Elektrolyse für Fummler

Immer wieder kommen zwischendurch Suchende über das Stichwort „Elektrolyse“ auf meinen Blog, wahrscheinlich in der Hoffnung, hier eine Anleitung zum Aufbau dieses Dingens zu finden. Bisher wurde die Suche ehr enttäuscht: Im Artikel über Münzreinigung habe ich ja nur nebenbei ein paar Andeutungen gemacht, wie man so ein hochkompliziertes Teil zur elektrochemischen Reinigung herstellt.

Darum also jetzt die komplette Beschreibung für den Aufbau.

Man(n) benötigt:

-Ein Kunststoffgefäß. Es sollte ausreichend groß für den zu reinigenden Gegenstand und eventuell entbehrlich sein, denn nach dieser Aktion könnte das Ding in die ewigen Tuppergründe gehören. Zur Vermeidung von innerfamiliären Fehden bitte VORHER die Frau fragen. Oder einfach erst mal nehmen, der Rest kann dann ja später geklärt werden…

-Einen Trafo bzw. ein Netzgerät, irgendwas um 12V. Dieses Ding könnte von der Eisenbahn stammen, ich benutze z.B. einen Kasten aus dem CB- Funk- Bereich. Angeblich soll auch das Batterieladegerät für’s Auto gehen. Oder vielleicht auch irgendein anderes Ladegerät, Hauptsache, man kommt getrennt an die Pole ran. Eine große Leistung ist nicht erforderlich, schließlich wollen wir nicht schweißen.

-Eine Anode. Das ist idealerweise ein Stück Blech aus Edelstahl. Zum Beispiel ein Stück aus der Spüle. 🙂 Anderes Eisenblech geht auch (wie auf dem Bild zu sehen benutze ich auch ein unveredeltes Blechle), allerdings löst sich das Blech mit der Zeit auf, da das Elektrolysebad korrosiv für die Anode ist. Edelstahl hält am besten. Verzinkt sollte das Blech aber nicht sein, die Beschichtung schwimmt dann nämlich später als grüne Brühe auf dem Wasser.

-Natriumhydrogencarbonat, um eine Lauge herzustellen. Zum Beispiel Kaisernatron aus der Drogerie. Mit dem Zusatz wird die Leitfähigkeit des Wassers erhöht. Das ginge zwar auch mit normalem Kochsalz, ich habe aber lesen müssen, dass dann bei der Elektrolyse Chloride entstehen, die in die Metalloberfläche eindringen und diese später angreifen. Und das will ja keiner. So. Und nun kann der kleine Sören anfangen, seine ersten Erfahrungen mit Strom zu sammeln:

Das Plastiktöpfchen wird mit Wasser gefüllt, etwa ein halbes Teelöffelchen pro Liter vom Pulver reingeschmissen und das Blech in etwa so geformt, dass es möglichst weit am Rand bleibt. Anschließend verbindet man  den Pluspol der Stromquelle mit dem Blech (es ist dann die Anode) und stellt das Ding in die Schüssel an den Rand. Also das Blech, nicht das Netzgerät!

Der Minuspol wird mit dem zu reinigenden Eisen zusammengeklemmt und ebenfalls ins Wasser gehängt. Dabei muss die Kontaktstelle des Kabels am Werkstück vorher z.B. mit einer Feile blank gemacht werden, damit der Strom gut fließen kann.

Will man auf dem Netzgerät etwas nebenbei grillen, dürfen sich das rostige Metallstück und die Anode berühren. Ansonsten bitte auf Abstand achten, um keinen Kurzschluss zu fabrizieren! (Im Ernst: Die beiden Metallstücke dürfen sich natürlich NICHT berühren!)

Wenn jetzt das Netzgerät eingeschaltet wird, sollten am zu reinigenden Stück Bläschen aufsteigen. Für den Fall, dass es an der Anode schäumt: Ihr müsst den „anderen Pluspol“, nicht den mit dem Bindestrich,  mit dem Blech verbinden! 😉

Ich glaube, die Bläschen entstehen, wenn die Ampere-Käfer pupsen. Es könnte aber auch ein Gemisch aus Wasserstoff und Sauerstoff sein, welches explosiv ist. Daher beim Betrieb des Boilers immer gut lüften!

Aber zunächst ein Foto:

So sollte der Aufbau in etwa aussehen.

