Die Pest mit der Post

Also, manchmal möchte man sich ja ärgern. Wenn man zum Beispiel einen Umschlag der Versicherung mit Vertragsunterlagen aus dem Briefkasten holt, der nicht nur vom Regen durchweicht und verschmutzt ist, sondern auch noch auf einer Seite der Länge nach aufgerissen ist, so dass einem die Unterlagen schon entgegenfallen. Fand ich total klasse. Denn wenn mir die Sachen schon aus dem Umschlag rutschen: Liegt vielleicht ein Teil der Papiere noch beim Postillion im Wägelchen? Oder unter Nachbars Tagetis? Ich musste also die Versicherung anrufen, um zu erfahren, was überhaupt alles verschickt wurde.

Prima Präzisionsarbeit beim Einführen: Immer genau die Kante erwischt...

Auch Zeitungen bekommt unser wenig Sendungsbewusster nicht – oder nur selten- unfallfrei in den Kasten. Die 23cm Breite reichen oftmals wohl nicht für eine beschädigungsfreie Zustellung der 4,50€ teuren Magazine aus. So kann man dann schon mal auf der Titelseite neben den Artikelankündigungen auch einen abgeschabten Rand bewundern oder muss beim Betrachten des Titelbildes gedanklich über einen Riss hüpfen. Manchmal ist die Zeitung auch der Länge nach geknickt, um die Breite zu reduzieren. Da sie dann auch entsprechend stabiler in Längsrichtung wird, kann man sich das Ergebnis beim Vergewaltigen des Briefschlitzes wiederum vorstellen.

Um es dem Postwüstling etwas zu erschweren, die Sendungen demoliert auszuliefern, haben wir an unserem Briefkasten einen Hinweis angebracht, dass sich im unteren Bereich der Haustür, die er auf dem Weg zur „Mailbox 1.0“ passieren muss, ein etwas breiterer und zudem kastenloser Schlitz befindet. Da könnte er sogar ein Snowboard zerstörungsfrei zustellen. Doch so, wie andere beim neuen Klo für die Katze, hatten auch wir das Problem, dass der Gute diesen Schlitz nicht annahm. Als mein Schatzi ihn einmal darauf ansprach, erhielt sie nur die pampige Antwort, dass er für sowas keine Zeit habe. Also, den Schlitz zu benutzen, an dem er erst vorbei muss, um an die Briefkästen zu gelangen. Und im Übrigen sei die Sendung im Kasten, das sollte reichen.

Aufgrund der Beschädigungen an den Sendungen bekomme ich auch den Eindruck, dass er wohl auch ein neurologisches Problem haben könnte: Ab und zu scheinen ihm einige Sendungen wohl einfach aus der Hand in den Straßendreck zu fallen. Zumindest trägt er die Post wohl länger in der Hand mit sich herum, denn auch bei leichtem Regen ist sie häufig durchweicht.

Warum ich gerade jetzt darüber schreibe?

