Unerwartete Gefahr

Als unser Löschfahrzeug in Dienst gestellt wurde, hatte man in der Mannschaftskabine Halterungen für Atemschutzgeräte nachgerüstet. Diese Halterungen konnten damals alle gängigen Einflaschen- Geräte aufnehmen. So konnte sich der Angriffstrupp schon auf der Anfahrt zur Brandstelle mit Atemschutzgeräten ausrüsten, was einen Zeitvorteil bringt und damals noch nicht Standard war. Also eine sinnvolle Nachrüstung.

Nun haben sich die Geräte aber weiterentwickelt, und die PA (Pressluft- Atmer) , die wir heute benutzen, sind im Schulterbereich ergonomischer geformt. Gut für den Träger, schlecht für die Halterung: Sie ist im Schulter- / Kopfbereich schlichtweg zu eng, so dass man beim Einsetzen des PA fummeln und drücken muss. Und neulich entdeckte der Kollege einen Schaden am Gerät, mit dem man so nicht unbedingt rechnet: Die Luftleitung von der Flasche zur Maske war von der Gerätehalterung beschädigt worden!

kleiner, aber u. U. lebensgefährlicher Schaden an der Mitteldruckleitung

Nun ja, wird der Laie beim Betrachten des Fotos sagen, der Schaden ist ja nicht so wahnsinnig spektakulär…

Aber man kann deutlich sehen, dass die Leitung schon bis auf die tragende Gewebeschicht durchgescheuert ist. Und wenn diese weiter beschädigt wird, kann der Schlauch eine Schwachstelle bekommen, von der man nicht weiß, wie groß sie ist, wenn man mit dem Gerät in verrauchter Umgebung steht und der Schlauch (5-8 bar) aufplatzt. Die Luft wird dann je nach Rückweglänge schnell knapp.

hier klemmt's

Entstanden ist die Schadstelle durch die Kopfstütze der Halterung, die auf die Leitung gedrückt hat und während der Fahrt natürlich vibriert.

Beim Entdecken bekamen wir nicht nur den zuständigen Beamten unserer Atemschutzabteilung zu fassen, der den PA sofort tauschte, sondern zufällig kam auch noch genau der richtige Mann vorbei: Der Leiter der Abteilung „Technik“, zuständig u.a. für alle Fahrzeug- Um- und Einbauten. Diesem zeigten wir den Schaden, klagten auch unser Leid mit der Werkstatt, die schon mehrfach an der Halterung rumgeschraubt (und sogar Bruchstellen, die aufgrund der Spannungen entstanden waren, geschweißt) hatte, bevor sie beim letzten Mal einfach abwimmelte. Er zeigte sich entsprechend entsetzt. Was davon in Zukunft wirklich übrig bleibt, wird man sehen.

Vorerst müssen wir eben darauf achten, die Mitteldruckleitung seitlich am Schultergurt vorbei zu führen und die Kollegen entsprechend zu warnen. Manche Gefahren im Feuerwehrdienst sind eben auch hausgemacht.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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5 Antworten zu Unerwartete Gefahr

  1. Christian schreibt:

    Haben im Moment genau das gleiche Problem! Neue Geräte und alte Halterung! Echt beschi…

    • firefox05c schreibt:

      Dann pass auf Druckstellen an den Leitungen auf. Der Rest ist nur Umstand, aber nicht unbedingt gefährlich. Es sei denn, du nutzt die Bebänderung und die Halterung während der Fahrt wie vom Hersteller angedacht: Jeder Sitzplatz muss lt. StVZO mit einem Sicherheitsgurt versehen sein. Auf den AGT- Plätzen soll diese Funktion von den PA- Halterungen übernommen werden, es werden oft keine anderen Gurte eingebaut . Hält das alles nicht vernünftig, ist diese Funktion natürlich nicht gegeben!

  2. Eric schreibt:

    Wir haben auf unserem Metz TLF 16/25, wie der Aufbauhersteller hindeutet schon etwas betagter (1996) inzwischen ebenfalls das Problem. Nicht nur, das wir die Nomex-Hauben der GFK-Flaschen regelmäßig weiter Verunschönern, tritt eben auch o.g. Problem in ähnlicher Form auf. Die Mitteldruckleitung wird extrem geknickt wenn man das Gerät nicht alternativ in die Halterung bringt. Da machen wir uns inzwischen auch sorgen. Auch hier von nöten: Begurtung mit Mitteldruckleitung anders reinstopfen.

  3. jo schreibt:

    Bei Magirus gibts das problem auch

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