Autosuche

Mein alter Passat war nicht nur in die Jahre gekommen, sondern ihn quälten auch schon die entsprechenden Zipperlein: Nach über 270 000km setzte er nicht nur Rost am Unterboden an, sondern zudem hatte ich auch zum x-ten Mal das warme Leuchten der orangenen ABS- Kontrolle im Cockpit. Gemütlich, aber der TÜV- Ingin… Engin… Ingener… -Mensch empfindet das nicht so. Es war ja auch nichs neues: Nachdem sie das erste Mal leuchtete, war angeblich der Sensor vorne rechts defekt. OK, ausgetauscht. Nach 2 Wochen erneuter Hilferuf: Sensor hinten links. Äh… OK… auch den tauschte ich und hatte etwa 4 Wochen Ruhe. Bevor sich das Ding überlegte, dass auch der Sensor vorne links tot sei. Und nachdem dann nach weiteren 3 Wochen auch der Sensor hinten rechts angeblich keine Signale mehr von sich geben sollte, war es mir egal. Das folgende konsequente Ignorieren der Warnleuchte hatte Erfolg: Nach etwa 2 Wochen dauerndem Leuchten gab die LED auf und ging einfach so wieder aus. Alles wieder in Ordnung, wundersame Genesung der Bremselektronik. Ganz ohne Heiland und so. Jetzt liegt der letzte nicht ausgetauschte Ersatz- Sensor im Keller.

Und jetzt, rechtzeitig zum TÜV, ging die Lampe wieder an. Toll. Hinzu kamen noch weitere Zipperlein: Der letzte TÜV- Prüfer hatte so an meiner Handbremse gerissen, dass sie nicht mehr von alleine löste. Was für mich hieß: Wenn jemand anderes mit meinem Auto fuhr, konnte ich mich anschließend mit dem Nageleisen unter das Auto schieben und die Bremse „manuell“ lösen. Was auf Parkplätzen so manchen verwunderten Blick auf sich zog. „Du, ich glaube, deine Bremse riecht komisch….“ – „Macht nichts, ich habe dafür ein Nageleisen im Kofferraum.“

Zudem haben meine VWs, seitdem ich Autos mit Kat fahre, schon immer traditionell mit den Auspuff- Wärmeabschirmblechen gerappelt. So brauchte ich selten bei Freunden oder bei meinen Eltern anklingeln, wenn ich zu Besuch kam: Sie hörten mich schon kommen und empfingen mich standesgemäß an der Tür. Hat ja auch was. („Irmi! Der Jung fährt vor!“ *freu!*)

Auch das Heckklappenschloss verabschiedete sich mit der Zeit und war nur noch über die Zentralverriegelung zu verschließen, was manchmal etwas lästig war: Hatte ich mein komplettes Alarmzeug im Kofferraum und kam zum Dienst, stieg ich erst aus, packte meine Arme mit Klamotten voll, ging dann mit dem Gedöhns an die Fahrertür, um mit den verbliebenen 2 Fingern den Autoschlüssel ins Schloss zu fummeln, haute dabei noch mit Stiefeln oder dem Helm ans Auto, um abzuschließen – oder schmiss den Kram zum Abschließen des Autos erst einmal auf die Straße. Das Gleiche z.B. auch beim Einkaufen: Aussteigen, Kofferraum öffnen, an der Seite abschließen, dann entladen. Wobei mir der Schlüssel in einem Fall auch wieder in den Kofferraum gefallen ist und der AVD mit einer Blutdruckmanschette kommen musste. Aber das ist eine andere Geschichte…

Die Beifahrertürklinke hatte ich indeß schon mehrfach nacharbeiten müssen, denn seit dem Mausi in einer Tiefgarage einmal die Zierleisten an einem Betonpoller abgeschält hatte, passte an der Tür irgendwie alles nicht mehr so, wie vor dem mißglückten Wendemanöver. Und so blieb schon mal von Zeit zu Zeit das Ziehen an der Klinke ohne Resultat. Aber man gewöhnt sich ja an alles.

Auch an die mittlerweile defekte Klimaanlage. Die hatte über die Zeit wohl an Druck verloren und schaltete schmollend ab. Die kann sich aber auch anstellen… Leider hielt der daraufhin durchgeführte Klimaservice etwa 2 Tage. Die Undichtigkeit war wohl doch etwas größer.