Nun, ich habe kürzlich für meine Mutter ein paar Einladungen gedruckt. Dabei hatte mich der Drucker schon geärgert: Ich bereitete die Einladungen auf dem Laptop vor und ging dann mit dem Ding zum Drucker, der bei uns sein Dasein in irgendeiner unauffälligen Ecke fristet. Angeschlossen, erster Ausdruck Mist, weil ich das Papierformat am Drucker nicht geändert hatte. Nach eineinhalb Ausdrucken im geändertes Format  hielt der Drucker aber plötzlich inne, weil ihm einfiel, dass das Gelb alle sei. Also, schon sehr wichtig, auch, wenn der Druckauftrag einfaches Schwarz erforderte. Und als ich die gelbe Patrone ausgetauscht hatte, meckerte er, weil er die Patrone nicht erkannte. Zudem war jetzt plötzlich wohl die schwarze Tinte auch noch weg. Als ich die Patrone mit Schwarz ausgetauscht  und die andere nochmal heraus- und wieder eingebaut hatte, mäkelte er rum, dass er die Patrone für Gelb immer noch nicht erkannt hat. Kein Wunder: Bei der Tauscherei hatte ich versehentlich die leere schwarze Patrone in den „Gelb“- Schacht gepfriemelt und die neue Patrone mit der gelben Tinte schaute mich vorwurfsvoll aus dem Mülleimer an. Zwischendurch, weil der Drucker ja auch immer eine halbe Ewigkeit braucht, um sich neu auszurichten, maulte jetzt auch noch der Facility- Manager meines Laptops rum, dass er den Rechner gleich runterfahren würde, wenn ich nicht sofort was an der Energiezufuhr drehen würde. Ich hatte aber keine große Lust, jetzt auch noch das Ladegerät in die Druckerecke zu fummeln, also ließ ich es darauf ankommen. Wird schon gut gehen, sind ja bloß noch neun Ausdrucke… Allerdings war der Drucker auch noch nicht ganz zufrieden: Die neuen Patronen waren zwar drin, aber frecherweise hatte ich immer noch keine Originaltinte eingesetzt! Im kleinen Display der Tintenapplikationsapparatur zog jetzt STUNDENLANG eine Nachricht vorüber, an deren Ende ich bestätigen musste, dass ich trotz minderwertiger, garantievernichtender Zubehör- Tintensuppe mit dieser weiterdrucken wollte. Reine Schikane des Herstellers, einen so aufzuhalten! Nachdem also die ACHTUNG-ALARM-EXTREM-GEFÄHRLICHER-WELTUNTERGANG- Meldung mit der Geschwindigkeit einer tektonischen Verschiebung hektisch vorübergerauscht war, konnte ich mein „Handeln in völliger Absicht“ bestätigen- und schon ging es weiter! – Wenn der Laptop- Akku noch durchhielt…

Nun, nachdem ich alles strubbelige wieder gerade gezogen hatte, druckte ich, in der Hoffnung, dass der Akku die letzten Minuten schon noch schaffen würde, bis der Auftrag erledigt war. Es klappte.

Also die Einladungen fein säuberlich in einen C5- Umschlag geschoben, den ich mit Wertscheinen der Postbeförderungsfirma tapezierte: Ich klebte ein paar der Marken drauf, die man am Automaten so bekommt, wenn man das Portogeld nicht passend einwirft. Warum die Post ihre Automaten so einstellt, dass man zum Beispiel bei einem Rest von 45 Cent den Wechselbetrag in 10- und 5- Cent- Marken bekommt, anstatt eine 45ct- Marke (für z.B. eine Warensendung) , ist mir als vermeintlich normal denkenden Menschen nicht ganz zugänglich. Naja, so klebte dann eben eine ganze Latte Zettelchen auf das Kuvert, bis ich eine Zunge aus Leder hatte. Dumm nur, dass ich eine Sendung im C5- Umschlag (Großbrief, 1,45€) nur mit 90 Cent (Kompaktbrief) frankiert hatte. So kam, was kommen musste: Die Sendung kam zurück.

Allerdings in einem etwas anderen Zustand, in dem ich den Brief der Post anvertraut hatte:

Alles getan, um den Brief nicht nochmal verschicken zu können.

Auf den Brief wurde ein Kleber fixiert, der mir mitteilte, welchen Fehler ich gemacht hatte. Im Text stand unter anderem, dass man zum Wiederversenden den Zettel ablösen und am „Post“- Schriftzug abtrennen könnte. Das Dumme daran: Der Experte des Bundessupports für Rechnungen  klebte das Ding so dämlich auf die Versandtasche, dass unter Anderem die Hausnummer unter dem Abschnitt, der pappen bleiben sollte (und aufgrund eines guten Klebers auch blieb!), verschwand. Als pädagogische Maßnahme hatte unser Postillion sich wohl auch nochmal so richtig an dem Umschlag aufgegeilt:

Kincke satt, die rötlichen Flecken gab's gratis. (Format: C5)

Rundherum verknickt, eine Ecke aufgerupft, durchweicht und als Krönung noch ein paar undefinierbare rotbraune Schmierflecken drauf verteilt, bei denen ich hoffte, dass der Briefmann sich beim Produzieren selbiger nicht die Hose öffnen musste.

Auch, wenn ich jetzt beim Frankieren einen Fehler gemacht hatte, hätte ich es völlig ausreichend gefunden, den Aufkleber vielleicht etwas günstiger zu plazieren und sich die Sonderbehandlung des Stückes zu verkneifen. Eine Frechheit. Die Einladungen im Umschlag hatten aufgrund der Durchnässung natürlich auch ihr Äußeres etwas verändert, so dass ich 5 der 10 Zettel nochmals drucken musste.

