„Böööööööt!“

Alarmfahrten gestalten sich schon mal etwas schwierig, wenn sich niemand durch das Sondersignal angesprochen fühlt: Da steht man hinter einem PKW an der Ampel, groß, rot, das Martinhorn schreit sich wund, die Frontblitzer machen aus dem Kleinwagen eine blaue Disko, zusätzliches Blinken mit dem Fernlicht ist genauso wie rumbrüllen und ins Lenkrad beißen völlig vergebens – der Vordermann steht wie betoniert vor der 40-Watt- Birne hinter der roten Streuscheibe, und der Fahrer schaut gelangweilt vor sich hin, als ob ihn alles nichts anginge. Merkwürdigerweise kann man vielen dieser „Merknixe“ doch noch etwas Aufmerksamkeit abnötigen, wenn man kurz die reguläre Fahrzeughupe betätigt: Nach einem kurzen, dezenten „nööt- nööt“ bricht auf einmal hektische Betriebsamkeit zwischen Diddelmaus und Silbereisen- CD aus, und der vorhin noch nicht- Verkehrs- Teilnehmende fährt tatsächlich an die Seite!

Doch damit ist jetzt Schluss. Denn „meine“ Feuerwehr hat letztens den Aufbauhersteller gewechselt. Und der Neue hat die bestellten Fahrzeuge mit einem „Jumbo- Horn“ ausgeliefert! Diese Konstruktion ist das Super- Gadget für FLF (Feuer- Lösch- Fanatiker)! Ein Traum für Freaks! Aber schauet selbst diese Augenweide:

das Mega- "Platz da!" Yeah!

Na, ist das ein Horn?!? Das irre Ding ist etwa 50cm lang, sieht sehr dominant aus- und klingt auch so! Stößt man z.B. am Tunnelanfang ins Horn, spritzen die Autos nach rechts und links zur Seite, dass es nur so eine Wonne ist – Die  Gasse geht schlagartig bis zum Tunnelausgang! Ein „Böööööt!“, und vor den Ampeln werden Kleinwagen quasi weggeblasen, kleine Yorkshire wirbeln durch die Luft, Fensterscheiben dröhnen, Heinz Kowalzki bekommt einen Herzinfarkt… Es ist einfach herrlich, dieses Ding! Ich hoffe nur, dass das nächste Löschfahrzeug, das bei uns stationiert wird, auch so einen Traum aus Chrom und Tiefbass auf dem Dach trägt!

Allerdings fürchte ich, dass ich dann noch genau 1 Mal Maschinist – und somit Herr über dieses akustische Räumschild – bin. Denn nach der ersten Alarmfahrt brauche ich wohl einen anderen Schlüpper sowie einen Tritt, um das Dauergrinsen wieder loszuwerden, und die Kollegen einen Termin beim Ohrenarzt, so dass sich Einsatzfahrten fortan für mich erledigt haben. Aber das ist es mir Wert! 🙂

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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32 Antworten zu „Böööööööt!“

  1. Sehr geil, sieht schon mächtig aus. Gehen da nicht Fensterscheiben zu Bruch wenn du das Ding tröten lässt? 😉

  2. Hauptstadtsani schreibt:

    Geil, geil, geil! Törööööö! 😉

  3. Bernd schreibt:

    Baut doch gleich ein Schiffshorn ein, DAS macht Eindruck 😉

  4. VS-Geheim-Blog-Leser schreibt:

    Also die Feuerwehr in der erweiterten Nachbar-Stadt mit dem Stadion, welches nach einer Versicherung benannt ist, fährt den Aufbauhersteller und auch diese Tröten seit geraumer Zeit. Aber das auch eher um die Elektrohörner zu kompensieren. Dass der gemeine Verkehrsteilnehmer vor den guten alten Fanfaren vom Max B. Martin nicht fliehen könnte ehr daher stammen, dass sie vor Ehrfurcht erstarren oder? 😉

    • firefox05c schreibt:

      Die „normalen“ Presslufthörner haben wir ja auch weitestgehend auf den Autos verbaut. Aber jetzt haben wir noch dieses Mörder- Dings auf einigen Fahrzeugen! 😀

  5. Und wie immer..ich habe Dauergrinsen 🙂

  6. tofu_olifani schreibt:

    Der 1-44-1 hat das „neue“ Horn und der neue RW von Wache 1, dessen FRN ich jetzt nicht kenne, auch, oder? Ja, die machen schon ordentlich Krach. Was ich dann allerdings nie verstehe, warum die Kollegen (die vom 13er können es besonders gut) nur mit dem E-Horn durch die Gegend juckeln, obwohl die neuen RTW auch ein wundervolles Presslufthorn haben!? Einen RTW nur mit E-Horn hört man einfach nicht…

    • firefox05c schreibt:

