Safaripark Stukenbrock

…oder: Von Erfahrungen mit Affen und anderen Primaten

Es war mal wieder Zeit für einen Tagesausflug. Wetter super, ich hatte Dienstfrei, und mein Schatz wollte mal wieder gemeinsamen Auslauf.

 Entscheidungsfindung

Ihr Vorschlag, mal wieder das Phantasialand zu überfallen, wurde von mir als Finanzdirektor „aus Gründen“ abgelehnt: Der Eintritt hätte uns 75 Flocken gekostet, außerdem hätte man sich dort schon beim Eintritt nach Essbarem durchsuchen lassen müssen. Das wird in den AGB schon vorab verlangt. (Können die ihr Personal nicht zumindest so bezahlen, dass sie sich wenigstens was zu Essen leisten können?) Dieser Umstand hätte aber bestimmt Ärger nach sich gezogen: Entweder hätten wir drinnen zur Lebenserhaltung Kindern das Eis klauen und uns dann vom Vati den Frack ausstauben lassen müssen, oder man hätte mich irgendwann unter Zwang zum Ausgang geführt, weil ich dem halsabschneiderischen Würstchenfuzzi lautstark Anarchie und Raubrittertum vorgeworfen hätte. Was dort nämlich so ein dusseliges Phosphatstäbchen kosten könnte, mag ich mir garnicht ausmalen. Zudem war gerade Sonntag, und bei dem zu erwartenden Besucherstrom hatte ich irgendwie überhaupt keine Lust, mich womöglich 1,5 Stunden irgendwo anzustellen, nur, um mal gehörig aus dem Freefall- Tower in die Menge zu göbeln. (Wobei der teure Grillriemen dann ja noch einen Gegenwert an Spass gehabt hätte!)

Zudem hatte man mir beim letzten Besuch „mal eben“ einen Aufkleber aufs Auto gepappt, den ich dort garnicht wollte. Was mögen sich diejenigen geärgert haben, die genau diesen Sticker vor dem Verlassen des Parkes noch für viel Kohle gekauft haben!

Außerdem war die Internet- Seite doof und aufdringlich. Sie brüllte den Betrachter völlig ungefragt und augenblicklich irgendeine bekloppte Musik entgegen.

Also überlegten wir uns, einen kleineren Park zu besuchen. An einem einzelnen Tag schafft man es sowieso nicht, alle Fahrgeschäfte und zumindest die Hälfte der Shows zu sehen.

Zur weiteren Auswahl standen dann das „Fort Fun“ und der „Safaripark Stukenbrock“. 2-12 Mal Überschaubarer, wahrscheinlich nicht so vollgestopft mit brüllenden Teppichratten auf Autoritätsentzug, und sein eigenes Bütterchen durfte man dort auch mit hinnehmen.

Die Entscheidung fiel schwer. (An meine Follower bei Twitter: Ihr habt mich etwas enttäuscht. Sonst kann man fragen, was man will, da macht ihr sogar Vorschläge, in welcher Reihenfolge man sich am Besten die Socken anzieht. Dieses Mal habt ihr mich im Stich gelassen… 😦  )

Einer der berühmten weißen Löwen des Parks

Aber dann wurde uns die Entscheidung durch unsere Nachbarin erleichtert: „Für Erwachsene finde ich Fort Fun langweilig…“ – OK, es war kein „Hammer- Argument“, und das mit dem „…für Erwachsene…“ traf ja eh´ nur auf Schatzi zu, aber wir hatten nichts anderes Ausschlag gebendes in der Hand. (Die Website ist übrigens NOCH aufdringlicher als die aus Brühl: Das Video im Header ist so groß, dass man scrollen muss, um von der eigentlichen Seite etwas zu sehen.) Dort gab es eine Marienkäferbahn, diese Oldtimer- Bahn und elektrische Dreiräder. Also alles, was ich zum Glücklichsein brauche. 😉

Alsdann, auf zum Streichelzoo Löwengehege!

Erster Eindruck

Etwas versteckt im Wald, allerdings gut ausgeschildert, erreichten wir das Gelände. Im Gegensatz zu anderen Parks nimmt man das Auto mit in den Park, da man mit ihm ja durch die Wildgehege fährt! – Aus diesem Grund ist es auch nicht ratsam, mit dem Motorrad anzureisen. Es sei denn, man heißt Mick Dundee oder will ein Foto von sich in der Zeitung sehen. Mit Löwen am Unterschenkel.

