Der fabulöse Waschsalon

Die Bettdecken hatten es mal wieder nötig. So ganz frisch waren sie nicht mehr. Fand zumindest Frau. Mann ist da ja oft tolleranter.

Nun ist unsere Waschmaschine aber nicht so groß, dass man einfach mal die Oberbetten reinstopfen kann und fertig ist die Chause. Das klappt, um genau zu sein, nicht mal mit einer einzelnen Bettdecke. Die passt zwar in die Trommel (wenn man mit dem Kantholz etwas nachstopft), aber sie bewegt sich beim Waschvorgang nicht mehr. So wird sie zwar nass, aber nicht wirklich sauber. Zudem müssten wir, Gästebett und Kissen mitgerechnet, ja mindestens 5 Maschinenladungen an einem Nachmittag durchjumpeln. Und anschließend trocknen.  Rein Zeitlich schon nicht zu schaffen.

Daher kamen wir zu einer gemeinsam erarbeiteten Lösung: Ich bestimmte, dass wir einen Waschsalon aufsuchen würden, Mausi plädierte dann für den Salon an der Uni.

Warum gehen wir denn nicht in den Salon, bei dem wir früher gewohnt haben? Ist doch auch näher?“ – „Nö, der hat nicht so große Maschinen. Außerdem finde ich den doof.“ – Aha. Eine persönliche Sache also. Machste nix. Also das Auto vollgestopft und zur Uni.

An den Ampeln wurden wir von einigen Autofahrern beäugt, als wären wir Zigeuner auf dem Weg aus dem Winterlager.

Beim Betreten des Waschsalons, der sich ehr als Wasch- Kaschemme darstellte, schlug uns schon eine Note gut abgehangenen Sandlerduftes, verfeinert mit entgegen. Gemütlich waberten die gelblichen Wolken über die rostigen Maschinen, die Farbe an den Wänden tat es dem Herbstlaub gleich und blätterte, und Kameras passten auf, dass niemand seine Socken vergisst.

Nun gut, ich will hier ja nicht einziehen, dachte ich mir, und stopfte die ersten beiden Decken und ein Kopfkissen in die größte Maschine, die ich finden konnte. 20kg. „Warum nehmen wir nicht diese Maschine? Die ist doch viel größer?“ – „Weil das ein Trockner ist, Mausi…“

Wir hatten unser eigenes Waschpulver mitgebracht. Man weiß ja nicht, ob das Pulver der Reinigungsbude auch ordentlich duftet. Jedenfalls wollte ich nicht das Risiko eingehen, dass meine Wäsche nachher so müffelt wie der Salon!

Auch die zweitgrößte Maschine belegten wir. Und nachdem wir uns etwas unbeholfen an der „Zentrale“ , die aussah, wie das Kontrollpult eines russischen Kernkraftwerkes, zu schaffen gemacht hatten, liefen die Maschinen unfallfrei los. War allerdings etwas teurer, als ich vermutet hatte: Die große Ladung kostete schon 11 Euro! So waschsalontechnisch defloriert setzten wir uns in den Wartebereich.

Während die Ruhelager also ihre Runden drehten, hatten wir jetzt etwa eine halbe Stunde Zeit, uns nochmal näher umzusehen. Der Geruch fiel kaum noch auf (erstaunlich, wie anpassungsfähig der Körper so ist!). Die blauen Neonröhren deuteten auf schlechte Erfahrungen mit Fixern hin (unter dem blauen Licht sieht man keine Adern, darum können Drogensüchtige sich dort keinen Schuß setzen). Insgesamt hingen an der Decke 5 Kameras. Allerdings so bescheuert, dass es trotzdem überall Ecken gab, in die sich ein Obdachloser verkrümeln konnte, ohne gesehen zu werden. Und genau das hat ja anscheinend auch einer gemacht, wie zu riechen war…

In der Mülltüte vor dem Legetisch verbummelte neben der Zeitung von letzter Woche und einigen anderen Kleinigkeiten auch ein halvoller Pizzakarton seinen Feierabend bis zur Müllverbrennung. Roch auch ehr suboptimal.

suggerierte Hoffnung auf gemütlichen Kaffee

Um einen Hauch Gemütlichkeit zu schaffen, hatte man einen Stehtisch der späten 50er ans Fenster gestellt, daneben einen Kaffeeautomaten. Damit dieser vor den Besuchern seine Ruhe hatte, fummelte der Betreiber noch eine staubiges Industrieerzeugnis in grün zwischen Mensch und Maschine.

Allerdings war der morbide Automat schon lange in Rente: Auf dem Hinweisschild standen noch DM- Preise, ein martialischer Riegel schützte das wohl seit Jahren leere Kleingeldfach im Automaten, und auf meinen frechen Versuch, den Apparat mit etwas Knöpfli- Petting zu einer Aussage zu bewegen, was er heute denn im Angebot hätte, tat sich- nichts.