Wie man sieht, ist mein Anodenblech durch den Gebrauch schon heftig angerostet. Im unteren Bereich hat es sogar Löcher! 😉

Die Sache lässt man dann je nach Verschmutzungsgrad ein paar Stunden vor sich hin pröttgern. Dabei entsteht ein schwarzer Belag, den man von Zeit zu Zeit entfernen kann, um die Sache zu beschleunigen. Irgendwann sollte dann der gewünschten Effekt erreicht sein. Nun kann man versuchen, den Pott wieder sauber zu bekommen und daran verzweifeln. Oder gleich etwas Drachenfutter vom Floristen besorgen, um dem Schatz beizubringen, dass der olle Pott eh‘  über war…

(Diese Beschreibung gibt’s als .pdf im Downloadbereich)

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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13 Antworten zu Elektrolyse für Fummler

  1. chefarbeiter schreibt:

    Oh je… und solche Anleitungen zum SelbstInDieLuftJagen kannst du mit deinem Feuerwehrler-Ich vereinbaren? 😀

  2. zbagnev schreibt:

    > Sonst noch Anleitungen gefällig?

    Fingers Welt (http://www.fingers-welt.de/) gibt alle weiteren Antworten 🙂

  3. Wolfram schreibt:

    Das Netzteil, so es denn von der Eisenbahn genommen wird, sollte aber nicht von bzw. für Märklin sein, weil dieser Hersteller sein System auf Wechselstrom abgestellt hat. Somit wechseln Anode und Kathode ihren Platz (bzw. Blech und Objekt die Funktion), was eher kontraproduktiv sein dürfte. Ein besseres Netzteil aus einem ausrangierten Computer bietet aber auch 12V, und mit mehr als den im Spielwarenbereich maximal erlaubten 50VA.

    • firefox05c schreibt:

      Du hast natürlich recht: Es sollte schon ein Gleichstrom– Netzteil einer nicht digitalen Eisenbahn sein. Danke für den Hinweis!
      Allerdings braucht es zur Elektrolyse keinen großen Strom. Leider kann ich aber nicht ausprobieren, ob es auch mit jedem Modellbahn- Netzgerät funktioniert. (Wieviel Ampére hat so ein altes Modellbaugerät eigentlich?)

      • Wolfram schreibt:

        Wie gesagt, ich hab nie stärkere gesehen als 50VA, das gibt bei 16V etwa 3A.

      • firefox05c schreibt:

        3A sollten zur Elektrolyse gut ausreichen. Ich glaube, es geht sogar schon ab 0,5A.

      • Ratschbumm schreibt:

        Bei dem beschriebenen Aufbau wird nichts entrostet sondern das Edelstahlteil zerstört. Elektrolyse bedeutet Stromfluss vom + zum – Pol. Das zu reinigende Teil muss zwingend an den Minuspol ( Kathode ) angeschlossen sein und die Opferanode ( Edelstahlblech ) an Plus.
        Hier eine prima Beschreibung, mit deren Hilfe ich arbeite.
        http://www.holzwerken.de/museum/links/elektrolyse.phtml

        Freundliche Grüße und viel Erfolg.
        Bitte nur draussen machen, da Wasserstoffgas entsteht, dass mit dem Luftsauerstoff
        ganz laut peng machen kann. Türen und Fenster machen auf der Strasse keinen Sinn.

      • firefox05c schreibt:

        Natürlich die negative Elektrode an das Werkzeug (Kathode), werde es gleich umändern.Hatte es in der Beschreibung verwechselt. (In der Praxis hatte ich aber eine deutliche Bestätigung, dass die Opferanode „geopfert“ wurde 😉 )
        Warum hat mir das noch keiner gesagt?
        Was das Knallgas angeht:
        Bei der Elektrolyse zerfällt das Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff (in der Chemie wird das Gemisch tatsächlich „Knallgas“ genannt) . In der richtigen Konzentration (des Wasserstoffes, denn Sauerstoff ist alleine durch die Umgebungsluft schon reichlich vorhanden) kann das Gas an einer Zündquelle in der Tat heftig reagieren. Nomen est omen…
        Da es bei mir am gekippten Fenster ausreichend zieht, wird diese Konzentration verhindert. Es reicht natürlich nicht immer und bei jeder Wetterlage ein gekipptes Fenster, es sollte schon ausreichend Luftbewegung da sein. Der Hinweis steht auch im Text.
        Danke für den Hinweis!

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