Ein äußerst männlicher Kollege

Es gibt Menschen, die möchten um sich herum keinen Ärger. Sie vermeiden jede unnötige Konfrontation. Auch auf unserer Wache gibt es auch so einen „Harmonie- Beauftragten“, der der lieben Ruhe wegen auch gerne mal zurücksteckt.

Dann gibt es Menschen wie mich: Habe ich mir einen Lösungsweg für ein Problem vorgestellt, versuche ich, alle anderen davon zu überzeugen. Und das schon mal recht hartnäckig, aber ohne ausfallend zu werden. Das nennt man dann wohl dickköpfig. Oder stur. Vielleicht.

Nun ja, und dann gibt es da noch einen Kollegen, der ganz speziell ist. Also, so RICHTIG speziell: Was andere denken, ist ihm egal. Er macht sein Ding. Wo er ist, ist vorne. Glaubt er. Und wenn er eine Möglichkeit sieht, sich nach vorne zu drängen oder sich irgendwie durchzusetzen, greift er auch schnell zu Beschimpfungen, um andere einzuschüchtern oder ihnen die Lust am weiteren Diskutieren zu killen. Denn er ist Alphatier, er muss bestimmen, wo es langgeht, und alle, die anderer Meinung sind, haben keine Ahnung, sind Muschis und Vollpfosten. So wie ich: In einem einfachen Gespräch in einem Kreis von 4 Kollegen über Einkommens- Steuerrecht schallmeit er mir plötzlich aus heiterem Himmel entgegen: „Ey, du Vollidiot! Du musst auch deine Arztrechnungen mit angeben! Du bist aber auch total bescheuert!“ – Bitte? Da bisse ersma baff! Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir uns im Kreis noch normal unterhalten, und ich hatte ihn noch nicht einmal direkt angesprochen! Aber er hat eine Möglichkeit gesehen, „den Dicken“ zu machen, und dieses Mal war es eben ich, der darunter leiden musste. So ist er eben: Aus dem Nichts heraus schaltet er plötzlich einen imaginären Schalter um und haut dir die verbale Latte ins Kreuz.

Übrigens: Auch höher gestellten gegenüber. Zum Beispiel Akademiker im Rettungsdienst. Wenn er erzählt, sind das alles Idioten, besonders die, die Intensivverlegungen begleiten. Denn die begleiten natürlich nur, weil sie im Krankenhaus gerade nicht zu gebrauchen sind. Das Fatale daran: Er erzählt nicht nur uns, wie bekloppt die doch sind, sondern auch den betroffenen Ärzten. So. Und dann stelle man sich mal vor: Die Notärztin (doppeltes Foul: Nicht nur jemand, der ihn führen soll, sondern auch noch eine Frau!) findet, dass sie bei einem Einsatz mit mehreren Patienten auf einer Party, die irgendetwas geschmissen hatten und jetzt zunehmend der Bewustlosigkeit entgegenschlitterten, die optimale Versorgung nicht mehr alleine leisten kann und einen weiteren Notarzt haben will. Und Mister Testosteron hat seine Hormone mal wieder nicht unter Kontrolle, fühlt sich zurückgesetzt, in seinen Fähigkeiten unterschätzt (die Ärztin ist ja eh‘ Banane) – und weigert sich, den 2. Arzt zu bestellen! „Die sind doch alle bloß besoffen, dafür brauchen wir keinen zweiten Arzt. Die fahren wir zusammen in unserer Karre!“ (Ein Patient musste zwischenzeitlich sogar assistiert beatmet werden!) – Da fällt einem doch der Kitt aus der Brille! Das nur mal als Beispiel, wie so etwas aussieht, und wie schnell man als sein Kollege in die Lage kommen kann, irgendetwas wieder gerade zu ziehen, was er mit nur einem gedankenlos von sich gegebenen Satz strubbelig gemacht hat.

Da bleiben Beschwerden natürlich nicht aus. Und dann? „Herr firefox, Sie waren doch verantwortlicher Transportführer. Was war denn da?“ -In dieser Art durften sich schon mehrere Kollegen vor dem Chef rechtfertigen. Sich dann hinsetzen und alle Verantwortung einfach wegschieben? Als „Kameradenschwein“ den lieben Kollegen ins Messer schubsen? Liegt uns nicht.

Diesen Menschen, mit dem regelmäßig die Männlichkeit durchgeht (ich glaube, seinem Gebaren nach wird er wohl bei einer Erektion augenblicklich bewustlos!), interessiert seine Umwelt nicht. Wer mit seiner Art nicht klarkommt, soll sich verpissen. Hat eben Pech gehabt. Er sagt schließlich, wo es langgeht. Mal grüßt er einen zum Schichtanfang, mal rauscht er wortlos an einen vorbei. Oder wirft einem die Tür vor der Nase zu, wenn er vorausgeht. Je nach Laune. Wie der andere sich dabei vorkommt, ist nicht seine Sache.

Beschwert man sich bei ihm über sein Verhalten, das er Ärzten und Patienten gegenüber an den Tag legt, hat natürlich er Recht. Weil die anderen sind Pfosten. Geht man irgendwann einen Schritt weiter zum Wachführer, ist man eine feige Muschi, weil man nicht mit ihm darüber gesprochen hat. Man kommt nicht zu ihm durch, sein Schwanz ist immer im Weg.

