Sofarauchermessi

Der Titel sagt es schon: Wir waren mal wieder in einer sehr heimeligen Wohnung unterwegs…

Aber von Vorne:

„Eine Nachbarin hat bei dem alkoholisierten Bewohner wegen dem Brandgeruch angeklingelt. Er wollte sich nicht äußern, aber seine Wohnung sei verraucht gewesen. Vermutlich Zimmerbrand.“ , meinte der Disponent über Funk.

Bei unserem Eintreffen war die Polizei schon vor Ort und teilte uns mit, es handele sich um einen Kochtopfbrand im 4. OG, der aber schon gelöscht sei. Na, das wollen wir uns doch erst mal ansehen…

Schon als Kind lernt man ja, dass Fahrstühle im Brandfall nicht zu benutzen sind. Als Gruppenführer darf man sowas anscheinend schon mal vernachlässigen. Wegen der Kordelatmung. Denke ich zumindest. Denn unser Chef stieg wie selbstverständlich in den Lift ein. Und mein Truppmann mit seinem geschulterten Atemschutzgerät im Herdentrieb hinterher. Damit sahen die beiden in dem doch ehr kleinen Fahrstuhl aus, als hätten sie ein sehr intimes Verhältnis. (Man stelle sich zum Vergleich zwei Karotten in einer Zigarettenschachtel vor…) – Also, kalt ist den beiden zumindest bestimmt nicht geworden! 😉

Abgesehen von der Enge ist bei mir aber auch der Herdentrieb nicht so ausgeprägt, dass ich trotz Brandeinsatz den Lift benutzen würde, nur, weil mein Chef dort einsteigt. Ich sprintete also die Treppen hinauf (ich liefere mir nämlich immer ganz gerne ein Wettrennen mit dem Fahrstuhl, der oft genug langsamer ist!), und bin auch tatsächlich noch vor dem Fahrstuhl im 4.OG. 🙂

Dort traf ich vor der Tür auf den Bewohner der Brandwohnung, der verwahrlost irgendwie wirres Zeugs rumhustete, aus dem ich nicht so recht schlau wurde. Zusammen mit dem mittlerweile eingetroffenen Truppgenossen betraten wir daher die sichtbar verrauchte Wohnung. Naja, eigentlich ehr Behausung, denn „wohnen“ wollte ich dort nicht: Wir stiegen über einen zusammengerollten Teppich und Müllsäcken hinweg auf gebrauchte und verschmutzte Kleidungsstücke, schoben uns an einem überfüllten, mit Kippen übersäten Tisch vorbei und standen vor dem Schlafsofa.

Auf dem Sofa stand ein Aschenbecher mit einem Kegel aus vorsichtig aufgeschichteten Kippen, daneben hatten sich zwei handgroße Brandlöcher ins Polster gefressen. Allerdings schon kalt. Äh, wie meinte der Polizist? „Ist bloß ein Kochtopfbrand, aber schon aus…“ Da hat er sich wohl nicht selbst überzeugt.

Hinter uns stand der Bewohner: „Also, äh, entschuldigen Sie bitte die Unordnung. Ich bin gerade im Umzug. Also, das ist jetzt nicht… also, Messi und so…“ – Ja, nee, iss´ klar…

Da uns der Mensch nicht mehr weiterhelfen konnte, er aber in der immerhin nicht ganz gesundheitsfördernden Verrauchung nichts zu suchen hatte, schickten wir ihn hinaus, wo der Rettungsdienst ihn in Empfang nahm. Rauchvergiftung, akute Fingernägel, ab ins Krankenhaus. Als wir dem draußen wartenden Chef die Lage schilderten, keifte eine Nachbarin gleich „Else- Kling- gleich“ quer durchs Treppenhaus: „Waaas? Auf dem Sofa geraucht? – Mir hat er was von angebranntem Gulasch erzählt!“ Eigentlich wollte ich sie noch fragen, ob sie Hoffnung hatte, von dem Bewohner eingeladen zu werden, weil sie jetzt so enttäuscht klang… 😉

Wir fingen also an, die Bude zu lüften (auch, wenn es in dem Wohnklo nur wenig Möglichkeiten gab) und weiter zu inspizieren. Man weiß ja nie, vor allem in einer so unübersichtlichen „Wohnung“. Und im Bad wurden wir dann auch fündig: Beim Öffnen der Tür schaute ich gegen eine weiße Wand aus Rauch, außerdem war ein merkwürdiges Abströmgeräusch zu hören. Tür zu, „Huch!“

Also wieder den Kordelträger über die neue Lage informiert, Wohnungstür rangeschoben (das Treppenhaus muss ja nicht auch noch versaut werden), und das Bad näher untersucht: Besch… Toilette, teils auch daneben, auf dem Boden Handtücher und Schlüpper. In der Wanne lag eine stark angebrannte Decke, daneben der Duschkopf mit laufendem Wasser. Aha: Der Bewohner hatte wohl nach dem Aufwachen in einem Anflug von Erleuchtung die kokelnde Decke weggestrampelt und in die Wanne gestopft, einmal den Brausekopf darübergehalten, und ihn dann einfach danebengelegt. Das dumme: Das reichte nicht zum Löschen. Die Decke war zwar unten naß, aber glimmte oben noch weiter. Daher die starke Verqualmung.

