Hausgeburt…

…oder: Wenn man (k)einen Notarzt braucht

Der Melder piepste. „RET: gyn. Notfall. Dingensstr. 312. Fruchtblase geplatzt“  – Übersetzt: Wir sollten mit dem Rettungswagen eine Schwangere ins Krankenhaus bringen.

Für gewöhnlich ist so etwas mehr oder minder wenig dramatisch: Eine Geburt ist ja im Grunde kein „echter“ Notfall. Eigentlich hat man auch immer genug Zeit, in aller Ruhe das gepackte Reisetäschchen zu nehmen und die werdende Mutter in einen Kreißsaal zu verfrachten. Dort passiert dann bei normaler Kindslage das, was in Brasilien bei der Zuckerrohrernte auch auf dem Feld passiert. Nur aufwändiger und mit mehr „Tamtam“ vorweg. So fuhren wir also los.

Notfallkoffer, speziell für Kindernotfälle

Vor Ort nahmen wir unsere Grundausstattung plus Kinder- Notfallkoffer mit. Wir rechnen zwar nie damit, ihn zu brauchen, aber man soll ja immer vorbereitet sein. (Aus diesem Grund hatte ich mir in meiner dahingewelkten Jugend vor dem Diskobesuch immer das Gummiband von der Zeitung gezuppt und eingesteckt, weil uns unser Bio- Lehrer immer ermahnte, bei solchen Gelegenheiten ein Gummi mitzuhaben. Wattweißich…)

Oben in der Wohnung empfing uns ein etwas hektischer Mann an der Tür. Und aus dem Wohnzimmer ein Geräusch, welches ich eigentlich nicht hören wollte: Das für eine einsetzende Geburt typische „Gnnniiiiiiihh!!“ der trächtigen Patientin!

Sie saß nach hinten gelehnt auf der Sofakante (wo das doch so schlecht für die LWS ist…), und durchlebte offensichtlich gerade eine Presswehe. Zunächst setzte ein Fluchtinstinkt bei mir ein. Aber um nochmal zurückzugehen und etwas um den Block zu fahren, war es zu spät. Sie hatte uns schon gesehen.

„Äh, nicht pressen, bitte! Schöööön durchatmen! – Haben Sie den Mutterpass mal da? – Ist heute regelrechter Geburtstermin? – Wie oft kommen die…“ – „Gnnnniiiiiihh!“ unterbrach sie mich. – Mein Gott, was war jetzt an dem „Schön durchatmen!“ nicht zu verstehen?

Während ich hektisch im Mutterpass die Seiten nach den für mich jetzt wichtigen Infos durchsuchte, wies ich den etwas panisch dreinblickenden Kollegen an, ein Löschfahrzeug zur Tragehilfe zu holen. „Laufen iss‘ nicht mehr. So bekommen wir die nicht alleine runter ins Auto…“ Ich versuchte, von meiner eigenen Panik nichts durchblicken zu lassen. Aber wer mich kennt, weiß, dass mir unter Streß der Schweiß ausbricht. Und er lief mir bereits die Schläfen hinab und hing als kecker Tropfen an der Nase. Der Kollege lief zum Funk, dankbar, eine Aufgabe zu haben.

Irgendwie fand ich die Informationen, die ich haben wollte: Kind liegt normal, dritte Schwangerschaft, die ersten beiden ohne Komplikationen. Anscheinend eine Schwangere zum Anlernen. Während der Kollege weg war, rutschte die werdende Mutter auf den Boden. Und fing schon wieder an, zu pressen. Mir dämmerte, dass der Drops mit dem Transport wohl schon gelutscht war. Jetzt wollte ich natürlich genau wissen, wie weit das Kind war, um mir die letzte Hoffnung auf „das Übliche“ zu zerstören. Da ich aufgrund meiner Erziehung aber nicht so gerne fremder Leute Frauen im Schritt wühle, forderte ich sie auf, einmal selbst zu fühlen, ob der Kopf des Kindes schon zu ertasten ist. Sie steckte sich den Finger ins Höschen: „Ja…“ – Oh fuck… ‚ich hätte lieber Tor 3…‘

