte Ahnungslosigkeit hier so lese, dann packt mich die Wut. Wir gegen die, Hauptsache das Feinbild stimmt, nich?

    Gruß von einem, der beide Seiten kennt. Feuer frei!

    • firefox05c schreibt:

      Im Artikel wie auch in den bisherigen Kommentaren stehen viele Erlebnisse und Erfahrungen, natürlich ein Sammelsurium von Einzelfällen, wenn auch ohne Hintergrundwissen, die so passiert sind. Hier und da wurde schließlich auch geschrieben, wenn „alles geklappt“ hat.
      In deinem Kommentar kann ich aber leider keine Fakten oder zumindest Einzelfälle entdecken, lediglich diffusen Ärger. Da ich auch längere Kommentare genehmige und du anscheinend mehr Hintergrund hast, wäre es erheblich produktiver, ein oder zwei Fälle von der anderen Seite zu beschreiben. Das wäre dann auch ein Post, auf dem man aufbauen könnte.

  16. Mighty Joe Moon schreibt:

    Dem wollte ich heute gerne nachkommen, aber nun hocke ich auf die letzte Zigarette des Tages in der Küche und pack mich gleich auf meine 2 Meter. Nur eins vorweg, mich stört dieses Denken, bei den Kommunen als Trägern der FF sitzt die geballte Ahnungslosigkeit, die aber fähig genug ist, um vorsätzlich Anschaffungen zu splitten, damit der Ehrenamtler in die eigene Tasche greift, weil „mit dem kann mans ja machen“. Ich bin Angestellter einer Kommune und dort u.a. für das Feuerwehrwesen zuständig und gleichzeitig im Vorstand der hiesigen FF, sprich Mitglied der Einsatzabteilung. Wenn ich dann sowas wie hier lese, möchte ich manchmal einfach nur Alles hinschmeissen.

    • firefox05c schreibt:

      Beim Durchlesen der Kommentare wird dir aber auch aufgefallen sein, dass so einige auch schreiben, dass es sich mehr oder weniger um bestimmte Fälle handelt, die diesen „Verdacht“ aufkommen lassen, und nicht um eine Grundsätzlichkeit. Nun, es liegt an dir, hier auch die andere Seite darzustellen.

  17. Migthy Joe Moon schreibt:

    So, nun aber.

    Ich arbeite und lebe in einer amtsfreien Gemeinde mit rund 9.000 Einwohnern. Der Gemeindehaushalt hat im Schnitt ein Gesamtvolumen von rund 13.000.000 Euro in Einnahme und Ausgabe. Der Schuldenstand beläuft sich auf unter 200 Euro pro Einwohner, was man heutzutage schon fast als glänzend bezeichnen muss. Aber die letzten Krisenjahre haben auch bei uns ihre Spuren hinterlassen. Der Haushalt war im letzten Jahr zum ersten Mal seit „Menschengedenken“ unausgeglichen, konnte aber zum Jahresende auf eine schwarze Null gebracht werden. Die Rücklage ist jetzt allerdings ebenfalls bei Null! Neben der Hauptverwaltung unterhält die Gemeinde einen Bauhof, einen Friedhof, zwei gemeindeeigene Kindergärten, eine Bücherei und ein Jugendzentrum und ist Trägerin der Freiwilligen Feuerwehr. Ein weiterer kirchlicher Kindergarten wird finanziell unterstützt. Weiterhin ist die Gemeinde finanzielle Hauptträgerin des hiesigen Schulverbands, der von ihr zudem verwaltet wird und der aus zwei Grundschulen, einer Gemeinschaftsschule (Hauptschulabschluss, Realschulabschluss, Abitur), einem Gymnasium („Direktabitur“) und einer Mensa besteht, die allerdings verpachtet wurde. Wenn sich 13 Mio Euro also erstmal auch nach viel anhört, es gehören schon eine umsichtige Verwaltung und besonnene Gemeindepolitiker dazu, um das ohne große Verschuldung zu wuppen . Die laufenden Ausgaben müssen aus den Einnahme bezahlt werden können und das ist bei uns der Fall, wenns auch letztes Jahr eben knapp wurde. Kreditaufnahmen für z.B. den Neubau des Kindergartens oder der Schulmensa, die durch Ausweitung auf den Ganztagsschulbetrieb notwendig wurde, sind jedoch umungänglich, was auch den derzeitigen Schuldenstand erklärt.