Zudem habe ich mich womöglich noch strafbar gemacht, als ich die Marken des ramponierten Umschlages ausschnitt, um sie auf einen neuen zu kleben (Mehrfachverwendung?), denn der gelbe Abschnitt des bemängelten Briefes blieb ja auf dem alten Kuvert. Wenigstens waren sie noch nicht gestempelt. Und falls bei meinen Eltern ein ähnlich motivierter Beutelträger unterwegs sein sollte, habe ich die Einladungen dieses mal in einer Plastiktüte versteckt, bevor ich den neuen Umschlag damit beglückte. Es regnete schließlich noch.

Abschließend habe ich noch eine nette Mail an die Post geschrieben, inklusive Links in meinen Online- Speicher, damit auch sie die Fotos des verletzten Umschlages sehen können. Und in Zukunft werde ich wohl mal ein paar Bildchen sammeln. Vielleicht kann man der Post ja mal irgendwann nochmal einen netten Prospekt zur Beförderungsqualität ihres äußerst motivierten Kollegen anfertigen. Oder ich stecke mal meine Schlange in den Briefkasten, bevor der Star- Austräger kommt. Vielleicht ist er dann ja vorsichtiger, wenn er das nächste Mal an der Klappe fingert („Vorsicht! Zzzzzzz! Hier wohnt noch jemand!“).

Advertisements

Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
Dieser Beitrag wurde unter Privat abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Antworten zu Die Pest mit der Post

  1. Simon schreibt:

    Tja…das steht und fällt mit dem Zusteller. Ich würde mich einfach beschweren, und das regelmäßig. Vielleicht zeigt das dann mal Wirkung. Eins darf er nämlich definitiv nicht: die Sendungen knicken oder falten. Und da gehören auch Zeitschriften zu…

  2. notizbuchfragmente schreibt:

    Wenn einem an langen Abenden im Freundeskreis die Gesprächsthemen ausgehen, dann kann man ja als letzte Verzweiflungstat die Stichworte »Unser Briefträger«, »Die Post«, etc. in die Runde werfen. Mit Glück (und geeigneten Temperamenten dabei) hat man dann für gute anderthalb Stunden Gesprächsstoff … :mrgreen:

    Ich kann nur sagen: Mein Postbote ist sehr nett, der geht pfleglich mit meiner Post um (auch mit Magazinen), und ich hab keine Probleme.

    Aber meine Eltern kennen sowas natürlich auch: Da wird der (zugegebenermaßen kleine) Briefkasten wird völlig überfüttert und es wird nicht darauf geachtet, dass möglichst wenig verknickt … Highlight war ein Briefträger (oder Briefträgerin, ich weiß das gar nicht mehr), der es oft erst abends gegen sechs oder halb sieben(!) in unsere Straße schaffte. Als dann für eine Woche ne Vertretung da war, gings auf einmal doch schon um zwei … 😉

    Beschwerde war auf jeden Fall angebracht, vielleicht ändert sich ja was.

    Btw – der Briefträger bei Freunden liest gerne Postkarten. 😉 Wobei die ja auch nicht dem Briefgeheimnis unterliegen.

  3. Wolfram schreibt:

    Meine Eltern hatten mal einen Zusteller, der nicht ihrer Religionsgemeinschaft angehörte. Ich will mal nur so sagen, als Briefträger war er da eigentlich gut aufgehoben, weil von Tür zu Tür gehen ihm dann ja nicht fremd ist.
    Der hat ständig mit Kugelschreiber auf den Briefumschlägen so komische Haken markiert, die dann oft genug den Umschlag beschädigten und auf dem Inhalt rumgemalt waren. Und Post falsch zugestellt – die Krönung war mal Gerichtspost mit Niederlegungsurkunde für meine Oma, Hausnummer 11, die er in Abwesenheit in Hausnummer 6 „zugestellt“ hat. Soll heißen, Niederlegungsurkunde ausgefüllt, und das Dokument darf man sich gegen Personalausweisvorlage persönlich abholen – oder mit unterschriebener Vollmacht. Oma war nicht mehr reisefähig und konnte nicht mehr schreiben, das Dokument also unzugänglich. Hat ziemlichen Ärger gemacht, da dranzukommen – aber auch Wind im Zustelldienst. Seitdem haben meine Eltern jedenfalls die Durchwahl zum Leiter des Zustelldienstes.