Dieses Verhalten zieht er schon seit Jahren so durch. Er wurde schon versetzt und hatte Gespräche mit dem Amtsleiter, aber er ändert sich nicht. Und wundert sich regelmäßig, wieso ihm sein Ruf vorauseilt. In seiner Welt haben nämlich die Anderen ein Problem. Nicht er. Er ist nämlich in Ordnung: Kompetent, männlich, unwiederstehlich (die Schickse vom Mackes steht ja so unheimlich auf ihn. Und die Schwestern im Krankenhaus sowieso…).

Kurz: Ein Kollege, mit dem man gerne Dienst tut.

Tja, wenn wir solche Kollegen nicht hätten. Und die ganzen dicken Kartoffeln. Dann müssten wir lauter kleine essen. Wobei das Essen gar nicht so schlimm wäre. Aber die alle zu Schälen…

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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15 Antworten zu Ein äußerst männlicher Kollege

  1. ToWi schreibt:

    Also bei einem solchen Kollegen hätte ich keinerlei Bedenken zum „Kollegenschwein“ zu werden, gerade auch wenn es um das Wohlergehen von „Kunden“ geht….
    Dem hilft nur (wenn überhaupt), das er regelmäßig einen Anpiff bekommt – und vielleicht irgendwann, wenn es sich zu sehr häuft, nicht mehr bei sowas eingesetzt wird.
    Denn sind wir ehrlich, irgendwann wird durch das Verhalten jemand zu schaden kommen.

    • firefox05c schreibt:

      Das mit dem „nicht mehr eingesetzt werden“ wäre einerseits womöglich für die Patienten besser, andererseits könnte es unter den etwa 500 Beamten bestimmt Nachahmer geben: „Ich benehme mich ein paar mal daneben, dann brauche ich keinen Rettungsdienst mehr fahren…“ – Und das kann nicht Ziel der Maßnahme sein. Und gegen seinen Willen darf man ihn nicht dauerhaft in den Tagesdienst versetzen. 😦

      • ToWi schreibt:

        Der Gedankengang zu den Bedenken ist nachvollziehbar, aber ich sehe da kein sooo großes Risiko. Immerhin hält er das ja wohl schon eine ganze Weile durch, ohne „freigestellt“ zu werden.
        Das sollte Nachahmer der „nur ein paar Mal“ Fraktion genug abschrecken.

  2. Hightower schreibt:

    Aber da gibts doch bestimmt andere adäquate Möglichkeiten und Verwendungen, die nicht so sehr auf seine Compliance angewiesen sind…
    >:)

    • firefox05c schreibt:

      Als Vorfahrtsschild an der Kreuzung vielleicht, falls die Ampel ausfällt. Oder als Anlegepoller am Bootshaus. Da kann er auch nicht viel strubbelig machen.

      • ToWi schreibt:

        Bei uns hier werden so „fähige“ Beamte im Rahmen der gegenseitigen Hilfe gerne an die Polizei ausgeliehen – für den Einsatz im Verkehrsdienst – so bei Ampelausfällen und Großveranstaltungen den Verkehr regeln und so….. 🙂
        Das wäre auch eine Alternative 🙂

  3. notizbuchfragmente schreibt:

    Wichtelt ihr auf der Wache? Selbst wenn nicht, könnte man doch mal zusammenlegen – es gibt soooo schöne Anstands- und Benimmbücher für Kinder … Und gar nicht teuer! 😀

  4. siriusnetwork schreibt:

    Hallo, und unbekannterweise ein DANKE an den Autor . . .

    ich bin hier so drüber geschlittert, weil ich heute schauen wollen, was von mir im Posting erscheint und das war wirklich eine nette Belohnung.
    Übrigens – solche Zwischenmenschlichkeiten gibt es leider auch in der Familie – ganz tragisch ist es, wenn es Dein eigener Sohn ist, der daheim den Macker macht – manche haben eben ganz laut gerufen, als der liebe Gott die Fettnäpfchen verteilt hat . . . :-))

    Auf diesem Wege auch ein DANKE an alle Feuerwehrleute!

    • firefox05c schreibt:

      Wenn der Sohn noch in der Pubertät ist: Scheint normal zu sein. Ist er schon über 23: Herzliches Beileid, womöglich bleibt er so… 😉

  5. TickleMeNot schreibt:

    „Als „Kameradenschwein“ den lieben Kollegen ins Messer schubsen? Liegt uns nicht.“

    Entschuldigung, aber ihr seid da um Leben zu retten. Allesamt. Wenn es dann einen gibt, der diesen Auftrag durch sein Gebahren immer wieder gefährdet, dann hat er im Rettungsteam nichts zu suchen.

  6. Graham schreibt:

    Welches ist das Plugin an der Seite ? Das brauche ich!

  7. Kopfhoerer schreibt:

    Ich bin gerade dabei meinen RSS Reader zu fuettern, wie finde ich den hier den Link zum Feed ?

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