    Die Freiwillige Feuerwehr besteht aus Einsatzabteilung, Jugendfeuerwehr und einem sehr renommierten Orchester. Die Mitgliederzahl in der Einsatzabteilung liegt im Schnitt bei Mitte 40. Zum Einsatzgebiet gehört u.a. ein Autobahnabschnitt. Die Zahl der jährlichen Einsätze liegt im Schnitt der letzten Jahre bei 77 und schwankt naturgemäß. In ruhigen Jahren sind es mal nur knapp über 40, in Unwetterjahren können es schnell deutlich über 100 Einsätze werden. Erste-Hilfe-Einsätze (First Responder) fahren wir bislang nicht. Die laufenden Kosten der Feuerwehr, die von der Gemeinde getragen werden, bewegen sich zwischen 90.000 und 100.000 Euro pro Jahr. Laufende Kosten heißt u.a. Bewirtschaftung und Unterhaltung des Gerätehauses, Kosten der Fahrzeughaltung, Dienst- und Einsatzkleidung, Geräte, Ausrüstung, Ausstattung, Versicherungen, Ausbildung, nicht zu vergessen die Zuschüsse an die Kameradtschaftskasse und die Jugendfeuerwehr. In den letzten 12 Jahren wurden darüberhinaus ein TLF 16/25, ein RW2, ein HLF 20/16 und ein ELW ersatzbeschafft. Von Sprungretter über Rettungssoftware Weber Crash Recovery und Powermoon (taugt nix) bis Wärmebildkamera ist einiges an Ausrüstung vorhanden, was manche Feuerwehr neidisch machen könnte. Momentan wird gerade der erste Abschnitt des Umbaus vom Gerätehaus beendet, Kosten rund 400.000 Euro. Wesentlichster Punkt war dabei die Trennung von Fahrzeughalle und Umkleidungsräumen mittels Anbau. Wenn es die Finanzlage zuläßt, folgt in zwei Jahren der zweite Bauabschnitt mit Kosten in Höhe von irgendwas zwischen 500.000 und 700.000 Euro, um u.a. einen weiteren Fahrzeugstellplatz zu schaffen.

    Kommen wir nun zum eigentlichen Thema, der Splittung von Anschaffungen für die Feuerwehr und nehmen wir gleich das Beispiel Einsatzmelder. Als in den 90ern erstmals analoge Einsatzmelder angeschafft wurden, war es selbstverständlich, das alle Mitglieder der Einsatzabteilung gleichzeitig einen erhielt. Wo will man da auch die Trennlinie ziehen? Als wir vor rund 10 Jahren auf digitale Melder umstiegen, erfolgte allerdings ein Splitting. Bei Kosten von über 300 Euro pro Melder durchaus nachvollziehbar, zumal die analogen Melder ja weiterhin funktionierten. Viele waren über die Anschaffung der digitalen Melder übrigens gar nicht erbaut. Die analogen Melder konnte man bekanntlich relativ einfach zum Scanner umrüsten, wenn auch verbotener Weise. Andere, die erstmal mit ihrem analogen Melder weiter leben mussten, konnten es wiederum nicht abwarten und besorgten sich selbst einen digitalen Melder. Das kann man gerne machen, aber das ist dann dessen ureigenstes finanzielles Problem. Hat sich auch keiner beschwert. So mancher hatte schließlich auch Geld übrig, um sich nach Einkassierung der analogen Melder einen Scanner zu kaufen.

    Nächstes Thema Einsatzschutzkleidung. Auch da stehen wir vor einer umfassenden Neuanschaffung und bei uns bekommt prinzipiell jeder die gleiche Qualität, aber auch da wird es ein Splitting geben. Zuerst werden die Atemschutzgeräteträger neu eingekleidet, später der „rückwärtige“ Bereich. Das hat nichts damit zu tun, Ehrenamtler in die „Selbstbeschaffung“ zu treiben, sondern reine Kostengründe. Bekanntlich kommen bei der Einsatzschutzkleidung schnell 1.000 Euro pro Mitglied zusammen. Auch da beschwert sich übrigens keiner und wenn doch, steht es jedem frei, Atemschutzgeräteträger zu werden und „vorne seinen Hals zu riskieren“.

