Popcorn mit Folgen

Genüsslich schob ich mir die letzten Krümel Popcorn ins Schotterwerk. „Knurps, knurps, knurps…“ Ich fing an, die Tüte sorgsam zu falten, um sie später wegzuschmeißen. „Knurps, knurps, – knack!!!“ Plötzlich hatte ich einige sehr harte Splitter in der Luke.

Nie wieder Bumsgetreide...

Mausi hatte es auch gehört und schaute erschrocken zu mir herüber, während ich den Schaden mit der Zunge begutachtete: Die halbe Krone war weg! Ich habe mit dem letzten Bissen auf ungepopptes Bumsgetreide gebissen und mir meine „hauseigene“ Keramik geschrottet! Na prima. Wenigstens hatte ich keine Schmerzen. Nie wieder Popcorn!

Zwei Tage später rief ich den Zahnbrecher meines Vertrauens an und machte einen Termin. Das Thresenpüppchen fragte: „Haben Sie Beschwerden?“ Ich wollte ihr gerade erklären, dass der Rücken im LWS- Bereich schon mal zwickt. Und dass ich gestern von meinem Neffen gekniffen wurde und es einen kleinen blauen Fleck gab. Aber hatte ich den Verdacht, dass die gute Frau am Telefon das nicht so allgemein meinte, wie es schien. Ich antwortete daher nur halb- wahrheitsgemäß mit „Nein.“

Eine Woche später saß ich im Brech Sprechzimmer. Der Schmied kam rein, amüsierte sich kurz übers Popcorn- Malheur, um dann das Schlachtfeld genauer zu inspizieren. Sein „Oh-oh…“ verhieß jedoch nichts Gutes.

„Haben Sie das fehlende Stück mit?“ – Hätte ich gewusst, dass man das wieder ankleben kann… – oder war da Pfand drauf? Bis dahin war noch alles im grünen Bereich. Doch dann kam sein Behandlungsvorschlag: „Also, ich empfehle Ihnen dringend, eine Betäubungsspritze zu nehmen. Sie können es auch ohne versuchen, aber wenn ich womöglich am…“Achtung!: „…Zahnfleisch rumschneiden muss, und auch, wenn später die Bänder um den Zahnhals gelegt werden, ist das ziemlich schmerzhaft.“ RUMSCHNEIDEN??? BITT-HÄÄ?? AN MIR??? – Ich glaube, ich habe da noch was auf dem Herd stehen…

Waffenarsenal

Diese dringende Empfehlung hat mich deshalb so erschreckt, da er weiß, dass ich sonst eigentlich keine Betäubungsspritze möchte/ brauche. Bohren (wenn es nicht zu tief ist) ertrage ich sonst ohne Spritze. Selbst das Vorbereiten der jetzt dahingeschiedenen Krone und das spätere Einsetzen dieses zahntechnischen Kunstwerkes machte mir keine Probleme. Und das wusste der Arzt – der mir jetzt trotzdem Drogen anbot! Na, die anfängliche Entspanntheit hatte etwas gelitten und musste einem leichten Fluchtinstinkt weichen..

Er entfernte also den Rest der Keramik, wemste mir eine Spritze ins Gebiss und holte einen Satz Bohrer. Den er beim Auspacken erst einmal auf dem Behandlungstablett verteilte. (Montag iss‘ immer Kacke, nicht? Da fällt einem alles runter…) Dann fing er an, die Porzellanreste aus mir rauszuschleifen. Und dann kam die Dentistenhelferin mit der Schubkarre mit Füllmaterial, um den Stumpf wieder als Kronenträger aufzubauen, um dann vom Doc die Instruktionen für das Anfertigen der Abdrücke entgegenzunehmen.

Der Studierte verschwand, das Praxismäuschen blieb und steckte mir eine Schaufel ins Gesicht, die die gefühlte Größe eines Klappspatens hatte, und drückte sie gegen den Unterkiefer. Beim Hantieren schmierte sie mir noch etwas von der Modellierpaste ins göttliche Antlitz, was sie etwas hektisch wieder zu entfernen versuchte. Sie sollte schließlich keine Stuckarbeiten durchführen…  Beim Drücken beschwerte sie sich dann halbherzig, weil der Kiefer etwas absackte: „Gegendrücken, bitte…“ , um sich einen Moment später wiederum vollherzig zu beschweren: „Auaaa! Nicht zubeißen, bitte!“ – Ja, watten nu? Meine Fresse fühlt sich wegen der Betäubung an wie ein Kotelette, wie soll ich da wissen, wann die Finger von diesem Schrupphuhn dazwischen sind? Dann muss sie eben ihrerseits gegendrücken! (Montag iss‘ immer Kacke, nicht? Da sind die Patienten so bissig…)

Sie drehte sich mit den Abdrücken um, um sie weiter zu bearbeiten, und meinte: „Jetzt können sie kräftig ausspülen…“

Tja, aber mit halbseitiger Betäubung im Simmering ist schlecht Spülen: Während sie am Gebiss- Negativ rumkratzte, schoss mir ein Springbrunnen aus dem Gesicht an der Nasenspitze vorbei, weit hinter das Becken, und verursachte ein Pfützchen. Hups…

Aber als Feuerwehrmann gibt man sich ja nicht mit dem ersten Versuch geschlagen! Auch der zweite Anlauf verursachte allerdings einen scharfen Wasserstrahl. Die Unterlippe wurde nicht richtig dicht: Feuchte Hundenase, Grüße an die Putzfrau… Sollte mich aber nicht interessieren: Ich handelte schließlich auf „Befehl“.  🙂

Als Fräulein Schleiferin dann einfiel, was sie vergessen hatte, und mir die Servierte brachte, tropfte es im Stockwerk darunter wohl schon durch. Ich gebe schließlich nicht so schnell auf!