50 Kröten abgedrückt, einmal rechts, und wir standen auch schon vor der ersten Schleuse.

Der Wildpark

So lümmeln sie an der Straße rum

Auf dem Gelände des Geheges fährt man zuerst durch den Löwenpark. Die Viecher lagen dekorativ in der Sonne, faulten, lenzten, oder auch beides,und man konnte bis auf wenige Meter an ihre Unterstände heranfahren. Ich bin ja sonst nicht so der Blechfetischist, aber in diesem Moment habe ich mich doch etwas geärgert, dass ich die Karre nicht vorher gewaschen habe, da jetzt die Sonne den Schmutz auf der Scheibe zu einem Nebel vor die Aussicht der Kamera zauberte. Schade, die Fotos hätten brillianter sein können. Das Fenster habe ich nämlich weisungsgemäß zu gelassen. Wer weiß, was den Mietzen so in den Kopf kommt, wenn sie das Blümchendeo meines Augensternes riechen. Und für das nächste Mal nehme ich mir ein rohes Schnitzel mit, damit Kimba mal den Arsch hochbekommt!

Sinnvollerweise war zu den Giraffen und Gnus eine weitere Schleuse. Sonst hätte man über kurz oder lang wahrscheinlich Löwen, die wie Zeppeline aussehen, dafür aber ehr weniger andere Tierarten zu bieten. Andererseits: Bis zu einem gewissen Zeitpunkt hätte der Besucher gewiß ein Plus an Action!

Auf dem zweiten Gelände bekam man dann eine kleineAuswahl an friedliebenderen Tierchen zu sehen. So wie den ulkigen Vogel, der erst einmal ins Auto schaute, ob wir etwas interessantes für ihn dabei hätten. Während ich lediglich Bedenken hatte, dass er mir in die Fotolinse hackt, womit er mir unzweifelhaft die Objektiv- Mechanik getötet hätte, drängte Mausi (obwohl sie viel weiter weg saß!) zum taktisch sinnvollen Aufbruch, da sie offensichtlich um ihr eigenes Leben fürchtete.

Nun gut, irgendwann war auch das „Paderborner Mini- Afrika“ durch, und wir stellten das Auto auf dem Parkplatz ab. Zu dem man übrigens auch immer wieder zurück kann, um z.B. seinen Picknick- Korb zu leeren. Unschätzbarer Vorteil, wenn man mit 3 oder 4 Kindern unterwegs ist!

Der Freizeitpark

Dieser Balken hat hoffentlich keine Stützfunktion!

Der erste Eindruck beim Betreten des Parkes: „Die Malertruppe hat für diese Saison wohl ein anderes Engagement bekommen“:

Leider sind die Bauten und Einrichtungen recht… sagen wir mal: gut gebraucht. Bei genauerem Hinsehen ist der Lack hier und da echt ab. Was der Funktion allerdings keinen Abbruch tut!

Stellvertretend sei hier nur der Seifenspender gezeigt...

Allerdings könnte man die Donnerbalken mal renovieren. Da hat wahrscheinlich schon Napoleon drauf gebrunzt.

Porzellan mal anders

Wir stürzten uns jedenfalls sofort auf die Wildwasserbahn. Und dann ins Kaffee- Service. Und dann in die Achterbahn. Also, Mausi, zumindest. Irgendwer muss ja die Fotos von der Fahrt machen…

Dann die erste Show. Im Afrika- Theater. Es war eine „Zauber- Show“, der Leithammel nannte sich „William Powers“ oder so. Die Tricks waren zwar nicht so der Hammer, aber es war witzig anzusehen, wie seine Assistenten mit einigen Requisiten kämpften! So wird z.B. im Verlauf der Unterhaltungsnötigung ein klappbarer Schrank gebraucht, der genau das tut, wofür er gebaut wurde: Er klappt von alleine auf. Zu meinem Amüsement allerdings schon ein paar mal vor dem Ende des Tricks, wobei es niedlich anzuschauen war, wie ein Assistent verzweifelt versucht, dieses Ding auf einem sich drehenden, etwa 1,60m hohen Tableau immer wieder zuzuklappen, damit man nicht sieht, dass der Chef schon längst nicht mehr drin ist!

Auch die danach besuchte „Western- Show“ war recht nett, so mit Messerwerfer, Totempfahl- Jongleur und einer durch Seilzug auseinanderfallenden Toilettenkabine. (Privatfernsehn??)

