Leib- und Magenanglertipp: Grundeln!

Kanalangeln. Oder so.

Zum X-ten Mal warf ich den Köder an meiner Angelrute in den Kanal. Immer in der Hoffnung, dass ich mit dem Wurm genau vor dem Maul irgendeines dösigen Barsches landete. Ich legte die Rute auf der Gabel ab und wartete. Dann zupfte es: Schatziii! Abendessen an der Leine!

Doch was ich dann an Land zog, sah einem Barsch überhaupt nicht ähnlich, ehr den Welsen in meinem Aquarium. Oder einem urzeitlichen Wasserdrachen. Ich hatte so ein Fischlein noch nie gesehen! Da ich nicht wusste, ob das Viech vielleicht geschützt ist, setzte ich es vorsichtshalber wieder zurück. Und schaute später zu Hause mal im Internet vorbei:

Es handelte sich um eine Grundel!

Diese Fische ähneln den einheimischen (geschützten) Mühlkoppen, aber ein deutliches Unterscheidungsmerkmal sind die zusammengewachsenen Bauchflossen an der Unterseite. Sie wurden in den Ballasttanks der Frachter aus dem schwarzen Meer eingeschleppt und haben sich über Donau und Rhein mittlerweile bis in die Kanäle verbreitet: Grundeln, etwa 20cm lang, fressen an vielen Stellen dem Angler die Köder weg, die eigentlich für Aal und Barsch gedacht sind. Außerdem ernähren sie sich u.a. vom Laich anderer Fische, weswegen in „befallenen“ Gewässern die Friedfische verdrängt bzw. stark dezimiert werden.  Es gibt sie in  drei Unterarten, die sich anscheinend hier wohl fühlen. Innerhalb weniger Jahre wurden sie zur Plage. War man 2006 noch erstaunt, dass bei einer Untersuchung im südlichen Rhein eine (eine!) Grundel ins Netz ging, haben sie sich bis heute stark vermehrt. Es sollen sich schon Angler in Süddeutschland darüber beschwert haben, dass sie in einer Stunde 40 (!) Grundeln statt der erwarteten zwei oder drei Barsche oder Aale geangelt haben.

Aber „Beschweren“?

Ich hatte schon zwei dieser Viecher an der Strippe, bevor ich dann im Netz las, dass man sie auch essen können soll. Also nahm ich beim nächsten Angeln eine gehakte Grundel mal mit und haute sie zu Hause, nur das Rückgrat entfernt, etwas in Mehl gewälzt und gesäuert, in die Pfanne. So zur Probe, denn von ein so’ner einzelnen Fischfritte wird ja keiner Satt.

Was soll ich sagen: Lecker! Total! – Und ich esse nicht alles! Wenn man sie mit genügend Hitze brät, lösen die feinen Gräten sich auch auf, so dass es nach dem Ausnehmen wirklich reicht, die Wirbelsäule zu entfernen.

Diese Tiere sind zwar recht lütt und bestehen auch noch zu 1/3 aus Kopf ( leider bleibt von so einem Fischlein dann nur etwa so viel wie von einem Fischstäbchen über. Aber bei denen macht es ja auch die Masse) , aber wenn man ein paar davon zusammengeangelt hat (was bei den von süddeutschen Anglern beschriebenen dramatischen Invasionen ja kein Problem darstellen sollte) und ein paar Kartöffelchen dazu reicht, wird man bestimmt auch satt davon! Man soll sie auch frittieren können. Das werde ich nächstes Mal ausprobieren. Ich habe zwar keine Fritteuse, aber ein kleiner Topf mit heißem Öl sollte auch reichen. Man kennt ja meine Experimentierfreudigkeit.

Also, liebe Angler: Machen wir aus der Not eine Tugend. Lasst uns die Invasion, die unsere einheimischen Fische verdrängt, mit Dillsauce würzen! Je mehr aus den Gewässern gezogen werden, desto besser. Damit sich die Friedfischbestände wieder erholen.

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Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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2 Antworten zu Leib- und Magenanglertipp: Grundeln!

  1. TickleMeNot schreibt:

    Grundel soll auf Pizza ganz gut schmecken…

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