Hartz die 2.

Da saßen wir nun. Zum 2. Termin beim Amt, um die Ablehnung für die staatliche Stütze zu bekommen.


Ich hätte ja damit gerechnet, dass ich nach diesem Termin mir zum Ärger und euch zur Belustigung mal so richtig „abledern“ könnte. Aber es lief dieses mal doch anders:

Mitgebracht hatten wir auf Geheiß der Tante Prusseliese am Anmeldungsthresen sicherheitshalber gleich einen ganzen Rucksack voll mit etwas über 5 kg Kontoauszügen, Verträgen und Belägen. Wir wollten sicher gehen, nicht wegen einer fehlenden „Seite 2“, auf der eigentlich nur Rechtsbehelf- Belehrungen standen, den Vorgang wieder um 2 Wochen in die Länge zu ziehen. Genau das ist uns nämlich schon passiert.

Bei Behördenbesuchen sollte man lieber etwas mehr mitnehmen

Als der schwere Sack auf den Schreibtisch bumste und nach und nach die Ordner über den gesamten Tisch auskotzte, entglitten der etwas unförmigen Dame hinter dem Flatscreen etwas die Gesichtszüge: Das sah nach Arbeit aus…

Als letztes wurde der Antrag herausgefingert und ihr oben auf dem Haufen zur Ansicht drappiert. Tja, dann konnte der Daten- Stripteasse  ja losgehen!

Glücklicherweise hatten wir eine der wenigen Mitarbeiterinnen erwischt, die wusste, was sie eigentlich brauchte, und nicht alles künstlich komplizierte. Nachdem sie meine Lohnabrechnung und meinen Krankenversicherungs- Vertrag (Jahaaa, sie wusste sogar, dass ich mich als Beamter privat versichern muss!)  begutachtet hatte, durften wir den Mietvertrag raussuchen. Also Helm auf, Mistgabel geschultert- und rein in die Ordner. Als wir ihn gefunden hatten, mussten wir uns darauf aufmerksam machen lassen, dass unser Vermieter anscheinend nicht nur wie ein Fuchs roch, sondern auch so findig war: Anscheinend, um Geld zu sparen, hat er sich mal irgendwo einen Muster- Mietvertrag besorgt, um ihn für seine Mieter selbst zu kopieren. Nur dumm: Jetzt, nach etwa 7 Jahren, fiel auf, dass die Seiten 7 und 9 fehlten. War ja nicht schlimm: 4 und 6 hatten wir dafür doppelt…

Heureusement sah das Büroschneeflöckchen die Schneelawine diesen Umstand als nicht so wichtig an und gab sich mit dem etwas eigenwilligen Exemplar zufrieden.

„Noch andere Vermögen? Aktien? Bausparverträge? Fonts?“

„Bausparen haben wir beide. Aber Font müssen wir glaube ich erst wieder kaufen, da haben wir in der Küche nur noch eine viertel Packung…“

Die Positionen im Antrag, die mangels Kenntnis von uns offen gelassen oder versehentlich falsch ausgefüllt waren, wurden von ihr komplikationslos berichtigt.

„Brauchen Sie denn auch noch meine Kontoauszüge? Und die anderen Versicherungen? Haftpflicht und so?“ fragte ich.

„Nö, die brauche ich nicht.“ – „Aber die Kollegin vorne hatte extra gesagt, wir sollten das alles hier rantragen!“ – „Ja, Gott, da sind die Kolleginnen manchmal etwas kreativ…“

Ah, ja. Die Qualifikation ihrer Kolleginnen im Sachgebiet wurden von ihr also ähnlich eingeschätzt wie von uns.

Daraufhin stellte sie eine kurze Berechnung zu unserer Vermögenslage an und kam auf das Ergebnis, dass unser Einkommen – äh – „etwas“ über dem hilfsfähigen Satz lag. Na gut, war ja eh‘ klar.

Jetzt warten wir nur noch auf den Bescheid

Zum Schluss kam noch der Tipp, über den ich mir auch schon Gedanken gemacht hatte: Auf dem Ablehnungsbescheid wird der Betrag ausgewiesen sein, der von meinen Einkünften zum Unterhalt meiner Lebensbereicherung angerechnet wird. Weil ich den nämlich bei der nächsten Steuererklärung als „Unterhaltskosten einer unterhaltspflichtigen Person im Haushalt“ anrechnen lassen kann! – Wenigstens etwas…

Und nachdem wir gemeinsam noch den Abteilungskopierer besucht haben, damit die Akten um ein paar persönliche Daten dicker werden, war ich schon fast versucht, die vollschlanke Dienstleisterin zu einem Möhrensaft einzuladen. Die war ja mal richtig nett. Und hatte sogar Ahnung!

Nach einer dreiviertel Stunde war der Drops dann gelutscht. Das war einer der entspannendsten Behördenbesuche, die ich hatte.

Ja, auch so kann JobCenter sein!

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Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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3 Antworten zu Hartz die 2.

  1. Hesting schreibt:

    Ich bin auch immer wieder froh, einen guten Draht zu den Leuten hier in Darmstadt zu haben. Ein bißchen Entgegenkommen und Freundlichkeit zahlt sich eben doch aus.
    Hab gestern den zweiten Verlängerungsantrag abgegeben, mein Erstantrag jährt sich demnächst. 😦

  2. notizbuchfragmente schreibt:

    YEAH!
    Aber das Gesicht der Dame hätte ich ja gerne mal gesehen … Vor allem, als sie hinterher wusste, WARUM ihr den ganzen Krempel mitgeschleppt habt …

    Kenne das nur in klein: An der Uni kann die Scheinjagd bei Anmeldungen auch zur Suche nach A38 werden. 😉

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