Auf den Pümpel gekommen

Alles fing damit an, dass meine Mutter eine Garten- Laterne von ca. 40cm Höhe entrostet haben wollte. „Mach mal eben sauber, ein wenig mit Schmirgelpapier drüber, dann reicht das schon…“ – Wie Frauen sich das in ihrer handwerklich gesehen oft naiven Welt so vorstellen. ‚Mal eben‘. Das ist ja an und für sich immer eine harmlose Formel für Sachen, die gerne auch mal etwas aufwändiger sein können: ‚mal eben Mails checken‚ dauert dann zwei Stunden, ‚mal eben Zigaretten holen‘ auch schon mal 2 Jahre, ‚mal eben schnell‚ (Steigerung von ‚mal eben‘) zum Büdchen fahren‚ kostet dann 20 Euro Ordnungsgeld für zu schnelles Fahren und 15 Euro für Parken im Halteverbot und ‚mal eben Unkraut abflämmen‚ kostet u. U. das sauer verdiente Eigenheim. Wie das halt so ist.

Etwas demotiviert ging ich die Sache dann auch an und schrubbte lustlos ein wenig am Rahmen. Dann die rettende Idee: „Ach, weißt du, wie es richtig sauber wird? Im Elektrolysebad! (*tadaaa!*) Das geht dann auch bis in die Ecken!“ – Der Stammleser erinnert sich daran, was für einen Spaß ich mit den römischen Münzen hatte (die ich jetzt so nach und nach für 3-5 Flocken wieder verkloppe)! Elektrolyse! Jetzt in groß! *freu* Nebenbei bemerkt: Ist auch etwas einfacher als die Ecken mit Sandpapier bepopeln. Mein Vater stand mir sofort bei: „Jaja, da haben wir in der Lehre damals auch Teile hingebracht, wird blitzeblank!“ Vor so viel Fachwissen musste Mutter dann auch kapitulieren, auch, wenn das bedeutete, dass sie ihre Laterne für 1-2 Wochen nicht mehr wiedersehen sollte.

Ich das Ding also mit nach Hause genommen.

Erstes Problem: Die Latüchte musste in einen passenden Behälter, in dem auch genug Platz war, um die Anode kontaktlos daneben unterzubringen. Jetzt war mein Schatz aber nicht so sehr von der Idee begeistert, das Monster von Lampe in der Badewanne zu versenken. Zu Recht wies sie mich lautstark auf den Zustand ihrer Tupperschüssel hin, in der ich Fundstücke gereinigt hatte. Außerdem fiele die Wanne dann ja für die Körperpflege mindestens 3 Tage aus. Fand sie auch doof. Der Eimer war zu klein, das Spülbecken aus Metall und der Gartenteich zu schmutzig. Ging also auch alles nicht.

Naja, jetzt blieb noch eine etwa 15cm hohe Plastikwanne. Die war zwar groß genug, um die Lampe reinzustellen, aber für die Streben zwischen Fuß und Deckel musste ich mir dann wohl etwas anderes ausdenken. Zumindest den filigranen Deckel und den kantigen Boden konnte ich aber so reinigen. Also Natronlauge gemischt, Anode rein, Blechfunzel daneben, einen Schwamm zur Sicherheit dazwischengeklemmt und für einen Tag Strom dran.

Abends war die Wanne mit braunem Schaum bedeckt und die Lampe am gewässerten Teil schwarz. Nächster Schritt: Die Brühe in den Ausguss, den schwarzen Belag auf der Lampe mit Stahlwolle entfernt. Das gleiche dann am halben nächsten Tag nochmal.

Die zweite Hälfte des Tages nahm das obere Ende der Leuchte ein Wellnessbad, am 3. Tag dann auch der Deckel. Jedesmal vor dem nächsten Bad die Suppe gewechselt, mit all‘ dem gelösten Rostzeugs in den Ausguss und dann den Belag von den Metallteilen geschrubbt. Und irgendwie sah zwar die Lampe immer besser aus, indeß der Ausguss tat seinen Dienst immer unwilliger. Waren wohl ein wenig zu viele Rostkrümel. Aber noch lief alles ab.

Bis Mausi ein paar Tage später einen Topf mit einem guten Rest Tomatensauce auswaschen wollte. Da ging dann im Dienst mein Handy, mit einer hektischen Frau dran: „Äh, Schatzi, der Abfluss ist verstopft. Das Zeug fließt irgendwie nicht ab! – Ich muss jetzt aber zur Arbeit… Tschüß…“ – Na Klasse. Da stand jetzt also der Tomatenbrei. Und was soll ich sagen: Die Plörre stand auch noch im Becken, als ich nachmittags vom Dienst kam!

Jetzt hatte ich da noch so ein Pumpding, das aussah, wie so eine Pumpe für Luftballons. Nur mit einer Gummivagina unten dran. Für auf den Ausguss. Nachteile:

1. Man braucht beide Hände zur Bedienung. Der Erfinder hatte wohl nur eine Dusche. Und in den ihm bekannten Waschbecken waren wohl auch keine Überläufe. Sonst wäre ihm aufgefallen, dass so ein Überlauf eine Verstopfungsbeseitigung erfolgreich verhindert, wenn er nicht durch irgendwas zugehalten wird: Stöpsel, Lappen, zur Not tut’s auch eine Verlobte.

2. Der Pumpenkolben funktionierte – mit viel Wohlwollen betrachtet – nicht immer so richtig. Ich denke, die Dichtungen in dem Turbozäpfchen machen ihren Job nicht ordentlich.

