Schneider aus Langeweile

 

Zunächst: Ich musste die Überschrift ändern, da mich jemand täglich mit einem Spamkommentar zu überreden versucht, Hüte aus Philadelphia zu bestellen. Das hört jetzt hoffentlich mit dem Ersatz eines Wortes im Titel auf…

Zum Artikel:

Angefangen hat die Sache wegen meinem Vater. Der brauchte zwar keinen Gürtel, aber einen Kantenschutz für seine Spanngurte, die er als Kraftfahrer braucht. „Du, ein Kollege hatte da so Schlauchstücke über die Spanngurte geschoben. Als Schutz. Das ist wohl gar nicht schlecht. – Kannst du mir einen alten Schlauch besorgen? So zum Drüberschieben?“ – Ja sicher. So zum „Drüberschieben“ kann ich ihm bestimmt was besorgen… 😉

Zufällig hatten wir diese Nacht bei der Freiwilligen Feuerwehr einen Böschungsbrand. Und so fragte ich morgens um 4 nach dem Einsatz, als beim Befüllen des Löschwassertanks der Schlauch mehr Wasser auf die umstehenden Kameraden verteilte als er in den Tank drückte, in ein verdutztes Zugführer- Gesicht: „Braucht ihr den Schlauch noch für irgendwas? Ich würde den sonst gerne mitnehmen.“

Da mir schon unterstellt wurde, als ich mal die Feuerwehrstiefel mit nach Hause nahm, mit diesen etwas frischen Wind in mein Beziehungsleben bringen zu wollen (Mausi ist auch bei der Feuerwehr…  😉  ), erklärte ich vorsorglich das Ansinnen meines Vaters. So kam ich zu etwa 5m Schlauch der Größe „B“ (75mm) , mit Kupplungen. Mein alter Herr indess klärte mich später allerdings darüber auf, dass dieses löchrige Relikt etwas zu breit für seine Gurte sei.

Nachdem ich ihm dann bei nächster Gelegenheit aus der Schlauchwäsche einen Darm der Größe „C“ (42mm) mitgebracht hatte, stand der andere in seinem Carport so rum. Aber wegschmeißen? Sowas kann man doch nicht wegschmeißen! Aber was dann damit tun?

Mir fiel eine Firma ein, die aus Schlauchmaterial Taschen und Gedöhns fertigt. So für Freaks. Und die haben auch Gürtel im Angebot.

Gürtel? Das ist im Grunde doch nur ein Streifen mit Schnalle dran?!

Das Ausgangsmaterial. Also, links. Rechts der Zaungast.

Also: Messer raus, Schlauch auf den Schoß, Kupplung abgeschnitten. Dann die Schere her. Die erste verlor im Kampf gegen den Manchon. Dann die etwas stabilere Küchenschere: Nach 30cm hatte ich keine Lust mehr. Mann, ist das Ding zäh! Da kommen selbst die Schnitzel aus der Frittenschmiede umme Ecke nicht mit!

Während ich mir die schmerzenden Finger massierte, fiel mir ein, dass ich noch eine Blechschere irgendwo rumliegen hatte. Damit schaffte ich den Löschwasser- Tubus! Und nun rieselten beim Schneiden leise die Schlauchflusen auf den frisch gereinigten Wohnzimmerteppich, bis die sehr interessierte Katze einen Niesanfall hatte. Die ist nämlich ähnlich wie meine Nachbarin. Die muss ihre Nase auch überall reinstecken.

Nachdem ich dann also einen halbwegs parallelen Streifen hatte, riss ich erst mal die Gummischicht ab. (Auch die konnte ich natürlich nicht einfach wegwerfen. Irgendwas fällt mir noch dazu ein!)

OK, sieht Kacke aus. Aber ist ja auch der erste Versuch...

Im Schrank hatte ich noch ein Buckle aus Messing. Von einem breiten Spaltleder- Gürtel. Den nietete ich dann an die Bandnudel. Allerdings merkte ich sofort, dass die Seiten ausplieserten. Unnu?

Da ich davon ausging, das der Schlauch aus Kunstfaser war (man vergisst so viel nach dem Grundlehrgang…) , versuchte ich erst, die Kanten mit dem Feuerzeug zu veröden. Dann mit einem Teelicht. Irgendwas brutzelte auch an dem Gürtel- Rohling, aber es reichte nicht, um die Kanten zu verkleben. Allerdings reichte es dazu, dass mein Schatzi mich umgehend zum Fenster öffnen abkommandierte! Ihre Kritik, wieso ich das unbedingt im Wohnzimmer machen müsse, konterte ich geschickt mit einem „Wo denn sonst?“ – Brummeln.

Am nächsten Tag dann (ohne Frau, weil Arbeit) der zweite Versuch. Mit dem alten Bügeleisen versuchte ich erneut, die Ränder zum Zusammenhalt zu bewegen, bis ich dann einsehen musste, dass es nicht so einfach war, wie ich mir das vorgestellt hatte: Plätteisen versaut, Gürtel pliesert trotzdem.

