Pflege und „Frauen bei der Feuerwehr“

Welche Stiefel sind wohl älter? – Falsch. Das rechte Paar ist von 2001, das linke von 1997.

Woran mag das liegen? Werden die verschlissenen Stiefel öfter getragen? – Nö. Im Gegenteil: Sie werden,  seit dem der Besitzer sie in die Überhose gesteckt hat, sogar viel weniger getragen, da sie nur noch für Brandeinsätze oder bei z.B. Verkehrsunfällen angezogen werden. Die linken werden von mir im täglichen Schichtbetrieb, beim Arbeitsdienst und bei kleineren Einsätzen getragen, bei denen man die Überhose nicht braucht.

Der große Unterschied: Die linken werden gepflegt.

Es ist schon manchmal traurig, mit welch einer Gleichgültigkeit die Ausrüstung von einigen Kollegen behandelt wird. Das kann man zum Beispiel auch am Helm sehr gut sehen. Eigentlich gerade am Helm. Denn viele Kollegen meinen, sich damit als ein Symbol für Erfahrung schmücken zu müssen: So wie ein Gorilla seinen Silberrücken zur Schau stellt und eine Paviandame ihren roten Hintern, tragen sie einen verbeulten, rußgeschwärzten und verkratzten Helm. Aber wenn man mal ehrlich ist: Was hat ein versauter Helm mit Erfahrung zu tun? Die Beulen kommen vom unachtsamen runterschmeißen, die Kratzer vom auf den Asphalt oder auf den Fahrzeugboden legen, und der Siff ist schon auf der Murmel, wenn man beim Papiercontainer- Brand die Runkel mal in den Dunst hält. Nix „Erfahrung“. Die trägt man nämlich IM Kopf, nicht darauf. Und das Visier könnte man eigentlich auch abmachen, da man sowieso nicht mehr durchsehen kann. Diesen Helmzustand hätte man wohl auch so in etwa, wenn man die Murmel einem 6jährigen einige Zeit zum Spielen überlässt.

Dreckbecher

Hierzu eine kleine Anekdote aus meinem Dienst:

Ein Kollege lief immer mit so einem „Mohrenkopf“ rum. Als ich ihn darauf ansprach, meinte er nur lapidar: „Ist mir doch völlig egal, wie der Helm aussieht! Der Schmutz interessiert mich nicht.“ – Gut, dachte ich, dann kann ich ihn ja auch mal putzen! 🙂

Gesagt, getan: Ich wienerte das Ei so blank, dass eigentlich nur noch ein Preisschild gefehlt hätte, um ihn für „neu“ durchgehen zu lassen! Nach allen Regeln der Kunst: Mit Nitroverdünnung, Autopolitur und Lackkonservierung (mit Perleffekt!).

Beim nächsten Einsatz suchte der Kollege zunächst verwundert seinen Helm, und schimpfte wie ein Rohrspatz, als er ihn wiedererkannte: „Der sieht ja aus, wie im Grundlehrgang! Fünf Jahre einfach weggeputzt!…“ Also, so egal war ihm der Schmutz denn wohl doch nicht gewesen! 🙂

Nun wollte es das Schicksal, dass ein paar Schichten später ein Container brannte. Mit einigem an Plastikmüll drin. Und da der Kollege Strahlrohrführer war, konnte er sich nachher freuen, dass sein Helm wieder eine – sagen wir mal – schöne Patina hatte. Versaut, eben.

Als ich ihm dann aus Spaß andeutete, mich nochmal darum kümmern zu wollen, drohte er mir sogar Prügel an! Soviel also zum Stellenwert von Dreck. Man will ja nicht nur Held sein, sondern auch so aussehen. Wieso ist es überhaupt „heldenhaft“, wie eine Sau auszusehen? Weil der Typ in „Stirb langsam“ auch im schmutzigen Unterhemd und barfuß rumrennt?

Leider ist es den Leuten dabei völlig egal, dass das Material nicht nur einen Teil seiner Schutzfunktion einbüßt, sondern dadurch vorzeitig verschleißt: verdreckte Reflexstreifen strahlen kaum noch zurück, die Nähte lösen sich auf, das Visier wird unbrauchbar, ungeputztes Stiefelleder wird porös, und wenn man auf dem Sicherheitsgurt rumtritt, pliesert er aus. Dabei machen sich die lieben Kollegen überhaupt keine Gedanken darüber, dass so ein kompletter Anzug um die 1000 Euro kostet! Da kommen selbst bei einem kleinen Löschzug für die Kammer mal eben schnell 60 000 Eumel und mehr zustande, also nicht gerade wenig.