Erinnerungen an die Aussagen der Hebamme, die uns fortbildete, kamen hoch. Wie war das? „In 99% der Fälle hat man noch genug Zeit, ins Krankenhaus zu fahren.“ OK, heute war anscheinend „1%“. Gelernte Info nutzlos. Und sonst? „Habt ihr keine Zeit mehr, weil die Geburt schon eingesetzt hat, geht es oft sehr schnell. Geht dann auch fast von alleine.“ – Ah ja. Ein Silberstreif‘ am Horizont.

Der Kollege kam wieder herein. „LF kommt.“ – „Ja, ich glaube, das wird doch nichts mehr. Bestell mal den Akademiker nach. Ich denke, wir holen das Kind hier…“

Im Koffer u.a.: Windeln, Nabelklemmen, Kinder- Adapter für med. Geräte, Beatmungsbeutel

Während der Kollege, froh, eine weitere Aufgabe weitab vom direkten Geschehen zu haben, wieder lossprintete, drappierte ich die Frau in eine günstigere Position auf dem Wohnzimmerboden, zog ihr den Schlüpper aus und klappte den Kinderkoffer auf, in der Hoffnung, dass das, was die Hebamme so erzählt hat, auch richtig war. Na denn: „Lass‘ mal kommen, Lady…“

Erst einmal drückte das Kind mit dem Kopf den Darm leer. So als Vorhut. Roch prima. Aber soll das Kind schon bei der Geburt sehen, dass das Leben hauptsächlichst Scheiße ist? Da der Vater so unbeschäftigt in der Tür stand und mir so langsam bei meinen Putzarbeiten die Kompressen ausgingen, schickte ich ihn erst einmal los, Küchentücher und einen Eimer zu holen. Als er wieder da war, durfte er gleich nochmal laufen: Mir fiel ein, dass ich vielleicht zum Säubern und Einwickeln des Schreihalses später noch ein paar Handtücher gebrauchen könnte. Außerdem war der nervöse Mann dann beschäftigt. Auch was wert.

Zwischenzeitlich war der Kollege wieder da und stand auf Befehle wartend im Zimmer, so nach dem Motto: ‚Ich rede dir zwar sonst immer gerne rein, aber heute finde ich ausnahmsweise, dass ich dir deine Führungsrolle mal lassen könnte…‘ – Wie großzügig… Also sagte ich ihm, was er aus den Koffer schon einmal vorbereiten könnte. Und die hektische Sucherei ging bei ihm los.

Die nachbestellten Kollegen trafen zwischenzeitlich ein, schauten nur kurz um die Ecke, um festzustellen, dass gleich wohl zwei Patienten zu tragen sind, und zogen sich mit dicken Backen in den Wohnungsflur zurück. Einer der Kollegen, der bereits bei zwei Geburten (allerdings zusammen mit einem Notarzt) dabei war, löste meinen immernoch hektisch den Koffer auf links drehenden Sanitäter ab und fing zu meiner Erleichterung an, aus dem Chaos im Kinderkoffer die benötigten Utensilien herauszufingern. In der Wohnung unter uns bildete mein Schweiß bestimmt schon Flecken an der Decke.

Da der Darm mittlerweile anscheinend leer war, beauftragte ich den Vater damit, den Kübel mit den stinkenden Küchentüchern zu „entsorgen“. Was er auch im Bad hörbar laut würgend tat. (Ob er nun vor Aufregung würgte, oder ob er des gut durchwachsenen Aromas wegen mit seinem Mittagessen kämpfte, war nicht eindeutig herauszuhören.)

