Arbeitsgeräte: Die Klammer für den Finger

Ein schnelles und einfaches Gerät, um ein paar Betriebsdaten vom Patienten zu erhalten, ist das Pulsoxymeter.


Dieses Ding misst über einen Fingerclip indirekt den Sauerstoffgehalt im Blut, indem mit zwei kleinen roten Lampen die Fingerspitze durchleuchtet wird: Durch die unterschiedliche Absorption des Lichtes, die auf der gegenüberliegenden Clipseite durch einen Fotosensor gemessen wird, kann das Gerät ausrechnen, wieviel mit Sauerstoff gesättigte rote Blutkörperchen sich im Blut befinden.

Pulsoxymeter mit Messclip

Der vom Gerät ausgespuckte Wert ist eine Prozentangabe: Optimal sind 100%, normal etwa 93-99%. Darunter liegen Menschen mit z.B. Staublunge (Bergbau), die auch schon mal mit bis zu 85% noch ganz gut zurecht kommen. Ich als gesunder Mensch hätte damit allerdings schon akute Atemnot…

Zusätzlich zeigt das Pulsoxymeter – wie der Name schon sagt- noch den Puls an. Das abgebildete Gerät kann sogar noch den CO2- Gehalt der Atemluft messen, aber das führt hier wohl erstmal zu weit.

Der Klotz hat allerdings auch seine Grenzen: Bei kalten Fingern wird oft ein zu niedriger Wert angezeigt, da die Finger schlecht durchblutet sind. Auch lackierte Fingernägel können dem Gerät schon mal die Laune verderben. Und wenn z.B. Brandrauch eingeatmet wurde, kann das Gerät nicht unterscheiden, ob das Blut mit Sauerstoff oder mit giftigem Kohlenmonoxid (CO) beladen ist und zeigt 100% – Obwohl der Patient dringend Sauerstoff braucht!

Es ist also wie so oft in der Gerätemedizin: Zeigen die Geräte schlimme Sachen an, sollte man den Patienten fragen, wie er sich fühlt, bevor man wild drauflos therapiert. Spricht der Kunde nämlich bei angezeigtem Herzstillstand mit dir gerade die letzten Fussballnachrichten durch, sollte man ehr die Geräte therapieren, sprich: überprüfen…

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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12 Antworten zu Arbeitsgeräte: Die Klammer für den Finger

  1. chefarbeiter schreibt:

    Pah! Dann ist der Patient halt nicht normal! Aber das Gerät irrt sich niiie!

  2. rettungsdienstblog schreibt:

    Auf jeden Fall ein top Artikel von dir, immer mal wieder Sachen aus dem RD zu erklären und das auch noch verständlich für Laien kann nicht jeder, du kannst es! TOP!

    Bist du eigentlich auch LRA und leitest die Praktikanten an der Wache an?! Weil das wäre auf jeden Fall ne Idee für dich…

    Gruss
    RDBlog

    • firefox05c schreibt:

      Ich bin Lehrretter. Aufgrund der Strukturen auf unserer kleinen Wache habe ich aber selten einen Noob, den ich mal so richtig verarzten könnte (beliebt z.B. bei der EKG- Ableitung an einem Toten: nebenan rhythmisch und heimlich mit dem Fuß auf dem Velours- Teppich schaben. Gibt prima Artefakte! 🙂 ).
      Mache aber gerne den „Erklär-Bär“, da hast du schon Recht!

  3. Hauptstadtsani schreibt:

    Im Sanitätsdienst bei meiner HiOrg sind wir meist relativ spartanisch ausgestattet, so dass man sich als Sani auf eine ordentliche gerätelose Diagnose beschränken können muss (sehen, fühlen, fragen). Im Umkehrschluss glauben dann aber viele Kollegen der unteren Qualifikationsstufen, das dieses „angeberische Rettungsdienst-Gedöns“ sowieso überflüssig ist: Pulsoxy? Puls kannste doch mitter Hand fühlen 🙂 Ich finde es aber toll. Ist quasi das Monitoring des kleinen Mannes 🙂

    • firefox05c schreibt:

      Geräte dieser Art ersetzen eben doch nicht den erfahrenen Sani/ Assistenten. Sie können allenfalls unterstützen.

      • Hauptstadtsani schreibt:

        Genau richtig. Ich rege mich halt immer nur auf, weil die Leute nicht verstehen, wie sie das Pulsoxy unterstützt, und es deshalb als unnützen Schnickschnack abtun. Totschlagargument dieser Kameraden gegen die höhere Medizintechnik: „Wir sind doch keine Notärzte….“ Nee, zum Glück nicht 🙂

      • firefox05c schreibt:

        Solange der Patient noch mit einem spricht, brauche ich es auch nicht. Dann kann er mir ja sagen, ob er genug Luft bekommt…
        Aber ist der Patient nicht ansprechbar (ohne NA z.B. Wachkomapatient, starke Demenz o.ä.) ist es schon eine Hilfe. Und bei einer Hyperventilation hat der Kunde es rot auf schwarz, dass sein Problem nicht am Sauerstoffmangel liegt. Das beruhigt ihn dann schon mal. 🙂

  4. Federkiel schreibt:

    Ich freue mich auch immer über die Erklär-Artikel, wieder was gelernt 🙂 Danke!

    • firefox05c schreibt:

      Öhöm… *Doktorkappe auf* Die Umfrage unter den geneigten Lesern ergab, dass über 60% meiner Anhänger nicht auf dem Rettungsdienst- Sektor bewandert sind. Um dieses Fachgebiet dem Leser näher zu bringen, entschloss ich mich zu dieser Artikel- Serie. *Kappe ab* – Und ausserdem: Fachartikel, die das Für und Wider der einzelnen Geräte-Modelle bis zum Erbrechen erörtern, gibt´s genug auf anderen Seiten. 🙂

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