„To nie moja Sprawa…“

… oder auf Inländisch: „Das ist nicht meine Sache!“

Bei unserem abendlichen Eintreffen vor einem schnuckeligen Nachkriegsblock an einer belebten Straße tropfte schon das Wasser vom Haustürsturz auf Straße, und schaumige, wohlriechende Tropfen hingen verträumt an der Kante. Wir wurden schon sehnsüchtig von einer etwas voluminösen Hausfrau (bestimmt die Schwester von Else Kling) begrüßt: „Das kommt bestimmt von dieser Frau da aus dem Ersten! Wir haben schon geklingelt und geklopft, aber die sture Kuh macht nicht auf!“ – Das kann ja heiter werden…

Während sich unser Anstaltsleiter also den häuslichen Ärger, der seit der Kuba- Krise so zwischenmenschlich aufgelaufen war, in chronologischer Reihenfolge erklären ließ, ging ich schon mal rauf. Im 1. Stock öffnete die Nachbarin der vermuteten Deliquentin schüchtern die Tür. „Wir haben schon seit 11 Uhr geklingelt und geklopft, die macht nicht auf. Die ist aber zu Hause, bestimmt!“ – Na, dann wollen wir mal!

Jetzt muss man sich vorstellen: Feuerwehrmänner klingeln nicht einfach so wie ein Postillion. Weil oft „Gefahr in Verzug“ ist, wenn wir um Einlass bitten, haben wir uns dieses „Blümchen- Anpingeln“ abgewöhnt. Es soll ja Kollegen geben, die haben einen Zahnstocher zum Festklemmen des Klingelknopfes in der Tasche. 😉 Ich nicht. So klingelte ich erst etwa 5 Sekunden lang Sturm, um dann mit der Faust  die Tür im Rahmen mal zärtlich dröhnen zu lassen, begleitet von einem höflichen „Feuerwehr! Machense ma auf!“, so dass der Kopf der schüchternen Nachbarin wie bei einer Schildkröte augenblicklich zwischen den Schultern versank. Ich wollte gerade nach etwa 10 Sekunden (das muss reichen, um in einem durchschnittlichen Wohnklo von jedem Punkt der Behausung an die Tür zu kommen) die zweite Salve loslassen, da drehte sich zum Erstaunen der Nebenfrau auch schon der Schlüssel im Schloss.

Eine schlanke Blondine machte auf, das Telefon am Ohr, in das sie munter fremdländisch reinplauderte. Sie unterbrach dann doch für einen Moment und bat mich dann: „Bietä leisä, Chint schlafen!“  Aha, sie kam offensichtlich nicht aus dem Schwarzwald. Ich versuchte ihr zu erklären, dass anscheinend aus ihrer Wohnung Wasser auslief, was sie mit verständnislosem Kopfschütteln beantwortete. Irgendwie schaffte ich es, ihr klar zu machen, dass wir mal einen Blick  in ihr Bad werfen wollten. Sie ließ uns vorbei- und verschwand telefonierend im Wohnzimmer, so nach dem Motto: „Da sind meine Schlüpper und dort meine Tampons, bedient euch…“

Nun gut, wenigstens konnten wir den Porzellansalon so in Ruhe inspizieren. Doch: Alles trocken! Nur in der Wanne verbrachte noch ein Schaumkrönchen seinen Abend. Da ich etwas ähnliches schon mal erlebt hatte (und das im Erdgeschoss tropfende Wasser ja schaumig war), machte ich einen Kontrollgriff in den Abfluss. Und tatsächlich: Er war lose.

Ein mutiger Griff ins Dunkel der Installation lohnt sich schon mal

Ein Blick hinter die entfernte Wartungsklappe der Wanne brachte die Bestätigung: Neben Ersatzfliesen und Bauschutt stand dort auch noch Badewasser in der Warteschleife. Die Frau hatte also durch den losen Abfluss die Hälfte ihres Badewassers unter die Wanne entsorgt, von wo aus sich das Seifenwasser seinen Weg in die Freiheit suchte.

Fall geklärt, für uns nicht viel zu machen, da schon fast alles weggesickert war. Aus der Decke muss das Wasser nun von alleine kommen. Uns blieb nur noch, die Frau in ihrem immernoch munter geführten polnischen Telefonat zu unterbrechen, um ihrem der deutschen Sprache zumindest ansatzweise mächtigen Gesprächspartner zu beauftragen, dem wenig interessierten Mädel beizubringen, die Wanne nicht mehr zu benutzen, bis sich ein Rohrkundiger der Sache angenommen hat.

