Brrritzzz!

Bei der Feuerwehr heult heute nur noch selten ein Teller auf einem Hausdach, wenn sie gebraucht wird. Meistens haben die Mitglieder einen sogenannten „DME“, einen digitalen Meldeempfänger, der auf wundersame Weise immer weiß, wann Hilfe gebraucht wird, und dann piepst.

Bei unserer Feuerwehr wurden vor einiger Zeit die teuren Modelle von Motorola gegen billigere ausgetauscht. Den Namen möchte ich hier jetzt nicht nennen, da dieser Artikel nicht unbedingt eine Reklame dafür ist. Nur so viel: Der Firmenname klingt nach einem europäischen Chef, das Modell könnte man mit „Gott der Schuldner“ umschreiben…

Dieses Modell nun ist zwar etwa 1/3 billiger als die „Markenpiepser“, aber das hat auch seinen Grund: Zunächst einmal fällt auf, dass die Modelle etwas klobiger sind. Wäre noch nicht so schlimm. Aber eine Menge der Meldungen kommen nur als verstümmelte Hieroglyphen an, was darauf schließen lässt, dass die „Empfangs- Leistung“ bei diesen Dingern nicht so hoch ist. Bei den Motorola- DME hatten wir nicht halb so viele unbrauchbare Meldungen. In einigen Fällen piepsten die Klötzchen auch garnicht, so dass man froh sein konnte, meistens eine 2., parallele Alarmierung mitzubekommen: Der Drucker rotzt sein Alarmschreiben raus, auf der Wache geht das Licht an und der Gong ertönt, der Kollege mit einem weiteren Piepser steht daneben und gibt plötzlich merkwürdige Geräusche von sich, oder man wird über Funk angesprochen. Bis jetzt ging es wohl immer irgendwie gut.

Das nächste ist das Akkumanagement durch das Ding: Einige Geräte beklagen sich ständig über angeblich leere Akkus, obwohl a) sie, b) das Ladegerät, c) der Akku und d) das Netzgerät bereits ausgetauscht wurden. Ziemlich nervig.

Die Krönung ist aber die Betriebssicherheit:

Ich steckte zu Hause das Netzgerät von Mausi’s DME nichtsahnend in die Steckdose, um den Klingelkasten (mal wieder) zu laden: „Brrtzzz! Puff!“ – Ein Funken aus dem Kasten, Bude dunkel. Der arme Hugo hat vor Schreck fast wie eine Lakritzschnecke zusammengekringelt in seiner Schmuckdose gesessen! Am Sicherungskasten stellte ich fest, dass nicht nur die Sicherung, sondern auch der FI- Schalter ausgeschaltet waren. Na toll! Mit einem noch vorhandenen (gerätefremden) Netzgerät habe ich dann ausprobiert, ob das Ladegerät noch funktioniert: Glück gehabt. Anscheinend ist das Netzgerät alleine über den Jordan gegangen. „Das ist einem Kollegen bei uns auch schon passiert! Und der kennt einen, dem es auch schon weggeknallt ist!“ , erzählte mein Schatz (die ja auch bei der FF ist). Naja, wer weiß, ob das alles richtig ist, oder nur das Berühmte „Hören-Sagen“.

Am nächsten Tag auf der Hauptwache stand also ein Besuch in der Funkwerkstatt an, die auch für die DME zuständig ist. Ich malte mir schon aus, dass es wie üblich erst einmal bezweifelt wurde, dass das Gerät überhaupt wirklich kaputt ist („…kann ja garnicht sein.“), der Defekt anschließend auf einen Bedienfehler geschoben wird („Was hast du denn damit schon wieder gemacht?“ – „In die Steckdose gesteckt.“ – „Na klar, davon soll das also durchgebrannt sein??“) , um dann unter Stöhnen und „Wattat allet kostet!“– Gejammer irgendwo von ganz hinten ein Ersatzgerät hervor zu kramen, welches dann mit den Ermahnungen, ja vorsichtig damit umzugehen, keinen Blödsinn „mehr“ damit zu machen und der Androhung, das nächste Mal eine Verlustmeldung an den Schichtführer schicken zu müssen, übergeben wird. Wie üblich, also. Unter Umständen gibt es dann noch den Auftrag, sowas wie ein Protokoll darüber anzufertigen, um der Ursache auf den Grund zu gehen.

