Verbesserungen im Winterdienst 2012: Räumplan zusammengestrichen, Einsatzzeiten gekürzt

Nach dem Winterchaos 2010/2011, in dem teilweise der komplette ÖPNV eingestellt, Hauptstraßen unpassierbar waren und der Räumdienst einiger Städten an einigen Tagen sogar völlig kapituliert hatte, gelobten viele Kommunen angesichts des Wintersports auf öffentlichen Straßen Besserung. Gehört hat man seit dem – abgesehen von den medienwirksamen Beschwerden einiger Lokalpolitiker direkt nach der Eiszeit – wenig. Und die Städte, die sich dazu herab ließen, dem Bürger auch im weiteren Jahresverlauf denn kundzutun, was die Beratungen zum Thema denn gebracht haben, brachten wenig Konkretes in die Zeitungen.

In den Nebenstraßen wird es demnächst wohl SO aussehen

Zum Beispiel wurden in Essen zur Verbesserung der Leistung in der nächsten Saison die Gebühren um 210% angehoben. Unter anderem sollen damit auch 75% der Mehrausgaben für letzten Winter wettgemacht werden. Ob die Gebühren dann im nächsten Jahr aber dann wieder sinken, wage ich zu bezweifeln. Außerdem wurden 227 Straßen oder Straßenabschnitte aus dem Räumplan gestrichen. Genauer: Im Räumplan A (24h- Räumung) 22,6km, im Plan B (Räumung zw. 6-22.00) 41,2km. Das heißt dann für die Anwohner unter Anderem: Noch mehr Mülltonnen, die nicht abgeholt werden. Und für Feuerwehr und Rettungsdienst: Die Hauptstraßen werden mit Ketten kaputtgefahren, damit wir überhaupt noch in die Nebenstraßen kommen. Nun gut, wenn nach diesem Konzept nach ein paar Jahren der „Verbesserung“ dann nur noch ein paar Straßen übrig bleiben, werden diese bestimmt schneefrei gehalten werden können. Ohne weitere Fahrzeuge umrüsten oder gar neue Autos kaufen zu müssen. Ist doch toll! Allerdings wird man dann diese Straßen trotzdem nicht passieren können: Stau durch die ganzen Räumfahrzeuge, die auf den dann verbliebenen 5 Straßen schieben und streuen wollen…

Auch in Nürnberg hat man die Pläne überarbeitet: Z.B. wurden ausgemusterte Fahrzeuge ersetzt. Ob 1:1, steht in dem von mir gefundenen Artikel aber nicht. Und es wurde im Zuge der „Verbesserungen“ beschlossen, nicht mehr täglich bis 24 Uhr, sondern beispielsweise unter der Woche nur noch bis 22 Uhr zu räumen. Und zwar ab 6 Uhr. Ob die Hauptstraßen dann bis zum Berufsverkehr ab 7.30Uhr auch geräumt sind, kann sich jeder Betroffene selbst ausmalen ( hier nachzulesen). Was daran jetzt besser ist, ob etwa die ehemalige Nachtschicht jetzt zusätzlich für den Tag eingesetzt wird, bleibt unerwähnt. Mir wurde aber vorab schon mitgeteilt, dass bereits im vergangenen Winter die Pökelpanzer in der Stadt der kleinen Würstchen sowieso nach 22.00 kaum bis garnicht mehr gesichtet wurden.

Tja, und die Stadt Duisburg hat zumindest im März 2011 noch rumgetrommelt  , dass es nichts zu verbessern gibt. Der Winterdienst sei „Gold wert“ gewesen. Also, im Vergleich zu ausgewählten Städten, in denen zeitweise eben garnichts mehr ging. Den gegebenen Verhältnissen entsprechend immernoch ein top- Winterdienst, trotz unbefahrbarer Straßen und vieler Stürze. Sagten dieVerantwortlichen. Da sind wohl noch ein paar Klagen von gestürzten Fußgängern nötig.

Na, immerhin ließen viele der verantwortlichen Ämter erwähnen, dass es etwa die doppelte Menge eingelagertes Salz geben soll. Denn die Vorräte waren – durch einige mildere Winter verwöhnt – wohl fast überall sehr knapp berechnet. Kostet ja auch Geld, so Salz einzulagern, und wenn es dann womöglich jahrelang irgendwo in einem Schuppen rumfaulenzt, ist es „totes Kapital“.

Abwarten, was der Winter so bringt...

