Seltsame Begegnung beim Angeln

Ich angele oft am Kanal unter einer Brücke. Diese erreiche ich über eine Stichstraße, die von einer belebten Ausfallstraße am Stadtrand abgeht.

Letztens stand am Abzweig eine- sagen wir mal- merkwürdig gekleidete Frau: Schwarzer Minirock, schwarzes, ärmelloses Top, hohe Absätze, die Dauerwelle sah aus, als wäre sie in der Mauser. In der Hand wehte ein anscheinend leerer Stoffbeutel. „Die ist aber auch etwas durch den Wind“, dachte ich noch.

Wartete sie dort am Stadtrand auf ihre Mitfahrgelegenheit? War sie irgendwo aus einem Heim abgehauen? Hatte sie sich verlaufen? Schwer zu sagen. Sie sah zwar aus, wie eine der Huren vom Hartgeldstrich, aber der war gut vier Kilometer entfernt in Richtung Innenstadt.

Als ich das Auto abgestellt und mein Angelzeug herausgeholt hatte, sah ich auf dem Weg ins Gebüsch, durch das ich mich schlagen musste, um zum Angelplatz zu gelangen, dass sie langsam die Straße herunterkam. Also doch eine Prostituierte, die mich für einen potentiellen Kunden hielt? Auf dem Weg durchs Grün kam mir der Gedanke, dass mein Auto jetzt die nächsten Stunden unbeaufsichtigt an der einsamen Straße stand. Und als ich mich umdrehte, sah ich, dass die Frau mir weiter nachkam. Sogar ein Stück in den Uferbewuchs hinein. Will sie die Gelegenheit nutzen, um mit ihrem „Projektmanager“ mein Auto zu knacken, wenn ich weg bin? Die Welt ist ja bekanntlich schlecht…

Ich stellte also mein Angelzeug unter der Kanalbrücke ab und ging zurück, um nachzusehen. Schließlich ist in der Gegend schon so einiges passiert. Mein Auto war in Ordnung, die Dame schlenderte gerade wieder in Richtung Einmündung. Also kehrte ich wieder um und schlug mich in die Büsche, parallel zur Straße, in Richtung meines Angelplatzes.

Und wenn sie jetzt bloß zurückgeht, um ihrem Luden Bescheid zu sagen? Schließlich war sie mir sogar ein Stück durch die Wildnis hinterhergestöckelt! Wenn sie mir Böses will, gibt es hier keine Zeugen! Ich kraxelte also nochmals Querfeldein den Abhang hinauf in Richtung der Straßeneinmündung. Angriff ist schließlich die beste Verteidigung. Plötzlich erschien ihr zerzauster Flokati oben am anderen Ende  der Büsche.

„Wollen Sie was von mir?“ fragte ich etwas barsch, um gleich klarzustellen, dass ich kein einfaches Opfer würde. „Äh… nö… ich dachte nur…“ – „Na, ich frage, weil Sie mir hinterhergelaufen sind.“ – „Nee, ich arbeite hier nur ein bisschen…“ – „Aber nicht hier unter der Brücke, oder?“ – „Nein, nein!“ Ja gut, damit wäre zumindest der Zweck ihres Aufenthaltes schon mal geklärt. Und dass sie ihre Kunden nicht unter der Brücke bedient. Schließlich möchte ich meinen Zander nicht neben einem höckernden Pärchen landen, so etwa „Moment, ich steche den Fisch eben ab, lassen Sie sich nicht stören…“ Aber ich konnte mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass sie viel verdienen würde: Sie war grotten-häßlich, sie schielte so furchtbar, dass ich mir nicht sicher war, ob sie an mir vorbeisah, und die Figur glich einer Hundehütte: In jeder Ecke ein Knochen. Sie würde wohl mehr Geld im Phantasialand in der Geisterbahn verdienen!

„Ich will da hinten nur etwas angeln.“ – „Angeln Sie Fische?“

Boh, nein, Fahrräder, dachte ich bei mir… (-.-)

OK, die Sache mit dem IQ wäre dann also auch geklärt: Der liegt bei ihr wohl etwa bei 25. Eine Banane braucht 3, um sich EU- gerecht zu krümmen.

„Ja, Fische…“ , sagte ich bedeutungsschwanger. „Haben Sie da unter der Brücke noch Klamotten liegen?“ – „Nein. – Viel Glück beim Fische angeln!“

Hey! Sie hatte was bei mir gelernt: Wenn jemand mit einer Angelkiste und mehreren Angelruten unter einer Kanalbrücke verschwindet, tut er das, um Fische zu angeln! Die leben nämlich da im Wasser!

Und was sie eventuell mir beibringen könnte, wollte ich jetzt nicht so genau wissen. Jedenfalls war sie anscheinend so hohl, dass sie keine Angst haben braucht, wenn sie in den Kanal fällt…

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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6 Antworten zu Seltsame Begegnung beim Angeln

  1. Egbert Lux schreibt:

    Da muss doch noch was kommen,oder….?

  2. T K (@Sueder80) schreibt:

    Also dafür das der bekannte Verrichtungsort doch etwas vom Kanal entfernt liegt ist das doch sehr merkwürdig.
    So wie du das aussehen beschrieben hast würde ich mal darauf tippen das sie an der Nadel hängt und sich irgendwie verlaufen hat.

    • firefox05c schreibt:

      Ich denke ehr, sie ist „freischaffend“ und hat am bekannten Ort keinen festen Platz (oder dort Ärger gehabt). In solchen Fällen „verirren“ sich einige Professionelle schon mal an unübliche Orte. – Dass sie ein Drogen- oder Alkoholprolem hat, denke ich auch. Bei Frauen in diesem Zustand hat man das ja öfter…

  3. pttt (@pttt_2005) schreibt:

    Wäre es eigentlich kindisch über Stichstraße zu lachen?

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