Hier drückt der Rost unter der Zierleiste

Als jetzt also der TÜV erneut an die Tür klopfte, sah ich das Auto nochmal etwas genauer durch. Und siehe da: Zu den an sich schon genug nervenden Mängeln gesellten sich noch ein ausgeschlagener Spurstangenkopf und gerissene Muffen am Lenkgetriebe. Außerdem vermutete ich noch Sägezahnbildung an den Reifenprofilen, da das Fahrwerk während der Fahrt zunehmend brummte. Doch ich wurde enttäuscht: Als ich das Auto anhob und bei laufenden, eingelegtem Gang die Räder kreisen ließ, brummte es immernoch. Also nix Profil: Getriebeschaden. Todesurteil für meinen Passat. Dabei durfte er jetzt, mit 16, gerade erst rauchen…

Ein neues Wägelchen musste also her. Meine Wahl fiel auf den Skoda Fabia, in Kombiausführung: Alles drin, was ich brauche, man kann damit 2 Stunden fahren, ohne zum orthopädischen Notfall zu werden, und er braucht mit etwa 6l viel weniger Spritt als der doch sehr durstige Passat. (Insbesondere, wenn er den Bumscontainer meiner Schwester zieht, die noch ein Überdach montiert hat, säuft er einen unter den Tisch!)

Ich schaute mich also bei den Händlern der Umgebung um. Doch fast alle Autos, die da so standen, lagen preislich entweder über meinem Budget, oder waren mehr oder weniger gut reparierte Unfallautos. Die laut Händler natürlich nie eine Karosseriewerkstatt von innen gesehen hatten. Beteuerten sie beim Barte ihrer Mutter…

zum Lackieren wurden nicht einmal die Scheiben entfernt

Die Autos hingegen petzten: Mal lugte an einer Motorhaubenkante die Grundierung durch, die Seitenscheiben oder Scheinwerfer waren von unterschiedlichen Herstellern, oder die Heckscheibe hatte Lackschäden an der oberen Spoilerkante hinterlassen, als sie sich beim Bums nach oben schob. (Übrigens eine Macke, die gerne vergessen wird!). Sitzt eine Motorhaube oder eine Heckklappe auf einer Seite etwas höher als auf der anderen, oder kann man zwischen Kotflügel und Tür

Schabstelle an der Tür, merkwürdige Falte am Kotflügel

oben einen Finger hineinschieben, während die Tür unten am Kotflügel schabt, kann mir auch niemand erzählen, als hauptberuflicher Autoschieber nichts von einem Vorschaden bemerkt zu haben.

Der Kleber scheint etwas üppig...

Auch wenn der Frontscheiben- Kleber ungleichmäßig aufgetragen ist oder innen hinter der Verkleidung herlugt, kann ich mir nicht so recht vorstellen, dass das im Werk so nachlässig gearbeitet wurde. Einige der unfallfreien Top- Angebote fielen durch merkwürdige magnetische Eigenschaften des verwendeten Bleches auf:

Qualitätsmerkmal einer Hobby- Klitsche: Verkehrt zusammengebaut

Während mein Stück schwacher Kühlschranktür- Magnet an einigen Stellen haftete, fiel er an anderen Stellen irgendwie immer wieder ab. Und das, obwohl an dem Auto garantiert nicht gespachtelt wurde. Sagte der Händler. OK, wenn das Auto Kunststoff- Kotflügel hat, sehe ich die Haftungsbeschränkung ein. Wenn der Magnet aber im hinteren Teil des Kotflügels hält, im vorderen aber nicht, finde ich das schon fast unheimlich…

Ich sah mir auch ein „Super- Schnäppchen“ an,dass auf dem ersten Blick wirklich nicht schlecht war.

Wohl nichts mehr in Wagenfarbe da gehabt?

Wenn man darüber hinweg sah, dass trotz Zentralverriegelung nur die Fahrertür abgeschlossen war, und man nicht unter dem Auto auf dem Zustand des Auspuffrohres achtete. Nun gut, dass bei einem Nichtraucher- Auto unter dem Aschenbecher noch Aschereste sind, kann ja mal passieren… 😉

Ach, und wisst ihr, wie man unehrliche Autoverkäufer erschreckt?– Mit einem langen Schraubendreher! Drückt man den nämlich auf z.B. die Lichtmaschine oder den Ventildeckel und auf das andere Ende sein Ohr, kann man bei laufendem Motor genau hören, ob ein Lager schabt oder knirscht, oder ob es in Ordnung ist. Selbst wenn man überhaupt keine Ahnung hat, wie es denn klingen müsste, sieht das höchst professionell aus. Den Jungs fallen dann immer regelmäßig die Augen raus, und das Gespräch findet danach auf einer ganz anderen Ebene statt! 🙂

Produziert: 10.2001

Und wenn man Glück hat, findet man auf einem Kunststoffteil, welches bei einer vermuteten Reparatur ausgetauscht worden sein könnte (Stoßfänger, Verkleidungsteile) , den Stempel mit dem Produktionsdatum. Der Stempel ist ähnlich abzulesen wie eine TÜV- Plakette, und wurde das Teil erst nach der Fahrzeug- Erstzulassung hergestellt, könnt ihr sicher sein, dass es nicht daran liegt, dass Opel die Erfindung der Zeitmaschine verheimlicht.

