Wie „das Amt“ auf Notlagen reagiert

…oder: Hilferuf aus der KiTa

Ein Unglück kann man oft nicht verhindern. Aber mildern. Wenn man Interesse am Nächsten hat, einen Arsch in der Hose, mal etwas „auf seine Kappe“ zu nehmen, oder einfach nur etwas mehr tun möchte als bloß seinen Job.

Die Ordnerverwalterin Sachbearbeiterin des „Arbeitslosen Jobcenters“ hatte anscheinend nichts von all dem. Aber von vorne:

Ich war gerade mit meiner „freiwilligen Betreuerin“ auf dem Weg zum Forellenpuff, da bekam ich einen Notruf aus einer der Kindertagesstätten, die ich in Sachen Brandschutzerziehung betreue. „Hallo! Karola hier. Du, kannst du mir vielleicht weiterhelfen? Ich bräuchte da mal eine Kontaktadresse, vielleicht weißt du ja was?“ Etwas verzweifelt und reichlich genervt erzählte sie mir, dass einer der Mütter, die ihre Kinder dort betreuen lässt, die Bude abgebrannt war. Oder besser: Das Wohnzimmer. Bei Eintreffen der Feuerwehr schlugen die Flammen aus dem Fenster, weithin sichtbar stand ein Rauchpilz über dem Haus, die Frau konnte sich mit zwei ihrer drei Kinder in Sicherheit bringen. Das dritte Kind befand sich nicht im Haus. Auch die Presse berichtete mit Foto über diesen Einsatz.

Nun gut, die Frau konnte zwar ihre Kinder retten, die Wohnung war aber durch Brand und Rauch unbewohnbar. Wer schon mal eine Wohnung gesehen hat, in der ein Zimmer ausgebrannt ist, kann sich vorstellen, wovon ich spreche.

Die Frau kam bei einer Freundin unter, die Kinder bei anderen Müttern aus der Tagesstätte. Es fand sich auch recht schnell eine passende Wohnung, in die die mittellose Familie hätte einziehen können. Doch nun: Auftritt der Herrscherin über die Steuergelder!

Die Übernahme der Miete war schnell bestätigt, aber der neue Vermieter verlangte eine Kaution von 400 Euro. Und das war ein Problem: So ohne Not umziehen bezahlt das Amt natürlich nicht. Und zum Nachweis der Not braucht es natürlich irgendein Papier, das man abheften kann. Aber woher? Wer bestätigt der Mutter, dass die Wohnung wirklich unbewohnbar ist?

Da die Mutter natürlich nervlich am Ende war, versuchte die Leiterin der Tagesstätte etwas zu erreichen. Trotz erst einfühlsamen, dann energischen Auftretens war die gute Sachbearbeiterin nicht bereit, „einfach so“ aufgrund z.B. des vorgelegten Zeitungsartikels das Geld freizugeben. Auch ein Ortstermin, der ohne weiteres (auch kurzfristig, wenn im Behördeninteresse) möglich ist, wenn man bloß einen neuen Küchenstuhl beantragt und nachgewiesen werden soll, dass der alte wirklich kaputt ist, war anscheinend absolut außerhalb jeder technischer Möglichkeiten. Aber welche Bescheinigung von welchem Aussteller sie jetzt für ihren Vorgang brauchte, um auf ihrer Fallmaske das Häkchen bei z.B. „Bedarf nachgewiesen“ (oder so) zu setzen, wusste sie natürlich auch nicht. Frei nach dem Motto: „Ist mir doch egal, Hauptsache, es ist die richtige! Von mir aus vom Amt für Abgebrannte Wohnungen…“

Nach der Androhung von Einschaltung der Presse ließ sich die Verantwortungsscheue Scheuche darauf ein, dass eine Bestätigung der Feuerwehr zum Beispiel reichen würde. Die ist schließlich ja ein Stadtamt.

Aber bei meinen Vorgesetzten stieß dieses Ansinnen ebenfalls auf Vorsicht: Da die Feuerwehr aufgrund einer leichtfertigen Aussage nach einem Brandeinsatz („Die Klamotten hier sind kontaminiert, also, ich würde die wegschmeißen…“) schon einmal auf Schadenersatz verklagt wurde, da die Versicherung des Geschädigten natürlich überhaupt nicht einsah, warum etwas nach einem Brand entsorgt werden sollte, wollte man jetzt natürlich nicht auch noch eine offizielle Bescheinigung für eine komplette Wohnung abgeben.

