Das Kronen- Nachspiel

Als Feuerwehrmann bin ich ja privat versichert. Also, zumindest teilweise: Ich habe den Anspruch, von meiner Stadt 50%  meiner Behandlungskosten erstattet zu bekommen, muss mich also „nur“ für 50% selbst krankenversichern. Das kostet mich zwar knapp 200 Flocken im Monat, aber was will man machen.

Der Stein... äh... die Krone des Anstoßes

Der normale Weg bei einer Abrechnung ist folgender: Ich bekomme vom Arzt die Rechnung (sollte man auch bei Kassenpatienten einführen, damit würde ein möglicher  Betrug, der die Kassen ja so teuer kommt, schon erschwert!), gehe in Vorleistung, reiche die Rechnungen bei der Beihilfestelle ein, bekomme sie nach etwa 3 Wochen gestempelt zurück, muss dann die Rechnung bei der Versicherung einreichen, und bekomme dann von beiden Stellen je 50% der Kosten erstattet. So habe ich nach bummelig 1-2 Monaten mein Geld auch schon wieder. Also, im Idealfall.

Dieses Mal war ich aber etwas- sagen wir mal: Enttäuscht von der tollen städtischen Heilfürsorge.

Die Krone, die bei mir eingebaut wurde ( die Redaktion berichtete ) sollte insgesamt etwa 740 Eumel kosten. Da geht der Normalsterbliche in seinem jugendlichen Leichtsinn davon aus, die Hälfte davon (genau: 369,81) bestimmt von der Beihilfestelle wieder zu bekommen. Doch „Pustekuchen“ (was immer das auch für ein Rezept ist): Die Stadt belehrte mich eines Besseren.

Zunächst einmal klärte mich das Schreiben darüber auf, dass von den Labor- und Materialkosten der Behandlung, immerhin der Löwenanteil, sowieso nur 60% zur Berechnung der Beihilfe herangezogen werden. Kindergartenbegründung: Weil iss so. Steht im Gesetz. Warum, steht da nicht. Ich habe nachgesehen (u.a. in diesem Link unter „Behandlung„). Also bekomme ich von den 60% der Laborkosten schon mal nur 133 statt 222 Kröten bewilligt. Zusammen mit den „voll beihilfefähigen“ Honorarkosten wären das dann wenigstens mal 281 Euro Erstattung. Äh, nö, nicht ganz:

Da gibt es ja auch noch die sogenannte „Kostendämpfungs- Pauschale“. Weil der Herr Bürgermeister nämlich so wenig Kohle hat. Die vielen Kulturhäuser müssen ja zu geschätzten 75% gesponsort werden. Und diese Pauschale besagt, dass ich mir die ersten anfallenden 150 Ocken von der Beihilfe schon mal von der Backe putzen kann: Die werden nämlich einmalig einbehalten. Und wieder: Weil iss so. Die Stadt hat ja kein Geld.

Vorausgesetzt, die private Krankenversicherung zahlt ihren Obulus der vereinbarten 50% ohne Abzüge, heißt das dann für mich, dass ich für meine Kronenrechnung von 740 Euronen ganze 238,75 harte German-Dollars selbst berappen muss. Also, wie gesagt: An den Rechnungsposten an sich hatte die Beihilfestelle nichts auszusetzen, da waren keine Sonderleistungen drin…

Da hatte ich mir früher mal unter „Privatpatient“ etwas viel tolleres vorgestellt.

Ach, und zur Entschuldigung für Ärzte, die privat Versicherte gerne vorziehen: Wie man auf der Rechnung sehen kann, gibt es für eine Behandlung (und damit ist jeder Teil für sich gemeint!) einen bestimmten, von den Beteiligten ausgehandelten und festgeschriebenen Behandlungssatz. Diesen darf ein Arzt ohne weitere Begründung um den Faktor 1,8 bis  2,3 erweitern, je nachdem, um welche Tätigkeit es geht. Und das bekommt er dann von den privaten Kassen bezahlt. Also, ehr von mir, und ich muss es mir dann wiederholen.