    Wenn man die vorherigen Beiträge hier so liest, könnte man meinen, es herrscht der Glaube, Politik und Verwaltung geben der Feuerwehr die Ausgaben und Anschaffungen nach Belieben vor, aber ganz so ist es eben nicht . Die Beschaffung erfolgt stets in enger Absprache mit der Wehrführung. Zum Jahresende berät der Wehrvorstand über nötige Anschaffungen im kommenden Jahr einschließlich Kostenermittlung. Was wird gebraucht, was muss ersetzt werden, was ist neu auf dem Markt und für die eigene Wehr sinnvoll usw. Im Laufe der Jahre ist der finanzielle Rahmen eigentlich klar, sodass Fantasieansprüche gar nicht erst aufkommen. Die Vorschläge werden von der Verwaltung geprüft, i.d.R. nur auf die finanzielle Machbarkeit hin, und in die Haushaltsberatung eingebracht. Solange alles vernünftig begründet wird, winkt die Gemeindepolitik das dann auch durch. Insgesamt ist das ein Miteinander und kein Gegeneinander. Ich bin, wie schon geschrieben, sowohl in der Gemeinde u.a.im Bereich des Feuerwehrwesens tätig als auch in der Einsatzabteilung und im Vorstand der FF. Es ist ein Schlag in die Magenkuhle, wenn man weiß, was da an Arbeit und (Frei)Zeit drinsteckt und dann wiede r einmal so pauschal abgeurteilt wird.

    • Felix schreibt:

      Hallo Mighty Joe Moon,
      ich kann deinen Ärger teilweise verstehen. Aber hast du schon einmal daran gedacht, dass eure Gemeinde eventuell zu den besseren Beispielen auf diesem Gebiet gehört? Du brauchst dir bei den geschilderten Fakten nichts vorzuwerfen, das scheint ja alles sehr gut zu laufen.
      Problematisch ist aber oft die Kommunikation zwischen Gemeinde und Feuerwehr.
      Man stelle sich vor, eben jene von dir beschriebene Situation, die Anschaffung der DME wird gesplittet. Das wird dem Gemeindewehrführer mitgeteilt im Sinne von „Dieses Jahr gibts erstmal 40 Stück, der Rest folgt in drei Jahren bei der kompletten Umstellung“ (Sinngemäß!). Der Gemeindewehrführer gibt die 40 Stück weiter mit dem Kommentar: „Gibt irgendwann noch welche!“. Der Ortswehrführer teilt die ihm zugeteilten 5 Stück aus mit dem Kommentar „Mehr gibts erstmal nicht!“. Was macht FM(SB)? Richtig, verstimmt reagieren und vielleicht selbst einen kaufen. Die Kommunikation ist oft das echte Problem, nicht das reine vorsätzliche Abblocken von Anträgen (was ich keiner Kommunalverwaltung unterstellen möchte!). Oft sind viel zu viele Stellen an so einem Prozess beteiligt, als das alles bei den „unteren Chargen“ ankommt, und da muss verstärkt dran gearbeitet werden. Das System, dass der „einfache Löschknecht“ nichts von dem, was die Führung so treibt, wissen muss, ist einfach nicht mehr zeitgemäß, was aber viele Politiker und Führungskräfte der FF (vielleicht auch BF, da fehlt mir die Erfahrung) nicht wahr haben wollen.
      MkG
      Felix

      • firefox05c schreibt:

        Zu deinem letzten Absatz: Es ist in meinen Augen ein Unding, dass man den einfachen Hydrantenaufdreher „doof sterben lässt“: Hierdurch gibt es bei jeder Gelegenheit Gerüchte, Falschaussagen und daraus resultierend Frust. Das ist übrigens bei der BF meiner Erfahrung nach sogar noch schlimmer, da man die einzelnen Abteilungsleiter / Entscheidungsträger in einer großen Feuerwehr nur selten persönlich trifft und sich mit ihnen z.B. beim Frühschoppen austauschen kann, wie bei einer „kuscheligen“ FF mit 100 Mitgliedern.
        Tja, und dann kaufen sich einige in der Mannschaft eben schon mal Sachen, die „von denen da oben“ schon längst in den nächsten Etat aufgenommen wurden.

  18. Peter schreibt:

    Also, mich erinnert das ganze sehr an den GW-Funk, den wir vor ein paar Jahren bekommen haben… Ein komplett unbestücktes TSF, allerdings mit 2 Handfunkgeräten und einem Festeinbau (ohne FMS)… Und dem Hinweis unter der Hand, wir sollten doch mal Fantasie zeigen. Aber die Einbauten für die TS, Schläuche etc. Duftn nicht verändert werden….

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