Feuerwehrschlauch goes Handytasche…

… oder: Wenn Feuerwehrmänner Langeweile haben

Urlaub. Und viel Zeit, mit der ich nicht immer etwas anzufangen wusste. Nachdem ich schon Gürtel aus altem Feuerwehrschlauch gebastelt hatte, dachte ich mir, könnte ich ja auch mal eine Handytasche in Angriff nehmen. Nun ja, der erste Versuch war so armselig, dass es mir nicht einmal ein Foto wert ist…

Also hier die Beschreibung, wie ich das Ding nach dem zweiten, schon besseren Versuch noch ein drittes Mal zusammenschuhsterte:

eine saubere Zeichnung ist unabdingbar

Zunächst ist es bei solchen Projekten enorm wichtig, eine genaue, detaillierte Zeichnung auf Millimeterpapier anzufertigen. Je genauer die Zeichnung, desto ehr fallen einem kommende Probleme ins Auge. Aus einem Stück B- Schlauch schnitt ich mir dann nach der Zeichnung dem Präzisionsplan  den Rohling, der 30cm lang und im unteren Teil 9cm breit war. Nach Zeichnung unterteilte ich den Lappen dann in Vorderteil (unten), Rückseite (mitte, beide Teile je 115mm hoch) und Verschlussklappe. Das Gummi vom Vorderteil habe ich abgerissen, damit das Gewebe mit meiner Hausfrauenglück- Maschine überhaupt zu verarbeiten ist. Nein, es ist kein Versehen, dass das Vorderteil (75mm) auf etwa 8mm die gleiche Breite hat, wie das Gummi- bewehrte Rückenteil(sonst 90mm) ! Später die Erklärung.

Der Rohling mit appem Gummi des Vorderteils und aufgelegtem Lederband.

Ach: Am Beginn der Verschlussklappe habe ich einen etwa 1mm breiten Gummistreifen entfernt. Ich bilde mir ein, dass dann später die Faltkante besser definiert ist.

Nach dem Zuschnitt werden auf den Rohling zunächst die Klettverschlüsse (auf der Verschlussklappen- Rückseite und der Vorderteil- Vorderseite) genäht. Ich habe sie der Einfachheit halber erst mal mit Sekundenkleber befestigt. Spart einem Stecknadeln und Löcher in den Fingern. Beim Aufnähen achtet darauf, dass etwas über den Rand des Klett hinweg genäht wird, damit es später nicht ausreißt.

Die Position für das Klett auf der Vorderseite.

Des weiteren muss der Quatschklotz ja auch später irgendwann wieder aus der Tasche raus. Spätestens, wenn das Handy klingelt. Dafür kommt noch ein etwa 23-25cm langes Band (bei mir ein Lederrest) in das Vorderteil. Ich habe es etwa auf halber Höhe vernäht, damit man das Handy nicht vor Aufregung, dass tatsächlich jemand anruft, mit Schmackes im hohen Bogen auf die Straße befördert, was passieren kann, wenn man den Streifen ganz oben vernäht und später einmal kräftig daran rupft. (Wie bei meinem Prototyp T1… ) So bleibt das Handy auf halber Höhe stecken und kann sicher entnommen werden.

Im Verbandkasten sollte auch eine Anleitung zum Versorgen großer Wunden liegen.

Sind Klett und Band befestigt, kann man die Schlitze für den Gürtel, auf dem die Tasche später mal prangen soll, eingeschnitten werden. Für die meisten Gürtel sollten Schlitze von 40-45mm lang genug sein. Ist beim Schneiden mal die Klinge abgerutscht, muss unbedingt auf sauberes Arbeiten an der Wunde geachtet werden. Vor allem muss das Pflaster so großzügig bemessen sein, dass man später nicht die ganze Tasche vollsaut! Und immer daran denken: Klaffende Wunden sollten genäht werden. Könnt ihr später in einem Abwasch mit der Kettelnaht besorgen.

Finger noch dran? Gut, dann ab zur Nähmaschine. Blut können wir später aufwischen. Bekommt man am Besten mit kaltem Wasser weg.

Hier sauber ketteln. Sieht man später nämlich.