      Vielleicht wollen sie die Lärmbelästigung reduzieren. Oder den Überraschungseffekt auskosten, wenn sie hinter einem Träumer plötzlich umschalten. 🙂

      • Jonas schreibt:

        Das ist echt der hammer 🙂 gestern bin ich tagschicht auf unserem rtw gefahren und hatte dann den Höhepunkt des Tages 🙂 ein „träumer“ . Das schönste an der ganzen Sache sind die verduzten Blicke unserer Mitbürger wenn dann von so nem rot/weißen Autochen so laute Musik kommt…. einfach schön

  7. Michaela schreibt:

    Es geht doch nichts über Pressluft. Die neuen E-Hörner..die hört man nicht. Selbst ohne Radio. Erst wenn die Autos direkt hinter dir sind.

  8. Hightower schreibt:

    WIll auch eins !
    Und eine vom Autor verfasste Anleitung: „Wir montieren eine RICHTIGE Hupe vernünftig an einen Kleinwagen“, auch wenn ich nachdem ich das gelesen hab erstmal nen Sauerstoffzelt brauchen werde.

  9. Na super, das hast du ja mal wieder toll hingekriegt! 😉
    Dank deiner grandiosen Beschreibung will ich jetzt auch unbedingt so ein krasses Teil auf’m Dach haben..!! 😀

  10. TroTlf schreibt:

    Hallo,
    die Hörner von Max B. Martin hört man besser weil es „Musikinstrumente“ sind aus einer Instrumentenfabrik! Im Ernst – die haben ein ganz anderes Tonspektrum mit Obertönen als die elektronischen Geräte, welches sich auch besser ausbreitet und entsprechend gestreut wird im realen Straßenverkehr.
    Übrigens, in Ohrhöhe (also deutlich niedriger als bei den aktuellen Fahrgestellen) montiert – z.B. auf dem vorderen rechten Schutzblech eines Magirus Eckhauber – ist die „Durchschlagskraft“ einer Martin-Anlage besonders hoch …

    • . (@tofu_olifani) schreibt:

      Natürlich ist es auf „Ohrhöhe“ besser für die anderen Verkehrsteilnehmer zu hören, aber halt auch für die fahrende Besatzung. Die Hörner im Alkoven sind schon ein Segen für die eigenen Ohren und auch für den Patienten.

  11. pttt (@pttt_2005) schreibt:

    Ein kleines Video dazu wäre nett, damit man mal hört wie das klingt 🙂

  12. Ohres schreibt:

    Wär vielleicht auch was gegen die Herrschaften die mit Ihrem Fahrzeug und schlechter Musik den halben Landkreis beschallen wollen.

  13. Michi schreibt:

    Joo, das Teil hab ich vor einiger Zeit auch mal gehört. Und danach nicht schlecht gestaunt 🙂

  14. Eric (@ro0f) schreibt:

    Feine Geschichte. Unser neues Ross für alle Lagen aus selben Hause soll ab kommendem Jahr auch über ein solches „Trööt-Trööt“ verfügen. Bin sehr gespannt und das ganze lässt mein Feuerwehr-Herz etwas höher schlagen.

  15. Wolfram schreibt:

    Wechseltöne sind für Zivilfahrzeuge ja nicht erlaubt, aber als Einzelton so ein schönes Drucklufthorn, das wär doch was…
    in meinem mittlerweile verkauften 307 hatte die Hupe ein kleines Problem: bei leichtem Druck klang sie etwas heiser, um dafür bei stärkerem Druck auf die Taste ein sehr sonores Tiefgrollen von sich zu geben; mit viel Übung kam man auch zu Wechseltönen… das Tiefgrollen an sich aber war schon sehr wirkungsvoll, weil es dem Vordermann den Kitt aus den Fensterscheiben vibrierte.
    Aber ich träume immer noch vom Drucklufthorn.

  16. HzweiG schreibt:

    Manchmal muß der pure Rettungsdienst aufklären. Also die Brülltüte ist eigentlich nicht als Signalanlage gedacht, sondern für den Schnellangriff beim Flächen- und Waldbrand, sowie bei dem internistischen First Responser Einsatz „Schmerzen im Kopf“. Daher kommt auch die Beschreibung „wie weg geblasen“.
    Ich rätsel jetzt nicht warum der schreibende Leerrettungsassistent diese Therapiemöglichkeit unterschlagen hat. 😀

  17. Schlag doch deinem Chef für’s nächste TLF mal den „Rumbler“ von Federal Signal vor 😉

    Zitat: „Die zusätzliche Spezialsirene generiert Schallwellen im Tieffrequenzbereich von 180 bis 360 Herz, die bis zu 70 Meter weit ausgestrahlt werden. Diese neuartige „Super-Subwoofer-Sirene“ ist nicht lauter als eine herkömmliche Sirene (auch wenn sie subjektiv lauter erscheint), erzeugt aber so starke Vibrationen, dass Autotüren, Fensterscheiben und sogar die Stahlkarosserie des vorausfahrenden Fahrzeuges zu „rumpeln“ beginnen.“