Aber nichts dergleichen: Ich kam rein und legte das Netzgerät auf den Thresen: „Das Ding ist weggebritzelt. Gestern Abend.“ Doch die erwartete Prozedur kam nicht. Statt dessen schauten mich die beiden Funkfutzies an, der eine fragte nur: „Und die Ladeschale?“ – „Die ist in Ordnung. Die hab ich mit einem anderen Gerät (ich verschwieg mit Absicht, dass es keines für diese Ladeschale war) ausprobiert, die geht noch.“ – „Na gut. Welche Wache?“ Er lief nicht nach ganz hinten. Er schüttete keine Oberlehrer- Tiraden über mich aus, ob ich zu blöd sei, einen Stecker in eine Dose zu stecken. Er stöhnte auch nicht, dass das ja garnicht sein könnte. Er griff nur gelangweilt unter den Thresen, legte ein neues Netzgerät hin und nahm das alte wortlos an sich.

Ich hätte ja zumindest erwartet, dass die Funker darüber erstaunt sind, dass das Gerät einfach so durchbrennt. Ist ja auch schließlich eine Brandgefahr. Und hunderte freiwilliger Feuerwehrleute haben bei uns so ein Ding neben dem Bett stehen! Aus dem Desinteresse und der Tatsache, dass die Ersatzgeräte schon vorne griffbereit unter dem Thresen liegen, schloss ich aber, dass das Problem tatsächlich so oft aufgetreten war, dass sich schon keiner mehr darüber wunderte!

Vielleicht besser als Bundle verkaufen?

Ich meine, es kann doch nicht sein, dass ein Gerät, welches dazu da ist, bei Bränden Hilfe zu holen, anscheinend überdurchschnittlich oft selbst zur Brandgefahr wird. Hallo? Das Ding steht nicht nur auf einer Wache, das steht auch bei mir zu Hause? Und wer bezahlt dann womögliche Schäden durch Brand/ Kurzschluss/ Sonstwas? Man schläft ja auch mit seiner Familie daneben! Und die Feuerwehrleute, die so ein Ding zugeteilt bekommen, können nicht einmal selbst entscheiden, ob sie lieber ein anderes Gerät haben möchten: Sie müssen mit dem vorlieb nehmen, welches beschafft wird. Alles andere ist illegal. Und da diese Dinger auch des öfteren Probleme mit dem Ladezustand haben, kann man nicht einmal sagen: „Dann lade es doch am Tag ein paar Stunden, und du hast drei Tage Ruhe.“  Bei dem alten Modell ging das ja, es war nach 2-3 Stunden vollständig geladen. Die neuen DME brauchen da wesentlich länger. Der Melder meiner Liebsten wurde auch bereits drei mal getauscht, und wir sind froh, jetzt endlich zumindest einen zu haben, der wenigstens schon mal 4-6 Stunden nicht nach Ladestrom ruft. Die Auswahl an Ersatzmeldern war in der Funkwerkstatt auch nicht besonders groß, da fast alle Reservegeräte bereits zu Reparaturen eingeschickt waren!

Mittlerweile wurden für den Rettungsdienst schon wieder einige der Motorola- Geräte ausgegeben. Die sind wenigstens zuverlässiger als die „günstigeren“. „Günstiger“ hier mal mit Absicht in Anführungsstrichen, denn wenn man die halbe Melderanzahl zusätzlich als Reservegeräte kaufen muss, hat sich der Preisvorteil wieder relativiert. Ganz zu schweigen vom ganzen Ärger. Und dem etwas unruhigen Gefühl, wenn man nachts im Bett liegt. Ich denke mal, es wird noch eine Weile dauern, aber dann gibt es wieder ein anderes DME- Modell. Denn wie heißt es so schön:

„Wer billig kauft, kauft zwei mal.“

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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18 Antworten zu Brrritzzz!