Sie fummelte mir dann ein Band hinter das Zahnfleisch, was wirklich nicht ganz Schmerzlos war (trotz Betäubung. Danke, Herr Doktor, für den Tipp). Ein leichter Schweißausbruch benetzte meine Stirn. Dann kam Doc wieder und probierte das Provisorium. Die Schleiferin musste wieder ran. Und drehte sich beim Schleifen des Kronenprovisoriums den Handschuh um den Schleifkopf, dessen Gummi- Fingerspitze quer durchs Behandlungszimmer flitschte. Ich platzte fast vor unterdrücktem Lachen! (Montag iss‘ immer Kacke, nicht? Da kommen überall die Finger rein…)

Dabei fluppte ihr dann auch noch das neue Kaustück durch die Finger und hüpfte übermütig zwischen ihren Beinen hin- und her. Nicht ihr Tag heute.

Mein Mäuschen, das zwischendurch in den Behandlungsraum kam, in der Hoffnung, mich mit runderneuerten Beißern abholen zu können, fing glucksend an, hektisch ihr Handy zu bearbeiten, da sich das Fräulein in weiß heute wirklich sehr timpelig anstellte. Man will ja auch nicht laut losgröhlen, dem Mädel war die Ungeschicktheit ja schon peinlich genug!

Watteröllekes- Wurfmaschine

Als sie meine Futterluke dann für das Einsetzen des Provisoriums vorbereiten wollte, klemmte der Kasten mit den Watteröllchen. Und als der sich plötzlich doch löste, purzelten ein paar Röllchen über Tisch und Boden. Sichtlich genervt von diesem „Montag“ stopfte sie mir die restlichen Röllekes ins Schotterwerk, bis mein Gesicht wie ein Kartoffelsack aussah. Nebenbei warf sie mit ihrem Schmachthaken Hintern noch einen der teuren „100 000- Umdrehungen- Dremel Spezial“ aufs Parkett. Echt Multitasking- fähig, die Dame!

So sieht meine (endgültige) Krone von unten aus. Ich hoffe, ich sehe diese Seite nie wieder!

Endlich hatte sie das Ding fertig geschliffen und nochmal gesäubert, so dass Doc es einsetzen konnte. Der Rest verlief dann ohne Zwischenfälle. Und für die „richtige“ Krone bekam ich dann einen Kostenvoranschlag. Über 700 Mäuse!

Knapp 2 Stunden später konnte ich auch schon wieder ein „F“ sagen, ohne mich zu besabbern. Tja, und wenn die Beihilfe von den Kosten nicht alles übernimmt, muss ich in nächster Zeit wohl viel in der Fußgängerzone Dudelsack spielen. Mit neuer Krone…

Advertisements

Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
Dieser Beitrag wurde unter Privat abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

13 Antworten zu Popcorn mit Folgen

  1. mercator schreibt:

    Oh-oh! Und ich hatte mir erst heute wieder überlegt, ob ich jetzt doch mal zum Zahnarzt gehe (mir ist ein Stück Füllung abgebrochen). Aber schmerzen tut es eigentlich nur gaaaanz selten – ich schwör. Und jetzt bleib ich doch zu Hause, wird eh zu teuer…

    • firefox05c schreibt:

      An und für sich ist es so, wie bereits erwähnt: Geht die Bohrung nicht bis an den Nerv oder ist der Nerv eh‘ schon tot, braucht man keine Angst haben. Aber meine neue Krone geht am Zahnhals leider etwas tiefer als die alte, und somit musste das Zahnfleisch etwas weichen. Daher die Spritze.
      Also geh besser hin, bevor die Baustelle größer wird! 🙂

  2. Sebi schreibt:

    Suuuuper geil geschrieben! 😀

  3. Wolfram schreibt:

    Zahnarztgeschichten sind soooo schöööön – so lange es nicht die eigenen sind.

    Ich müßte eigentlich auch noch ne Wurzelbehandlung machen lassen… 😦

  4. alltagimrettung schreibt:

    Es gibt niemanden, der einen normalen Zahnarztbesuch so genial beschreiben kann 😀

  5. Deram computer sitzt schreibt:

    Schließe mich Sebi an: Super geschrieben!!!
    War selbst noch vor 14 Tagen beim Z-Klempner, allerdings ist seine Helferin selbst bei der Fw, und bei mir haben sie gut gearbeitet. Kostet aber auch mal eben nur für einen Kiefer 16.000(!) Euronen. auch ich bin mal gespannt, was die Beihilfe zugibt, und für den Rest muss ich dann Insolvenz-Antrag stellen 😉

  6. Erzdaemon schreibt:

    Entschuldige lieber Firefox aber ich lieg vor lachem unterm Tisch. 😀 Wie immer so genial geschrieben…

  7. jlang2004 schreibt:

    Oh mein Gott ist das super geschrieben!! Musst mich grad wirklich beherrschen, nicht lauthals loszulachen..immerhin sitz ich grad im Büro 😉

  8. Martin schreibt:

    Genial xD lange nicht mehr so gelacht = D

  9. Micha schreibt:

    wie genial beschrieben. Möcht nicht wissen was die Nachbarn denken…… da die Terassentür auf ist, hat das Gelache bestimmt das halbe Dorf gehört….

  10. buchstaeblich schreibt:

    Sehr schöne Geschichte – macht Kopfkino!
    😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s