Für „Kassenpatienten“, also Pflichtversicherte, gibt es meines Wissens von der Kasse nur quartalsmäßig eine Fallpauschale, die nicht immer so hoch ausfällt, um damit auch wirklich die entstandenen Behandlungskosten zu decken, da der eine oder andere Patient eben nicht durch eine für seine Erkrankung ausbaldoverte Standartbehandlung wieder „rechtzeitig vor Ende des Geldes“ genesen ist. Bei diesen Patienten legt der Arzt auch schon mal drauf. Und muss es bei anderen wieder reinholen. (Vielleicht kann das jemand aus der weißen Zunft bestätigen oder besser erklären…)

Das soll jetzt nicht heißen, dass dieser Umstand völlig normal, geschweige denn gerecht ist, oder „die blöden Kassies“ sich gefälligst nicht so anstellen sollen und mit Billigversorgung vorlieb zu nehmen haben. Aber wenn ihr das nächste mal von dem „feinen Herrn Doktor“ hört, der sich um Privatpatienten bemüht, „die ja was Besseres sind“, solltet ihr nicht so sauer auf ihn sein: Er muss seine Praxis auch bezahlen.

Schuld hat schließlich nicht er, sondern das krankgesparte „Gesundheits-“ System.

So. Und ich werde jetzt jedem Interessierten gegen geringes Entgelt einen blasen. Also, ein oder zwei Lieder mit dem Dudelsack. Bis die Kohle für die Krone wieder drin ist.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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5 Antworten zu Das Kronen- Nachspiel

  1. NK schreibt:

    Im Idealfall (also vermutlich nicht in dieser Realität) sollten die Pauschalen so angelegt sein, dass sie manchmal nicht ausreichen, dafür aber in anderen Fällen mehr als ausreichen – sodass es sich auf lange Sicht ausgleicht.

    Im Übrigen spende ich einen Euro für Hellbound Train! Hrhrrhr… >:->

  2. alltagimrettung schreibt:

    ich glaube du solltest dir das Geld von der Popcorn Industrie wieder holen, anstatt deine Blasekünste der Nation teil werden zu lassen 😀

  3. Mr. Gaunt schreibt:

    Sicher subventionieren wir privatversicherten Besserverdiener und Beamten die „blöden Kassies“. Ohne einen gewissen Anteil Privatpatienten knabbert so mancher Arzt kräftig an seinen Kosten.
    Aber bei Zahnersatz sind die Kassies in der Regel auch dabei, kräftig drauf zu zahlen. Denn die Krankenkasse zahlt nur die Holzvariante oder auch nur einen Teil davon. Das ist auch kein Zuckerschlecken.
    Ich bin als Privatpatient ganz zufrieden. Die Beiträge sind noch erträglich und ich bin mir sicher, dass der Arzt nicht dreimal darüber nachdenkt, das zu machen, was er für richtig hält. Die Psysiotherapie nach einer OP hatte ich wirklich nötig. Als Kassenpatient hätte ich maximal die Häfte genehmigt bekommen. Traurig aber wahr.

    • firefox05c schreibt:

      Meine Kasse hat die Papiere ja noch nicht, ich denke, die werden bezahlen. Im Beihilfe- Bescheid ist in der Aufstellung der Stadt ja deutlich bezeichnet, dass alle Rechnungsposten „Regelleistungen“ sind. Aber als Stadt einfach 150 Euro als „Kostendämpfungs- Pauschale“ abzuziehen, bzw. von Material- und Laborkosten generell (nicht bei Wahlleistungen/ Extras/Bestellung einer Klimaanlage…) nur 30 statt 50% zu erstatten, war mir vorher im Vertrag nicht aufgefallen, als ich damals bei der Stadt unterschrieb…

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