Unterdessen machte die 2,5- Fache Mutter einen guten Job: Während ich ein dickes Tuch gegen den Damm drückte,  kam mit der nächsten Presswehe der Kopf des Kindes, den ich etwas bremste. Nach einer kurzen Pause kam mit der nächsten Wehe der Rest. Problemlos. Klasse. Ich drehte das Kind mit den Rücken nach oben und rieb etwas die Wirbelsäule, woraufhin es sich lautstark beschwerte, dass ihm nicht so recht gefiel, was hier passierte. Kurzer Check: Alles dran, atmet, zappelt, rosig, Mutter OK. Na, besser hätte es nicht laufen können!

Ich legte das Kind auf ein Handtuch zwischen den Beinen der Mutter ab und setzte die drei Nabelklemmen. In diesem Moment kam die Notärztin herein. Toll, wie bei John Wayne: Wenn die Kavallerie kommt, ist bereits alles gelaufen… Bevor mir der Kollege die Schere zum Abnabeln gab, raunte er mir noch zu: „Willst du nicht erst mal den Vater fragen, ob er das machen möchte?“ – Oh ja, da war ja was!

Auf meine gut gelaunte Frage trat der Vater allerdings erschrocken zwei Schritte zurück: „Äh, nee, machen Sie ruhig…“ – Etwas blass um die Nase, der Herr…

Nach dem Abnabeln untersuchte die Studierte kurz das Kind und die Mutter, bevor wir dann beide Patienten ohne Zwischenfälle ins Krankenhaus brachten, wo die Mutter in Ruhe nachgebären konnte.

In der Fortbildung hatte die Hebamme gesagt, dass mittlerweile fast 50% der Schwangerschaften als „Risiko- Schwangerschaft“ eingestuft würden, und dass das eigentlich in den meisten Fällen ehr übertrieben ist. Und dass die Menschheit auch ohne den ganzen Klimbim nicht ausgestorben war, bis so nach und nach alles kompliziert wurde. Während ihrer Jahre in den schweizer Alpen habe sie auch dutzende Geburten problemlos in irgendwelchen Hütten auf der Alm begleitet. Und nach dieser Hausgeburt glaube ich ihr auch, dass die meisten Geburten völlig natürlich ablaufen können.

Übrigens haben die Eltern ihr neues Kind nicht nach mir benannt. Ob es jetzt aber wirklich daran lag, dass es ein Mädchen war, weiß ich nicht. Jedenfalls fühlte ich mich nach diesem Einsatz etwas dehydriert.

Advertisements

Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
Dieser Beitrag wurde unter Feuerwehr und Rettungsdienst abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

23 Antworten zu Hausgeburt…

  1. sueder80 schreibt:

    Was ich erstaunlich finde ist das die Frau vollkommen ohne Schmerzmittel ausgekommen ist. Aber vielleicht reagierte sie auch deshalb nicht so gut auf die Anweisung mit dem durchatmen.

    Mir fällt da noch spontan die Niederkunft im Auto einer ehemaligen Nachbarin ein. Auch das 3. kind wenn ich mich recht erinnere. Ich stand morgens im Bad und hörte wie es nebenan etwas hektischer wurde. Da dachte ich mir schon das man sich gerade auf dem Weg ins Krankenhaus macht. Was mir allerdings etwas zu denken gab war das die gute Frau doch etwas in kurzen Abständen aufstöhnte. Da machte ich mir schon den Gedanken „na das wird aber knapp“.
    Anscheinend wurden dann noch die beiden Erstgeborenen bei den Grosseltern abgeliefert. Sie haben es dann auch noch immerhin bis auf den „Storchenparkplatz“ des Krankenhauses geschafft. Dann war es aber auch schon Zeit für die Autogeburt.

    • firefox05c schreibt:

      Wenn die Presswehen kommen, ist nicht mehr viel mit Durchatmen. Ich hatte nur erst nicht erkannt, dass es schon so weit war.
      Und „Schmerzmittel“ gab es vor ein paar Jahren noch lange nicht so oft wie heute. Da musste es alles ohne gehen. Frag mal deine Mutter! Auch der Kaiserschnitt kommt seit einiger Zeit richtig in Mode, das es schon standartmäßig angeboten / empfohlen wird.