Das wirkliche Schnäppchen, das am späten Morgen im Netz auftauchte, war dann natürlich am Nachmittag, als ich es besichtigen wollte, schon weg.

Eine weitere Super- Gelegenheit!!!! erwies sich beim genauen Studieren als nicht besichtigungswürdig: Es war ein Rechtslenker. Obwohl: Wenn ich den genommen hätte, hätte mir der Händler bestimmt noch einen Greifer für die Karte im Parkhaus kostenlos dazu gelegt. Elektrische Fensterheber hatte er ja drin…

Jetzt sitze ich hier und warte auf den Anruf eines Privatmenschen, der seinen vermutlichen Zweitwagen loswerden möchte. Aber der stinkt bestimmt nach Babykotze. Oder der Sitz hat Löcher. Oder sowas.

Meinen Passat, für den ich mit dem Getriebeschaden maximal noch 200 Flocken bekommen würde, verkaufe ich jetzt stückweise bei Ebby. Den Rest gebe ich dann für Umme dem Schrotthändler.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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9 Antworten zu Autosuche

  1. Fydus schreibt:

    Fein berichtet und durchaus sehr nachvollziehbar 😉

  2. petrahannover schreibt:

    Danke für den Tipp mit dem langen Schraubendreher 😉
    Wir sind nämlich auch grad auf der Suche, da Hasis VW ein reines Sommerauto ist – sprich im Winter verweigern die vorderen Türen ihren Dienst und er muß immer hinten einsteigen und mit seinen 1,93 m über die Sitze nach vorne krabbeln. Hat er irgendwie keine Lust mehr zu 😉
    Ach ja, Antwort von VW auf die Frage, was man gegen die Winterkrankheit unternehmen kann war „eine Garage kaufen“ Ja, schönen dank auch.

    • firefox05c schreibt:

      Toll. Vielleicht sollte man als Antwort die Frage senden, wie das denn mit den in nordische Länder verkauften Autos so läuft. Bekommen die extra wegklappbare Sitzlehnen?
      Das erinnert mich übrigens an die Anfrage unseres Löschzuges an BMW, ob sie Unterlagen über ihre Fahrzeuge hätten, denen man entnehmen könnte, wie man am besten eingeklemmte Personen aus ihren Autos befreit. Die Antwort: Nach all den in Crashtests entwickelten Sicherheitsmaßnahmen werden in BMWs keine Menschen mehr durch Unfälle eingeklemmt…

      • petrahannover schreibt:

        Na das ist ja auch mal ne tolle Aussage. Die ist ja noch besser als die von VW… Und ich dachte schon, ich wäre dort an nen kompletten Volldeppen geraten.
        Also, nix Skoda kaufen lieber Firefox, sondern BMW – da biste immer sicher.
        Man könnte es allerdings auch so deuten: man wird nicht mehr eingeklemmt sondern gleich a) rausgeschleudert oder b) zu Brei verarbeitet… Klingt beides nicht sehr gesundheitsfördernd.

  3. Wolfram schreibt:

    Wenn der Wohnwagen schon den Passat schwer rannimmt, kann der Fabia den bestimmt nicht stemmen, der Fabia ist doch ein Kleinwagen!

    • firefox05c schreibt:

      Das mit dem Wohnwagen war auch ehr als Extrembeispiel angeführt. Mir ist schon klar, dass man mit 64PS nicht so ein Gespann fahren kann! – Abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass der Fabia den Container überhaupt ziehen darf… 😉
      Es soll übrigens ein Kombi werden. Der ist schon in etwa Golfklasse.

  4. Choga Ramirez schreibt:

    Da drücke ich dir die Daumen, dass du einen gescheiten Gebrauchten für einen vernünftigen Preis bekommst.

  5. Smals schreibt:

    Mein Beileid.
    Mein Passat hat sich vor 2 Monaten nach 20 Lebensjahren auf der Autobahn auch mit dem Typischen Kupplungsgeruch verabschiedet.
    Er dürfte bereits in Afrika oder so sein…

  6. Fronkh schreibt:

    Mein aktuell 18 Jahre alter Passat (wie ich am Bild vermute auch selbe Ausführung) kennt solche Macken auch schon… leichte Rostbläschen am Türgummi, ABS bisher noch nix, KUpplung ein wenig „ab“ (extrem langer Kupplungsweg, -> Gehörschutz beim Anfahren 😉 ) und eine Sache die mich extrem stört, Macken an der Tankanzeige…

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