Nun gut, gegen verschmutzte Bügelflächen gibt’s ja was: Mit Wachs auf der heißen Fläche, das man dann auf einem alten Handtuch wieder „abbügelt“, bekommt man viele Rückstände wieder weg. Aber nicht, wenn man das Eisen mit altem Schlauch versaut!

schlechte Kombi: versautes Bügeleisen und Rauchmelder

Stattdessen lief mir das Wachs in die Dampfdüsen- Löcher, der Aparillo fing an zu qualmen wie blöde, die Bude stank, und als ich noch ein paar Papiertücher aus der Küche holen wollte, ging auch noch der Rauchmelder los! Na gut, wenigstens bin ich jetzt sicher, dass der Aufpasser auch seinen Job tut.

Um den Melder erst einmal Matt zu setzen, rupfte ich ihn meinen Nachbarn zuliebe von der Decke und dann die Batterie aus seinem Inneren. Bei dem qualmenden Bügeleisen hätte er wohl bis zum Abend keine Ruhe mehr gegeben.

Das Eisen indess bekam ich auf diese Art allerdings nicht wieder sauber. Dafür roch es in der Wohnung wie im Dom, das Bügelbrett ist an einigen Stellen jetzt wasserdicht, und ich habe für Auto- Ersatzteile ein schönes Wachstuch zum Einschlagen, wenn ich sie länger lagern möchte. Ist ja auch ganz schön. Bin ja gespannt, wann mein Schatz einen Anfall bekommt, weil durch das Bügelbrett mit dem Wachs Flecken auf ihre Oberteile kommen. „Also, ich war’s nicht…“

Ach ja, der Gürtel:

Ich beschloss, da die Schnalle etwas sehr heftig für das dünne Textilaccessoir war, einen anderen Gürtelversuch zu starten. Ich hatte zwischenzeitlich nämlich noch eine weitere Schnalle gefunden, leichter und zum Klemmen. Bei dem ersten Versuch musste ich nämlich die Schnalle annieten, weil es keine zum Klemmen war. Dafür klemmte ich mir für alle Nachbarn laut hörbar die Pfoten beim Nieten. Irgendwie also trotzdem eine „Klemmschnalle“. Ist ja auch ganz nett.

Also: Second Service, Vorteil Firefox.

Da ich das richtige Werkzeug jetzt beisammen hatte (auch, wenn ich sonst nicht immer alle beisammen habe…), ging das Zuschneiden relativ schnell. Für die Kanten hatte ich jetzt eine total abgedrehte Idee: Nachdem ich zwei Teelichter verbraucht, ein Bügeleisen versaut, die Bude odoriert und einen Rauchmelder getestet hatte, wollte ich die Kanten – einfach mit einem Kettelstich umnähen! Da muss man erst einmal drauf kommen, Stoffränder mit der Nähmaschine zu bearbeiten! Aber für jemanden, der auch schon mal Toast im Kochtopf geröstet hat, ist ja nichts zu abgedreht.

Schon besser. Aber "perfekt" geht anders. 😉

Der zweite Versuchsah dann also schon erheblich besser aus. Und Mausi meinte sogar, bei einer leichten Sommerhose würde das Kleinod aus Feuerwehr- Müll bestimmt gut aussehen. Und weil ich das zweite Ding fast unfallfrei hinbekommen habe, versuche ich es wohl noch ein drittes Mal. Kann ja nur besser werden. Weil: Schlauch habe ich noch genug. Und Wegschmeißen bringe ich sowieso nicht übers Herz. Vielleicht mache ich auch noch irgendeine Tasche aus den Resten. Zum Beispiel für meinen Funkmelder.

DEN kann man schon tragen!

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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23 Antworten zu Schneider aus Langeweile

  1. notizbuchfragmente schreibt:

    Sehr schön … Bügeln wird ohnehin überbewertet! 😉

    Kann man die dann irgendwann demnächst über den Blog bestellen, die Gürtel? 🙂

  2. phoenics schreibt:

    Klasse Geschichte bei der ich sehr oft schmunzeln musste! 🙂 Die Idee mit dem Schlauch-Gürtel finde ich prima, solltest du auf jeden Fall weitermachen! Die schwarze Schrift auf dem alten roten abgenutzten Schlauch sieht genial aus! Das lässt sich sicher auch super verkaufen!

    • firefox05c schreibt:

      Es gibt bereits die Firma „FeuerWear“, im Netz vertreten mit einer Website, die leider anscheinend nicht richtig funktioniert. Die verkaufen u.a. auch (viel besser abgekettelte!) Gürtel. Aber mal sehen, was draus wird. 🙂

  3. mercator schreibt:

    Hahaha!
    *und ich gebe nicht auf*
    Irgendwann wird es immer zu einer Sache der Ehre. Bei mir berufsbedingt, wenn irgendwas am Rechner nicht so läuft, wie es soll… Da ist dann die Liebste schon lange im Bett, während ich immer noch versuche, alles auf die Reihe zu bringen.

  4. Leckermojito schreibt:

    Servus.

