Als Freiwilliger bei der BF anfangen? Oh- oh…

Zwischen Freiwilliger – und Berufsfeuerwehr gibt es viel Neid, Missverständnisse und Argwohn. Selbst, wenn es im Bereich einer FF (Freiwillige Feuerwehr) gar keine BF gibt, bleiben immernoch genug Vorurteile. Denn gerade bei diesen Freiwilligen Löschzügen sind BFler oft Exoten. Und das bekam ich damals, als ich quasi „als Erster“ unseres FF- Löschzuges meinen Traum verwirklichte und eine Stelle bei der BF antrat, zu spüren. Deutlich.

Da ich denke, dass es anderen „Vorreitern“ der FF genauso gehen kann, möchte ich hier mal meine Erfahrungen posten. Damit sie wissen,  was auf sie zukommen kann.

Anfangs war noch alles in Ordnung. Die Kameraden hörten, dass ich mich bei verschiedenen Berufsfeuerwehren beworben hatte. Die einen belächelten mich („Jaja, da haben schon viele von geträumt…“) , die anderen fanden es interessant, zu erfahren, ob „einer von uns“ überhaupt eine Chance hatte. Auch der Chef fand es in Ordnung, dass ich einen Maschinisten- Lehrgang ablehnte, da ich ja eine Zusage der BF erwartete und dann sowieso entsprechend ausgebildet würde. Wozu also einem Kameraden den Lehrgangs- Platz wegnehmen?

Nachdem ich dann aber im Grundlehrgang der BF angefangen hatte und auch des öfteren bei der FF etwas davon erzählte, bekam ich eine andere Einstellung zu spüren.

Ich kann noch nicht einmal sagen, welche Skepsis oder Ängste dahinter gestanden hatten: Besonders die Löschis, die „besonders dick im Geschäft waren“, sprich: Die immer da waren, alles organisierten und von allen als „erfahrene Hasen“ angesehen wurden, fingen an, mich mit abwertenden Bemerkungen zu belegen, wenn ich etwas sagte oder tat. Der Hauptspruch (und die Killerphrase für alles, was ich zum Thema Feuerwehr sagte oder machte) war: „Wir sind hier nicht bei der BF!“

Dieser Spruch kam, als ich damals bei einer Übung (mangels anderer Aufgaben im Einsatzleitwagen) die Atemschutzüberwachung durchführte, die gerade bei vielen Feuerwehren (nicht nur bei der BF) eingeführt wurde, als ich vorschlug, in einem 2. Fahrzeug den Schlauchhaspel durch Schlauchtragekörbe zu ersetzen, als ich mich zum Mitführen von isotonischen Getränken auf den Fahrzeugen äußerte, als ich auf der Fahrt zu einem Brandmeldeanlagen- Alarm das Atemschutzgerät schulterte, als ich bei einer Einsatzfahrt über eine Landstraße nicht durchgängig das Panikorchester brüllen ließ, und… und… und. Egal, was ich zum Thema Feuerwehr sagte oder welche Lösungsvorschläge ich (auch unabhängig von meiner BF- Ausbildung) hatte – vom „harten Kern“ kam fast immer ein Spruch in Richtung „Das ist was für die Theoretiker der BF, nichts für uns ‚Macher‘.“  Selbst bei Sachen, die genau diese Kameraden mir schon in der Jugendfeuerwehr beigebracht hatten, wurde der BF- Virus vermutet! Es war zum Verzweifeln.

Meine Theorie ist, dass diese Menschen Angst hatten, ich könnte sie mit meinem bei der BF erworbenen Wissen bloßstellen. Schließlich waren sie bis jetzt die „Leithammel“, und jetzt war da so einer, der jede Dienstvorschrift kannte und damit und mit seiner Routine bestimmt „den Dicken“ raushängen lassen will! Diese ständigen Sticheleien und das Misstrauen, wenn jedes meiner Worte auf die Goldwaage gelegt wurde, um den vermeintlichen Wurm zu finden, ließen in mir ab und zu sogar den Gedanken aufkommen, einfach die FF zu verlassen. Manchmal, wenn Lösungen im Einsatz oder bei Übungen gefragt waren, habe ich schon einfach den Mund gehalten. Was natürlich keinem was brachte.