      • sueder80 schreibt:

        Meine Mutter hatte sich wohl laut ihrer Aussage immer „abschiessen“ lassen. Bin ja selbst Jahrgang 80 und meine Mutter hatte wohl laut ihrer Aussage bei meiner Geburt eine PDA die wohl nicht so richtig wirkte. Das hat sie wohl auch dem Arzt/der Hebamme gesagt. Die meinten allerdings das alles Richtig gemacht zu haben.
        Nach der Geburt wollten sie meine Mutter ins Bett heben. Da waren sie dann doch etwas überrascht als meine mutter selbstständig rübergerutscht ist.

        Übrigens hab ich ihn meiner näheren Bekannten und Verwandtenkreis auch eine Recht hohe Kaiserschnittrate. Jedesmal allerdings medizinisch begründet und nicht auf wunsch der Eltern.

    • Wolfram schreibt:

      Also, lieber zuhause als im Auto! Nicht nur wegen des Saubermachens nachher, auch wegen der Enge.

      zum Text:
      Beim Dritten hätte die Mama aber auch mal auf die Idee kommen können, ins Bad zu gehen… im KH setzen sie (zumindest hier) gern einen Einlauf. Aber das geht auch so ab, als Streß-Dünn****

  2. Wie immer genial geschrieben. Und auch wenn es sehr schweißtreibend war sicherlich ein super Erlebnis. Gratulation! Mal sehen, wann mir das mal passiert 🙂

  3. notizbuchfragmente schreibt:

    …. Wow. Erstmal – herzlichen Glückwunsch! Und schön, dass alles gutgegangen ist.

    Btw – Schmerzmittel bei der Geburt müssen nicht unbedingt sein – sagt meine Mutter, und die muss es ja wissen. 😀

  4. sst89 schreibt:

    Ein Storcheneinsatz, gibt es ja nicht so oft:) Hast du das also auch mal erlebt.

    Wie immer gut geschrieben, gefält mir.:)
    Und nimm es nicht so tragisch, dass das Mädchen nicht nach dir benannt wurde 🙂

  5. Lysira schreibt:

    Wow, schön dass alles so bilderbuchmäßig gelaufen ist 🙂

    Die Kaiserschnittrate ist wirklich extrem gestiegen. Wobei ich eher die Erfahrung gemacht habe dass die Kliniken vorsichtiger geworden sind und schon bei den kleinsten Unstimmigkeiten zum Schnitt raten

    • Wolfram schreibt:

      Aus zwei Gründen:
      1. kann man ihnen dann im Fall des Falles nicht vorwerfen (meist grundlos, aber… wer steht schon gern für angebliche Kunstfehler vor Gericht?), nicht alles fürs Kind getan zu haben.
      2. gibts für eine Kaiserschnittgeburt wesentlich mehr Geld von der Krankenkasse.

      Im Pariser Umland werde Geburten inzwischen immer eingeleitet oder geschnitten; da haben sie gar keine Kapazitäten für spontane Geburten mehr frei. Idioten…

    • firefox05c schreibt:

      Genau das meinte unsere ausbildende Hebamme auch: Schwangerschaften werden wegen wegen jedem Pups zur „Risiko- Schwangerschaft“ erklärt. Und mit dem ganzen Drumherum, was heutzutage so angeboten wird (Schwangerschaftsyoga, Stammzellen einfrieren, psych. Vorbereitungskurse, Ernährungskurse, Bauch- Spieluhren…) wird das Kinderkriegen schon fast zur Hochsicherheitsangelegenheit. Demnach müssten die Deutschen bis in die 60er ein Volk von fehlentwickelten Krüppeln gewesen sein, weil es das noch nicht alles gab. – Und immer mehr werdende Eltern werden dadurch zu hysterischen Esotherikern. Das bekomme ich oft mit, wenn wir eine Frau, die alle halbe Stunde eine Wehe hat, ins Krankenhaus bringen.
      Das andere Elternextrem: Nach dem Platzen der Fruchtblase sitzt sie mit Kippe im Wohnzimmer und er vor dem PC…