    Da ich gerade einen Ladungssicherungkurs hinter mir habe möchte ich dich mal darauf hinweisen, dass man auf gar keinen Fall alte Feuerwehrschläuche als Kantenschutz nutzen darf! Denn durch die Gummierung auf der Innenseite stoppst du die gleichmäßige Kraftverteiliung auf deine Ladung. Eine ordentliche Vorspannung kann man damit nicht mehr erreichen.

    Wir haben es aber auch bis vor kurzem gemacht weil ich dachte, dass es eine gute Idee wäre!

    • firefox05c schreibt:

      Das Problem in der Spedition meines Vaters: Einige Güter werden wohl durch den Einsatz der „normalen“ Kantenstücke beschädigt (Ich dachte immer, die seien breiter und dadurch schonender. Er wird’s wissen…). Daher benutzt sein Kollege bei diesen bestimmten Gütern die Schlauchstücke, da der Versender sonst „Alarm schlägt“. Aber ich denke, es ist wie so oft: Der eine will was, der andere darf es nicht. Das gleiche wie mit den Pausenzeiten, dem Termingut, den abgefahrenen Reifen, …

  5. Frollein Ronja schreibt:

    Du hast mich auf eine Idee gebracht!
    Mal schauen, ob ich mir über nen Bekannten der bei der FF ist nen bisschen alten Schlauch besorgen kann. Ist auf jeden Fall ne coole Sache, aber ich glaub ich lass das Schneidern lieber meinen Bruder machen, der ist Sattler und ich glaube nicht das irgendeine meiner Scheren auch nur eine einzige das überleben würde 😉

    • firefox05c schreibt:

      Tipp: Der Gürtel erhält sein richtiges „Feuerwehr-Flair“, wenn etwas von dem Aufdruck der Enden zu sehen ist! Daher kann man pro Schlauch womöglich nur 4 schöne Gürtel fertigen… 😉

      • Frollein Ronja schreibt:

        Alles klar. Wenns klappt, können wir ja mal über nen Schlauch-gegen-Laptoptasche Deal reden 😀

  6. bloggaspritze schreibt:

    Schöne Sache! Ich hab da ne Idee für ne Tasche magst die umsetzen 😉

    • firefox05c schreibt:

      Ich denke, meine schneiderischen Fähigkeiten reichen nicht, um die Schlauchbahnen vernünftig zu einer Fläche zusammen zu nähen. Hätte sonst schon eine Laptop- Tasche in Angriff genommen… 🙂

  7. Maike schreibt:

    Und doch in die Tat umgesetzt,echt genial.

  8. petrahannover schreibt:

    Da ich im Urlaub war, komm ich erst heute zum Lesen.
    Hat die Dame des Hauses denn schon nen kleinen bis mittelschweren Anfall wegen versauter Blusen etc bekommen? 😉

  9. petrahannover schreibt:

    Lach, mal abgesehen von Dir hätte uns das wohl auch gefallen, wenn Du über kleine Veilchen und Co berichtet hättest 😉 😀
    Aber natürlich freue ich mich, daß es Dir nach wie vor gut geht, und Du uns weiter mit lustigen Geschichten fütterst.

  10. Robert schreibt:

    Sehr schöner Bericht über die Tücken der Gürtelproduktion aus Feuerwehrschlauch. Ich habe meist geschmunzelt und viel gelacht über Deine herrliche Art das ganze zu beschreiben. By the way: In unseren Anfangszeiten wurden die Gürtel auch noch mit der Schere zugeschnitten und an Mutters Nähmaschine gekettelt – Blasen und blutige Finger inbegriffen. Zum Glück geht es bei uns mittlerweile etwas komfortabler zu 😉

    Beste Grüße vom Feuerwear-Team und

    Nichts anbrennen lassen…

    • firefox05c schreibt:

      Ganz so professionell wie eure Gürtel sind meine natürlich nicht! 🙂 -Und so etwas wie Taschen und Geldbörsen werde ich wohl nie hinbekommen…

  11. B.Cottin schreibt:

    Für das Reinigen von Bügeleisen gibt es doch diesen Stift!
    Mir wurde auch einmal ein Bügeleisen mit Paraffin kaputt gemacht; aber es war kein altes. Deshalb hoffe ich, dass dieses Wachs-Märchen langsam ausstirbt.
    Viel Erfolg weiterhin!

  12. dodo112 schreibt:

    Wie hast du nun die Ränder bearbeitet? 👍

    • firefox05c schreibt:

      Eigentlich braucht man bei den Gürteln nur die direkt am Rand des Streifens liegenden Schussfäden abziehen, die 2. oder 3. Reihe sollte schon aufgrund der Vulkanisation auf dem Gummi haften. Wenn sich noch einige Fäden ca. 1-1,5cm lösen und abstehen, sieht das sogar sehr „vintage“ aus. Ich habe bei späteren Exemplaren aber eine einfache grobe Kettelnaht über den Rand genäht.
      Das Endstück, welches durch die Schnalle geschoben wird, habe ich mit einer sehr engen Zickzack- Naht versäubert (ähnlich einem Knopfloch).

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