Hauptsache, die orangen Bomber, die das Zeug ausbringen sollen, sind bis dahin nicht kaputt. Denn wenn so viel Salz gekauft wurde, ist womöglich kein Geld mehr für Ersatz vorhanden. Wobei die Reserve in vielen Betrieben zur Schönung der Bilanzen in den vergangenen Jahren auch schon runtergefahren wurde (wie das geht, kann man an den Berliner S-Bahn – Betrieben sehen, die wohl noch ein paar Jahre brauchen werden, um wieder einen störungsfreien Betrieb aufrecht zu halten, wenn mal ein paar Bahnen ausfallen). Und auch, wenn hier und da das eine oder andere Fahrzeug zusätzlich beschafft wurde, denke ich, dass es immer noch ein würdiges Fotomotiv sein wird, wenn so ein seltenes Exemplar vor der Linse auftaucht. Nicht so wie früher, als die Dinger noch reihenweise durch Straßen donnerten, die weiß vor Salz waren. Früher, als Pfütze noch mit O und ohne P geschrieben wurde…

Das Foto käme dann in den gleichen Ordner wie der Schnappschuss vom Wolperdinger im bayerischen Wald. Also, wenn ich den mal ablichten kann…

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Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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6 Antworten zu Verbesserungen im Winterdienst 2012: Räumplan zusammengestrichen, Einsatzzeiten gekürzt

  1. Ist wohl überall das selbe Bild. Hier bei uns haben sie wohl auch Unmengen an Salz bestellt, dafür aber eins der Räumfahrzeuge weg gekürzt, obwohl sie letztes Jahr eigentlich auch schon zu wenig Fahrzeuge hatten. Da kann man echt gespannt sein. Ist hier auf dem Land eh immer ein Spaß, wenn man mal in die kleineren Örtchen muss.
    Wenn ich da noch an den Nachtdienst letztes Jahr Heiligabend denke. Nichts geräumt, Hilfsfristen und Fahrtzeiten teilweise doppelt, dreimal, viermal so lang, mit maximal 50 über die Autobahn,… ein Traum.

  2. Michaela schreibt:

    Woher kenne ich das? Bei uns wird in diesem Jahr der Winterdienst auf ein minimum reduziert. In der Gemeindeordnung steht nun, dass jeder 1,50 m von der Straße miträumen muss (von 6-22 Uhr). Frage mich wie die Schneehaufen sich dann nicht am Rand der Straße sondern mitten drin so machen. Denn viele haben keine Möglichkeit das Zeug hinters Haus óder in den Garten zu setzen. Es wurde zwar ein neuer Streuer gekauft, wird aber warscheinlich dieses Jahr nicht mehr kommen. Das Salz was gekauft wurde, ist duch zur kleine Lagerflächen in Säcken bei Wind und Wetter draußen gelagert worden. Wie das Salz aussieht, brauchen man sich nicht ausmalen, dass weiß jede Hausfrau die versucht hat etwas Salz aus dem Streuer über einem kochenden Topf zu bekommen. Dazukommt, dass unsere Fahrzeuge aus Geldmangel dieses Jahr ihre alten Reifen um ein weiteres Jahr behalten werden. Ich frage mich auch, was ist wenn wirklich mal die FF oder RTW oder was auch immer gebraucht werden. Bei einem F3 und die Feuerwehr besonders DLK oder T-Mast nicht dahin kommen wo sie gebraucht werden. Besonders bei uns aufm Land wo die ein oder andere Straße eine beachtliche Steigung hat.
    Ich möchte keinem den Teufel an die Wand malen, aber wenn es passiert.. wer trägt dann die Schuld. Die alte Oma von 95 die es nicht rechtzeitig geschafft hat die 50 x 1,5 Meter Straße freizumachen?!
    Na Prost Mahlzeit …

    PS: Bei uns ist die liebe Regierung dran die Feuerschutzsteuer für andere Zwecke zu verwenden… mal sehen wann wir unsere neuen Reifen etc bekommen.

  3. Hightower schreibt:

    „Pfütze noch mit O“….

    Erinnert sich da wer an die Winter seiner Jugend wo die 4. Jahreszeit noch als eben diese durch die Medien ging und nicht als „Schneechaos in Deutschland“ ?
    Gestern Abend fiel mir fast der Draht aus der mütze als da wegen der Chance auf Sturm direkt Sondersendungen auf dem 3. angekündigt wurden. Weiß denn niemand mehr wie man mit den Geschenissen von Mutter Natur umgehen muss ?

  4. notizbuchfragmente schreibt:

    Och komm, die kleinen Nebenstraßen (meine wird auch nicht geräumt), das war letztes Jahr echt »witzig« können die Straße doch prima mit dem Streusalz freitauen, dass es schon im August in den Supermärkten gab! 😉

    Dann können wir zwar die Bäume dort vergessen, aber Natur wird ja ohnehin überbewertet … [/ironie aus]

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