Und dann war da noch…

…der Hausarzt, der seinen ganz eigenen Berufsethos hat:

Wir kamen in ein Altenheim mit der Meldung: „Thrombose, Hausarzt vor Ort“. Er war wirklich noch vor Ort, wir erwischten ihn nämlich gerade noch am Ausgang.

„Ach, Sie kommen für die Frau xx? – Die hat wohl eine Thrombose. Aber die braucht nicht in die Klinik mit Gefäßchirurgie, für die reicht es, wenn sie ins Krankenhaus um die Ecke kommt.“ – und gab breit grinsend als Grund an: „Die ist nämlich schon so dement, da ist das egal. Das lohnt nicht mehr.“

BITTE?!? Sind wir schon so weit, dass eine Demenz entscheidet, ob jemand überhaupt noch behandelt wird?

Nachdem der Arzt weg war, habe ich mich noch ein wenig bei den Pflegerinnen aufgeregt und war mir mit dem Kollegen sofort einig: Diese Frau kommt trotz anderslautender Einweisung (auf der das ungeeignete Krankenhaus als Zielort angegeben war) in die nächste Klinik mit Gefäßchirurgie.

Der dortige Gefäßchirurg schaute zwar skeptisch auf die Einweisung, lobte uns dann aber trotzdem für unsere Eigenmächtigkeit im Sinne der Patientin.

Eine solche Frechheit durch einen Hausarzt ist mir schon lange nicht mehr begegnet!

Advertisements

Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
Dieser Beitrag wurde unter Feuerwehr und Rettungsdienst abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

18 Antworten zu Und dann war da noch…

  1. Sluggyly schreibt:

    Ist ja schon peinlich sowas allein zu lesen. Kann die gute Frau ja von Glück reden, dass sich zwei Retter wie euch gefunden habn. Ich bin stolz auf euch. Dem guten Herrn in weiß würde ich seine Tat spüren lassen.

  2. Bei uns hätte es einen heissen Satz Ohren gegeben, wenn wir woanders hin gefahren wären, als auf der Einweisung stehenden KH.

    • firefox05c schreibt:

      Wenn man es richtig begründen kann, ist der einzige, der deswegen sauer ist, der einweisende Arzt. Und einem Patienten eine Gefäßchirurgie zu verweigern, weil er dement ist, wird bestimmt nicht von ihm selbst hochgekocht. Das wäre u. U. ein Behandlungsfehler, kann ich mir vorestellen.

      • Ich bezweifle, dass der Hausarzt da sauer wäre, weil er es vermutlich gar nicht mitbekommt. Wenn überhaupt dann nur irgendwann durch den Arztbrief oder so.
        So haben doch viele Hausärzte ihre Lieblings-Krankenhäuser, egal, was der Patient hat. Aber wenn es gerechtfertigt ist, habe ich auch kein Problem damit, ein anderes Haus anzufahren, auch wenn dann dort zuerst vielleicht wegen dem anders lautenden Zielkrankenhaus gemeckert wird.

    • firefox05c schreibt:

      Na ja, ich habe ja auch gut reden: Als Beamter habe ich „lebenslänglich“. Als Angestellter der HiOrgs ist man womöglich bei Problemen mit einem Arzt schnell Geschichte?
      Wie ist das bei den „Rettungsfahrern“ hier?

  3. souly schreibt:

    Das ist ja echt sowas von kackendreist… Toller Hausarzt! Beruf etwas verfehlt, würde ich sagen! DENKEN, ja, denken kann man vieles. Das kriegt keiner mit, und wenn ich mir im Kopfe sagen würde (!) „Ach scheisse, schon wieder so ein sabbernder Kadaver in die Kopfklinik“ oder „Verdammte Axt, der ist jetzt schon etwa so matschig wie Gemüse in der Birne und dann karr‘ ich den jetzt noch hier hin…“ oder was weiß ich – das würde ich NIEMALS am Patienten auslassen. Jeder hat eine adäquate Versorgung verdient – auch ich würde mir im Alter wünschen, gut und richtig behandelt zu werden, und nicht wie ein Haufen… sonstwas.

  4. Admin Rettd schreibt:

    Ich war erst vor kurzem im Praktikum auf der Rettungswache und zum Glück hab ich sowas nicht erleben müssen, noch nicht. Aber ich glaube ich hätt mich tierisch darüber aufgeregt.

  5. @firefox05c

    Klar hat die Dame die beste Behandlung verdient, aber und da spreche ich nur für mich, gibt es bei uns eine Dienstanweisung unseres ÄRLD und die besagt, wenn auf der Einweisung KH XY steht, habe ich auch da hin zu fahren. Mache ich das nicht, darf ich sicherlich bei ihm auf der Matte stehen. Und deswegen würde ich den Teufel tun, und woanders hin fahren, auch wenn der Pat. woanders hin gehört.