So stand ich nun da: Einen nassen Lappen auf dem Überlauf, mit Wasser gefüllten Topf als Beschwerungs- Topping, versuchte ich nun die Gummivagina des Turbozäpfchens bei Null- Sicht durch die toten Tomaten auf dem Ausguss zu positionieren (wo man nicht sehen kann, ist Fühlen keine Schande…) . Nachdem das gelang, pumpte ich wie blöde. Bei jedem 3. oder 5. Mal merkte ich, dass irgendwie was durch den Ausguss gedrückt wurde, und irgendwann lief die Plörre dann ab. Nun gut, das Pumpding abgespült und in den Unterschrank gelegt. – Wobei ich jetzt entdeckte, dass der Überlauf- Anschluss unten geschwächelt hatte, während ich oben gegen die Verstopfung kämpfte, und die Suppe jetzt quer durch den Unterschrank gespritzt war. Na klasse: Putzeimer, Mülltüten, Küchentücher… alles vollgespritzt im satten Rot! Erst dieses blöde Pumpmoped, dass wohl von jemanden erfunden wurde, der Bauschaum bei der Arbeit raucht, und jetzt noch eine tolle Putzaktion!

Nachdem aus dem Unterschrank also 15 Minuten lang meine nicht immer jugendfreien Frustergüsse schallten und der Schrank dann wieder tomatenfreie Zone war, reifte in mir der Entschluss: Ich brauche einen Pümpel. Einen Abfluss- Sauger. Einen Stampfer. Oder wie immer die Menschheit dieses einfache, aber geniale Erfindung nennen möchte: Keine Mechanik, die zu demolieren ist, keine Chemie, die zum Spielen verleitet,  Fehlbedienung ausgeschlossen, einhändig zu bedienen, billig -kurz: Feuerwehrsicher! Weiterer Vorteil: Man kann den Druck kontrollieren. Anders als bei dem Turbozäpfchen, das nicht richtig funktioniert, und wenn es seinen Job tut, hat man kein Gefühl, wie stark man in die Kanalisation bläst (Das Ergebnis durfte ich ja bis zu den Füßen im Unterschrank steckend bewundern!).

Bei nächster Gelegenheit sind wir dann also in einen Supermarkt und haben so ein Ding aus dem Regal gezergelt. Und hatten auch gleich Spaß damit: Zunächst fand ich auf dem Weg durch die Schuhabteilung heraus, dass der Sauger auch auf meiner Kurzhaarfrisur hält („Winke-Winke!“ ). An der Kasse dann schob ich meine Verlobte mit dem Pümpel auf dem Bauch festgesaugt in die richtige Warteposition, auf dem Weg nach Hause prüfte ich den Halt am Autohimmel und an der Türverkleidung, und auch am Mülleimer, der Haustür und dem Briefkasten zeigte das Ding dann wiederholt, was es konnte. Mausi meinte dann aber, dass es langsam reicht, als der Gummisauger klatschend an die Schlafzimmertür flog und dort keck wedelnd hängen blieb. (Dart – XL…)

In der Wohnung angelangt nahm ich keine Rücksicht auf freie Abflüsse: Es wurde erst mal alles durchgepümpelt! Ging auch ganz gut, denn da der Aparillo mit einer Hand bedienbar ist, konnte ich mit der anderen gut den Überlauf zuhalten. Und Mausi war mit einer Portion Grusel höchst erstaunt, was dieses Wunderwerk an Perfektionismus zu Tage förderte. Und wie gut nachher wieder alles ablief!

Aber einen Nachteil brachte der Lokuspümpel doch mit sich: Kalte Füße beim Duschen. Jetzt bildet sich nämlich keine Pfütze mehr im Becken…

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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10 Antworten zu Auf den Pümpel gekommen

  1. petrahannover schreibt:

    Ach wie schön, daß es doch noch Menschen gibt, die mit diesen High-tech-möchte-gern-Geräten die gleichen Schwierigkeiten hat wie ich 😉 Nur hatte ich das Glück, daß ich nicht noch Tomatensoße durchs Haus verteilt habe *ggg*

    Freue mich schon auf Deine nächste Anekdote! So fängt der Tag doch gut gelaunt an 🙂

  2. Ist doch immer wieder erstaunlich, über welch einfache Dinge man so lange Beiträge schreiben kann. Und wie einfach es ist, Feuerwehrmänner zu beglücken 😉
    Ich habe mich auf jeden Fall wie immer amüsiert 🙂

  3. leckermojito schreibt:

    Ich hau mich weg! Mitten aus dem Leben und echt lustig geschrieben!

  4. Pandora schreibt:

    Harhar 🙂 Sehr schön geschrieben!

  5. retterweblog schreibt:

    Lass Weibe 5x Haare waschen, dann hast wieder warme Füsse 😉

    • firefox05c schreibt:

      Ja gut, Vollspackos gibt es immer! Aber da mir 1. Die Verletzungsgefahr zu groß ist (die Typen haben echt Glück gehabt!) und 2. eine Brüllschüssel selten Druckfest genug ist (außer vielleicht die Modelle auf der Autobahn), habe ich es lieber etwas weniger spektakulär gelöst. So spare ich mir auch eine neue Schüssel! (liebe kleinen Kinder: Nicht nachmachen! Das besorgen schon die großen Kinder…)

      • Anna schreibt:

        Und der Autor gehört ganz offensichtlich zu den ‚großen Kindern‘ 😉

        Ganz ehrlich, ich lese diesen Artikel schon zum dritten oder vierten Mal, aber er bringt mich immer noch zum Lachen 😀

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