Im oberen Wandbereich fand ich einen Lüftungsschacht. Daher mussten wir damit rechnen, dass durch ihn eventuell auch Rauch ins Bad der darüberliegenden Wohnung gelangt sein konnte. Nach der aktualisierten Rückmeldung an unseren Vorsteher hörten wir etwas später im Stockwerk über uns schon das beherzt- höfliche „Feuerwehrklopfen“ vom 2. Trupp. (*dröhn!*)  😉 Oben war aber wohl kein Rauch eingedrungen. Glück gehabt.

Nach dem Ablöschen der Sofadecke fingen die Häuptlinge vor der Tür (mittlerweile schon 3, was zur Entscheidungsfindung nicht unbedingt beitrug!) an zu diskutieren, was weiter geschehen sollte: „Da brauchen wir womöglich einen Lüfter, nicht?“ – „Aber dann einen Elektrischen. Habt ihr einen elektrischen auf eurem Auto?“ – „Nö, nur einen Wasserbetriebenen.“ – „Wir könnten den von dem Fahrzeug der Nachbarwache nehmen.“ – „Das ist einer mit Motor.“ – „Bestellen wir einen Nach?“ – „Einen Elektrischen?“ …

Mittlerweile waren wir schon wieder aus der Wohnung raus, der Rauch zog langsam, aber stetig aus der Wohnschachtel ab. Allerdings wurde mein Vorschlag, einfach etwas zu warten und dem Rauch etwas Zeit zu geben, geflissentlich überhört. Ich denke, da ich noch keinen Führungslehrgang habe, bin ich für solche Vorschläge nicht qualifiziert. Die Häuptlinge indess diskutierten noch eine Weile rum, bis sie ein Kollege darauf aufmerksam machte, dass die Wohnung mittlerweile fast Rauchfrei war. 🙂

Nun war der Führung aber nicht ganz geheuer, dass die Teile, die gebrannt hatten, sich noch in der Wohnung befanden. Sie wurden zwar von uns nochmals naß gemacht, sollten aber anschließend trotzdem aus der Wohnung raus. Und zwar nicht über die Balkonbrüstung. So klemmte ich mir die triefende Decke zwischen die Handschuhe und zog gemächlich eine schmutzig- nasse Spur lang durch 4 Geschosse Treppenhaus. Unterwegs traf ich auf eine Polizeistreife. „Wischt du das auch wieder auf?“, fragte grinsend Frau Schutzmann. „Nö. Vielleicht die da oben. Beschwer´ dich ruhig beim Chef, ich finde das so auch blödsinnig. Aber die wollen das so…“

Nachdem ich die Decke klatschend unten vor den Eingang geferkelt hatte, tauschte ich noch meinen angeschnüffelten Breathing Aparatus. Einsatzende.

Fazit:

„Rauche niemals im Bett. Die Asche am nächsten Morgen könnte deine eigene sein!“

und:

Hat es bei dir gebrannt, lass immer auch nochmal die „Fachleute“ draufschauen, ob wirklich alles OK ist.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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4 Antworten zu Sofarauchermessi

  1. rettungsdienstblog schreibt:

    Ja, man lernt in Münster und in den anderen LFS dieser Republik schon am zweiten Tag die Methode des „Feuer ausdiskutierens“. Am ersten Tag geht es nicht, weil der ist ja für die Kordelatmung reserviert. 😛

  2. petrahannover schreibt:

    Na was bin ich froh, daß ich nicht rauche 😉
    Wo ist denn nun die „vor den Eingang hingeferkelte Decke“ geblieben? Doch wohl nicht schutzlos dort liegen geblieben, damit Mr. Messi sie sich wieder reinholt? 😀

  3. lars schreibt:

    Bin Selbst ein sogenannter „Kordelatmer“ gehen aber in unserer Wehr sehr sorgfältig damit um. Ich gehe nur PA in einen verrauchten Bereich! Wie am IDF gelert wird. Kordelatmung war vor 2000. Bei uns gehen auch noch HBM mit PA in den Innenangriff und kein anderer.

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