Glücklicherweise war unser Löschzugführer von vorne herein anscheinend davon überzeugt, dass die FF von meiner Ausbildung und meiner Routine profitieren kann. Und dass ich mich mit meinen Vorschlägen nicht einfach nur in den Vordergrund drängen will, so mit dem Hintergedanken: „Ich will euch mal zeigen, wie toll ich bin und wie blöd ihr seid!“

Und da ich in dieser Feuerwehr „groß geworden“ bin (naja, „groß“ ist relativ…), hielt ich durch. Und siehe da: Nach kaum 2 Jahren (!) haben fast alle skeptischen Kameraden geschnallt, dass ich „der Alte“ geblieben bin. Der eine oder andere Vorschlag zu Geräten und Taktik wurde umgesetzt, und ab und zu kommt sogar aus der „Hausmeistertruppe“ jemand und fragt beiläufig: „Wie macht ihr das eigentlich bei der BF?“

Zwei weitere Kameraden haben mittlerweile den Sprung zur BF geschafft (einer sogar in den gehobenen Dienst), woran ich womöglich nicht ganz unschuldig bin. Die beiden haben allerdings nicht mehr mit den Vorurteilen zu kämpfen, mit denen man mir begegnete. Damit ist man bei uns glücklicherweise durch.

Und ich bin – obwohl ich nur selten an Übungen und Einsätzen „meiner Feuerwehr“ teilnehmen kann – wieder voll integriert. Eine riesen- Erleichterung, die ich jetzt zu schätzen weiß. Der Dienst macht wieder Spaß.

Aber es war ein schwieriger Weg.

Advertisements

Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
Dieser Beitrag wurde unter Feuerwehr und Rettungsdienst abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Antworten zu Als Freiwilliger bei der BF anfangen? Oh- oh…

  1. Martin schreibt:

    Kommt mir Alles sehr bekannt vor. In den HiOrgs ist es ja quasi üblich, dass eine „BF“ in Form des Rettungsdienstes und eine „FF“ in den OVen existiert. Am Anfang bekam ich (obwohl ich den RS über die OV gemacht habe), auch oft zu hören „Wir sind hier nicht beim Rettungsdienst“ oder „Sowas brauchen wir hier nicht“. Inzwischen hat sich das aber gelegt.

  2. Knut schreibt:

    Wirklich interessanter Beitrag. Ich weiß leider nicht ob das bei uns auch so ist (direkt aus unserer Wehr ist niemand zur BF gegangen) aber ich habe den Eindruck, dass es nicht alleine daran liegt, dass jemand zur BF geht sondern, dass sich etwas um mehr als nur ein Bisschen ändert.

    Bei einigen Kameraden meiner Wehr habe ich auch den Eindruck, dass sie nicht so wirklich damit klar kommen, dass ich jetzt über 100km entfernt wohne und arbeite und somit nur noch äußerst selten da bin, da bei einem Einsatz die Anfahrt zu lange dauern würde und zu einer Übung die Anfahrt einfach zu weit ist. Zumindest kommen – wenn ich da bin – sehr seltsame Kommentare…

  3. BRC_Medic schreibt:

    Es kommt voellig drauf an, wie man sich verhaelt. Ich bin bei einer Medic-HiOrg und bei uns im (ehemaligen) OV sind ein paar Personen zu den „Profi-Rettern“ gewechselt. Leider war es so, dass dort dann auf einmal die HiOrg-Protokolle einfach ignoriert wurden, amn wie ein Fasan mit TECHNICIAN (RS) Schildern auf der Jack stolziert wurde und man *alles* besser wusste und der Rest ja eh nur kleine ErstHelfer sind. Nicht nur das bei jedem Patienten dazwischengefurwerkt wurde, man wurde auch noch quasi „vorgefuehrt“.

    Ich habe es auch anders gesehen, wo PARAMEDICS (RA) auf spezielle Epauletten und Jackenschilder verzichtet haben. Von denen habe ich dann manchen „Trick“ gelernt um Verbaende besser anzulegen oder Blutdruck durch Jacken zu messen.

    Es gibt solche und solche. Persoenlich halte ich es mit „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“. Ich bin eben nur (Hobby-)RS aber nehme gerne jede Gelegenheit war Neues aufzuschnappen von den Kollegen die es Tag-ein, Tag-aus machen.

