Frust.

In lauen Nächten bieten sich schon mal solche romantische Einsatzstellen

Ich hatte mir das eigentlich so entspannt vorgestellt: Zurück von den Vertretungsschichten in einer anderen Wache, schwinge ich meinen Heldenhintern auf den heimischen Löschbomber, trete bis 22.00 ein paar österliche Lagerfeuer unter dem Gemurre der angetrunkenen Grünflächen- Okkupanten aus, und zwischendurch vielleicht noch eine nette Kontrollfahrt mit dem Boot bei strahlendem Wetter. Ich hatte mir sogar schon das „Feuerwehr“- Basecap eingepackt, damit die letzten Strippeln auf meiner Platte nicht verdorren, während ich mein entzückend´ Antlitz vor den gleißenden Himmelskörper halte.

Aber zu früh gefreut: Erst einmal kam ich mit meinem Auto kaum auf den Hof der Wache, da die Kollegen der diensthabenden Schicht so nett waren, den Pflasterlaster quer auf dem Vorplatz zu parken. Und zwar vor den letzten noch verbliebenen Parkboxen. Ich  hatte nicht schlecht Lust, die Leitstelle telefonisch um einen letzten Krankentransport für die Kollegen zu bitten, damit sie den Platz räumen.

Der nächste #fail dann am Dienstplan: Ich sollte eben diesen querstehenden Rettungsbomber besetzen. Nicht den Löschkarren. Wird also nichts mit Pleete sonnen auf entspannten Bootsfahrten…

Wenigstens gab es nichts an der Auswahl meines Spannmannes zu mäkeln: Er schießt zwar in seinem Engagement schon mal über das Ziel hinaus, aber er engagiert sich wenigstens. Was man ja beileibe nicht von jedem behaupten kann.

Die Kollegen, die ich jetzt ablösen sollte (diese Ein- und Zupark- Könige), teilten mir dann so nebenbei mit, dass wir ein Tauschauto bekommen haben, da unser originäres Fahrzeug mit „ganz schlimm Bremse“ in die Werkstatt verfrachtet wurde. Tauschauto. Prima. Kommt in der Beliebtheit irgendwo zwischen Einsatzstichwort „C2 vor Aldi“ und Auftrag „Grünflächenarbeiten auf der Hauptwache“! Tauschkarren sind die „Betriebshuren“ der Feuerwehr (da darf jeder mal drauf…), und darum fühlt sich selten jemand so richtig verantwortlich. Der Bomber wird nach 2- 3 Schichten sowieso wieder getauscht, und dann darf sich der nächste damit rumärgern. So häufen sich die kleineren Mängel, bei der Materialbehandlung ist man schon mal nicht so zimperlich, und die Hygiene wird auch nicht immer so genau genommen.

So auch dieses Mal: Ein Sperrpfosten- Schlüssel weg, Navigationsgerät und Rückfahrkamera waren gestorben (auch noch, nachdem wir die Stecker, die unter dem Armaturenbrett so lustlos rumbaumelten, wieder verbanden), die Klimaanlage verweigerte den Dienst, die Konsole des EKG/ Defibrillators wurde nur über Netzspannung versorgt, nicht aber über die Bordspannung, die Zentralverriegelung funzte nicht über Fernbedienung… – Aber Lenkrad, Bremspedal und Getriebe waren noch da. Also erst mal zur Klinik, in der unsere Unterkunft ist. Und wo von den lieben abgelösten Kollegen noch ein halbes Dutzend Einsatzprotokolle zur Eingabe in den Wachrechner warteten. Lass sie warten, die Drösel von der anderen Schicht kommen ja morgen wieder…

Dort ging es bei der ersten Fahrzeug- Durchsicht weiter. Die Kollegen waren wohl nach einem Fahrzeugtausch wie eine Blondiene nach der Mittagspause: Sie müssen neu angelernt werden… So fanden sich verschiedene Verbrauchsmaterialien an Stellen, an denen ich es noch nie gesehen hatte. Sie entwickelten eine blühende Fantasie, wo und wie man die Klamotten verstecken könnte. Na gut, war ja auch Ostern. („Such das Blutzucker- Messgerät! Such! …“) Einige Schubladen waren so vollgestopft, dass sie mir den halben Inhalt beim Öffnen vor die Füße kotzten, oder sie sich gar nicht erst ohne Werkzeug öffnen ließen. Immerhin war von allem etwas vorhanden, und nachdem ich etwa eine dreiviertel Stunde sortiert und zwei Arme voll überzähliges Zeugs wieder ins Lager gebracht hatte, konnte die eigentliche mittägliche Gerätekontrolle und Reinigung beginnen. Gerätekontrolle übernahm der Kollege Schnürschuh, die Reinigung ich. Obwohl: umgekehrt wäre es wohl besser für meinen Blutdruck gewesen! Die Rettungswagen werden ja eigentlich jeden Mittag geputzt. Eigentlich. Denn bei Tauschautos scheint der eine oder andere Kollege (oder auch beide!) wohl die Express- Version Methode „Feudel-Fix“ zu bevorzugen. Ich habe da Ecken freigelegt, die das Tageslicht wohl schon länger nicht mehr gesehen hatten! Watt für ´ne Sauerei!

So putzte ich, bis der Teamkollege mit Gerätekontrolle fertig war. Und dann putzten wir gemeinsam weiter. Zum Abschluss nach etwa 1,5 Stunden bekam der Boden noch eine „Sintflut- Reinigung“ vom Kollegen mit Schrubber und Gartenschlauch. Ging nicht anders, wenn man ein vernünftiges Ergebnis haben möchte. Mit dem kurzen Einsatz zwischendurch waren wir so schon mal bis in den späten Nachmittag hinein beschäftigt. Und das am Feiertag…

Jetzt ist der Rettungswagen zumindest sauber, der Kollege schreibt eifrig an einer Mängelliste. Und wir fahren nachher bestimmt die besoffenen Grünflächen- Okkupanten, die einen kalten Hintern bekommen haben, weil die Feuerlöscher ihnen das Lagerfeuer ausgemacht haben.

Na denn: Frohe Ostern.

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Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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2 Antworten zu Frust.

  1. rettungsdienstblog schreibt:

    Alles kommt immer anders als es geplant ist…gerade bei Feuerwehrs.

    Aber du hast Recht, vermutlich würde ich den Kollegen das bei der nächsten Schichtübergabe erstmal aufs Semmel schmieren und die mir zur Brust nehmen. Jeder soll sein Auto übergeben, wie er es gelernt hat und es vermutlich auch selber haben will. Schlampigkeit und Schuderei gehen da nicht. Aber die Tauschkarren sind wirklich mies, da fährt jeder rum und keiner kümmert sich drum….hoffentlich kommt bald eure richtige Karre wieder zurück.

    Gut Schicht,
    RDBlog

  2. petrahannover schreibt:

    Schön, daß bei Euch immer was passiert, was erzählenswert ist, so haben wir, die sich nicht mit den Betriebshuren rumärgern müssen, wenigstens was zu grinsen (ich nehm Dir den Blondienen-Seitenhieb auch nicht übel 😉 )
    Als ich am Ostersonntag auch mit einigen Firefightern konfrontiert wurde, mußte ich auch irgendwie an Deinen Blog hier denken… 🙂
    (Wer mag, siehe doch in meinem Blog nach)

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