Die Kanten, die später offen liegen, müssen mit einem engen Zickzack- Stich umsäumt werden. Das wäre die Oberkante des Vorderteils, die kurzen Schultern am Bodenstück und die Kante der Verschlussklappe. Das Material franst nicht aus. Macht außerdem beim späteren Vorzeigen einen schlanken Fuß. Die Seiten des Vorderteils habe ich mit einem weiten Zickzack ebenfalls nochmal abgekettelt, um ein späteres Ausreißen zu verhindern. Der Zahn der Zeit wird zeigen, ob es klappt. Oder auseinanderklappt…

Nach dem Ersatz der ersten abgebrochenen Nadel geht es an die Seitennähte:

Drücken, quetschen, schieben. Und nicht die Pfoten unter die Nadel schieben!

Man bringt dann mit viel Geduld, Finger abbrechen und Fummelei die Kanten der Vorder- und Rückseite bündig übereinander, so dass sich das Vorderteil herauswölbt, um diese zusammen zu nähen, wiederum mit Zickzack. Aber nicht einfach platt umfalten! Dass das Vorderteil im Anschluss an das Rückteil die gleiche Breite wie dieses hat, hat den Grund, dass der schmale 8mm- Bereich den Boden der Tasche formt. Daher in diesem Bereich auch diese elende Friemelei: Die Schulter des Vorderteiles muss mit dem Ende des Rückenteiles vernäht werden!

Immer, wenn es gerade so überhaupt nicht passt...

Jetzt müsste irgendwann auch der Unterfaden zu Ende sein. Meistens passiert das dann, wenn man eine schwierige Naht gerade passend unter der Nadel hat. Mist.

Sind die Seiten vernäht, sollte das Ergebnis einer Tasche recht ähnlich sein. Nun das Smartphone rein, etwas drücken und schieben, und das Ding sollte passen. Alles fertig, um beim nächsten Übungsabend zu prahlen! 😉

.

Ich hoffe, Mausi trägt sie mit Stolz. Denn: Ich selbst habe gar kein Smartphone... 😉

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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7 Antworten zu Feuerwehrschlauch goes Handytasche…

  1. . (@tofu_olifani) schreibt:

    Meine E-Mail-Adresse hast Du.
    Melde Dich einfach, wenn meine Tasche fertig ist. Hier die Maße meines Telefones: 59 mm × 107 mm × 14 mm
    😉 😛

  2. Sehr schöner Bericht. Wie lange hast Du gebraucht? Bei den Verletzungen und dem Zeitaufwand wäre unsere Hülle vielleicht sogar günstiger gewesen 😉
    Aber es wäre der Welt ein echt unterhaltsamer Beitrag Deinerseits verloren gegangen 🙂

    Nichts anbrennen lassen…

    Robert von Feuerwear

    • firefox05c schreibt:

      Danke! – Ich habe mich ja nicht wirklich verletzt, habe es nur eingeflochten, weil es FAST passiert wäre! 😉
      Ich habe über zwei Stunden gepfriemelt. Und ob es hält oder am Rand auspliesert, wird sich zeigen.

  3. Frank schreibt:

    Hallo,
    gibt es auch meldertaschen für den Alphapoc 701?

    • firefox05c schreibt:

      Es gibt bestimmt solche Taschen. Allerdings leider nicht bei mir, da meine Haushalts- Nähmaschine dafür nicht geeignet ist. Aber schau mal bei feuerwear nach. 🙂

  4. laura junge schreibt:

    Wie hast du denn den Gummi vom Schlauch gelöst?

    • firefox05c schreibt:

      Der Gummi bleibt dran, ich habe ihn nur an den Stellen abgepuhlt, an denen ein scharfer Knick vonnöten war (z.B. am Knick der Verschlusslasche) . Gerade durch den Gummimanchon werden die genähten Artikel so robust und sind spritzwasserdicht. Das ist aber auch der Grund, warum man eine recht stabile Nähmaschine haben und langsam arbeiten sollte. Ist die Maschine „zu günstig“ verarbeitet, wird das Getriebe es nicht lange mitmachen (Kunststoffteile können brechen), näht man zu schnell, bricht die Nadel schnell ab. Also: Ledernadel einspannen, langsam arbeiten, regelmäßig die Unterfaden- Spulenkapsel von Gummiabrieb reinigen. Und nicht die Kapsel ölen, sonst bleibt alles dran kleben! 😉

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