Peta und Super Mario

Wie man nun unter anderem bei ingame.de nachlesen kann, hat sich die Tierrechts- Organisation „peta“ mal wieder etwas verrannt: Denn laut ihrer Meinung ist „Super Mario“ in dem gleichnamigen neuen Spiel ein rücksichtsloser Schlächter, der Tieren das Fell abzieht, um von den darin verborgenen Kräften zu profitieren. Ah ja.

Kühe als Lasttier zu benutzen sollte verboten werden. Auch die symbolische Darstellung.

Also, mal im Ernst: Das, was da einem Waschbärenfell ähnlich sieht, soll also echter Pelz sein. Kein Kunstpelz, da ist sich peta ganz sicher (Videobeweis unter Verschluss?) , sondern ein Fell, dass dieser sadistische Klemptner aus Asien dem armen virtuellen Tier bei lebendigem Bit abgezogen hat. (Wie groß sind eigentlich so Waschbären, dass ein ganzer Rohrverleger reinpasst?) Ja, und da ist natürlich der Nachahmungstrieb der Gamer extrem stark, denn jeder weiß natürlich, dass so ein Pelz (möglichst noch warm) Superkräfte enthält, die auf den Träger übergehen, so dass man auch im echten Leben den nächsten Level, sprich z.B. das bayerische Not- Abitur, spielend schafft. Und weil peta das verurteilt, hetzen sie gegen das Spiel. Sogar mit einer eigenen Gegenversion. Damit die ganzen unterbelichteten Vollpfosten, die Mario spielen, nicht demnächst jedem Köter den Flokati abziehen. Weil bei Mario klappt das ja. Dass in diesem Spiel schon seit NES- Zeiten Schidkröten durch die Gegend gepöhlt werden, ist da nicht so schlimm. Das macht den Reptilien ja Spaß. Aber „Pelz“ ist für peta eben ein Reizwort. Demnächst darf ich also womöglich auch den morgendlichen Pelz auf der Zunge nicht beim Zähneputzen beseitigen, ohne, dass mir die Herren und Damen die Tür mit Kunstblut besudeln. Pelz ist Pelz. Ob vom Tier, vom Programmierer oder von Bakterien, spielt da wohl überhaupt keine Rolle.

Und dabei verteidigen sie ein Monster, dass im Verdacht steht, selbst andere unschuldige Tiere dahin zu metzeln! Denn Waschbären werden in einer weiteren Pressemeldung Mördern gleichgesetzt. Steht da. Weil sie harmlose Karnickel dahingerafft haben. Wahrscheinlich, gibt selbst peta zu. Und Mario’s Kunstpelz darf diesen Waschbären eben nicht ähnlich sehen, auch, wenn sie unter Mordverdacht stehen.

Artgerechte Haltung für einen Octopus? Ich prangere das an. Virtuell. Peta, übernehmen sie!

„Battlefield 3“ ist übrigens auch so ein Spiel, dass wegen der Tierquälerei verboten gehört. Die Battlefield- daddelnden peta- Fetischisten haben wahrscheinlich nicht schlecht geguckt, als sie nach dutzenden Menschen, die sie mit Granaten in Stücke gerissen haben, die Runkel weggeballert, die Pocke mit dem Bajonet aufgeschlitzt und das Esszimmer mit dem Gewehrkolben umsortiert haben, jetzt eine Ratte erstechen sollten. Einfach so. Die war nicht einmal Nazi. Echt jetzt. Da muss man doch eine  Pressemitteilung raushauen! Das geht doch nicht! Menschen töten ist ja völlig in Ordnung, da gehen die Bedenken, dass diese virtuelle Gewalt auf die Realität projeziert werden soll, ja nun wirklich zu weit. Aber wer im Spiel dazu gezwungen wird, eine Ratte zu töten, knabbert im RL dann zum Frühstück Kinderärmchen. Mit Senf.

Wer so durch die Pressemitteilungen der Organisation stöbert, wird sich hier und da echt an den Kopf fassen. Man gewinnt den Eindruck, dass die Aktivisten auf alles hüpfen, was irgendwie was mit Tieren zu tun hat, egal, ob es nun echte Probleme sind- oder eben belangloser Mumpitz bis verblödeter Kappes.

Der Karton ist aus Altpapier. Dieses enthält oft Schadstoffe. Bekomme ich jetzt eine Anzeige?

Eine Auszeichnung als „Helden der Tiere bekamen Feuerwehrleute, weil sie einen Igel befreiten. Etwas aufwändiger als „anpacken und aus dem Rohr ziehen“, aber: Was sollten sie auch tun? Den Igel mit einem Käsepieker aufspießen und rausziehen?  Einfach weggehen und den Igel im Rohr lassen? Wohl kaum, wenn Zeugen dabei sind. Der Bürger will schließlich was sehen für seine Steuern. Und das Viech soll ja auch leben. Aber glauben denn diese peta- Menschen wirklich, dass so etwas eine Ausnahme und somit auszeichnungswürdig ist? – ICH WILL AUCH SO EINE AUSZEICHNUNG!!! Ich habe schon dutzende Enten eingefangen und dem Tierheim zum Verfüttern zugeführt, andere in den 100m entfernten Fluss gesetzt, einen Igel aus einem Hauseingang gerettet, Katzen vom Baum geholt, einem Schwan die Füße entheddert, eine Amsel aus einem Lüftungsschacht gerettet, eine verletzte Katze zum Arzt gefahren (OK, sie hat nicht überlebt. Tut der Sache aber keinen Abbruch, siehe weiter unten), eine Schlange gefangen, Kühe von der Straße getrieben, neulich sogar eine Scheißhausfliege rausgeschmissen in die Freiheit entlassen! Bei mir kommen die Meisen sogar bis ins Wohnzimmer! Her mit dem Wisch! Jetzt!