  1. . (@tofu_olifani) schreibt:

    Ich kenne nur die Motorola und wusste gar nicht, dass hier auch andere im Umlauf sind. Wirbt die Feuerwehr doch sogar damit, mit so „hochwertigen“ Meldern zu arbeiten…

  2. oschwab schreibt:

    Ich mein ja, es ist zwar ehrenwert, dass Du den Firmennamen rauslässt, aber die Negativwerbung sollte schon genannt werden. Wenn ich so ein Trumm hätte, das spinnt, würde ich ja nach „Firmenname“+“Probleme“ suchen und dann hoffentlich auf diesen Artikel stoßen.
    Ausserdem hab ich ja die Hoffnung nicht aufgegeben, dass auch solche Firmen nach sich selbst im Internet googlen und dann auch dieses Feedback aufgreifen. Kost ja alles Geld, das die Kommunen nicht in Hülle und Fülle haben.
    Was gut ist, darf genannt werden, was schlecht ist MUSS genannt werden. Schon der Abschreckung, Warnung und Vorsicht anderen gegenüber.

    • firefox05c schreibt:

      Ich kenne mich aber leider nicht im Markenrecht aus, dessen „Durchsetzung“ im Netz in letzter Zeit echt unglaubliche Blüten treibt. Und die Namen sind geschützt. Da habe ich einfach Bedenken, dass mir – weil ich etwas unliebsames schreibe- ein Anwalt eine kostenpflichtige Abmahnung schreibt. Da käme ich bei der momentanen Rechtsprechung wohl nicht gegen an. (und wenn man sich die Genehmigung zur Herausgabe meiner Daten über das Gericht in Köln holt, sind kaum Widerstände zu erwarten. Das Gericht dort ist dafür bekannt, „pauschal“ mal eben die Genehmigung zur Einholung von ein paar Tausend IP- Datensätzen zwecks Abmahnung zu genehmigen!)

      • oschwab schreibt:

        Verstehe Dich gut. Aber wenn Du mit einer Marke besonders zufrieden wärst, würdest Du es doch auch schreiben. Marken sollten sich über Feedback – ob positiv oder negativ – freuen.
        Markenrechtlich bedenklich wäre, wenn Du einen markenrechtlich geschützten Begriff zu Eigen machen würdest, also deinen Blog unter der URL „Maggi.de“ betreiben würdest oder ein gefälschtes Produkt unter einer anderen (echten) Marke vertreiben würdest:
        Wenn Du aber ein Feedback zu einem teuer erworbenen Produkt machst und dabei Schwächen und Fehler aufzeigst, hilfst Du nicht nur anderen Benutzern, sondern auch der Firma, die dadurch die Schwächen und Fehler beheben könnte.

      • firefox05c schreibt:

        Da ich kein Geld für einen Anwalt verwenden möchte, um gegen Abmahnungen (ob zulässig oder nicht) wegen der Verwendung markengeschützter Begriffe belangt zu werden, weil es der Firma nicht passt, was über sie geschrieben wird, muss die Umschreibung reichen. Wer die großen Firmen, die DMEs vertreiben, kennt, weiß, von welcher ich schreibe, da es nur eine Hand voll gibt. Im Übrigen denke ich, dass die Firma nicht auf mein Feedback angewiesen ist, wenn sich vermutlich hunderter Garantiefälle auf dem eigenen Schreibtisch befinden. Dieser Fehler ist nämlich selst in unserer Feuerwehr, die ja nur ein Kunde unter vielen ist, kein Einzelfall: Mittlerweile sind so viele Geräte in Reparatur, dass wir keine Ersatzgeräte mehr haben.

  3. Die beschrieben Problem finden sich zu 100ten in entsprechenden Foren/internetbeiträgen … leider haben die DME dieses Herstellers eine gültige Zulassung nach TR-BOS und sind billig, was anderes interessiert doch nicht die „Beschaffer“ .. LEIDER
    Unsere Stadt hat zum Glück Abstand von einer Beschaffung dieser Mistdinger genommen …

    • Ulrich Wolf schreibt:

      Der DME sollte schon eine TR-BOS Zulassung haben, aber das hat ja erst mal nichts mit dem Ladegerät zu tun.
      Und so, wie hier beschrieben, ist wohl das Ladegerät der „Übeltäter“. Dieses Teil braucht, um überhaupt in Verkehr gebracht werden zu dürfen, eine CE-Zulassung (http://de.wikipedia.org/wiki/CE-Kennzeichnung). Damit verpflichtet sich der Hersteller, alle geltenden Regeln / Bestimmungen einzuhalten. Im Rahmen der gesetzlichen Gewährleitung und Produkthaftung sollte es möglich sein, solche Defekte zu reklamieren und einwandfreie Ware zu bekommen.