Allerdings hat es etwas gestört, dass die Darsteller anscheinend nicht viel mit ihrem vom Band kommenden Text anzufangen wussten: Statt entsprechender Gesten, die den Text untermalen

Pferdeäppel- Jo sammelte vor der Show noch schnell das Fallobst auf

sollten, machten sie oft in „Pupsburger Augenkiste“- Manier nur unspezivische Bewegungen mit den Armen, die dem Zuschauer anscheinend nur zeigen sollten, wer von den Akteuren gerade so tut, als wenn er schauspielert. Bänder, die an den Gelenken befestigt waren, suchte ich aber vergebens, die Menschen schienen echt zu sein. 🙂

Aber dann bekam ich eine Lehrstunde in Verhaltensforschung. Und zwar im

Affenexpress.

Der Affen- Express

In dieses vergitterte Ding steigt man ein und wird dann im Schneckentempo um den Affenfelsen geschuckelt. Wobei man sich vorher an einer Bude neben dem üblichen Gedöhns auch Popcorn kaufen kann. Dieses passt herrlich durch die Gitter. Und der Rest läuft dann von selbst.

Leute: Wenn ihr jemals die Gelegenheit habt, in diesen Zug zu steigen, zögert nicht! Nehmt eine Videocam mit- und filmt die Insassen! Fuck off Affen, die Besucher sind der Hammer!

Zum TV- Abend habe ich auch nicht weniger...

Ich war mir sicher, die höher entwickelten Primaten saßen nicht im, sondern neben dem Zug.

Die verzweifelten und völlig enthemmten Kontaktaufnahmeversuche der Besucher mit den abgeklärten und professionellen Affen uferten in ein Verhalten aus, mit dem ich nicht gerechnet hatte: Erwachsene Kerle um die 180 Pfund hingen von innen an den Gittern, riefen „uh-uh-ua-ha-ha!“ , klapperten an den Gittern, Frauen riefen: „Äffchen! Hierher! Äffchen! Hierher!“, und gaben entzückt so sinnvolle Äußerungen von sich wie „Boh, guck mal, der kratzt sich! Hihihi!“ (was sie bei ihrem Mann mit tödlichem Gesichtsausdruck kommentieren!), schmissen mit Popcorn nach den Affen, und wenn sich ein Tier dazu bereit erklärte, sich von außen an den Zug zu hängen (womöglich ist das Bestandteil ihres Vertrages, und sie bekommen sonst kein Abendessen), popelten ihm sofort 1000 Hände Bumsgetreide ins Gesicht.

Es war erstaunlich, wie die Menschen ausrasteten!

Die Affen hingegen müssen diese treckergezogene Popcornmaschine im Viertel- Stunden- Takt ertragen. Entsprechend gelangweilt stehen sie diesem Happening gegenüber. Sie setzen sich meist in die Nähe der Geleise, und wenn der Zug vorbeifährt, lassen sie den Maisregen über sich ergehen, um die wirklichen Leckerchen zu erhaschen: Einige Besucher fummeln aus ihrer Lunchbox schon mal so Sachen wie Gurke oder auch mal eine Tomate, die bei den Affen erheblich größere Aufmerksamkeit erzielen wie das Popcorn, das wahrscheinlich jeden Abend schubkarrenweise wieder aus dem Gehege gekehrt wird.

Stoisch ertragen sie all´ die Idioten

Aber was mag in den Menschen vorgehen, die in einem Wahn der geistigen Umnachtung glauben, der Affe bekäme ausgerechnet auf ihr Popcorn unsäglichen Apetit, wenn sie es ihm ins gerade aus der Reinigung zurückbekommene Fell und vor die Füße schmeißen, wo schon eine Schicht des weißen Unrates aus den Vorgängerzügen liegt, und diese Tat dann mit Lauten untermalen, die man so nur aus Dschungelbuch- Comics kennt!

Es war unfassbar: Draußen die etwas gelangweilt dreinblickenden Affen, schön die besten Plätze nach Hierarchie aufgeteilt, friedlich abwartend, ihre Ernährung mit Vernunft abwägend (die nahmen beileibe nicht jedes Junkfood!), im Zug der tobende Mob, vor Verzückung juchend, merkwürdige Geräusche emittierend, sich verrenkend und selbstvergessen mit aufgepoppten Getreide um sich werfend…

Also, wenn Aliens diese Situation beobachten würden, die sich dort mehrfach am Tag abspielt, und jemand wollte ihnen erzählen, dass der Mensch ja der höher entwickelte Primat sei – sie würden ihn auslachen und weiter nach der Intelligenz auf diesem Planeten suchen. Vielleicht bei Krähen. Aber wir wären mit Sicherheit unten durch.

