Mein Hamish

Nachdem ich euch in diesem Artikel schon mal beschrieben habe, wie man an Dudelsack- Unterricht kommt, fiel mir jetzt ein, dass ich euch damit eigentlich den zweiten vor dem ersten Schritt ans Herz gelegt habe. Ich kam darauf, weil jemand auf meinem Blog den Begriff „Dudelsack halten“ eingegeben hat- und wohl leider nicht fündig wurde.

Also möchte ich euch Hamish, wie ich meine Brülltüte so verharmlosend benenne, einmal vorstellen.

Moderne Bags sind oft aus Synthetik-Faser, z.B. 'GoreTex'

So eine Great Highland Bagpipe braucht erst einmal einen Luftsack. Einige bestehen aus Schaf oder Rind, viele aber auch aus luftdichter Synthetik- Faser, so wie auch meiner.

In die wenigen (gewünschten!) Löcher hat man das „Set of Pipes“, das aus einer Blow Pipe (Einblasrohr) mit Rückschlagventil, den 3 Drones (Bordune) und dem Chanter (Spielflöte) besteht, montiert.

Um die Feuchtigkeit der Atemluft aufzufangen, kann man in den Beutel noch eine Wasserfalle oder ein Trocknungssystem mit Granulat einbauen. Kunstfaser- Säcke haben hierzu einen luftdichten Reißverschluss. Tut man dieses nicht, hat man eventuell das Problem, dass sich irgendwann unerwünschte Sachen im Beutel einnisten. Und zum Pilze züchten ist das Instrument zu schade…

Über den Sack kommt dann noch das Cover, das den Beutel schützt und zudem dem aktuellen Chick oder dem persönlichen Gusto entspricht. Heute sind die meisten Cover übrigens einfarbig und nicht mehr kariert!

Vom Prinzip her funktioniert die Sache dann so:

Durch das Mundstück wird Luft in den Beutel geblasen, der als Reservoir und Windkessel dient. Durch Druck auf den Beutel mit dem Ellenbogen wird die Luft zum Austreten genötigt: Wird beim Einblasen Volumen zugeführt, muss man den Armdruck anpassen, damit der Sack sich wieder aufpumpen kann, in den Atempausen sinkt der Arm durch die entweichende Luft dann wieder nach unten. So bekommt man einen kontinuierlichen Luftstrom, so dass man ohne Pause spielen kann. Wenn man es kann.

Reed (Doppelrohrblatt) im Chanter. Fast immer Natur.

Die Luft, die wegen dem Rückschlagventil nur durch die Drones und dem Chanter wieder raus kann, muss dazu an den verbauten Rohrblättern vorbei und erzeugt so die – äh- Schallemissionen. Ob diese Emissionen zum klagenden Ton oder doch nur zum furchtbaren Lärm werden, liegt dann nur noch am Spieler.

Die tonerzeugenden Rohrblätter, die Reeds, sind auch nicht alle gleich: In den Drones schlägt ein Rohrblatt auf einen festen Körper (das Prinzip hat man z.B. beim Saxophon und der Klarinette), in der Spielflöte sitzt ein doppeltes Rohrblatt, wie z.B. an der Oboe.

Die dünnen Rohrstücke zum Stimmen nennt man Slides.

In den 3 Drones wird dabei ein kontinuierlicher, gleichbleibender, im Idealfall harmonischer Brummton erzeugt. Harmonisch wird der Ton aber nur, wenn die Drones auch ordentlich gestimmt sind! Hierzu schiebt man die einzelnen Röhren etwas zusammen oder auseinander, um die Luftsäule, die drinnen den Ton formt, zu verkürzen oder zu verlängern.

Der Verkäufer dieser Pipe wusste nicht einmal, wie ein Dudelsack aussehen sollte...