  6. beschfl schreibt:

    Kinners was hab ich Tränen gelacht.
    Was mich aber „stört“.. wir haben im RD Handys oder nutzen die eigenen oder rufen mal vom Hausanschluss aus an.. hat den durchaus galanten Vorteil immer zu zweit zu sein…

    • firefox05c schreibt:

      Der Einsatz liegt schon etwas länger zurück, da hatten wir noch kein Diensthandy. Aber mit dem Festanschluss hast du natürlich recht, den haben wir früher auch öfters benutzt.
      Das hätte der Kollege auch bestimmt machen können. Aber ich denke, er war entweder zu aufgeregt, um daran zu denken, oder er wollte einfach „Zeit überbrücken“, um bei der laufenden Geburt nicht dabei sein zu müssen und dabei Fehler zu machen. Frei nach der Parole: „Greif du an! Ich hole Verstärkung…“ 😉

  7. yasmin schreibt:

    Man kann Kinder sehr gut ohne Schmerzmittel bekommen, habe ich zweimal gemacht und würde es auch wieder tun 🙂
    Und ich war sehr dankbar für meine Hebammen mit ihrer pragmatischen Art, die mir viel der Angst genommen haben, die von Ärzten oft unnötigerweise geschürt wurden – ich hatte trotz Risikoschwangerschaften problemlose Geburten, eine im Geburtshaus, eine wegen BEL im Krankenhaus.
    Bei letzterer habe ich auch Sanitäter und eine nachgeorderte Notärztin beschäftigt, die eher mit einem simplen Transport rechneten als mit einer heftigst wehenden Frau. Dass es dann doch so schnell gehen würde, hatte ich ja auch nicht erwartet und ich konnte auch gut verstehen, dass niemand so richtig scharf auf eine BEL-Geburt im RTW war… ich war’s auch nicht.
    (Anm. firefox: BEL = Beckenendlage)

  8. Gertje schreibt:

    Göttlich geschrieben. Vom Vergleich mit der Brasiliansichen Plantage über den Vorgang selbst bis zur Schweizer Alm. Einfach köstlich. Und ein wunderbares Beispiel dafür, dass Schwangerschaft KEINE Krankheit ist.
    Das 50% trotzdem als Risikoschwangerschaften gelten, verwundert mich etwas. Oder liegt das dann doch wieder daran, dass Schwangerschaft und Geburt hierzulande nicht als natürlich betrachtet werden?
    Ja, und das mit den Schmerzmitteln verstehe ich auch nicht. Nicht, wenn sie so auf Verlangen und gleich von vornherein gegeben werden. Aber ich verstehe ja auch nicht, wieso Kaiserschnitte, die nicht medizinisch notwendig sind, gemacht werden.

    • firefox05c schreibt:

      Das Kaiserschnitte so häufig gemacht werden, könnte vielleicht mit einer Vermutung zusammenhängen, die in einem Kommentar weiter oben angedeutet wurde… 😉

  9. Lysira schreibt:

    Wolfram,
    Zu Punkt 1:
    Ich weiß. Aber birgt eine Sectio nicht mehr Risiken als eine Spontangeburt? Bei mir z.B. sind 2 geplante KS mächtig schief gelaufen, lediglich die Notsectio verlief ohne Probleme. Ich würde behaupten, dass die letzten beiden Geburten um einiges besser verlaufen wären, wenn ich spontan hätte entbinden dürfen.
    Die Geburten in KHs werden mittlerweile so gut überwacht, bei der Befürchtung von Komplikationen sogar dauerhaft, sodass das Risiko bei einer Spontangeburt doch eigentlich geringer wäre…? Es geht ja nicht nur um die Gesundheit des Kindes sondern auch um die der Mutter. Und eine Sectio ist kein kleiner Eingriff…