  4. Hehe, hab auch schon mal eine Beschwerde an die Post geschrieben, weil zum einen der Briefkasten (mit Öffnung nach oben) mehrfach offen gelassen wurde, weil man zu faul, untalentiert oder unmotiviert war, die Post richtig herein zu schieben und der Starkregen dann sein übriges tat, aus den Sendungen überwiegend Papiermüll zu fabrizieren und die Paketpost auch mal gerne einfach so vor die Haustür gestellt wurde.
    Das hatte dann zur Folge, dass ein paar Tage später der Haupt-Briefträger stinkewütend vor der Tür stand und seinem Unmut Luft machte. Er könnte ja nix für seine Kollegen und schon gar nicht für die Paketpost,… Seitdem klappt es aber komischerweise auch normalerweise.

    Es gibt aber auch positive Beispiele. Ich wohne ziemlich ländlich und die DHL-Paketpost kommt meist mit dem „normalen“ Briefträger. Nun gibt es hier eine Briefträgerin, die mir meine Pakete unaufgefordert auf die Wache bringt, wenn ich nicht zuhause bin. Sehr nett eigentlich, auch wenn ich nicht immer auf der Wache bin, wenn ich nicht zuhause bin 🙂

    • firefox05c schreibt:

      Ich wollte ja auch keinesfalls behaupten, dass das ein generelles Problem ist. Ich denke, es ist klar geworden, dass ich den einen bestimmten Träger meine. Ich gehe mal davon aus, dass er zur Minderheit gehört.

  5. Nobelix schreibt:

    Ob nun Post, Paketdienste, andere Postdienst-Mitbewerber oder Telefon- und andere Gesellschaften – irgendwo hakt es eigentlich immer. Manchmal habe ich das Gefühl, dass der Sinn und Zweck von Dienstleistern nicht so wirklich verstanden wird.
    Sicher, wir sind alles nur Menschen – und auch wir haben mal nen schlechten Tag – aber manchmal habe ich das Gefühl, dass die „Servicewüste“ wächst…

    • firefox05c schreibt:

      Ich habe da ehr den Eindruck, dass in einigen Bereichen der Kundendruck so groß wird (mehr Möglichkeiten der Kunden, zu Mitbewerbern abzuwandern, auch, wenn es dort nicht besser ist), dass sich viele Unternehmen wieder etwas mehr um ihre Kunden kümmern. Andere hingegen haben es noch nicht ganz begriffen, da hast du schon recht. Jetzt ist der Bürger gefragt, den Unternehmen auch regelmäßig Feedback in Form von konstruktiver Kritik zu geben.
      Auch in meinem Fall möchte ich keinesfalls behaupten, dass es sich um ein grundsätzliches Problem aller Zusteller handelt, daher begann meine Beschwerdemail auch mit den Worten: „Ich habe ein Problem mit unserem Zusteller“. Jetzt warte ich seit Samstag darauf, dass die 24 Stunden, in denen die Post eine Antwort verspricht, verstreichen. 😉 (Nun gut, war Wochenende…)
      Als ich mir bezüglich DHL über Twitter mal Luft gemacht hatte, wurde ich übrigens auf Twitter von denen angesprochen. Nachdem ich der DHL meine Telefonnummer gegeben hatte, hat der Sachbearbeiter in den Folgetagen 3 Mal bei mir angerufen, um mir den Stand der Bearbeitung mitzuteilen. Das fand ich schon sehr engagiert.

  6. ich schreibt:

    auf Mail hat die Post bei mir nie reagiert. Lesen die keine?
    Telefonische Beschwerden wurden eigentlich sehr schnell abgestellt.

    • firefox05c schreibt:

      Die Post hat mir heute eine Mail geschickt, dass die Beschwerde weiter geleitet wurde. Ob nochmal was kommt, weiß ich noch nicht. Mal abwarten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s