    Wen’s interessiert – Ich hab darüber geschrieben: http://www.rettungsdienst-blog.com/was-ist-eigentlichein-rumbler 😉

  18. Anna schreibt:

    Genial der Bericht, ich hab vor Lachen kaum noch Luft bekommen 😀
    Ich würd gerne zusehen, wenn du so ein Ding ausprobierst. Aber ’ne Vorwarnung wäre nett, damit ich noch Stöpsel in die Ohren stecken kann 😉

  19. malenki schreibt:

    Auch von meiner Seite herzlichen Dank für das tolle Infotainment-Blog! Die Informationen sind gut, die Unterhaltung prima und lange nicht so flach wie im TV (vermute ich mal – eine Glotze habe ich schon lange nicht mehr)
    Zu bei-Rot-an-Ampel-und-Sondersignal-von-hinten:
    Letztens™ stand ich in einer größeren Stadt an einer roten Ampel in dritter oder vierter Position.
    Nach einiger Zeit kam von hinten ein Fahrzeug mit Sondersignal und stellte sich hinter uns an.
    Ich habe dann mit der halbkaputten Tröte meines Dienstwagens (Taxi) mitradaut, um die Vordermänner erfolgreich zum Ignorieren der Ampelfarbe zu bewegen.
    Frage dazu: Darf/sollte man in einem solchen Fall auch als Zivilperson als erster einer Reihe von 5 Fahrzeugen bei Rot in eine Kreuzung einfahren oder diese gar queren? (Natürlich mit größter Vorsicht.)

    • firefox05c schreibt:

      Das Problem, wenn das Sonderrechtsfahrzeug nicht direkt hinter einem steht, ist, dass der Querverkehr das Sondersignal womöglich nicht bemerkt und überhaupt nicht damit rechnet, dass jetzt ein PKW in die Kreuzung einfährt.Das ist natürlich schon sehr gefährlich. Man würde zwar – so lange nichts passiert – von keinem Polizisten dafür belangt und könnte bei „Rotlicht- Blitzanlagen“ den Vorwurf des Rotlichtverstoßes abwehren, aber an unübersichtlichen Kreuzungen ist die Gefahr eines Unfalles ziemlich hoch. Faustregel: Alles gut, wenn es gut geht. Sobald etwas passiert, „ist man dran“. Das gilt für uns übrigens auch in vielen Fällen.
      Ich würde daher nicht immer dazu raten, den Querverkehr auszubremsen, ohne sicher zu sein, dass sie bemerkt haben, dass das Blaulichtfahrzeug irgendwo hinter mir durchfahren möchte.
      Allerdings kann man sich oft zumindest ein paar Meter über die Haltelinie und den Fußgängerüberweg schieben, um den anderen Fahrzeugen das Rangieren zu ermöglichen.

      Und um es mal aus rechtlicher Sicht noch etwas genauer zu beschreiben: Im Gesetz (§38 StVO) steht: „Es [das SoSi] ordnet an: ALLE Verkehrsteilnehmer haben sofort freie Bahn zu schaffen.“ Da steht nicht: „Nur der Letzte in der Reihe…“ oder so etwas. Es gilt also für jeden, der irgendwie im Weg steht.

  20. Hasenohr schreibt:

    Gibts eigentlich für solche Anlagen keine Lautstärkebegrenzung? Kann ja nicht sein, dass alle Fußgänger und Radfahrer an denen damit nahe vorbei gefahren wird hinterher einen Gehörschaden haben.

    • firefox05c schreibt:

      Es gibt natürlich eine Begrenzung, wie für jede andere Autohupe auch. Diese beträgt für eine Entfernung von 7m maximal 105dB und wird in einem Bereich von 500- 1500mm über dem Boden gemessen.
      Das Horn hat laut Hersteller einen Schalldruck von 120dB in 1m Entfernung. Rechnet man dieses auf 7m um, kommt man auf 103,1dB (Quelle der Umrechnung im Folgeartikel). Somit haben die Hörner, die im Übrigen auch auf zivilen LKW oft zu finden sind, ihre Zulassung zu Recht.
      Dein Ohr ist womöglich auf einer Höhe von 1600mm und darüber. Daraus ergibt sich eine Entfernung zum Feuerwehrfahrzeug von etwa 6,75, in der du die 105dB hörst. Das ist im Verkehr schon ziemlich dicht.
      Ich werde aber aufgrund der vielen Nachfragen aber noch mal einen Artikel dazu veröffentlichen.

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