Einerseits gehen einige Kollegen mit ihren teuren Klamotten um, als wenn sie nichts kosten („Habe ich doch nicht bezahlt…“), andererseits beschweren sie sich, wenn die Stiefel nicht mehr wasserdicht sind, die Jacke und die Handschuhe Löcher bekommen oder das Visier nicht mehr durchsichtig ist. Selbst Schuld!

Also: Wenn ihr euch demnächst mal in eurer Löschgruppe umseht, achtet mal drauf: die Leute, denen die Schutzkleidung anscheinend nichts Wert ist, tun sich übrigens oft durch besondere Coolness hervor. So ein „Bruce Willis“ der Wasserversorgung, eben.

Privat müssen es dann aber oft Markenklamotten sein, immer tiptop. Da gibt es wohl eine andere Art „Held“. Mit geputzten Schuhen und keinen Fussel auf dem Jäckchen. Wegen den Chicks im Pressluftschuppen. Seltsam.

Was das Ganze mit „Frauen bei der Feuerwehr“ zu tun hat? – Nichts. Ich wollte bloß, dass ihr gefälligst diesen bekloppten Artikel zu Ende lest, wenn ich mich aufrege.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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8 Antworten zu Pflege und „Frauen bei der Feuerwehr“

  1. alltagimrettung schreibt:

    Das hast du doch gar nicht nötig 🙂 Aber Recht hast du, viele dieser Kollegen tragen halt ihr Wissen auf dem Helm, und nicht im Helm!

  2. petrahannover schreibt:

    Habe zu Ende gelesen und wie immer fröhlich geschmunzelt.
    Auch wenn ich weiß, daß Dir grad nicht so wirklich nach schmunzeln zu mute ist 😉
    Also tief durchatmen, und nicht aufregen. Wenn die andern dann nasse Füße bekommen und Du nicht, kannst Du immerhin schmunzeln. 🙂

  3. chefarbeiter schreibt:

    Und ich hätte jetzt wenigstens noch Pflegetipps erwartet… 😉

  4. rettungsdienstblog schreibt:

    Darf ich dir die Rechnung für die neue Tastatur zukommen lassen?!? 😉

    Der Kaffee liegt da jetzt nämlich drauf, der Artikel ist einfach super geschrieben….und beschreibt etwas, dass wohl jeder mal mitbekommt. Ganz besonders gerne übrigens bei Kollegen, die frisch aus dem GAL kommen…eben noch „heiss“ sind…

    😀
    🙂

    Gruss
    RDBlog

  5. Eric schreibt:

    Ich bemühe mich auch immer, das mein Helm (der Rest natürlich auch) schön gepflegt ist. Leider ist meiner schon vom Vorbesitzer belastet: Eine kleinere Beule und einige Kratzer sind schon drauf. Nichts desto trotz wird die Kuppel immer schön blitze blank poliert, wenn sie mal ein wenig Dunst abbekommen hat.
    Demnächst bekommt das gute Stück dann noch mal ein neues Helm-Innenleben verpasst, beim aktuellen will die Stellschraube nicht mehr so recht.
    Bei dem ein oder anderem Kameraden kann man gar Schuhabdrücke auf dem Helm begutachten. Ich denke den werde ich auch mal polieren. :))

    • firefox05c schreibt:

      Mit dem „Helme polieren“ kannst du einige Kollegen echt ärgern – und dich dabei noch auf die Vorschriften zum Nachleuchten des Helmes berufen! 🙂
      Beliebt auch: Einen Klebestreifen drüber und nur eine Hälfte reinigen!

    • petrahannover schreibt:

      Ist bestimmt ne heiden Arbeit, so nen hübschen Schuhabdruck gut sich- und haltbar auf den Helm zu buxieren. Und den willst Du einfach wegputzen??? Oh je…. 😉
      Gibt es dann auch Vorher-Nachher-Bilder (auch vom entsetzten Gesicht des Kollegen?) 😮

  6. ml704 schreibt:

    Bin beim stöbern auf den Artikel gestoßen. Zu dem Thema fällt mir ein alter Spruch eines ehemaligen (damals noch Regieeinheit Brandschutz) Kameraden ein:

    „Willse ‚en Killer oder ‚en Dressmen?“ 😉

    Zu dem Thema passt auch die Sache mit den Lederregenrinnen am Helm…so als richtig coole Sau klappt Mann sich das Nackenleder doch nicht runter…wie sieht das denn aus?? 😉

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