Da die Frau nicht entsprechend versichert war, gab es natürlich auch kein Gutachten eines Versicherers. Und die Polizei hielt sich sehr bedeckt, da zunächst geklärt werden sollte, ob die Wohnung eventuell ein Tatort in Sachen fahrlässige / vorsätzliche / überhaupt keine Brandstiftung ist. Kurz: Keine Bescheinigung. Und daher auch keine Kaution auf Stütze.

Der guten KiTa- Tante blieb also nichts weiter übrig, als unter den Müttern der betreuten Kinder auch noch eine Sammlung zu veranstalten, nachdem diese schon Kleidung, Möbel und Spielzeug organisiert hatten. Wenigstens hier griff noch das christliche und muslimische Grundprinzip der Nächstenliebe.

Ich kann die Sachbearbeiterin nicht so recht verstehen: Es wäre doch bestimmt ein Leichtes für sie gewesen, entweder selbst oder durch jemand anderen einmal die betroffene Wohnung in Augenschein zu nehmen! Wie ich schon schrieb, ist dieses Vorgehen anscheinend überhaupt kein Problem, wenn es darum geht, einen wackeligen Kleiderschrank fachmännisch zum Sperrmüll zu erklären. Aber einen Blick in eine schwarze Wohnung zu werfen, um festzustellen, dass hier bestenfalls noch der Zahnputzbecher gereinigt werden kann, ist nicht möglich. Und die Kaution ohne Vorliegen eines gerichtsverwertbaren Formulars (von dem die Amtsträgerin nicht einmal selbst wusste, woher es kommen könnte!) zu bewilligen, scheint sie nicht auf ihre Verantwortung laden zu wollen. Wie oft hört man schließlich von den Betrugsfällen, in denen irgendwelche Wohnungsbrände mit Feuerwehr und Presse vorgetäuscht werden, nur, um Umziehen zu dürfen! Mehrfach wöchentlich!

Selbst die Frage, ob ein Eigenverschulden oder ähnliches hier vorliegt, kann nicht der Grund für die Verweigerung sein, da es schließlich Gang und Gäbe ist, sich zu unrecht gewährte Gelder wieder zurückzuholen.

Aber um sich nicht womöglich demnächst vor dem Chef rechtfertigen zu müssen, darf eine Notlage schon mal ignoriert werden…

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Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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4 Antworten zu Wie „das Amt“ auf Notlagen reagiert

  1. Wundert mich ehrlich gesagt nicht mehr, denn vielen unserer Mitmenschen ist es egal, was 2 Häuser weiter geschieht!!

  2. mr. wasgehtsiedasan ;-) schreibt:

    ein hoch auf die bürokratie

  3. MadDog schreibt:

    Ich würd sagen….ab an die Presse damit, möglichst an viele Stellen…ggf. hat ja auch nonstopnews.de ein Interesse mal über die weiteren Folgen einer ausgebrannten Wohnung zu berichten..zumal hier die Willkür einer einzelnen Trulla ja echt für Brechreiz sorgen kann.
    Ein Brief/email an den Amtsleiter mit den Fakten und einer kurzen Auflistung des weiteren Verteilers (Presse, Bügermeisteramt etc.) sollen da manchmal auch schon Wunder wirken.
    Wenn ich so etwas lese wir mir echt übel…. tja.. warum will hier wohl keiner mehr Kinder haben in diesem unserem Lande? Weil man immer wieder sieht das bei Leuten, denen das Wasser bis zum Hals steht, nicht der Stöpsel gezogen sondern nochmal odentlich der Hahn geöffnet wird…

  4. LeaMom schreibt:

    *Ironie an*
    Wieso eigentlich Notlage, kann die Dame, die Kinder waren schließlich untergebracht, nicht einfach in irgendeinem Hauseingang ihr müdes Haupt ablegen? *Ironie aus*
    Es ist einfach nur zum Kot…, wie kleinkariert und gedankenlos manche sogenannte SachbearbeiterInnen mit anderen umgehen!

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