    Zu Punkt 2:
    Das hab ich mir gestern verkniffen, war aber mit einer meiner ersten Gedanken. Und es ist besser planbar…

    Firefox,
    ja. Und die wirklichen Risikoschwangerschaften gehen dadurch unter & bekommen kaum noch die begleitende Vorsorge die wirklich nötig wäre.
    Schade dass Schwangerschaften und Geburten heutzutage nichts natürliches mehr sind…
    Btw, ich bin wirklich tolerant und kann über viel hinweg sehen. Aber obwohl ich selbst Raucher bin, müsste ich sehr an mich halten, wenn ich mitbekomme, dass ein Ungeborenes zur „Geburtsvorbereitung“ nochmal richtig schön mit Nikotin vollgepumpt wird…

    • Wolfram schreibt:

      Zu 1. kann ich als Laie nichts sagen; ich taufe nur… 😉
      Zu 2.: ja, ganz genau. Man kann sogar das Sternzeichen voraus festlegen…

      Wichtige Kriterien für die Entscheidung, ob eine Frau als Risikoschwangere betreut werden muss sind z.B.:

      Die Frau hatte bereits eine Fehl-, Früh- oder Totgeburt
      Die Schwangere ist zuckerkrank
      Es liegt eine Erkrankung des Herzens, des Kreislaufs oder der Nieren vor
      Die Frau ist an einer Schwangerschaftsvergiftung erkrankt
      Es ist eine Mehrlingsgeburt zu erwarten
      Es liegt eine Rhesus-Unverträglichkeit vor
      Das Kind liegt falsch (Quer- oder Steißlage)
      Die werdende Mutter ist schon einmal durch eine Kaiserschnitt-Operation entbunden worden
      Die werdende Mutter erwartet ihr erstes Kind und ist unter 18 oder über 35 Jahre alt
      (Quelle)
      Bei einem Durchschnittsalter der Erstegebärenden von über 30 ist deutlich, daß ein Großteil der Mütter schon beim ersten Kind über 35 ist – Stempel im Heft, gut ist. Hat zumindest bis zum Mutterschaftsurlaub nur den Vorteil, daß mehr Ultraschalluntersuchungen von den Kassen übernommen werden. Ob es wirklich ein Kriterium ist? Kriterium vor allem, um allen möglichen pränataldiagnostischen Kram aufzudrängen, der viel Geld kostet. (Meine Meinung!)
      Während der ersten Hälfte der Schwangerschaft benötigen nur die ersten vier Punkte Aufmerksamkeit, und ggfs. der vorletzte, wenn die Kaiserschnitt-Operation noch nicht so lang zurückliegt. Dabei ist die Gestose eigentlich in der ersten Hälfte eher selten.
      Mehrlingsschwangerschaften werden erst in der zweiten Hälfte interessant, die Kindslage erst in den letzten Tagen vor der Geburt (die Gören drehen sich manchmal unvermittelt noch um!), die Rhesus-Geschichte auch – aber da muß man vorbereitet sein.
      Alles in allem sollte der Stempel „Risiko-Schwangerschaft“ aufgelöst werden in verschiedene andere.

  10. Choga Ramirez schreibt:

    Ich habe bei deinem Artikel richtig mitgefiebert. Es ist schön zu lesen, dass die Geburt soweit problemlos verlief. Kann ja nicht jede Geburt so katastrophal sein, wie die meines Sohnes.

    • firefox05c schreibt:

      Ich hoffe, bei euch ist trotzdem alles gut ausgegangen?

      • Choga Ramirez schreibt:

        Na ja … Ich hatte im Kreißsaal einen Kreislaufzusammenbruch und war nicht mehr ansprechbar. Notkaiserschnitt, weil wir beide sonst drauf gegangen wären. Mein Sohn ist durch den massiven Sauerstoffmangel geistig behindert, aber körperlich gesund.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s