    • firefox05c schreibt:

      Da in diesem Falle bei der Diagnose des Hausarztes das gewählte Krankenhaus eindeutig falsch war, hatte ich zumindest ein gutes Argument (nämlich eben die ärztliche Diagnose!). Zudem kann ich dagegenhalten: Bei einem Rettungseinsatz müssen wir das nächste geeignete Haus anfahren. Und bei Thrombose ist das eben ein Haus mit Gefäßchirurgie. Die „medizinische“ Begründung des Arztes ist ja auch schon fast Körperverletzung!
      Wir hatten übrigens auch schon Fälle, in denen sich ein Krankenhaus beschwert hat, dass es angefahren wurde, obwohl es nicht die entsprechende Fachrichtung hat. In diesem Fall durften sich die Kollegen dann vom Chef anhören: „Mein Gott, das ist bloß ein Hausarzt, der in dem Krankenhaus wahrscheinlich einen Studienkollegen kennt. Aber der hat doch keine Ahnung, welche Fachrichtungen das Haus hat! SIE sind aber doch derjenige, der diese Kenntnisse besitzt! Denken Sie denn gar nicht mit?“
      Zum Zweiten: Selbst wenn sich der Hausarzt beschwert- was kann mir passieren, wenn ich seine (falsche?) Meinung nicht berücksichtige? Ich habe ja nicht seine Diagnose angezweifelt, im Gegenteil: Ich habe nach seiner Diagnose gehandelt. Sofern der Patient keinen Nachteil davon hat (ganz wichtig!), höre ich mir die Gardinenpredigt vom Chef an, drehe mich um, und trinke einen Kaffee. Oder mache etwas Frustputzen am RTW. Da man mich wegen so einer Beschwerde nicht entlassen kann, muss ich nur mit meinem eigenen Gewissen im Reinen sein. Und da steht der Patient bei mir vor unmotivierten Ärzten oder dem persönlichen Feierabend. Ich hatte nämlich auch den Eindruck, der Arzt wollte es uns etwas bequemer machen, da das „verordnete Haus“ etwas näher war.
      Anders ist es natürlich bei nicht so eindeutigen Fällen (z.B. 4 Stunden alter Apoplex, in die Innere oder in die Neurologie): Da diskutiere ich nicht, auch, wenn ich anderer Meinung bin.
      Ach so: Bei offensichtlichen Fehlern wäre ich- soweit ich weiß- sogar gesetzlich verpflichtet, den Arzt zumindest darauf hinzuweisen.
      An alle:
      Würdet ihr dafür womöglich entlassen?

      • Hinsichtlich den Folgen für mich in meiner Firma bei solchem Vorgehen oder auch generell bei irgendwelchen anderen negativen Auffälligkeiten werde ich mich mal jeglichem Kommentar enthalten. Das sollte aber auch schon alles sagen :-/

  6. Wolfram schreibt:

    Würd mich ja mal interessieren, was die Ärztekammer zu solchem Verhalten sagt. Aber sag denen bloß nie ungefragt, wie der betreffende Arzt heißt…

  7. Hermione schreibt:

    Was für eine Frechheit! Dann hoffen wir mal, dass dieser Arzt bis an sein Lebensende fit im Kopf bleibt, andernfalls hätte er dann ja keine adäquate medizinische Behandlung verdient (wenn ich meinen alten Freund Immanuel Kant mal kurz zum Kaffeekränzchen einladen dürfte).

  8. rettungsdienstblog schreibt:

    Also ich kann sagen, dass ich hier genauso hätte gehandelt und es dafür bei mir auch keine Konsequenzen gegeben hätte. Generell gibt es die Anweisung, dass nächste, für die Erkrankung am besten geeignete Haus anzufahren. Wenn der Arzt ein anderes Krankenhaus als das für seine Diagnose richtige aufgeschrieben hat, muss er dies entsprechend begründen. Dafür sollte er im AH z.B. mit den Pflegern sprechen, damit diese uns dies übergeben können, oder am besten ganz bleiben, bis wir da sind. Wenn er weg ist, wir keine Begründung bekommen, und es unserer Meinung nach Tulux ist, fahren wir das nächstgeeignete Haus an.
    Dafür müsste sich bei und keiner Sorgen machen, beim Chef oder ÄLRD antanzen zu müssen oder so….der würde rigoros abgewieckelt, eben weil viele HA nicht wissen, über welche Fachrichtungen, welches Haus verfügt.

  9. sueder80 schreibt:

    Könnte man das ganze nicht vorher auch schon mit der Bettenabfrage im Krankenhaus klären? Das passiert ja eher bei Brand-, Stroke- oder Intensivbetten, oder wird nur da gehandhabt.
    Aber sollten da nicht dann auch die verantwortlichen Mitarbeiter in den Krankenhäusern darauf achten, das sie nur die Patienten bekommen die sie fachgerecht behandeln können?
    Kann mich da noch an einen Patienten aus meiner Zivi-Zeit erinnern, der zum Wochende Probleme beim Wasserlassen hatte. Eigentlich eine klare Sache für die Urologen. Das Krankenhaus in dem ich arbeitete verfügt allerdings über keine Urologie. Der Patient wurde also auf der Inneren aufgenommen. Leider weiss ich nicht mehr ob der Patient in unserem Krankenhaus weiterbehandelt worden ist.

    • firefox05c schreibt:

      Natürlich rufen wir in „nicht ganz so geeigneten“ Krankenhäusern auch schon mal vorher an und fragen, ob sie trotzdem aufnehmen (bei Herzgeschichten ist es oft ein Grenzfall, ob man eine Kardiologie oder nur eine Innere braucht). Auch, wenn wir ein Haus anfahren, dass zwar eine entsprechende Station hat, aber weiter weg ist (z.B. Patientenwunsch) rufen wir schon mal an.
      In diesem Fall wäre das Haus mit der Gefäßchirurgie sogar zuständig gewesen- Wenn der Arzt nicht entgegen seiner eigenen Diagnose das ungeeignete Haus auf die Einweisung geschrieben hätte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s