Wir wollten gerade gehen, da meldete sich ein weiterer Mieter, dieses mal aber aus dem 2. Stock, also über der Badenixe: „Bei mir auch schlimm tropft, immer, so aus Wohnung über, mal schauen!“ – Bitte?! Wir waren uns einig, dass es unmöglich die Schuld der Telefonistin aus dem 1. Stock sein könnte! Aber wo wir schon mal da waren, schauten wir auch dort mal vorbei. Und tatsächlich: In seinem Badezimmer tropfte Wasser an der Deckenleuchte vorbei! Allerdings ohne Schaum.

„Wie lange tropft es denn schon?“„Letzte Woche. Komme Freitag Hause, gemacht Licht, Puff!, war Sicherung aus, Wohnung dunkel. Darum ich habe geklebt der Schalter fest, dass nicht schalten wenn ich nicht daran denke. Seit dem nix mehr Sicherung aus. Decke mal tropfen, mal weniger. Weiß nicht…“ , und deutete auf den geknebelten Lichtschalter neben der Tür. Tja, wir wussten allerdings auch nicht so recht. Vor allem, da es ja schon seit mindestens Freitag tropfte, und wir bereits Montag hatten. Abends, 21.30.

'Nono' blieb dieses Mal trocken

Nun gut, also rauf in den 3. Stock. Der Bewohner hier machte uns zähneputzend die Tür auf, war etwas genervt, ließ uns aber in die Wohnung. Drinnen hing vor der Wohnzimmertür ein Kopftuch, durch diese „provisorische Tür“ erkannte man Umzugskartons. Im Bad sah es allerdings aus, als wäre der Einzug schon etwas länger hin. Vagabundierendes Wasser war dann aber dort nicht zu finden. Bei einem erneuten Interview des Geschädigten aus der 2. Etage stellte sich dann heraus, dass er dort in der letzten Woche seine neue Deckenlampe im Bad aufgehängt hatte. Wozu natürlich auch ein paar Schrauben in die Decke mussten.  Mit der Hilti.  Und- wie es der Zufall so wollte – „machte Sicherung am Freitag dann Puff!…“ Na, da waren wir aber völlig ratlos, was da wohl passiert sein mochte!  😉

Da nicht besonders viel Wasser austrat, gaben wir dem Mann den heißen Tipp, den Schalter in seiner Zwangsarbeitslosigkeit zu lassen, zusätzlich die Sicherung fürs Bad auszuschalten, einen Eimer unter die Lampe zu stellen und mit dem Klemptner, der eine Etage darunter bei „Frau Nokia“ tätig werden würde, vielleicht einen Paketpreis auszuhandeln.

Also, zwei unabhängige Wasserschäden auf einmal in einem Haus hatten wir auch noch nicht. Aber man lernt nie aus.

Einsatzende.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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4 Antworten zu „To nie moja Sprawa…“

  1. galaxyquest schreibt:

    Das mit der Entsorgung des Wassers unter der Badewanne kenne ich: Hatten wir auch mal vor 2 Jahren, wir sind aber zum Glück ohne die Kollegen mit den roten Autos zurecht gekommen. Keine Ahnung, wie lange das Wasser aus dem defekten Abfluss in die Decke gelaufen ist – muss aber ne ganze Weile gewesen sein.

  2. Jasmin schreibt:

    Das ist ganz schön spannend bei Euch! WOW! 🙂
    Wir hatten nur einen unbedeutenden kleinen Wasserschaden, weil die Terasse nicht dicht war. Und in der Wohnung unter uns kam das Wasser quasi geballt aus der Küchenspüle. Wie uns der völlig panische Sohn der Familie mitteilte, hat es aber gut gerochen. Was mich sehr beruhigt hat. Wir durften zwar nicht mehr duschen, aber zur Toilette gehen. Einen Tag später wurden die Rohre erweitert.
    Die Arbeit der Feuerwehr hat in diesem Fall unser Hausmeister erledigt. Aber es hätte wohl nicht mehr lange gedauert, dann hätte auch die auf der Matte gestanden.

    • firefox05c schreibt:

      Tja, in dem von mir beschriebenen Fall war unser Erscheinen ja auch völlig unnötig. Aber Großstadtmenschen sind ja so schnell überfordert, da haut man sich gerne mal vor den Kopf…

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