Nachdem wir uns wieder einigermaßen gefasst hatten, ließen wir uns nochmal in einer Kaffeetasse durchschleudern, tranken noch einen Kaffee, und der Tag war auch schon rum. Ein schöner Tag.

Aber auch, als wir schon wieder zu Hause waren, war ich noch etwas verstört über den Rollentausch, den ich im Affengehege erlebt hatte. Selbst auf unserer Hauptfeuerwache hatte ich sowas noch nicht erlebt…

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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14 Antworten zu Safaripark Stukenbrock

  1. BRC_Medic schreibt:

    Super geschrieben – mir zucken jetzt noch die Bauchmuskeln 🙂

  2. sueder80 schreibt:

    Zumindest wusstest du vorher das man eigenes Futter mitbringen darf. Ist übrigens auch im Phantasialand noch so. Nur Glasflaschen sind verboten.

    • firefox05c schreibt:

      Ich habe gehört, dass eigene Lebensmittel mal verboten waren. Das war übrigens für viele, mit denen ich sprach, ein dickes Minus. Vielleicht war es mal so und sie haben es wieder geändert.

  3. petrahannover schreibt:

    Ach wie schön, daß erinnert mich an meine Kindheit, als ich auch öfter mal in Stukenbrock war! Vor allem die Affenbahn! Wir haben uns seinerzeit auch köstlich über die zweibeinigen Affen amüsiert, die so taten, als hätten sie noch nie so ein pelziges Tierchen gesehen.
    Aber es gab auch schusselige Affen : diese streckten ihre Hände ins innere der Wagen, griffen beherzt in die Popkorntüte …. und bekamen ihre volle Faust natürlich nicht wieder raus aus den Gitterstäben! 😮 Da konnten wir dann mal über die Affen lachen (und nicht umgekehrt), da sie nun die Faust voll Futter hatten aber trotzdem nichts davon in ihren Mäulern landete. 🙂
    Ob das Popkorn wohl eine drogenähnliche Wirkung hat??? 🙂

    • firefox05c schreibt:

      Ich hatte ehr den Eindruck, dass sie von Popcorn kaum noch begeistert sind. Zumal sie mit jedem Zug einen ungefragten Platzregen von dem Zeug abbekamen. Klar, das fliegt eben jeden Tag kiloweise durch die Gitter. Aber sie waren sehr dankbar für Obst und Gemüse!

      • petrahannover schreibt:

        Mein letzter Besuch ist nun fast 30 Jahre her… Das waren damals noch andere Zeiten 😉 Vielleicht waren da die Viechers noch nicht so Popkornüberfressen…

      • firefox05c schreibt:

        Mittlerweile sind auch die Gitter so engmaschig, dass höchstens noch die ganz jungen Tiere hindurchfassen könnten. Ist für die Frisuren und Vorräte an Lebensmitteln bestimmt auch besser so! 😉

  4. chefarbeiter schreibt:

    Man kann es nicht oft genug sagen: Dein Schreibstil ist einfach zu geil! Habe wieder mal durchgehend gelacht…

  5. anonymer Feuerwehrholiker schreibt:

    Von FortFun kann ich auch nur abraten: Beim großen Lauffeuer Jugendfeuerwehrzeltlager musste ich feststellen, dass dieser Park eine lose Aufschüttung von ausrangierten Kirmesgeräten ist.

    Die Motorräder haben noch den Geld-Einwurfschlitz der irgendwie umgefrickelt wurde, dass man die so fahren kann. Das altehrwürdige Kirmes-Pferde-Karussel besaß keine einzige der 200000 Lämpchen mehr. Das einzig Gute war die Bob-Bahn und ein 4-Personen-Paraglider der einmal am Seil über den ganzen Park flog – aber irgendwas um die 5-15 Euro extra kostete.

    Nicht empfehlenswert…

    • firefox05c schreibt:

      Na, dann kann ich mir das beim nächsten Ausflug ja auch sparen. – In Stukenbrock habe ich nur Kleinigkeiten gesehen, die extra kosten: Die Spielhalle, einige auf dem Gelände aufgestellte Automaten und die Schießbude. Ach ja: Und den Sheriff anpinkeln geht extra… 😉

  6. Lexy schreibt:

    Hi,
    ich habe mich mal wieder köstlich beim Lesen amüsiert 😉

    Wäre der Kettlerhof nicht was für euch gewesen? 😀

  7. Vroni schreibt:

    Gute Idee – ich will auch mal wieder auf die Riesentrampoline und die Höllenrutsche 🙂

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