Der Schildbürgerstreich

Ein Frühlingsmärchen

Die verkürzte Sackgasse von der offenen Seite aus

Es war einmal eine gar kleine Straße, die in der Mitte durch Sperrpfosten in zwei Sackgassen geteilt war. Und dann war da noch das Tiefbauamt, das plötzlich meinte, man könne sich die Zeit mit einer Baustelle eingangs der einen Hälfte vertreiben.

Und damit die Sattelschlepper des Tiefkühl- Lagerhauses, welches sich nur knapp vor den besagten Sperrpfosten befand, auch trotz der Baustelle an- und abrücken können, entschlossen sich die findigen städtischen Maulwürfe dazu, die Sperrpfosten herauszunehmen.

Die Sattelschlepper mussten um diese Ecke. Ohne Pfosten schon eng.

Dumm nur dabei: Es ließen sich leider nur zwei der fünf Pfosten herausnehmen. Aber der schneidige Baustellen- General kam mit seiner kleinen Kutsche in Geradeausfahrt sehr gut durch den Platz zwischen den verbliebenen Pfosten hindurch, also dachte er sich, sollte das auch für die anderen Verkehrsteilnehmer reichen.

So sperrte man dann also auf der einen Seite die Straße und riss sie umgehend voller Tatendrang auf, während auf der anderen Seite eben nur dieses Schlupfloch von etwa 3m verblieb.

Nun begab es sich aber, das die Kutschen, die das Kühlhaus bedienten, nicht nur viel größer und prächtiger waren als die des Generals, sondern auch noch just an dieser Stelle um die Ecke fahren mussten. Und das passte nicht! Oh Weh! So wurde der Stau auf dem Kühlhaus- Gelände immer größer, weil keiner den Platz verlassen konnte: Zur einen Seite die plötzliche Baustelle, auf der anderen das viel zu kleine Schlupfloch! Wehklagen machte sich breit, und die Menschen liefen ratlos umher und rauften sich die wenigen Haare ob der mangelnden Hinweise auf die Baustelle, die eben noch nicht war!

vorne die Hülse eines herausnehmbaren Pfostens, hinten ein abgesägter Pfahl

Also musste der Sheriff auf seinem grünen Pferd herreiten und die Sache begutachten. Dieser befand, dass die verbliebenen, aber einbetonierten Sperrpfosten auch noch weg mussten, auf dass die Sattel- Kutscher Weihnachten zu Hause verbringen konnten. Da aber die Sattel- Kutscher nicht einmal eine kleine PUK- Säge dabei hatten, um die Pfähle umzulegen, und sich auch an der Baustelle anscheinend so etwas nicht finden ließ, wurde der „Mann für (fast) alle Fälle“ mit seinem Gefährt herbeigerufen: Ein Kleineinsatzfahrzeug eben dieses Tiefbauamtes. Er eilte sich sehr, um den Menschen hier so schnell es ging zu helfen. Doch er musste leider eingestehen, dass dieser Fall gerade einer der wenigen Fälle sei, bei denen er auch nicht helfen konnte: Tierkäfige habe er dabei, auch absperren könnte er die Stelle, und auch ganz toll Schlaglöcher ausbessern- aber eine PUK-Säge, nein, die habe auch er leider nicht, zuckte er seine schweißbenetzten Achseln.


Also, meinte der findige Sheriff,
gibt es da ja noch die Helden in den roten Kutschen, jawohl, zu denen solle man mal eine Brieftaube schicken, auf dass sie schnell zur Hülf‘ kämen.

Nun können die Kutscher wieder zu ihren Familien...

Und so kamen sie geschwind an, in ihren dicken Jacken mit den bunten Streifen, mit den derben Stiefeln, und einer Menge Kleinod in ihrer prächtigen Einsatz- Kutsche. Jedoch: ohne PUK- Säge. Aber wenn man so richtig Held ist, weiß man sich ja zu helfen: Einen Trennschleifer hatte man in einer staubigen Kiste in der roten Kutsche noch finden können!

So wurde denn den Pfählen damit der Garaus gemacht, die großen Sattelschlepper konnten wieder fahren, man feierte ein großes Fest, und alles wurde gut.

Und wenn die Maulwürfe des Tiefbauamtes nicht den Spaten abgebrochen haben, so buddeln sie dort noch heute glücklich und zufrieden.

-Oder war das gar kein Märchen? Hmm…

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Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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7 Antworten zu Der Schildbürgerstreich

  1. Sluggyly schreibt:

    Wunderbar. Ich weiß wieso du neben dem Feuerwehrmagazin und der Polizeipresse in meinem Google-Reader bist. Einfach gut. Ich liebe deine Artikel.

  2. notizbuchfragmente schreibt:

    Love it!!!

    Definitiv der beste und lustigste Artikel, den ich seit Wochen gelesen habe – gedruckt oder online. 😉

    Vielen, vielen Dank!

  3. Sehr genialer Artikel. Und ich muss ja sagen, die lieben Männchen, die bei Euch die Straßen so schön verbarrikadieren und aufreissen gibt es auch bei uns. Hier bei uns in der Nähe ist auf einer Kreisstraße ein Stück Fahrbahn gesperrt. Dieses Stück ist vielleicht 2, maximal 3 Meter lang und blockiert eine Fahrspur. Warum es gesperrt ist weiß man nicht, zumindest habe ich da noch nie jemanden arbeiten gesehen. Jeder normal denkende Mensch vermutet jetzt natürlich, dass dieses Stück einfach mittels entsprechender Beschilderung und Warnbarken gekennzeichnet ist und man es, sofern kein Gegenverkehr kommt, einfach umfahren kann. Tja, falsch gedacht. Die netten Männchen haben nämlich Ampeln installiert! Für 3 Meter! Das ginge ja zur Not noch, wenn die Ampeln dann auch nach Bedarf bzw mittels Sensor geschaltet wären. Tja, wieder falsch gedacht. Die haben ihre festen Ampelphasen. Und so kann es Dir passieren, dass Du mitten in der Pampa minutenlang vor einer „Baustelle“ stehst, ohne Gegenverkehr und einer Baustellenlänge, die die Länge Deines Autos nicht übersteigt.
    Da darf man sich nicht wundern, wenn da ständig die rote Ampel überfahren wird. Womit ich natürlich nicht sagen will, dass ich dies schon getan hätte 😉

  4. derretter schreibt:

    Brave rote Männchen;):D

  5. Frollein Ronja schreibt:

    Ein Held! Hattet ihr denn wenigstens ein weißes Pferd vor der Kutsche?

  6. Silver schreibt:

    ich möchte nicht wissen in wie weit da Forderungen des Unternehmens gegen die Stadt entstanden sind..

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