    • firefox05c schreibt:

      Ich denke, die „speziellen“ Kameraden der FF haben von mir erwartet, dass ich so werde wie die „Kollegen“, die du im ersten Teil beschrieben hast. Dass es so lange gedauert hat, bis sie vom Gegenteil überzeugt waren, fand ich erstaunlich.

  4. Eric schreibt:

    Wir haben hier einige BFler in der FF, unser LB-Fü ist gar Beamter auf der LFS. Ich bin der Meinung, das wir davon nur profitieren können. Diejenigen, die sich ernsthaft auch mit dem „Hobby“ Feuerwehr auseinandersetzen und nicht alles wie Opa damals regeln, die werden auch das zu schätzen wissen. Wir sind aber auch nur eine kleine 20.000 Einwohner-Stadt ohne Berufsfeuerwehr. In der nächstgelegenen Stadt mit BF schaut es dort ganz anders aus: dort herrscht eine ordentliche Missgunst, das jedoch eher weniger zwischen BF und FF direkt, als zwischen der Führung und der FF.

  5. rettungsdienstblog schreibt:

    Hallo,

    also ich habe aber den umgekehrten Eindruck, dass es auch von der BF in Richtung einer FF teilweise Missgunst gibt.
    Oft muss ich hier Begriffe wie „Jobvernichter“ und/oder „Hobbylöscher“ anhören, gemixt mit Vorwürfen a la‘ „Die machen unsere Jobs noch zunichte…“ und Sachen, wie die können es eh nicht richtig machen.

    Klar, es gibt auch das von dir beschriebene Problem von FF->BF.

    Ich glaube aber, dass es diese beiden Phänomene der Missgunst überall dort gibt, wo Hauptberufliche und Freiwillige nebeneinander, miteinander die selbe Arbeit machen. Gehört irgenwie anscheinend dazu.

    Gruss

    • firefox05c schreibt:

      Die „üblichen“ Querelen zwischen BF / HA und einer FF sind mir hier auch bekannt. Aber in meiner Heimat- FF gibt es im ganzen Kreis nur hauptamtliche Leitstellendisponenten. Echte Erfahrungen mit einer BF gibt es dort gar nicht. Ich durfte mich stattdessen anscheinend ausschließlich mit Vorurteilen beschäftigen!

  6. Mr. Gaunt schreibt:

    Interessanter Text. 2 Jahre sind ganz schön heftig. Ich wäre nicht sicher, ob ich das durchgehalten hätte. Vermutlich wäre es mir den Stress nicht wert gewesen.

    Dieses Platzhirsch-Syndrom gibt es nicht nur in HiOrgs oder Feuerwehren. Leider trift man es auch häufig im normalen Berufsalltag an. „Das haben wir schon immer so gemacht“ ist immer noch eine beliebte Antwort auf Vorschläge, etwas anders (schneller, günstiger, besser) zu regeln und damit das Äquivalent zu „Wir sind hier nicht bei der BF“.

  7. Peter schreibt:

    Also, bei uns in der ‚Großstadt‘ ist das inzischen eher anders herum. Vor rund 10 Jahren war die typiche Rückmeldung oft „Feuer aus, alarmier die FF zum Aufräumen“. Das ist heute anders, nicht zuletzt wegen Personalabbau bei der BF – statt 3 WA nur noch 2 – und einem massiv ausgebautem Ausbildungsprogramm bei der FF.
    Die BF fährt fast nur noch Kleinkram alleine. Seit dem wird man in der FF nicht mehr komisch sondern eher mitleidig angesehen, wenn man zur BF will.

  8. Simon schreibt:

    Das ist bei uns, zum Glück, schon immer gänzlich anders gewesen…liegt aber glaube ich daran das wir schon immer Berufsfeuerwehrleute in unseren Führungsreihen hatten..und das auch noch aus verschiedenen Richtungen..BF, Werks- und Flughafenfeuerwehr, Leitstelle und dann auch noch Rettungssanitäter, bis vor kurzem auch eine Ärztin..irgendwie konnten wir uns immer darauf verlassen das ein „Profi“ dabei war, das beruhigt gerade in brenzligen Fällen ungemein.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s