Andere Feuerwehrleute  bekamen die Urkunde für ein gerettetes Eichhörnchen (übrigens anscheinend mit dem gleichen Textbaustein in der 2. Hälfte der Meldung), auch, wenn es später verendete. Nun ja, so eine Urkunde kostet immerhin nicht viel, kann aber mit einer Pressemeldung und womöglich einer persönlichen Aushändigung medienwirksam den eigenen Namen in Erinnerung rufen.

Statt aber ihre zahlreichen Pressemeldungen auf die wirklich wichtigen Themen zu beschränken, von denen es beileibe genug gibt, hauen sie des Populismusses wegen lieber Meldungen mit ach- so- netten- aber- belanglosen Tiergeschichtchen oder auch schon mal blödsinnigen Aktionen raus- und machen sich dadurch lächerlich. Und stehen sich damit selbst im Weg, wenn sie mal ernsthafte Unterstützung brauchen. Naja, wer eine Kuh, die schon in der Lage ist, einfach nur wegzulaufen, ein schlaues Tier nennt, hat an sich selbst anscheinend nicht all zu hohe Ansprüche.

Da werden auch schon mal  besorgte „Empfehlungen“ zum Prozedere eines Osterfeuers geboten. Dass man den Haufen vor dem Anbeuten nochmal auf links krempeln könnte. Wegen der Untermieter, die dort womöglich eingezogen sind. Und nur unbehandeltes Holz verwenden möchte. Wegen der Umwelt vielleicht. Bitte. Dabei gibt es hierüber längst überall in den Gemeinden Verordnungen , in denen genau dieses sogar vorgeschrieben wird. Und auch gut kontrolliert wird. Fehlt noch die Bitte, keine Kinder ins Feuer zu schubsen. Das ist zwar auch verboten, aber man kann es ja mal wohlwollend supporten.

Liebe peta: Es gibt doch weitaus dramatischere Themen für Pressemeldungen. Zum Beispiel müssen immernoch hunderttausende von Wasserhähnen in engen Waschräumen dahinvegetieren, Laufkatzen werden unter Werkstattdecken aufgehängt und müssen dort Schwerstarbeit verrichten! Und zerrt mir bitte diese schrecklichen Kinder in Tierkostümen aus den Karnevalsumzügen! Tiere gehören nicht in Menschenmassen, auch nicht symbolisch! Weiterhin sollte es mal eine Aktion gegen Hühneraugenhaltung in Polyesthersocken geben, damit die mal wieder etwas frische Luft bekommen. Turnschuhe sollten nicht mehr nach Raubkatzen benannt werden, die unter Artenschutz stehen. Und dass Ferrari auf die Haube seiner Autos einen Gaul nietet, der zudem auch noch über Jahre stehen muss, ist echt ein Skandal. Mir fallen da noch so viele wichtige Themen ein, z.B. die Grausamkeiten der Firma von Herrn Riegel aus Bonn: Massen- Bärenhaltung in Tüten, Katzen werden (symbolisch, natürlich) die Pfötchen abgeschnitten, Schnecken vor dem Essen bei lebendigem Leib auseinander gezogen, und im „Harobi- Zoo“ werden so einige geschützte Tiere nicht artgerecht gehalten. Also, im übertragenen Sinne.

Aber was für Mario recht ist, darf für oben genannte Themen nur billig sein.

Hömma, wer soll euch da eigentlich bei euren anderen, sinnvollen Aktionen noch ernst nehmen, wenn ihr euch zu solchem Cyber- Mumpitz outet? Gehen da eigentlich auch Spenden bei drauf?

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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6 Antworten zu Peta und Super Mario

  1. Micha schreibt:

    jaaaaauuuuul. Das tut echt weh

  2. notizbuchfragmente schreibt:

    Oh, ich hab soooo gelacht … Danke! 😀

  3. vs-geheim-blog-leser schreibt:

    Sehr interessant, dass Wissenschaftler herausgefunden haben, dass Tierquälerei irgendwann auch den Schritt zu Gewalt gegen Menschen bedeuten kann…ist natürlich in dem Spiel, wo Cybersoldaten en masse gemetzelt werden sehr von Belang, dass die Ratte da eine verrohende Wirkung auf das junge MÄNNLICHE (??!!) Zielpublikum haben soll…

    • firefox05c schreibt:

      Dass Gewalt gegen Tiere bei Tätern, die Gewalt gegen Menschen anwenden, oft vorausgegangen ist, stimmt wohl. Das möchte ich auch nicht in Abrede stellen. Nur diesen Umstand ausgerechnet bei „Battlefield“ herauszustellen, grenzt an Ignoranz gegen Menschen.

  4. Zbygnev schreibt:

    People Eating Tasty Animals…
    oder auch:

    Mahlzeit 🙂

  5. Klaus schreibt:

    Ich bin gerade eben durch Zufall auf die Seite gekommen. Gefaellt mir sehr.

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