Die Haare sind wohl schon wieder ausgefallen

Ehrlicherweise hätte ich aber auch keinen Kaffee aus diesem Relikt haben wollen, denn was da unten im Ausgabefach so an Vegetationsrelikten die Zeit vertrödelte, war überhaupt nicht apetitlich. Nun gut, nett vom Pilz verabschieden, vorsichtig wieder entfernen…

Nach etwa einer halben Stunde war die Wäsche fertig. Jetzt noch für 50 ct in die Schleuder. „Läuft am Besten wenn sie ganz voll ist„, stand drauf. Also stopfen. Und oben drauf noch ein Kissen. So ein Nackending. Aus Schaumstoff. War aber nicht gut: Als ich es nach 3 Minuten wieder herausholte, hatte ich zwei halbe statt einem ganzen Kissen im Schutzbezug. Na toll…

Während die Decken dann im Trockner tumbelten, gingen mir jetzt so Hygiene- Tweets durch den Kopf: Wenn die Maschinen so oft benutzt werden, sind auch viele Seifenreste drin. Und da fühlen sich Bakterien wohl. Und die Trockner werden womöglich auch nur einmal gereinigt: Nach der Auslieferung. Und da immer warm und feucht, blüht dort wohl auch das Leben.

Frage: Lebten wir mit der stinkigen Bettwäsche womöglich gesünder? Werden wir mit dieser Aktion unserem Immunsystem einen Abenteuerurlaub verschaffen? Wenn ich im laufenden Jahr keine Erkältung mehr bekomme und grüne Joghurts essen kann, ohne, dass mir schlecht wird, weiß ich ja Bescheid…

Das nächste Mal fahren wir jedenfalls in den am Anfang erwähnten Salon. Der ist wesentlich sauberer und gemütlicher!

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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10 Antworten zu Der fabulöse Waschsalon

  1. sueder80 schreibt:

    Jezt weiss ich auch warum bei uns im Arbeitsamt in den Waschräumen Schwarzlichtlampen bzw. Blaues Licht installiert ist.
    Hab zwar geahnt das es mit den Fixern zusamenhing wusste jetzt aber nicht wie es funktioniert.
    Hoffentlich kippt in diesen Räumlichkeiten mal niemand um. Wenn bei einem Patienten dort ein i.V. Zugang gelegt werden muss stelle ich mir das etwas schwierig vor.
    Ich hoffe mal das dann wenigstens dann mit einer Taschenlampe mit weissem oder gelben Licht das ausgleichen kann.

    • firefox05c schreibt:

      Durch Taschenlampen u.ä. lässt sich der Effekt etwas ausgleichen. Im Zweifel müssen wir den Patienten eben ans Tageslicht zerren. 😉 Übrigens gibt es in vielen öffentlichen Toiletten und Waschräumen (Bahnhof, McDonalds, Raststätten) diese Beleuchtung.

  2. Choga Ramirez schreibt:

    Ich war noch nie in einem Waschsalon. Meine Bettdecken passen sogar im Duett in die Waschmaschine.

  3. Hightower schreibt:

    Na toll !

    Nach deinem langbärtigen Chinesen hab ich nun das Bild im kopf, wie die lebensformen im Trockner fröhlich Party feiern und die Wäscheladung sorgt dabei für die Unterhaltung.

    Weiter so !

    P.S.: Während eines Auslandsaufenhaltes war ich auch mal auf eine solche Lokalität angewiesen, die hatte Dönerbude und Frisör nebenan. Sehr Praktisch !

    Gruß

    Hightower

  4. mak schreibt:

    Bei einigen Einrichtungen,darunter auch Mcd und Arbeitsamt,in mancher Stadt,wurde diese blaue neonlicht verboten, aufgrund von Sicherheitsbedenken wenn mal der Rettungsdienst dort tätig werden muss und älteren Leuten,die wohl auch ein Problem generell damit haben können.

    • firefox05c schreibt:

      Im Notfall hätte ich kein Problem damit, meinen Kunden ins „normale“ Licht zu zerren oder mit einer Tachenlampe zu leuchten. Aber ein Fixer kann nicht einfach auf den Flur ausweichen.

  5. In Düsseldorf (Nähe HBF) ist in fast allen Hauseingängen, die ohne Schlüssel zugänglich sind, ebenso in Kanzleieingängen und eben allem, wo Menschen so ohne Schlüssel und Karte hinkommen, Schwarzlicht. Oder eben etwas mit ähnlichem Effekt. Aus reinem Selbstversuch habe ich allerdings mal versucht, meine Adern drunter zu erkennen – und konnte immer noch alle nachziehen (Denke aber, dass das bei etwas kleineren Adern durchaus funktioniert… auf meine Adern kann man Dart spielen).

    Mach dir nichts draus, in Bulgarien sind die Waschsalons nicht besser. Toi Toi Toi, dass meine Decke noch in die Maschine passt. Ich weiß nicht, ob ich mir so etwas antun wollen würde. Wobei es da ja auch Unterschiede zu geben scheint ;D

    Toller Blog 😀 Bisher hatte ich einfach noch keine Zeit, zu kommentieren, dabei habe ich innerhalb der letzten Woche alle Einträge vom aktuellen bis heute gelesen. Ich mag deinen Stil!

    • firefox05c schreibt:

      Bei dem richtigen Licht kann man zwar noch die Erhebungen der Adern z.B. auf dem Handrücken erkennen, die „verräterischen“ blauen Streifen, die sonst durch die Haut schimmern, sind aber nicht mehr zu sehen. Bei kleineren Gefäßen, die nicht die Haut hochdrücken, hat man dann schlechte Chancen, diese zu erkennen. Hinzu kommt, dass bei langjährigen Fixern die großen Adern so zerstochen sind, dass sie fast „unbrauchbar“ zum Fixen sind. Sie müssen dann also tiefer liegende und kleinere Gefäße finden.
      Also, dass du alle 365 Artikel gelesen hast, ist schon beeindruckend… 😉

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