Manche Eltern kennen das Prinzip vom Fingernägel schneiden bei ihren Kindern: Je kürzer die Nägel geschnitten werden, desto höher das Geplärr des Kindes. Analog die Drones beim Dudelsack. Wenn ihr also eine Pipe seht, bei der die Slides (Röhrchen zum Stimmen) komplett zusammengeschoben sind, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass der Besitzer sich nicht auskennt.

Reed in einem Bordun. Hier hat sich die moderne Technik durchgesetzt, selten wird Naturreed verbaut.

Als wäre das noch nicht genug, die Drones aufeinander abzustimmen, müssen diese auch noch zum Chanter, der Spielflöte, passen. Also insgesamt 4 Röhren stimmen für 1 mal harmonisch spielen! Und da liegt auch ein großes Problem: Einige Anfänger meinen, sie bräuchten die „Brummer“ nicht einstellen. Die Dinger jaulen dann zu einer schlecht gegriffenen Melodie so erbärmlich, dass sich die Fußnägel aufrollen! Böse Zungen behaupten, das wäre auch der Grund, warum im Krieg die meisten Piper von hinten erschossen wurden.

Übrigens: Die Great Highland Bagpipe ist so laut, weil sie konisch gebohrt ist, das heißt, das Loch im Chanter wird nach unten weiter. So schafft mein Hamish bis 120 db!

Zum Spielen wird der halbaufgeblasene Beutel links unter den Arm geklemmt, die Drones liegen alle über der Schulter. Die Blowpipe hält man sinnigerweise Richtung Schnute, den Chanter greift man nun zunächst mit der linken Hand an den oberen Löchern. Dann bläst man das Ding weiter auf, bis der Sack einigermaßen stabil unter dem Arm klemmt, und kann dann auch die rechte Hand an die Spielflöte nehmen. Bis ein entsetzter Mitbürger den Beutel in Notwehr mit einem Messer aufschlitzt, kann man dann so versuchen, ein paar Töne rauszuquetschen. Aber stellt euch das nicht so einfach vor! Der Anblasdruck, bis mal was rauskiekst, ist für Ungeübte schon heftig!

Und wenn man einige Zeit übt, klingt das etwa so. (man verzeihe mir den Kiekser am Anfang…)

In diesem Sinne: Pipes up!

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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6 Antworten zu Mein Hamish

  1. notizbuchfragmente schreibt:

    Sehr schön … und Linkshänder? Spielen die andersherum? 😉

    • firefox05c schreibt:

      Richtig. Wenn Linkshänder darauf bestehen (oder es sich „verkehrt“ angewöhnen), klemmen die sich die Pipe unter den rechten Arm. Hierzu muss das Instrument aber umgebaut werden, damit die Bassdrone (die lange) auf die andere Seite kommt. Das kommt aber sehr selten vor: Ich kenne nur unseren Pipe Major (der Chef), der seine Pipe umgebaut hat. Für gewöhnlich spielen alle mit dem Sack unter dem linken Arm.

      • notizbuchfragmente schreibt:

        Aha, dann ist das so wie beim E-Bass … Wobei da viele dann auch wirklich extra links bespannte Bässe kaufen. Weniger Auswahl, aber dafür teurer. 😉

        Danke! 🙂

  2. Mr. Gaunt schreibt:

    Irgendwie faszinierend so ein Instrument, was da für Töne herauskommen. Wer sich das wohl ausgedacht hat? Allerdings bin ich ziemlich froh, dass hier kein Nachbar dieses Hobby hat. Wie kann man denn mit so einem Ding einigermaßen unbehelligt üben, wenn die nächsten Nachbarn nicht gerade 5 Kilometer entfernt wohnen?

    • firefox05c schreibt:

      Neue Melodien übt man zunächst auf einem „Practise Chanter“, einer Übungsflöte mit Zimmerlautstärke. Mit der Highland Pipe gehe ich dann ehr in einen Park… 😉

      • notizbuchfragmente schreibt:

        … wozu es ja auch schon einen richtig geilen Artikel gibt. 😉 Ich mag Dudelsack sehr gerne, auch bei Rock- und Mittelalterbands. Klingt total schön …

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