Kinder sind nicht „kleine Erwachsene“

Notfallkoffer, speziell für Kindernotfälle

Daher gibt es bei den Rettungsdiensten einen extra Koffer für Kindernotfälle.

In diesem ist aber nicht nur diverses Zubehör für den Wurfkasten (wie Nabelklemmen, Windeln und Nabelbinden), sondern auch spezielle kleine Klebeelektroden für Babys, um ein EKG abzuleiten oder Klebepads für die Schrittmacherfunktion: Würde man die „normalen“ für Erwachsene nehmen, wäre der Oberköper wohl komplett mit der Elektroden- Folie eingetaped.

der Deckel des Koffers mit Knochennadeln und Beatmungstuben

Auch ein kleiner Beatmungsbeutel gehört dazu, weil man Kleinkinder mit einem Beutel für Erwachsene wahrscheinlich aufpumpen würde. Zur Kontrolle vom Sauerstoffgehalt im Blut gibt es ein Klebelämpchen, das um den kleinen Fuß geklebt und an das Pulsoxymeter angeschlossen wird.

Kleines Besteck zum Intubieren (einlegen eines Beatmungsschlauches in die Luftröhre) und manuellem Absaugen gehört genauso dazu wie sog. Intraossäre Nadeln zum Legen von Zugängen ins Knochenmark. Diese Nadeln werden nötig, wenn das Kleinkind keine Venen hat, die ausreichend groß sind, um den normalen Weg für eine Infusion zu nutzen.

das Unterteil, u.a. mit Kinderstethoskop, Beatmungsbeutel und Inhalationsmaske.

Die manuelle Absaugung bietet „mehr Gefühl“ beim Arbeiten, um die empfindlichen Schleimhäute nicht zu sehr zu verletzen. Für den Notarzt sehr hilfreich ist eine Drehscheibe, mit der man Kinderdosierungen für Medikamente errechnen kann.

Dieser Koffer wird zur einfacheren Kontrolle bei uns verplombt, dadurch kann man bei der täglichen Kontrolle davon ausgehen, dass auch alle Materialien komplett sind, wenn die Plombe unbeschädigt ist. Das Haltbarkeitsdatum steht natürlich auf einem Aufkleber außen am Deckel! 🙂

Glücklicherweise wird dieser Koffer nicht so oft gebraucht. Aber wenn es der Fall ist, kann man kaum auf ihn verzichten. Weil Kinder eben nicht „kleine Erwachsene“ sind.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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9 Antworten zu Kinder sind nicht „kleine Erwachsene“

  1. Ich bin ja wirklich froh, diesen Koffer nicht oft aus dem Auto holen zu müssen. Was mir gerade aber auffällt, wieso benutzt ihr keine Larynxstuben? Unsere Pädiater raten übrigens sehr davon ab, Patienten abzusaugen, denn damit vergrößert man das Risiko, einen Atemstillstand des Kindes zu provozieren.

    • firefox05c schreibt:

      Die Absaugung wird bei uns auch weniger für Neugeborene vorgehalten, sondern ehr für eine Säuglings- oder Kleinkindreanimation (ich denke, das meintest du). Tja, und die Larynxtuben sind zwar auch im hiesigen Rettungsdienst angekommen. Aber nur 3 Größen für Erwachsene / größere Kinder…

  2. ines schreibt:

    Da bleibt nur zu hoffen, daß so ein Koffer sehr sehr häufig vorhanden ist. Was ich leider bezweifel. Aufgrund der Erfahrungen mit meinen Kindern.

    • firefox05c schreibt:

      In meiner Stadt ist so ein Kinder- Notfallkofer auf jedem Rettungs- und Notarztwagen. Ich weiß aber auch, dass es in anderen Städten und Gemeinden nicht Standart ist.

  3. @Firefox05c

    Das meinstet du aber jetzt nicht Ernst, das es RD bereiche gibt, wo es keine Kinderkoffer auf den Fahrzeugen gibt?

    • firefox05c schreibt:

      Naja, wie Ines durchblicken lässt, war wohl bei einem Notfall ihrer Kinder keiner zur Hand. Und wenn ich mir z.B. die RTW unserer Bundeshauptstadt so ansehe, der nur einen AED und keine Medikamente mitführt, da sich die „Sanis“ nur um Basismaßnahmen (im Grunde „erweiterte Erste Hilfe“) kümmern sollen (O-Aussage auf der berliner Feuerwehr- HP!), wage ich zu bezweifeln, dass bundesweit auf jedem Rettungsmittel auch ein Kinderkoffer verlastet ist.

      • Hauptstadtsani schreibt:

        Zumindest die RTWs meiner HiOrg in Berlin haben selbstverständlich alle einen Kinderkoffer. So was haben wir sogar auf unseren 4-Tragen-KTWs im Katastrophenschutz. Insoweit bitte nicht von „Berliner RTWs“, sondern von „RTWs der Berliner Feuerwehr“ sprechen 😉 Meine letzte Mitfahrt auf einem Feuerwehr-RTW ist aber leider zu lange her, als dass ich mich an dessen pädiatrische Ausstattung erinnern könnte. Wenn ich demnächst hoffentlich mal wieder auf eine Feuerwache bin, kann ich aber gerne nachforschen…

      • firefox05c schreibt:

        Gut, dann seid wenigstens ihr gut ausgestattet! Ich war von hiesigen Zuständen ausgegangen, wo die Feuerwehr und die HiOrgs sich auf einen Standart geeinigt haben.
        In z. B. einer Reportage über die Berliner Feuerwehr waren auch RTW- Einsätze gezeigt worden. Ausrüstungsmäßig bestätigte sich der Eindruck, den die Feuerwehr- HP vermittelt.
        Für die Patienten wäre es ja nur zu wünschen, dass der Eindruck doch täuscht.

  4. Hauptstadtsani schreibt:

    Gemeinsamer Standard nach Vorgabe der Feuerwehr? Das verhüte der liebe Gott! Ich war vor einiger Zeit auf einer Einsatzübung mit der BF, bei der der RA von einem Feuerwehr-RTW in unseren ehrenamtlichen HiOrg-RTW reingeschaut hat und anschließend meinte: „Ok, wenn wir mit unserem Material nicht hinkommen, dann alarmieren wir Euch nach.“ Höhö 🙂

    Bei den Freiwilligen Feuerwehrstandorten im Außenbereich kommt es übrigens auch mal vor, dass dort ein RTW alarmiert wird und dieser sich dann per Funk bei der Leitstelle abmeldet als „wir rücken aus ohne RDV“. RDV = Rettungsdienstverantwortlicher = RA. Da retten dann zwei RS oder vielleicht auch ein RS und ein RH. Passt ja zum Material 😉

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