      • firefox05c schreibt:

        Ja gut, die Dinger werden ja auch eingeschickt. Aber auch der Service dieser Firma nimmt es wohl nicht so genau: Angeblich sind schon einige der eingeschickten DMEs als „repariert“ zurückgekommen, ohne, dass ein reklamierter Mangel behoben wurde.

      • Der Post bezog sich mehr auf die angesprochenen Empfangs/Auslöse/Darstellungsprobleme, weniger auf die mit dem Lader. Aber allein die Geschichte mit dem Ladegerät halte ich für ein Armutszeugnis, denn wenn man es da nicht mal hinbekommt, das die Qualität stimmt …

  4. T K (@Sueder80) schreibt:

    Ich glaube den Namen des Geräteherstellers kann ja jeder der sich mit der Materie beschäftigt erahnen.
    Das Problem ist wohl eher das die Hauptnutzer der Geräte ja keine Wahl haben was sie da an ihrem Gürtel hängen.

    Einer Kundin von mir ist übrigens ein Ladegerät für ihr Handy mit der Frucht drauf durchgebrannt mit ähnlichen Ergebnis:
    Auslösung der Sicherungen und durchbrennen der Glühlampen.

  5. jo schreibt:

    Habt ihr Expressalarm?

  6. jo schreibt:

    sry
    http://www.swissphone.com/de/solution/alarmierungsnetze-de-2/express-alarm-de/
    vermutlich nicht da ihr früher ja motorolla hattet

    • firefox05c schreibt:

      Kann ich dir nicht genau sagen. Aber eine Alarmmeldung für 10 RIC (2 Züge + Führung) braucht auch nur etwa 7-10 Sekunden, bis sie von einer Station gesendet wurde.

  7. Michi schreibt:

    Um hier keine direkte Werbung zu machen, aber leider mitteilen zu müssen, dass wenn mein Gehirn wieder zu 100 % arbeitet, wir die selben Melder bekommen werden, wie deine Gattin:
    http://url9.de/ieJ
    Denn bei uns in Rlp ist das irgendwie Vertragssache. Entweder du holst die vom Land mitfinanzierten, oder du bezahlst als Feuerwehr/Komune alles selbst. Und das in Zeiten leerer Kassen :-/

    • ML schreibt:

      Seit wann hat das Land RLP einen Rahmenvertrag für DMEs? Zur Zeit ist ja erst die Ausschreibung für das landesweite POCSAG-Netz raus. Kann das sein das du das mit der derzeit laufenden Beschaffung für die TETRA-Geräte verwechselst? Da gibt es in der Tat einen Rahmenvertrag.
      Ansonsten ist die Alarmierung zur Zeit noch Sache der Kommunen bzw. der Landkreise.

  8. Bernd schreibt:

    Die verstümmelten Hieroglyphen kann ich nicht verstehen. Ich habe leider auf die Schnelle die genauen Details zur Übertragungstechnik nicht gefunden, aber ich würde davon ausgehen, dass fehlerkorrigierende Codes und eine Integritätsprüfung vorhanden sind, um Fehler zu erkennen und falls möglich zu korrigieren.

    Dass das Netzteil den FI wirft, ist auch interessant… Wo der Fehlerstrom entstanden ist, würde mich mal interessieren.

    Könnte man nicht einmal irgendetwas mit „gerade noch“ harmlosen Folgen provozieren, um diesem Schrott die Zulassung zu entziehen oder sie wenigstens bei euch aus dem Verkehr zu ziehen? So eine fehlgeschlagene Alarmierung oder ein angekokelter Nachttisch machen sich sicher wunderbar…

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